02. Sonntag im Advent (Der kommende Erlöser)
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater und unserem Herrn, Jesus Christus. Amen.
Text: Jakobus 5, 7 – 8
7So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. 8Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.
Lasst uns beten: Lieber Herr Gott, himmlischer Vater, dein Wort ist wahrhaftig, und was du zusagst, das hältst du gewiss! Wir danken dir dafür und bitten dich, schenk uns den festen Glauben und die Geduld, die uns durchtragen werden, bis wir mit dir auf ewig vereinigt sein werden. Komm, Herr, und segne jetzt unser Reden und unser Hören. Amen.
Im Namen Jesu, liebe Gemeinde
„Geduld bringt Blüten“ sagt uns ein altes Sprichwort! Damit wird genau das beschrieben, was auch hier in unserem Text gemeint ist! Wer gesät hat, muss geduldig bis zur Erntezeit warten, wenn er etwas von seiner Arbeit haben will! Und wer die Blüten und die Frucht des Glaubens, nämlich die ewige Seligkeit ernten, dass heißt, erleben will, muss genau so geduldig am Glauben festhalten und auf die Erlösung warten!
Leider ist die Geduld bei uns Menschen aber nicht eine natürliche Eigenschaft! Deshalb ist es ganz gut, dass wir in dieser Wartezeit, in der wir immer noch leben, wieder einmal auf die Geduld aufmerksam gemacht werden! Unsere Ungeduld im Alltag bringt schon oft genug ihre Probleme mit sich! Aber damit kann man ja noch leben! Dagegen hat die Ungeduld im Glauben für uns viel schlimmere Folgen, die uns zum Beispiel die Ewigkeit bei Gott im Himmel kosten können!
Liebe Gemeinde, um diesen Text recht zu verstehen, müssen wir erst einmal wieder über den ganzen Hintergrund nachdenken. Wir kennen wahrscheinlich alle die Geschichte noch sehr gut. Jesus wurde in Bethlehem geboren und als der verheißene Messias von Gott identifiziert, und von einigen Menschen auch als solcher erkannt! Dann, nach ungefähr 30 langen Jahren trat er an die Öffentlichkeit, fing an zu predigen, und das Volk zu lehren. Wir wissen auch, dass viele Leute ihn gerne gehört haben, weil sie seine Botschaft verstehen konnten. Aber, nach nur ungefähr drei Jahren wurde er ans Kreuz genagelt weil das, was er gesagt hatte den Obersten des Volks nicht gefallen hat! Dann kamen seine Auferstehung und die Himmelfahrt, und seitdem waren die Menschen scheinbar doch wieder alleine auf der Erde!
Aber, durch die Wirkung des Heiligen Geistes predigten die Apostel und brachten die Botschaft von dem Heil in Christus inzwischen unter die Leute von Jerusalem. Die christliche Kirche fing an zu wachsen und sich auszubreiten! Man war motiviert und wartete freudig auf das Wiederkommen Jesu! Dann kam der Aufstand gegen die Gemeinde in Jerusalem! Der Diakon, Stephanus wurde gesteinigt, und darauf folgte dann die erste große Christenverfolgung! Nun war der Frieden in der Gemeinde zerstört, und die Christen mussten wegen ihres Glaubens flüchten und leiden. Und manch einer kam dabei sogar auch, wie Stephanus, ums Leben! Man konnte und wollte das zum Teil aber noch ertragen, weil man ja immer noch dachte, dass Jesus bald wiederkommen würde, um diesem Übel ein Ende zu machen!
Aber er war immer noch nicht wieder da! Als Jakobus, der so nebenbei einer der Halbbrüder Jesu war, diesen Rundbrief an die Christen in der Zerstreuung geschrieben und losgeschickt hatte, waren da schon wieder ungefähr 30 Jahre seit der Himmelfahrt Jesu, vergangen! Diese lange Zeitspanne, und das zunehmende Leid der Christen, wegen immer neuen Verfolgungen, hatten natürlich den Glauben und die Geduld der Gläubigen sehr hart auf die Probe gestellt! Die Leute fingen an, vom Glauben abzufallen und, um hinter allen möglichen anderen Lehren und Theorien herzulaufen. Daraufhin schrieb der Gemeindevorsteher von Jerusalem, Jakobus, dann diesen Brief, um die Leute zum Glauben an Christus, und zum geduldigen Festhalten an diesem Glauben, zu ermutigen! Dieses ist auch nicht der einzige Brief in der Bibel über dieses Thema. Der Brief an die Hebräer klingt an vielen Stellen so ähnlich. Und in den Briefen des Apostels Paulus und auch bei Petrus, geht es an vielen Stellen auch genau um dieses Festhalten an dem Glauben!
Ihr Lieben, es ist auffällig wie wir heutzutage immer noch genau die gleichen Probleme haben wie damals vor 2000 Jahren. Obwohl es zum Beispiel in großen Teilen der westlichen Welt, keine Christenverfolgung gibt, fallen die Leute dennoch von der Kirche und vom Glauben ab! Um zu sehen, wie schlimm es wirklich ist, brauch man sich nur einmal die Statistiken der verschiedenen Kirchen anzugucken! Ob es den Menschen langweilig geworden ist? Ob sie einfach nur ungeduldig geworden sind, und sich deshalb etwas Interessanteres gesucht haben? Man weiß es von den meisten gar nicht, weil sie sich nie melden um ihre Meinung oder ihre Probleme mit dem Vorstand oder mit dem Pastor zu besprechen. Sie sind nur aus irgendeinem Grund auf einmal nicht mehr da!
Eines ist aber klar, nämlich, wenn die Farmer so arbeiten würden, wie viele Menschen mit ihrem Glauben umgehen, hätten wir schon längst nichts mehr zu essen. Der Farmer muss seine Wirtschaft gut planen, und dann geduldig auf die Erntezeit warten, sagt uns unser Text. Was würde wohl werden wenn ein Farmer zum Beispiel seine 3 jährigen Pines rausreißt um Black Wattles zu pflanzen, nur weil er ungeduldig geworden ist, und nicht noch 20 Jahre lang auf die Ernte warten will? Oder wenn ein Farmer seinen Melis kurz vor den Blütezeit umpflügen würde um Weizen zu pflanzen, nur weil er meint, dass er einen besseren Preis dafür bekommen könnte? Solche Farmer würden natürlich nicht mehr lange im Geschäft sein!
Aber, genau so machen viele Leute es mit ihrem Glauben! Sie vergessen, was sie im Konfirmandenunterricht gelernt haben, und wenden es nicht mehr in ihrem Leben an! Einige haben sogar solch einen Widerwillen dagegen aufgebaut, dass sie gar nicht erst wollen, dass ihre Kinder überhaupt in diesen Dingen unterrichtet werden! Und, in den angebotenen Lehrgottesdiensten, sieht man sie auch nur sehr selten, oder nie! Dabei merken sie aber gar nicht, dass sie nun keinen festen Boden mehr unter den Füßen haben! Dann fangen sie an um andere Sachen zu lesen und sich im Fernseher an zu schauen, die sie sehr leicht vom Weg zum ewigen Leben abbringen können, weil es meistens nur menschliche Satzungen und Theorien sind! Dadurch entstehen Zweifel im Herzen, und ehe man es sich versieht, ist man schon vom Glauben abgefallen! Schlimm ist es, wenn man dann auch noch andere Leute mit sich in den Abgrund reißt!
Liebe Gemeinde, genau dagegen werden wir heute wieder ernstlich gewarnt! Die Ungeduld im Glaubensleben geht oft Hand in Hand mit einem mangelhaften Wissen von dem, was Gottes Wort uns sagt! Deshalb ist der genannte Unterricht, und das anhaltende Lernen nachdem, für uns so wichtig und notwendig! Und dabei müssen wir auch darauf achten was und woraus wir lernen! Wer von der festen Grundlage der Bibel, wie sie für uns in dem Katechismus und in den Bekenntnisschriften ausgelegt und beschrieben ist wegbewegt, begibt sich in die Gefahr, abzufallen! Es ist auf jeden Fall nicht Engherzigkeit und Sturheit, wenn jemand sich an diese Dinge hält, sondern sicheres Gehen auf dem Weg des Glaubens!
Man braucht solchen festen Boden unter den Füßen, damit man von da aus alles andere, was man liest oder hört, einschätzen und beurteilen kann! Wie wir es im Brief an die Epheser im 4. Kapitel lesen: „Christus hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollendeten Maß der Fülle Christi, damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch trügerisches Spiel der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen!“
Das bedeute, dass, wenn wir uns zur Kirche halten, wird der Boden des Herzens bei uns recht vorbereitet, damit das Wort Gottes auch bei uns wachsen kann. Dann werden wir die rechten Früchte des Glaubens zu Gottes Ehre auch bringen können! Dann werden wir immer wieder gerne zum Gottesdienst, und zum Heiligen Abendmahl kommen, wo uns die Kraft zur Geduld und zum Durchhalten im Glauben geschenkt wird! Dann werden wir ganz sicher wissen, dass Gottes Wort zuverlässig ist! Er wird wiederkommen und uns zu sich in den Himmel holen!
Liebe Gemeinde, zum Schluss wollen wir nun auch noch eines bedenken. Obwohl die Kirche nun schon über 2000 Jahre lang auf das Kommen Jesu wartet, brauchte noch kein Mensch länger, als die ihm zugemessene Lebenszeit, zu warten! Wenn Jesus selber bei Matthäus 24, 13 sagt: „Wer bis an das Ende beharrt, der wird selig“, dann meint er nicht 2000 oder mehr Jahre. Es geht ihm darum, dass wir bei Lebzeiten im Glauben an ihn als unseren Heiland und Erlöser bleiben, bis dass unser Ende kommt! Das kann der Jüngste Tag sein, es wird aber, wie es bis jetzt immer noch war, höchst wahrscheinlich mit unserer eigenen Sterbestunde kommen!
Bis dahin hat er uns die Gnadenmittel, sein Wort und die Sakramente gegeben. Durch sie will er uns die Herzen und den Glauben stärken. Und er wird uns die Geduld schenken, damit wir im Glauben an ihn aushalten und durchhalten können, was auch immer kommen mag!
Ja liebe Gemeinde, „Geduld bringt Blüten!“ Möge Gott es geben, dass wir die Frucht des Glaubens, nämlich die ewige Seligkeit geduldig abwarten, und sie dann auch voll genießen können. Amen.
Wir beten: Herr, dein Wort steht fest! Wir sind es, die oft hin und hergetrieben werden durch allerlei andere Dinge, die oft auch nur einen religiösen Schimmer haben. Führ du uns in der Kraft deines Heiligen Geistes immer wieder zurück zum festen Grund deines Wortes! Gib uns Geduld und Treue im Glauben, und nimm uns endlich in Gnaden auf in dein ewiges Reich!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.
Wochenspruch
Seht auf und erhebt eure Häupter,weil sich eure Erlösung naht.
Lukas 21, 28
Introitus – Nr. 2 (Lukas 21, 28; Psalm 80, 2 – 3)
Epistel
So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.
Jakobus 5, 7 – 8
Hauptlied
Ihr lieben Christen, freut euch nun 74
Evangelium
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass jetzt der Sommer nahe ist. So auch ihr: wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.
Lukas 21, 25 – 33
liturgische Farbe: violett
Festzeit: Adventszeit
Wochenspruch: Lk 21,28
Wochenpsalm: Ps 80
Eingangspsalm: Ps 24
Epistel: Jak 5,7-8
Evangelium: Lk 21,25-33
Predigttext: Jes 63,15-16 (17-19a) 19b; Jes 64,1-3
Wochenlied: 6
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = IV). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Lk 21,25-33
II: Jak 5,7-8
III: Mt 24,1-14
IV: Jes 63,15-16 (17-19a) 19b; Jes 64,1-3
V: Jes 35,3-10
VI: Offb 3,7-10
02. Sonntag im Advent (Der kommende Erlöser)