Aus der Feder des Pastors – Arche Nr. 170 | In Gottes Werkstatt

Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Joh 15,2

Dr. Martin Luther schrieb mal über den Unterschied zwischen unserem Werk und Gottes Werk: wenn wir uns unser Werk, d.h. unsere Pläne und Aufgaben überlegen, dann können wir sie uns gedanklich gut vorstellen, bevor wir sie tun. Wir sehen im Geist, was wir zu tun haben und wie es sein wird, wenn wir es auch vollbracht haben.

Mit Gottes Werk aber ist es anders. Seine Pläne und sein Vorhaben können wir nicht im Voraus begreifen und erkennen. Wir „sehen“ sie erst dann, wenn er sie vollendet hat.

Genau das lernen wir auch aus Jer 23,20. Der Herr wird nicht aufhören, sein Werk und seinen Plan voranzubringen, bis er auch geschafft hat, was er sich alles in seinem Herzen vorgenommen hat. Ja, lehrt Gottes Wort, erst dann werden wir es erkennen und verstehen. Zu Anfang also begreifen wir nur unsere eigenen Pläne; zuletzt aber werden wir auch Gottes Plan verstehen, „auf dass ihr glaubt, wenn es geschehen ist“.

Luther macht dafür einen einprägsamen Vergleich. Es ist so, schreibt er, als wenn ein Künstler einen Rohstoff findet, Material findet, das er bearbeiten kann – vielleicht einen Marmorblock oder einen merkwürdig verwachsenen Holzblock. Und der Künstler erkennt, wozu das Material geschickt und geeignet ist. Er sieht in seinem Geiste, welches Kunstwerk er daraus schaffen will. Es ist fast so, als ob das Material den Künstler ohne Worte bittet: „Gestalte mich so oder so – siehst du denn nicht das Kunstwerk, zu dem ich mich eigne?“ Diese Bitte versteht nur der Künstler, und er erhört sie, wenn er nun anfängt, das zu tun, wonach das Material nach seiner Beschaffenheit und Eignung verlangt.

So, lehrt Luther, macht es auch der große Künstler und Bildhauer, Gott der Herr selbst. Er findet uns vor, erkennt, was wir da so alles fühlen und denken und planen – und er sieht, was wir nicht sehen, er sieht unser Denken und Fühlen und Planen als Material an mit einer bestimmten Form, er erkennt, wozu es geeignet ist und hört, welche stumme Bitte es an ihn als Künstler richtet. Und dann beginnt er, uns, unserem Denken und Planen, unserem Leben die Form aufzudrücken, die seine Kunst und sein Plan bereithält.

Aber wie leicht vergessen wir das! Wir sehen unser Leben oft als Produkt und Ergebnis unserer eigenen Beschlüsse und Vorhaben. Aber Gottes Wort lehrt uns, dass es anders steht um uns, die wir durch das große Werk Jesu Christi, durch seine Rechtfertigung selig geworden sind. Nämlich: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ (Eph 2,10)

Dabei müssen die Vorstellungen unseres Denkens immer wieder sich unter Gottes Vorstellungen und Vorhaben fügen, damit sein Werk in und an und durch uns geschieht. Er hat noch vieles mit uns vor und bereitet uns ständig darauf vor. Das tut manchmal weh, und wir verstehen nicht, was Gott mit uns macht. Aber im Glauben vertrauen wir darauf und bitten, dass er sein Werk nicht eher aufhört, als bis er uns zu dem gemacht hat, was er mit uns vorhat.

Der Künstler, unser Herr, ist am Werk!

Euer Pastor Karl Böhmer