04. Sonntag nach Trinitatis (Die Gemeinde der Sünder) – 2019

04. SONNTAG NACH TRINITATIS (Das Wort der Versöhnung)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Text: Johannes 8, 3 – 11

3Die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau zu Jesus, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte

4und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden.

5Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du?

6Das sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen könnten. Aber Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

7Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.

8Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.

9Als sie aber das hörten, gingen sie weg, einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand.

10Jesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt?

11Sie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.

Wir beten: Herr Jesus Christus, gib du uns deinen Heiligen Geist, damit er unsre Ohren und Herzen für dein Wort öffne. Lehre uns, dass wir in unsrem Urteil über die Anderen immer von deiner Barmherzigkeit geleitet werden. Komm lieber Herr und segne dein Wort an uns allen. Amen.


Im Namen Jesu, liebe Gemeinde

Wir wissen es wohl alle, und sind sicher auch öfter mal dabei betroffen, wenn Fragen um Recht und Ordnung in unserem Land, oder auch in der Kirche und Gemeinde vorkommen. Da hört man dann Kommentare wie: Gesetze und Regeln sind dazu da, dass man sie halten muss. Oder: jede Übertretung muss auch dementsprechend bestraft werden. Wenn man nicht in Chaos und Anarchie verfallen will, muss man konsequent sein, und auch mit der nötigen Abschreckung, für Ordnung sorgen. Wo soll das denn sonst hinführen? Solche deutlichen Worte hören wir auch hier in unserem Text. Das ist es, was teilweise hinter dem Anliegen der Pharisäer stand, als sie mit dieser Frau, und mit ihrer Frage, zu Jesus kamen.

Es war ihr Bekenntnis zum alttestamentlichen, göttlichen Recht, das ihnen durch Mose gegeben war. Und sie fühlten sich diesem Gesetz immer noch zum Gehorsam verpflichtet. Und es war und ist ja auch ein gutes Gesetz, wodurch die Ehe geschützt werden soll. Es ordnet sogar eine sehr schlimme Bestrafung für jeden an, der aus seiner Ehe ausbricht, oder sich in eine andere Ehe einmischt. Das gilt auch für uns heute noch im Sinne des 6. Gebots. Dazu haben wir auch noch Jesu eigene Worte zur absoluten Gültigkeit der Ehe. Die Sache ist also doch klar. Was soll denn die Frage der Pharisäer, wenn sowieso alles klar ist?

Aber, hinter dieser ganzen Sache, steht eigentlich das, was wir im 6. Vers von unserem Text gehört haben, nämlich: Das sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen könnten.  Sie haben Jesus ja immer wieder davon beschuldigt, dass er, mit seiner Predigt von der Gnade und der Vergebung, das alttestamentliche, göttliche Recht abgeschafft hat. Es war also in Wirklichkeit so, dass die Pharisäer gehofft hatten, dass sie mit der Antwort Jesu, etwas gegen ihn finden konnten, wodurch sie ihn am Ende verurteilen konnten. Aber es ist ihnen nicht geglückt. Jesus Christus ist nämlich hier nicht an einer theologischen Debatte interessiert. Er will nicht mit den Pharisäern über diese Frau diskutieren. Er wusste ja schon ganz genau, dass solch eine Diskussion zu einer Entscheidung hinausführen würde, wo es dann heißen muss: Entweder du, Jesus, bekennst dich zum göttlichen Recht, dann muss diese Frau sterben, oder du sprichst sie frei – aber dann stehst du gegen Gottes Gebot. In solch einer Zwickmühle wollten die Pharisäer Jesus hier einfangen.

Ihr Lieben, in solche Lage kommt die Kirche heutzutage ja leider auch oft, besonders da, wo sie sich nicht mehr fest an Gottes Wort und Gebot hält. Das führt dann sehr bald zu solchen, scheinbar ausweglosen Entweder-oder Entscheidungen. Fragen wie z.B. ist das denn nun Sünde, wenn Leute unverheiratet, oder homosexuell zusammenleben, oder nicht? können dann nämlich nicht mehr klar und deutlich beantwortet werden.

Das Wort der Heiligen Schrift ist in diesen Sachen aber immer noch sehr klar und deutlich! Sünde ist und bleibt Sünde, und der moderne Zeitgeist ändert auch nichts daran. Aber die Frage, die dennoch aus diesem Text heute auf uns zukommt ist nun einerseits, wie wir als Christen damit umgehen, und andererseits, wie Jesus damit umgeht. Pochen wir, wie die Pharisäer, immer wieder auf das Gesetz und die darin vorgeschriebene Strafe? Meinen wir immer noch, das es unsere Aufgabe ist, ein Urteil über solche zu fällen, die an einer Übertretung eines der Gebote schuldig geworden sind? Unser Alte Adam sieht ja gerne auf die Schuld der anderen herab. Und dann gaukelt er uns sehr schnell die eigene Unschuld vor, und schon sind wir dabei, Menschen zu verurteilen.

Aber Jesus handelt hier ganz anders. Wenn Jesus mit mir über die Sünde redet, dann redet er nicht über die Sünde der anderen, sondern er redet über meine Sünde! Dann wird es mir sehr schnell klar, dass das Wort aus dem Brief an die Römer, Kapitel 3,23: „Es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhms, den sie bei Gott haben sollten“, auch auf mich zutrifft! Das macht unser Herr Jesus Christus hier den Pharisäern, und uns allen klar, wenn er sagt „wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“!

Ja, liebe Gemeinde, in dem Himmelreich, das mit Jesus in diese Welt gekommen ist, gelten nun andere Bedingungen, als vorher. In Christus ist das Gnadenreich zu uns gekommen! Nun gelten für uns, und alle Sünder Dinge wie Reue und Buße, wodurch wir bei Gott bedingungslos Vergebung der Sünde, Leben und Seligkeit geschenkt bekommen. Seit Jesu Tod am Kreuz geht der obengenannte Spruch, aus Römer 3,23 mit dem 24. Vers weiter, nämlich: „und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade die durch Christus Jesus geschehen ist.“

Wer sich selbst als Sünder vor Gott weiß und sieht, der wird mit der Sünde der anderen anders umgehen. Der wird keine Schadenfreude mehr dabei empfinden, wenn jemand scheitert und dabei erwischt wird; der wird auch kein Interesse mehr daran haben, fremde Schuld öffentlich bekannt zu machen, und harte Maßnahmen gegen solche eine Person zu fordern. Das Wort der Anklage wird jedem im Halse stecken bleiben. „Denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst, weil du dasselbe tust, was du richtest“. So steht es ebenfalls im Brief an die Römer, Kapitel 2,1.

Jesus Christus, ja, der hätte den ersten Stein werfen können, denn er ist tatsächlich ohne Sünde. Aber er geht anders mit dieser Sünderin um: er fragt nicht nach der Tat oder den Vorwürfen ihrer Ankläger, oder gar nach einer Entschuldigung und Ausrede ihrerseits. Seine Sendung ist nicht die, Sünder zu richten, zu verurteilen, und zu verdammen. Sondern er ist gekommen, die zu suchen und selig zu machen, die verloren sind. So haben wir es am vorigen Sonntag im Wochenspruch gehört. Was Recht ist, bleibt Recht; Gottes Gebot gilt; Jesus Christus nennt, was diese Frau getan hatte, sehr wohl Sünde. Aber er verdammt und bestraft nicht, sondern setzt sie mit seiner vergebenden Barmherzigkeit auf einen neuen Weg zurück ins Leben: „Geh hin und sündige nicht mehr.“

 Liebe Gemeinde, das ist auch unsere Situation in der Beichte, wo unsere Sünde beim Namen genannt und vergeben wird – durch den Tod Jesu Christi am Kreuz. Und dann werden wir auch jedes Mal wieder hier vom Altar entlassen unter dem Kreuzeszeichen Jesu, in dem Frieden Gottes und in der Begleitung des Heiligen Geistes. Es ist also von dem Augenblick an bei uns wirklich alles neu geworden! Und wir haben wieder eine unverdiente neue Chance bekommen, wie die Frau in unserem Text. Alle Kläger, auch der härteste, nämlich der Teufel, muss in der Beichte verstummen und abziehen. Wir sind durch Jesu Verdienst gerettet und dürfen neu leben. Und das wunderbare ist: wir können nun auch neu und anders leben! Es soll bei uns nicht alles beim Alten bleiben, denn wir können in der Kraft des Heiligen Geistes nun die begangenen Sünden vermeiden. Und wir sollen von dann an, aus der erfahrenen Vergebung, befreiter und glücklicher leben, als vorher.

‚Allein aus Gnaden ‚ – das schenkt uns die Chance, selig zu werden. Nicht das Gesetz, nicht Recht und Ordnung, sondern die Barmherzigkeit Gottes, gibt uns die Kraft und die Möglichkeit, Sünde künftig zu vermeiden. Und sie macht auch uns barmherzig mit unseren Mitmenschen.

Dazu möge Gott uns immer wieder die Kraft und den Beistand seines Heiligen Geistes schenken. Amen.

Wir beten: Lieber Gott, himmlischer Vater, mach auch uns barmherzig, wie du barmherzig bist!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.


4. SONNTAG NACH TRINITATIS (Die Gemeinde der Sünder)

Wochenspruch
Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Galater 6, 2

Introitus – Nr. 45 (Psalm 11, 7; Psalm 9, 2 – 3)

Epistel
Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest  du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. Denn es steht gechrieben: „So wahr ich lebe, spricht der Herr, mir sollen sich alle Knie beugen, und alle Zungen sollen Gott bekennen.” So wird  nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Darum lasst uns nicht mehr einer den andern richten; sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Ärgernis bereite.

Römer 14, 10 – 13

Hauptlied
Ein wahrer Glaube Gotts Zorn stillt 287
O Gott, du frommer Gott 455

Evangelium
Jesus sprach: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß  wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen. Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst  selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!

Lukas 6, 36 – 42