
Liebe Gemeinde,
Das ist der Wochenspruch des Ewigkeitssonntags: Jesus spricht: Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. Wir merken, dass diese Worte nicht recht unserem eigenen Sprachgebrauch und unserer heutigen Welt entsprechen wollen. Was sind Lenden, was bedeutet „umgürtet sein“ und warum sollen unsere Lichter denn ständig brennen? Was meint der Herr Jesus hier überhaupt?
Am Ende des alten Kirchenjahres und am Anfang des neuen richten die Bibellesungen und Predigttexte unseren Blick auf das Kommen des Herrn Jesus – zuerst steht sein baldiges Kommen am Ende der Zeit im Blick. Am jüngsten oder letzten Tag kommt der Herr, die Welt und alle Menschen zu richten – sie öffentlich zu sortieren in zwei Gruppen: Diejenigen, die für immer in die Hölle und diejenigen, die für immer auf die neue Erde und in den neuen Himmel kommen werden. Und dann beginnt die Ewigkeit, „Zeit ohne Zeit“. Mit dem Übergang in die Adventszeit verschiebt sich der Blick zunehmend auf Christi erstes Kommen in die Welt, das wir zu Weihnachten feiern. In beiden Fällen gilt, dass wir uns vorbereiten auf sein Kommen, damit wir parat stehen, wenn er kommt.
Mit dem Wochenspruch ruft der Herr Jesus genau dazu auf. Mit „Lenden“ sind die Oberschenkel und Hüften gemeint. Die sollen „umgürtet werden.“ Die Graphik auf der gegenüberstehenden Seite mag den Vorgang erklären (leider gibt es sie nur auf Englisch). Zur Zeit Jesu trugen Männer und Frauen lange Gewänder, die zwar gemütlich waren, aber bei der Arbeit oder im Kampf die Beweglichkeit störten. Diese Gewänder mussten daher hochgebunden werden, wenn der Mensch auf alle Fälle vorbereitet und zur Arbeit oder zum Kampf (damals gab es keine Uniformen) bereit sein wollte. Jesu Aufruf, die Lenden zu umgürten bedeutet im übertragenen Sinn: Räumt aus dem Weg, was euch beschwert und hindert, seid wachsam und auf alle Fälle gefasst, damit ihr jederzeit handeln könnt. Die brennenden Lichter, die er meint, sind Öllampen – im Gleichnis von den 10 Jungfrauen mussten sogar die klugen Jungfrauen ihre Lampen zuerst noch anzünden, als der Herr kam. Das hat gedauert, denn es war dunkel, und sie mussten wohl zuerst nach Feuerzeug fummeln und jede Lampe anzünden, bevor sie parat waren. Besser wäre es gewesen, wenn die Lampen brennten und genug Öl dafür vorhanden war. Mit seinem Wort ruft der Herr uns auf, es besser als die klugen Jungfrauen zu machen und unsere Lichter immer brennen zu lassen – damit zu rechnen und darauf gefasst zu sein, dass er tatsächlich kommt! Es geht darum, dass wir bereit sein sollen, ihn zu empfangen und mit ihm zu gehen, wenn er kommt. Ein passendes Wort – auch wenn die Mode sich längst geändert hat.