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Das mühsam verdiente Weihnachtsfest

Weihnachten ist eine sehr besinnliche Zeit im Jahr.

Die meisten von uns kommen als Familien zusammen; dankbar genießen wir die gemeinsame Zeit. Ein reichlich gedeckter Tisch mit vielen Köstlichkeiten und ein festlich geschmückter Baum sind für uns meistens auch dabei. Aber ist diese Selbstverständlichkeit auch überall in Afrika selbstverständlich?  Fabula lebt in Uganda und erzählt uns, wie sie zu Hause Weihnachten verbringt. Es ist eine Weihnachtsgeschichte der besonderen Art, die uns zum Nachdenken anregen soll.

Fabula ist 9 Jahre alt. Er erzählt, wie er die Weihnachtszeit erlebte als er noch im Dorf bei seiner Großmutter wohnte:

„Als wir von unserer Großmutter hörten, dass Weihnachten vor der Türe stehe, liefen wir alle durch das Dorf, um die Leute zu fragen, ob sie für uns Gartenarbeit hätten. Meistens mussten wir dann Felder bearbeiten, einsammeln was noch so herumlag, dürres Gewächs verbrennen, anschließend den Boden umgraben und hacken, damit das Land für die nächste Pflanzung bereit war.


Ein tröstliches Geschenk

Es gab aber Jahre, in denen wir keine Arbeitsaufträge und somit auch kein Geld bekamen, um uns ein schönes Weihnachtsfest mit Reis, Fleisch und neuen Kleidern zu leisten. Vor allem wir Kinder mussten dann häufig weinen, da wir wussten, was das bedeutete. Unsere Großmutter tröstete uns oft und sagte, dass sie für uns auch ein Weihnachtsgeschenk habe. Was sie uns schenkte waren unsere alten Strohhüte, die sie mit Kuhmist neu beschmiert hatte. Auch wenn wir dieses Geschenk nicht wirklich gerne in Empfang nahmen, stand der Gedanke unserer Großmutter, uns etwas ‚Neues‘ zu Weihnachten zu schenken, im Vordergrund.

Da wir nicht viel Geld hatten, gab es bei uns selten Reis und Bohnen. Aber an Weihnachten leisteten wir uns dieses köstliche Essen. So gab es einige Tage vor dem Weihnachtsfest eine gemeinsame Arbeit: wir mussten Reis und Bohnen von Steinen säubern. Beim Reis war es für mich nicht immer einfach, die kleinen Steinchen zu finden, da sie die gleiche Farbe haben wie der Reis. Gemeinsam saßen wir am Boden, verrichteten unsere Arbeit und erzählten einander Geschichten aus unserem Leben, die uns oft zum Lachen brachten.

Für das Essen war nun mal gesorgt, jetzt kamen unsere Kleider dran. Nicht immer konnten es sich unsere Eltern leisten, uns neue Kleider zu kaufen. Unsere Kleider, die wir anhatten, mussten wir von Hand waschen, damit wir zumindest für den Gottesdienst saubere Kleider hatten. Manchmal durften wir in der Kirche bei der Aufführung der Weihnachtsgeschichte mitspielen, natürlich waren wir dabei immer sehr aufgeregt und zappelig. Wieder zu Hause angekommen, gab es nun das leckere Essen: Reis mit Bohnen. Ich selber konnte davon nie genug bekommen, da ich dieses Essen so sehr liebe!

Nicht nur als Familie waren wir an solch einem Fest zusammen, da saß der ganze Familienclan rund ums Feuer, es wurde getanzt, ausgetauscht und gespielt bis spät in die Nacht, ans Schlafen wurde nicht gedacht.“