Die Hütte Gottes bei den Menschen

Wenn wir sonntagsmorgens zum Gottesdienst in die Kirche treten, finden wir sie sauber, gelüftet und geschmückt vor.

Eine saubere Kirche dient zur Ehre Gottes, und es ist wichtig, dass die Kirche nicht muffig, leblos oder wie ein Museum riecht. Wir wollen nicht unterschätzen, was der Geruch und das Erscheinungsbild der Kirche für eine Auswirkung auf Menschen hat! Und so sind wir dankbar, dass unsere Damen sich jede Woche so viel Mühe geben, die Kirche zu reinigen und mit Blumen auszuschmücken. Dankbar sind wir auch den Küstern, die immer früh schon lüften, und den Kirchenvorstehern, die die Abendmahlsgeräte rechtzeitig aufbauen. So treten wir sonntagsmorgens in eine Kirche, die dem Aussehen und Geruch nach für den lebendigen Gottesdienst des lebendigen Gottes geschmückt und vorbereitet ist.

Frage: Wieso sind die Abendmahlsgeräte zu Beginn des Gottesdienstes aber mit einem Tuch oder manchmal mit einem halbdurchsichtigen weißen Schleier verhüllt? Antwort: Das weiße Tuch über den Abendmahlsgeräten deutet an, dass wir den lebendigen Gott in dieser Zeit und Welt noch verhüllt sehen. Ja, das Kruzifix über dem Altar zeigt deutlich: Seit Gott in seinem Sohn Jesus Christus Fleisch und Blut angenommen hat, können wir nicht mehr ohne Kreuz von Gott reden. Christus sagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ (Joh 14,9). 

Und dennoch begegnet uns Christus im Sakrament des Heiligen Abendmahls auf eine für uns nicht rational erklärbare, sakramentale Weise. „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht“ (1. Kor 13,12) Während der Abendmahlsfeier in der Kirche wird das Tuch abgedeckt, denn in dem Brot und Wein kommt der Herr Jesus leibhaftig zu uns und gibt sich uns zu essen und zu trinken, damit wir als Gemeinschaft an ihm teilhaben; er wohnt in uns und wir in ihm. Nach dem Abendmahl werden die Abendmahlsgeräte wieder verhüllt.

Die mit einem Tuch verhüllten Abendmahlsgeräte auf dem Altar erinnern uns an ein Zelt oder eine Hütte. Und was sagt dieses Zelt, diese Hütte aus?

Sie erinnert an die Stiftshütte, an das Zelt, in dem Gottes heilige Gegenwart unter dem Volk Israel während der Wüstenwanderung zu finden war, bevor der Tempel gebaut wurde.

Es ist ein Bild von dem Gott, der unter seinen Kindern wohnt, der mit ihnen zieht, der sie unterwegs auf der Pilgerreise durch diese Welt nicht verlässt, sondern sich von ihnen finden lässt und sie mit sich selbst speist und tränkt.

Und zweitens weist die Zelthütte auf dem Altar hin auf die Ewigkeit, wo der Herr Gott für immer mitten unter seinem Volk leben wird. „Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein“ (Offb 21,3).

Ein gesegnetes Christfest und einen erquickenden Jahreswechsel wünscht

Euer Pastor Karl Böhmer