
Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen. Apg 16,25

Paulus und sein Mitarbeiter Silas sitzen im Gefängnis. Als Dank für ihre Arbeit im Reich Gottes sind sie hart geschlagen worden, gedemütigt worden, und nun sitzen sie im Kerker. Im Loch. Es ist Nacht. Was machen sie? Sie wimmern nicht. Sie schimpfen nicht. Sie beten. Sie singen. Was denn? Klagelieder? Nein, Lobgesänge!
So leicht unterschätzen wir die Gabe der Musik. Meistens singen wir nur dann, wenn uns danach zumute ist; d.h. unsere Stimmung und unsere Befindlichkeit bestimmen, wann und was wir singen – oder eben nicht. Aber Paulus und Silas erkennen, dass es umgekehrt funktioniert. Das gesungene Gebet ändert unsere Stimmung, unseren Ausblick auf unsere Lage.
Das kennen wir auch aus der Welt der Filme. Komponisten der Filmmusik behaupten, dass sie durch Musik jede beliebige Stimmung im Menschen wecken können. Ihre Musik stimmt dich melancholisch, nachdenklich, neugierig, ängstlich, aufgeregt, usw. Die Musik bewegt den Menschen. Sie ist eine Gabe Gottes, die vieles erreichen kann; bestimmen kann, wie man sich fühlt.
Bei Glaubensliedern ist das doppelt so, weil gute Gesänge nichts anderes beten und aussagen als Gottes Wort selbst und das, was wir daraus lernen und erkennen. Gottes Wort lässt uns nicht unberührt, sondern es ändert uns. Wenn wir voller Hoffnung auf den Herrn vertrauen wollen, tun wir gut daran, mit Singen anzufangen. In den Liedern der Kirche, in den alten, bewährten Gesängen, die wir als Kinder auswendig lernten, steckt mehr drin, als wir je geahnt haben, sie singen das Lied der Kirche, sie singen, um Traurigkeit und Selbstmitleid zu vertreiben, sie singen Kampf- und Kriegslieder, um dem Feind die Stirn zu bieten. „Fühlst du den Stärkeren, Satan, du Böser? Jesus ist kommen, der starke Erlöser!“

Martin Luther tröstet im Jahre 1534 einen Freund, der an Schwermut leidet. Er schreibt:
Höre nicht auf deine Gedanken. Vertraue nicht der Stimme in dir. Wenn du traurig bist und die Schwermut überhandnehmen will, dann sprich: Auf! Ich muss unserm Herrn Christus ein Lied auf der Orgel spielen – sei es ein „Herr Gott, dich loben wir“ oder „Gesegnet bist du“ – denn die Schrift lehrt mich, dass er gerne fröhlichen Gesang und Saitenspiel hört. Greif frisch in die Tasten und singe drauf los, bis die Gedanken vergehen, wie David und Elisa das taten. Kommt der Teufel zurück und gibt dir Sorgen und traurige Gedanken ein, dann wehre dich frisch und sprich: „Raus mit dir, Teufel, ich muss jetzt meinem Herrn Christus singen und spielen!“ Und so musst du wirklich lernen, ihm zu widerstehen und nicht erlauben, dass er dir Gedanken eingibt. Denn wenn du einen Gedanken reinlässt, dann schickt er sofort zehn Gedanken hinterher, bis er dich besiegt. Es ist das Beste, dass du ihm sofort auf die Schnauze schlägst!
Das erkennen Paulus und Silas, und sie machen es uns vor: das gesungene Gebet stärkt das Herz, vertreibt Traurigkeit und lehrt Zuversicht und fröhliche Hoffnung in der Not. Der Herr lehre uns singen! Und singend beten.