Gestern, Heute und auch Morgen Fortsetzung aus der Arche 166 

Eugen wächst in Berghof als freundlicher und wohlbekannter Junge auf. Als Teenager mag er gerne singen, und das Blasen möchte er schnellstens lernen. Vater Schumann aus dem Nachbardorf hat große Not, die hohen Kosten der Reparatur seines Pick-ups zu zahlen , als ein fremder Mann ihn um ein Brot an  der Kasse bei Checkers bittet. 

Vater Schumann sah nur die große Summe von R60 000.00 in seinen Gedanken widerspiegeln. „Geh hin und hole dir ein Brot!“ sagte er schroff. Geduldig wartet er an der Kasse, das Brot für den armen Mann zu bezahlen. Groß und größer wurden die Augen von Herrn Schumann, als er den Mann eilend auf ihn zukommen sah mit dem Einkaufswagen fast bis an den Rand gefüllt mit Ess–und Trinkwaren. „Gnädiger Gott, bitte hilf mir, diesem Mann geduldig, friedvoll und vor allem GERNE zu helfen!“ wiederholte er in Gedanken und dachte an Mose, der mit den unzufriedenen Israeliten in das verheißene Land zog. 40 Jahre lang vertraute Mose seinem Gott und Herrn, das wollte auch Herr Schumann machen; seinem Gott und Herrn vertrauen das alles gut wird! Außerdem erinnert er sich an die Predigt vom vergangenen Sonntag, bei der Johannes jeden ermahnte, sein zweitletztes Hemd für den Notleidenden herzugeben. Ob er wohl ahnte, wie schwer das ist, als er es sagte?

 

Donnerstags geht Clara immer in die Kirche ihren Orgeldienst für den kommenden Sonntag einzuüben oder auch einfach nur ein wenig zu musizieren. Heute ist Dienstagvormittag und Clara fährt, ohne viel zu überlegen zur Kirche und setzt sich wie gewohnt an die Orgel und fängt an zu spielen. „Ermuntert euch und singt mit Schall Gott unserm höchsten Gut, der seine Wunder überall und große Dinge tut,“ singt Clara leise mit.

Zur gleichen Zeit ruft Eugen von der Schule seine Mutter bei der Arbeit an. „Bitte hole mich sofort ab, ich habe große Not!“ Als er sich zu ihr ins Auto setzt, laufen ihm die Tränen übers Gesicht. Schluchzend berichtet er, dass seine Freunde bei der Schule ihn an diesem Dienstag so sehr piesackten und mit ihm rumpöbelten, beleidigten und als Schwächling bezeichneten, dass er keinen anderen Ausweg wusste als sofort ins Gotteshaus zu gehen, um dort seine nötige Kraft wieder neu zuschöpfen.

 

Die Kirchentür stand offen, und er hörte die Töne von dem Lied: „Früh am We

Morgen Jesus gehet,“ welches er als Kind schon zuhause lernen durfte. Die 4. Strophe kam ihm in den Sinn; “Weiden uns auf grünen Auen, dass wir deine Fülle schauen,“ erinnerte ihn an den 23. Psalm und an David, der mutig vor Goliat stand und dessen Anfechtungen mit Gottes Hilfe überwand.

Stracks geht er an den Kirchenbänken vorbei und setzt sich in die vorderste Bank. Tief lässt er seinen Kopf hängen. Nur seine noch so jungen Händen scheinen diesen halten zu können.
Clara bemerkt den schluchzenden Jungen und spielt auswendig den Gesang 334 aus dem Gesangbuch. „In dir ist Freude in allem Leide, o du
süßer Jesus Christ!“ „Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden, Teufel,
Welt, Sünd oder Tod.‘ „Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein ge Macht dort droben.“ Eugen singt laut und betend mit. Er erinnert sich an den Religionsunterricht früh morgens vor dem Schulunterricht und an die vielen Bibelverse, die er gelernt hat, die ihm neuen Mut machen, wenn er missmutig, enttäuscht und traurig ist.

 

Gustav Schumann darf seinen Pick-up aus der Werkstatt abholen. Er ist repariert worden und soll nun nach voller Zahlung zu ihm nach Haus. Den genauen Wortlaut, den er für die Bitte gebrauchen muss, die hohen Kosten über eine geraume Zeit an die Werkstatt zurück zu zahlen, hat er immer wieder in seinen Gedanken aufgesagt. Nervös, mit gebücktem Haupt und mit großer Anfechtung geht er auf den Chef zu, der in seinem Büro am Handy spricht. Wieder erinnert Gustav sich an die Geduld von Mose und das Vertrauen, welches Simeon zeigte in seinem Warten auf den Herrn.

Nach einer kurzen Begrüßung und einem Austauschen von Meinungen über
das Wetter und den Regen, der noch nicht gefallen ist, wie vorhergesagt
wurde, gibt es eine kurze, eiserne Stille. Beide Männer fangen dann gleichzeitig an zu reden. Höflicherweise bittet Gustav, dessen Herz so rast wie der fast gleichnamige Rennfahrer, Schumacher, Herrn Behn, mit dem angefangenen Gespräch fortzusetzen. „Wie bitte?“ stammelt Gustav  Schumann. „Die Firma hat nach Besprechung mit den Facharbeitern und Vorgesetzten beschlossen die gesammten Kosten von der Reparatur des Pick-ups zu übernehmen,“ wiederholt Herr Behn.

 

Es dauert schon eine Weile, bis Gustav wieder atmen kann. Unterwegs nach Hause singt er aus voller Brust; „In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesus Christ! Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden, Teufel, Welt, Sünd oder Tod. Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein  Macht dort droben, “ als Eugen und seine Mutter ihm unterwegs von der Kirche begegnen. Alle drei winken sich begeistert zu, gefüllt mit neuem Mut, neuer Zuversicht und festem Vorhaben ihrem dreieinigen Gott immer wieder zu vertrauen.

 

Beim Abschließen der Kirchentür fällt Clara ein, dass es doch noch gar nicht Donnerstag ist, sondern erst Dienstag. Das merkwürdige Erlebnis von dem Eugen geht ihr nicht aus dem Sinn. Zuerst war er so niedergeschlagenen und tief verletzt. Wenig später aber hat sie ihn wie einen mutigen Krieger gefasst und mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht aus der Kirche gehen sehen.

 

„Danke, Tante Clara!“ hat er ihr ausgelassen zugerufen, als er aus der Kirche ging. Sie hängt den Kirchenschlüssel an sein Versteck und schüttelt leicht ihren Kopf über ihre Dusseligkeit, den Dienstag für den Donnerstag gehalten zu haben. Dann lächelt sie leicht vor sich hin und wundert sich, wozu das wohl wieder gut gewesen ist. Über die Jahre hat sie erlebt, dass aus allen Situationen – egal wie schön oder wie dumm sie auch scheinen mögen – der liebe Gott immer etwas Besonderes machen kann

 

Als Clara am Sonntag das Vorspiel vom Lied 334 an der Orgel spielte, bekommt sie ein kleines Frösteln unter der Haut. Insgeheim will sie immer mehr Register ziehen, um ihrer Ausgelassenheit Ausdruck zu geben. Dabei ahnt sie nicht, dass nicht nur Eugen, sondern auch Herr Schumann mit innigem Dank aus voller Kehle zu Gottes Lob mitsingen. Zum Abschluss seiner Predigt verliestder Pastor das Gedicht von Katja Vosseler:

„Liebende Augen schauen auf dich. Liebende Arme warten auf dich. Sind die Probleme im Leben auch noch so groß, renne, eile – in des Herrn Schoß, und lass seine lieben Worte für dich nicht los. Denn Jesu liebende Augen schauen auf dich. Jesus liebende Arme warten auf dich.“ 

 

Andrea Eggers