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Wir wollen immer wieder aus der Liebe unseres Hirten schöpfen

Ein dramatischer Augenzeugenbericht aus der alten Kirche besagt, dass Christen sogar in Zeiten der Verfolgung füreinander sorgten – sie kümmerten sich um Arme in der Gemeinde, um Waisen, um Witwen, um Senioren, um Notleidende. Das fiel in der Gesellschaft so auf, dass man verwundert sagte: „Seht, wie haben sie einander so lieb!“ Die Christen waren bekannt für die Liebe, die sie sich gegenseitig erwiesen; diese Liebe übte eine Anziehungskraft auf Außenstehende aus.

So sagt es der Herr Jesus Christus: Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. (Joh 13,35) Die Liebe also ist eins der sichtbaren Kennzeichen einer christlichen Gemeinde, die von Jesus zeugen.

Wie sieht solche Liebe aus? Am besten richten wir uns nach dem Vorbild des guten Hirten selbst. Seine Liebe treibt ihn dazu, sein Leben für seine Schafe zu lassen. Diese Liebe wirkt sich auf uns aus. Wir werden ihm ähnlich. Ohne unseren Hirten wären wir in der Gemeinde nichts als Rivalen, würden um unsere Ehre und unser Wohlsein ständig aneinandergeraten. Ohne Jesus wären wir einsame Kämpfer, die für sich selbst sorgen zu müssen meinen. Aber die sein-Leben-lassende Liebe Jesu wirkt in uns. Sie macht uns ihm ähnlich. Wir werden wie er. Daran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. (1 Joh 3,16) Das bedeutet z.B., uns selbst und unsere Gemütlichkeit für andere aufzuopfern. Die Liebe fließt von Gottes Barmherzigkeit zu uns, die wir mit Jesus durch die Taufe eins geworden sind, und durch uns zu anderen – in der Vergebung, die wir ihnen erweisen, in Wohltätigkeit, Geduld, Güte und Freundlichkeit. Die Schafe sehen den guten Hirten im Leben der anderen Schafe abgebildet.

Luther sagte mal, wir sind einander wie kleine Christusse in all den kleinen Arten und Weisen, in denen wir einander dienen. Respekt Älteren gegenüber; Dienst in verschiedenen Gemeindegremien; Hilfe, die man einer Mutter erweist, die vom Schlafmangel überfordert wird; beim Unterricht oder in der Jugendarbeit mitzuhelfen; Alte und Kranke zu besuchen. Es gibt unzählige Weisen, andere zu lieben wie Jesus, der sein Leben für uns lässt. Jesus rechnet sie alle hoch an als Liebesdienste, die wir ihm persönlich erweisen: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Mt 25,40)

Wir wollen immer wieder aus der Liebe unseres Hirten schöpfen, damit wir sie anderen weitergeben können. Wie schön, wenn Außenstehende verwundert auf unsere Gemeinde schauen und sagen: „Seht, wie haben sie einander so lieb!“

Euer Pastor Böhmer