06. Sonntag nach Trinitatis (Taufgedächtnis) – 2019

06. Sonntag nach Trinitatis (Taufgedächtnis)

Die Gnade unsres Herrn Jesus Christus, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Text: Apostelgeschichte 8, 26 – 39

26Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist. 27Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, welcher ihren ganzen Schatz verwaltete, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten. 28Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. 29Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen! 30Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest? 31Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen. 32Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser (Jesaja 53,7.8): „Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf.

33In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.“

34Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem? 35Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus. 36Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert‘s, dass ich mich taufen lasse? 37Philippus aber sprach: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so kann es geschehen. Er aber antwortete und sprach: Ich glaube, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist. 38Und er ließ den Wagen halten, und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. 39Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich.

Lasst uns beten: Lieber himmlischer Vater, auf wunderbare Weise hast du diesen Kämmerer zur Taufe geführt! Wir danken dir, dass wir auch alle das Wunder der Taufe an uns selber erfahren haben. Wir bitten dich, erhalte du uns durch deinen Heiligen Geist in dieser Taufgnade, bis an unser Ende! Gib uns auch den Mut und die Freudigkeit dass wir aus der Taufe leben, dir zu Lob und Ehre! Komm, lieber Herr, und lass uns alle durch dein Wort gesegnet und gestärkt werden. Amen.


Im Namen Jesu, liebe Gemeinde

Heute sollen wir alle wieder an unsere Taufe erinnert werden! So sagt es uns schon das Thema für diesen Tag, nämlich, dass es heute um das „Taufgedächtnis“ geht. Weil viele von uns aber schon lange her, und dazu noch als ganz kleine Kinder getauft wurden, können wir uns bestimmt nicht mehr direkt daran erinnern! Aber wir wissen hoffentlich alle noch das Datum an dem unsere Taufe war, wer unsere Taufpaten sind oder waren, vielleicht auch noch den Namen des Pastors, der uns getauft hat, und natürlich auch, was uns die Taufe bedeutet. Das haben uns unsere Eltern und Paten hoffentlich erzählt! Und spätestens im Konfirmandenunterricht haben wir von der Bedeutung der Taufe ja alles gelernt. Wer sich nicht mehr an diese Einzelheiten seiner Taufe erinnern kann, hat aber wahrscheinlich noch irgendwo einen Tauf- oder Konfirmationsschein hängen oder liegen auf dem dieses alles steht! Liebe Gemeinde, es wäre gut um heute wieder einmal besonders auf diese Einzelheiten zu achten, und sie zurück ins Gedächtnis zu holen!

Unser heutiger Text erzählt uns nun auch von einer Taufe, die dazu sogar noch eine besondere Vorgeschichte hat. In der alten Bibelübersetzung und den biblischen Geschichtsbüchern von früher, hatte dieser Bericht die Überschrift: „Der Kämmerer aus dem Mohrenland!“ Daraus konnte man schon ableiten, dass dieser Mann von irgendwo aus Afrika her kam. Aber was ein Kämmerer war, und auch den Rest der Geschichte musste man uns Kindern ziehmlich gut erklären, bevor wir so einigermaßen verstehen konnten, was dieses alles zu bedeuten hatte.

Heutzutage haben die meisten von uns wohl schon ein viel besseres Verständnis von dem ganzen Hintergrund! Und deshalb erkennt man auch hoffentlich noch viel mehr, wie wunderbar Gott in das Leben dieses Mannes aus Afrika, eingegriffen hatte! Er kam aus dem Land, das man heutzutage als Äthiopien kennt. In der Zeit, als diese Begegnung stattgefunden hatte, hieß die Umgebung, südlich von Ägypten, das Land Kusch, das damals als das Ende der Erde gesehen wurde! Dort musste er so etwas wie der Finanzminister der Königin gewesen sein! Kandake, das war der Titel mit dem die Königinnen von Äthiopien benannt wurden, so ähnlich wie der Titel Pharao, der für die Könige von Ägypten benutzt wurde!

Es ist uns auch aus der Geschichte bekannt, dass da wahrscheinlich, seit der frühsten Zeit schon, Handelskontakt zwischen den Juden und diesem Land, Kusch, bestand. Auf diese Weise hatte dieser Minister in seinem Heimatland wohl auch schon etwas von dem Gott Israels gehört und gelernt! Er musste dazu auch ein gelehrter Mann gewesen sein, weil er sogar die hebräische Sprache und wahrscheinlich auch noch Griechisch lesen und sprechen konnte!

Sein Verlangen, um mehr über den Gott Israels zu erfahren, war dann doch irgendwann so groß geworden, dass er schließlich eine Reise zum Tempel in Jerusalem gemacht hatte! Da wollte er diesen Gott suchen und anbeten! Liebe Gemeinde, das war ein sehr großes Unternehmen! Der Luftlinie nach ist der Abstand von der Mitte Äthiopiens bis nach Jerusalem schon über 2500 km! Man kann deshalb damit rechnen, dass diese Reise der Straße nach, hin und zurück über 6000 km weit gewesen sein könnte! Es musste auch bestimmt mehrere Monate lang gedauert haben, bis er mit seinem Wagen und dem Gefolge wieder zu Hause angekommen war! Aber es hatte sich für ihn gelohnt! Er hatte wahrscheinlich sogar viel mehr bekommen, als er je erwartet hatte! Zum Schluss von unserem Bericht lesen wir nämlich: „er zog aber seine Straße fröhlich!“

Liebe Gemeinde, was war denn inzwischen alles in seinem Leben geschehen? Da steht nichts davon, wie er in Jerusalem empfangen und behandelt wurde! Ob er als Nichtjude überhaupt in den Tempel hineingelassen wurde, wissen wir nicht! Es ist aber deutlich, dass er seinen Glauben an Gott in Jerusalem nicht wegen irgendsoetwas verloren oder aufgegeben hatte! Im Gegenteil hatte er sich dort sogar noch eine Schriftrolle, mit dem Buch des Propheten Jesaja, gekauft. Und er hat auch, anders als einige Leute, die sich andauernd Bücher kaufen ohne um sie auch nur zu öffnen, darin gelesen und studiert! Als Philippus ihn traf war er schon, nach der heutigen Einteilung, beim 53. Kapitel aus 66, angekommen!

Dieser Philippus, von dem wir hier hören war nicht der Apostel, namens Philippus, sondern er  war einer von den 7 Armenpflegern, die in der Gemeinde von Jerusalem, wie bei Apg. 6, berichtet, gewählt wurden, um den Aposteln bei der Gemeindearbeit zu helfen. Nach der Steinigung des Stephanus, der ja auch einer von diesen 7 war, und wegen der Christenverfolgung die dann ausgebrochen war, war unser Philippus dann nach Samaria geflohen. Dort hatte er als Evangelist eine sehr erfolgreiche christliche Missionsarbeit angefangen und aufgebaut! Viele Samariter hatten sich schon durch seine Predigten zum Christentum bekehrt, und sich von ihm taufen lassen! Und nun rief Gott ihn auf die relativ einsame Straße, die von Jerusalem nach Gaza in Richtung Ägypten führte! Philippus hat nicht lange gefragt, was das wohl sollte, sondern er ging hin! Und da fand er diesen vornehmen Afrikaner auf seinem Wagen, und konnte sogar hören, was dieser gerade in seinem Buch las. Philippus wurde auch gleich eingeladen um mit aufzusteigen und dem Fremden zu erklären, was er gerade gelesen hatte!

Liebe Gemeinde, wir wissen auch nicht, wie lange dieser Unterricht gedauert hat! Ob es nur einige Stunden waren oder ob er vielleicht sogar mehrere Tage lang angehalten hat! Es kann sein, dass es sich um eine längere Begegnung handelte, weil da in der Gegend vor Gaza in der Wüste, nicht unbedingt ein Wasserteich am Wegrand zu finden sein würde. So etwas konnte man wahrscheinlich erst wieder näher nach Ägypten hin erwarten. Aber, die Tatsache ist, dass der Kämmerer in dieser Zeit einen gründlichen Unterricht bekommen hatte! Und dadurch konnte er, vom Heiligen Geist getrieben, durch die Botschaft des Propheten Jesaja von dem Lamm Gottes, hin zum Glauben an den Heiland und Erlöser aller Menschen, Jesus Christus, kommen! Das hatten sogar die Hohenpriester und Schriftgelehrten aus dieser Zeit, die ja auch alle das Buch des Propheten Jesaja kannten, nicht geschafft! Mit seinem klaren Bekenntnis ist er ihnen, und uns allen, ein gutes Vorbild geworden!

Und auf dieses Bekenntnis hin taufte Philippus dann diesen Mann, der vom sogenannten Ende der Erde nach Jerusalem gekommen war, um Gott zu suchen! Nun hatten sie beide das Ziel von diesem Beisammensein erreicht! Der Kämmerer war durch das Wirken des Heiligen Geistes, bei all seinem Suchen, selber von Gott gefunden worden! Er war zum rechten, einigen Glauben an Jesus Christus gekommen, und auf diesen Namen getauft worden! Voll Freude konnte er deshalb nun wieder nach Hause fahren! Trotz der großen Distanz, die noch vor ihm lag, zog er fröhlich weiter! Was er dann nach seiner Heimkehr in Äthiopien alles getan hat, wird uns auch nicht erzählt. Wir wissen aber, dass in Äthiopien die älteste Christliche Kirche in Afrika, die schon seit dem 1. Jahrhundert besteht, zu finden ist! Vielleicht durfte dieser Kämmerer dazu auch einen Beitrag leisten! Und auch Philippus wurde vom Heiligen Geist wieder in sein Arbeitsfeld in Samaria, zurückversetzt!

Liebe Gemeinde, ziehen wir denn unsere Straßen fröhlich, wenn wir hier von dem Gottesdienst nach Hause fahren? Haben wir wieder Mut und Kraft bekommen um der Woche die wieder vor uns liegt, zu begegnen? Oder sind wir immer noch belastet und beladen mit den Sorgen des Alltags, der wie gewohnt, morgen früh schon gleich wieder anfängt? Dieser Sonntag will uns wieder neu daran erinnern, dass wir alle, seit unserer Taufe, zu Jesus gehören! Gott hat auch zu jedem von uns gesagt, was im Wochenspruch bei Jesaja 43,1 steht, nämlich: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Das hat der Kämmerer in unserem Text erfahren, und deshalb konnte er dann auch fröhlich den weiten Weg, zurück nach Äthiopien, ziehen!

Wir gehören seit unserer Taufe auch alle zu Gott, der uns geschaffen hat; zu Jesus Christus der uns erlöst hat und zum Heiligen Geist, der in uns den Glauben wirkt und erhält! Ja, ihr Lieben, die Taufe hat Folgen! Sie verändert das Leben! Sie erfüllt unser ganzes Leben mit Freude! Und der Heilige Geist, der uns in der Taufe geschenkt wurde, gibt dem Glauben in uns, sogar Hände und Füße! Er gibt ihm auch einen Mund! Ja, er lenkt unsere Herzen, damit wir freudig reden und tun, was zu seiner Ehre und zum Bau seines Reiches hier auf Erden, dient! Möge dieser Glaube, und diese Freude in uns, durch Gottes Gnadenmittel immer wieder gestärkt werden! Dadurch können wir dann im festen Vertrauen auf ihn, unsere Straßen auch immer wieder fröhlich und mutig ziehen! Amen.

Wir beten: Herr Jesus Christus, durch deinen Heiligen Geist sammelst du deine Gemeinde aus allen Völkern der Welt! Dazu benutzt du auch uns als deine Boten! Gib uns, wie dem Philippus damals, wache Ohren und gehorsame Herzen, damit wir deinen Ruf zum Dienst an unseren Mitmenschen hören können. Und lass uns deinen Auftrag zum Bau deines Reiches dann auch ausführen! Herr, segne du unseren Dienst in dieser Welt! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.


06. Sonntag nach Trinitatis (Taufgedächtnis)

Wochenspruch
So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jesaja 43, 1

Introitus – Nr. 47 (Jesaja 43, 1; Psalm 100, 1 – 3a)

Epistel
Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn  wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden, und wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod kann hinfort über ihn nicht herrschen. Denn was er gestorben ist, das  ist er der Sünde gestorben ein für allemal; was er aber lebt, das lebt er Gott. So auch ihr, haltet dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christus Jesus.

Römer 6, 3 – 11

Hauptlied
Ich bin getauft auf deinen Namen 47
Durch Adams Fall ist ganz verderbt 244

Evangelium
Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu  Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Matthäus 28, 16 – 20