Einführung:
Ich bin Rahab! Mein Name bedeutet „Weite“, die Geräumige, die Weitherzige…. Ich wohnte einst in Jericho und führte eine Herberge. Man sagte von mir, ich sei eine Hure. Andere sahen in mir eine Priesterin! In jedem Fall war ich mit Leib und Seele Schankwirtin. Bei mir kehrten Fremde und Einheimische ein. Sie glauben nicht, was ich alles so erfahren habe! Mein Haus war eine Informationsquelle ohnegleichen! Es lag direkt an der Stadtmauer. Ich bin übrigens keine Jüdin, sondern Kanaaniterin, und ich glaube an die große Göttin. Aber über den Gott, den das jüdische Volk verehrte, weiß ich bestens Bescheid. Ich kenne alle Geschichten – zum Beispiel wie er sein Volk aus der Gefangenschaft führte…. Die haben schon einen starken Gott! Wir alle hier in Jericho hatten eine „Heidenangst“ vor diesem jüdischen Volk. Und zwar aus gutem Grund! Die heikle Situation mit den beiden jüdischen Spionen kennen Sie bestimmt, oder? Ich werde es nie vergessen! Kamen die doch ausgerechnet in mein Haus! Unser König hat das irgendwie erfahren und wollte die Männer sofort festnehmen lassen. Was sollte ich tun? Viel Zeit zur Überlegung hatte ich nicht. Ich tat das, was mein Herz mir riet: Ich schaffte es, dass die Sicherheitspolizei wieder abzog in dem Glauben, die Männer seien schon längst über alle Berge. Das war natürlich gelogen. Und dann machte ich einen genialen Deal mit den beiden Spionen! Ich half ihnen bei der Flucht, und im Gegenzug versprachen sie mir, mich und meine Familie zu retten, wenn sie unsere Stadt einnehmen wollten. Und genau so kam es! Gut – manche beschimpften mich als Landesverräterin. Da mag schon etwas dran sein. Und dennoch werde ich im Stammbaum Jesu erwähnt! Anscheinend bin ich zu einem Vorbild des Glaubens geworden – das wird ausdrücklich im Neuen Testament mehrmals erwähnt! Dabei fühle ich mich gar nicht als Glaubensheldin! Ich habe einfach nur das gemacht, was „dran“ war: Die Gunst der Stunde genutzt! Ich habe mich für das Leben entschieden! Ich habe mich für einen anderen Gott entschieden! Das rote Seil, mit dem ich die Kundschafter gerettet habe, wurde zur Rettung für mich und meine Familie. Vielleicht werde ich deshalb erwähnt. Vielleicht, weil ich das Richtige zur richtigen Zeit getan habe, weil ich mich von der allgemeinen Angst und Lähmung nicht länger bestimmen ließ und Initiative ergriffen habe.
((( Bibeltexte: Josua 2, Hebräer 11, 31, Jakobus 2, 25
Exegetischer Hintergrund:
Das Josuabuch erzählt von der Zeit Josuas (der griechische Name für „Josua“ lautet „Jesus“), während der das Volk Israel nach und nach Land der Kanaaniter einnimmt. Es enthält Geschichten, die Hoffnung machen sollen, dass der Herr, der Gott Israels, für die von ihm gegebenen Versprechen selbst einsteht. Wichtigstes Thema des Josuabuches ist das Land, das der Herr den Erzeltern Israels fest versprochen hatte. Nach der langen Wüstenwanderung ist es endlich so weit, dass die Israeliten das Land erreichen, in dem sie zur Ruhe kommen können. Der Herr zeigt sich – wie auch am Schilfmeer (2. Mo 14 – 15) und in der Wüste – als parteilicher Gott: Er tritt für sein Volk ein, schafft seinem Volk den notwendigen Lebensraum, auch auf Kosten der anderen Menschen, die im Land wohnen. Die beiden Spione, die Josua ausschickt, stellen sich nicht wirklich geschickt an; ohne Rahabs Bekenntnis zur Macht des Herrn (Jos 2,9-11) hätten sie keine guten Nachrichten bringen können. Die Eroberung Jerichos ist ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr bei diesem Krieg alles von Gott geleitet und sie deswegen so anders als andere Eroberungen ist: Eine Prozession, das Anschauen des Schreins der Bundesverpflichtung Adonais, begleitet vom Schall der Schofarhörner – und davon stürzen mächtige Stadtmauern ein, die einer normalen Belagerung vermutlich lange standgehalten hätten! Immer wieder wird betont, nicht Israels Kampfkraft sei es zu verdanken, dass die Menschen in diesem Land ihr Siedlungsgebiet erhielten, sondern nur der Kraft des Herrn (z. B. Jos 4,22-24; 24,2-13). Es geht um die Expansion eines Staatenterritoriums und gleichzeitig um ein Programm der Hoffnung. Das Josuabuch enthält detaillierte Gebietsbeschreibungen (Jos 13–21) und ist gekennzeichnet von der Hoffnung darauf, dass der Herr in Zukunft zu seinen Versprechen stehen werde, so dass keinem Regime dieser Welt die Vernichtung seines Volkes gelingen möge und für Israel dank Gott dem Herrn ein Leben in Ruhe vor seinen Feinden möglich werde! )))))