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Geistlicher Gedanke zu Advent Lk 2, 1-7

1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. 4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, 5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Nach den Wahlen ist die Politik derzeit in aller Munde. Das heißt, bis wir in die Kirche gehen. Denn wir mögen es eigentlich nicht, diese beiden Dinge miteinander zu verbinden: Politik und Religion. Nein, Kirche und Staat müssen schön getrennt bleiben, ohne sich jemals zu berühren. Aber wir sollten nie vergessen, dass Gott der Herrscher über diese Welt ist, der Herrscher über die Kirche und der Herrscher über den Staat. Es gibt keinen Einflussbereich, den Gott nicht beherrscht. Und wir können das sehr deutlich am Anfang der Weihnachtsgeschichte des Lukas sehen. Der Bibeltext, den wir hier in Lukas 2 haben, ist nicht nur irgendein Text, sondern er ist eine politische Aussage mit einer starken Botschaft.

Lukas 1 macht deutlich, dass Jesu Geburt geschieht, während Herodes in Judäa regiert, und Lukas 2 zeigt darüber hinaus, dass all dies geschieht, während Augustus Kaiser des Römischen Reiches ist. Dies sind die Herrscher Israels. Diese sind nicht die von Gott Gesalbten, sondern fremde Herrscher.

Aber warum wurde Israel von einer fremden Macht regiert? Hatte Gott versagt? Wir wissen, dass dies nicht der Fall ist; vielmehr war Israel, das auserwählte Volk Gottes, Gott so oft untreu gewesen, dass es in die Gefangenschaft geschickt wurde. Und selbst als sie in ihr verheißenes Land zurückkehrten, standen die Israeliten wegen der Folgen ihrer Sünden immer noch unter Fremdherrschaft.

In dieser Situation, während der Herrschaft fremder Mächte, wird also der Christus angekündigt. Dieser Text, der von der Geburt des Erlösers erzählt, hätte für ganz Israel eine gute Nachricht sein müssen, die große Freude auslöst. Und es scheint, dass dies der Fall ist. Wenn man weiter liest, erfährt man, wie das Christuskind von Engeln angenommen und gefeiert wird, die Eltern, die Hirten und sogar alle, die es hörten, wunderten sich über das, was die Hirten ihnen erzählten. Es sei angemerkt, dass „wundern“ in diesem Fall nicht im Sinne von Verwirrung, sondern eher im Sinne von Staunen zu verstehen ist. Dieser Text ist in erster Linie eine politische Botschaft für die Israeliten.

Aber irgendetwas scheint in dieser Geschichte nicht zu stimmen: Auf der einen Seite haben wir diese großen und mächtigen irdischen Führer, auf der anderen Seite dieses kleine Baby. Dieser scheinbar große Retter wurde zuerst von stinkenden – und sie waren stinkend – Hirten besucht. Dieser angebliche König der Könige wurde in einer Krippe geboren. Das scheint nicht die Art von Erlösung zu sein, auf die die Israeliten gewartet haben. Wo ist der mächtige König, der sein Land zurückerobern und sein auserwähltes Volk von der Unterdrückung befreien wird? Es ist daher fast verständlich, dass die Israeliten von Jesus enttäuscht waren. Leider aber so enttäuscht, dass sie ihn ablehnten, ihn ablehnten und töteten. Aber damit lehnten sie auch Gottes Rettung für sie ab.

Was hat das nun mit uns Christen Heute zu tun? Nun, wir wissen, dass diese Ablehnung nicht endgültig war. Nein. Gott hat Jesus von den Toten auferweckt, um der Welt zu zeigen. Das ist derjenige, dieser Jesus ist mein Sohn, der gekommen ist, um euch alle zu mir zurückzubringen. Jesus brachte ein völlig neues Reich, und das zeigt sich darin, dass er im krassen Gegensatz zu den irdischen Mächten steht. Jesus wird in einer Krippe geboren, und die ersten Menschen, die Gott selbst, der auf die Erde kommt, die Ehre erweisen, sind die Hirten. Jesus zeigt uns, dass es sein Reich ist, das er bringt, nicht eines, das wir wollen, sondern eines, das wir brauchen würden.

Aber wieder fragen Sie, was hat es mit mir zu tun, dass der Gott Israels gekommen ist, um sein Volk zu retten. Dieser Gott Israels ist nicht nur ein kleiner Gott irgendeines Hinterwäldlerstaates. Dieser Gott ist der Gott der ganzen Erde. Er ist es, der am Anfang den Himmel und die Erde geschaffen hat. Er ist es, der durch Abraham beschlossen hat, alle Völker zu segnen.

Diese Verheißung Gottes wird hier bei Lukas erfüllt. Vor der Geburt Jesu singt Zacharias ein Loblied, das an diese Verheißung Abrahams erinnert. Und wiederum singt Simon in Lukas 2, dass Jesus ein Licht ist, um die Heiden zu erleuchten und zum Preis deines Volkes Israel. (Lk. 2:32). Durch Jesus ist es uns möglich, wieder Teil von Gottes Volk zu sein. Dieser Abschnitt ist Teil der Eröffnung des Berichts über die Erfüllung der Verheißungen, die Gott Israel gegeben hat, um es von seinen Feinden zu erlösen und seine Herrschaft über alle Dinge zu errichten. Und wir sind jetzt ein Teil Israels.

Auch wenn es manchmal sinnvoll sein mag, Kirche und Staat zu trennen, sollten wir nie vergessen, dass wir als Kirche Teil des schönsten Staates sind, nämlich des Reiches Gottes.

Amen.