Predigt | Was jetzt? Und was dann? | 07. Sonntag nach Trinitatis 2025

Ein älterer Mann war gut befreundet mit einer Familie, die u.a. einen kleinen Sohn hatte. Und der ältere Mann sah über die Jahre zu, wie der Junge aufwuchs. Er ging auf die Schule – und schlug sich gut durch. Schließlich hatte er auch die Abschlussprüfung (matric finals) gut bestanden. Gegen Ende des Jahres kam der ältere Mann mit dem jüngeren Mann ins Gespräch. „Na,“ sagte er, „wie geht’s dir so? Was jetzt, was willst du aus deinem Leben machen?“ Der junge Mann antwortete, „alles wunderbar! Ich will Anwalt werden und habe auch einen Studienplatz an der Uni bekommen. Und meine Eltern wollen mir helfen, die Unkosten zu bezahlen.“ „Wie schön!“, lächelte der ältere Herr. „Ich wünsche dir alles Gute. Wenn du nun einmal dein Studium abgeschlossen hast, was dann?“ Der junge Mann sagte, „Dann will bei einer Anwaltskanzlei meine Articles machen und einen Posten bekommen. Und dann will ich tüchtig arbeiten und einen guten Ruf bekommen und Geld verdienen und es sparen.“ „Wunderbar,“ meinte der Ältere. „Was dann?“ „Naja,“ lachte der Junge, „was schon – dann will ich meine eigene Anwaltskanzlei gründen und heiraten. Und wir werden Kinder bekommen und ihnen ein gutes Zuhause geben.“ Und der ältere Herr lächelte und sagte: „Ja, das klingt gut. Es gibt wenig im Leben, was wichtiger ist als ein guter Ruf und gutes Einkommen und eine gute Familie. Ich wünsche dir alles Gute dazu. Und danach? Was willst du dann machen?“ „Dann,“ sagte der jüngere Mann, „wenn die Kinder aus dem Haus sind und wir gespart haben, dann gehen wir in den Ruhestand und dann reisen wir und machen all die Dinge, die wir in der Familienzeit nicht machen konnten.“ Und der ältere Herr sagte: „Super. Ich bin selbst Rentner. Es ist schön, pensioniert zu sein. Gut, aber was dann?“ … Der junge Mann, der sich sein Leben schon so detailliert ausgeplant hatte, wusste nicht recht, was er antworten sollte. Schließlich meinte er: „Ja – dann werde ich wohl sterben.“ Und der ältere Herr sagte: „So – und was dann?“

 

Sehr viele Menschen gehen ziellos durchs Leben. Sie beschäftigen sich so sehr mit der „Was jetzt?“-Frage, dass sie sich kaum Gedanken machen über die große Frage – was dann? So erging es auch den Leuten in der großen Menge, die Jesus einst befragten. Noch am vorigen Tag, gerade gestern, hatte Jesus sie und mehr als 5,000 andere gespeist, hatte ihnen Brot und Fisch gegeben, und sie waren satt geworden. Am nächsten Morgen merken manche, dass der Herr nicht mehr da ist, er ist weitergezogen. Und sie laufen, bis sie ihn finden. Wieso eigentlich? Jesus erklärt es: „Weil ihr satt geworden seid von meinem Brot.“ Es ist also sehr wohl möglich, Jesus aus falschen Gründen zu suchen! Es kommt im Leben alles auf die Frage an: Was sucht und erwartet Ihr von Jesus? Zu der Menge spricht er: „Ihr seid auf der Suche nach dem gleichen Brot wie gestern. Nein. Ihr sollt nicht so sehr suchen nach dem Brot, das vergeht. Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Gott will und bewirkt, dass ihr den sucht, den findet, an den glaubt, den er gesandt hat: mich.“

 

Daraufhin stellen sie sich alle auf die Hinterbeine. Die Gaben wollen sie haben. Mehr aber nicht. Das große Wunder vom Vortag, die Speisung der 5000, haben sie bereits vergessen! Zumindest fordern sie Jesus auf, sich noch einmal zu beweisen, dass er auch echt ist, dass er ist, wer er vorgibt zu sein, nämlich Gottes Sohn und das Brot des Lebens in Person. „Zeige uns erst mal, was du kannst, dann sehen wir mal. Kannst du uns Manna geben, jeden Tag, so wie Mose?“

 

Jesus schüttelt den Kopf. „Nein,“ sagt er. „Das war gar nicht der Mose, der euch das gab. Das war mein Vater im Himmel. Und er gibt immer noch solches Brot, das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. „Au fein!“ rufen sie, „ja, das wollen wir haben. Schenke uns jeden Tag solches Brot!“

 

Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, der wird nimmermehr dürsten. Welch eine wunderbare Antwort. „Ich bin“ – so betont spricht nur Gott. Jesus sagt: Ihr braucht nicht nur hier und da mal ein Geschenk – Ihr braucht den Geber. Euren wirklichen Hunger und Durst, den stille ich. Dazu hat mein Vater im Himmel mich zu euch, ja für euch gesandt. Glaubt an mich!

 

Doch die Menschen, die diese Einladung hörten, das Geschenk des ewigen Lebens vor sich stehen hatten – wie reagierten sie? Sie wollten nicht glauben. Das muss man sich vorstellen: Sie waren enttäuscht von dem Evangelium, enttäuscht über Jesus und das Geschenk des ewigen Sattseins!; lehnten ab. Sie murrten, sie schimpften, sie ärgerten sich, die große Menge und viele Menschen, die Jesus lange schon nachgefolgt waren, sie sagten: Das können wir nicht akzeptieren. Der Evangelist Johannes schreibt traurig: „Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm.“ Aber die zwölf Jünger und mehrere Frauen und andere, die blieben ihm treu. Petrus sprach für sie alle: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.

 

Und du? Hast du das Empfinden, dass der Herr deine wirklichen Bedürfnisse stillt? Wenn der ältere Herr aus der Geschichte zu Anfang dasselbe Gespräch mit dir führen und dich fragen würde: „Na, was jetzt? Was willst du machen? Was willst du noch alles erreichen? Und dann? Was dann?“ was antwortest du? Das Problem ist nicht, dass unsere Erwartungen und Bitten zu groß sind, sondern unser Heiland zu klein.

 

Thomas á Kempis sagte mal: „Ein weiser Liebhaber schätzt nicht so sehr das Geschenk des Geliebten als vielmehr die Liebe des Schenkenden.“ Gottes Liebe zu dir will dich zum Liebhaber des Guten machen. Er zieht dich zu sich in Christus, der nicht nur sein Hab, Gut, Zeit, sondern sein Leben, sein herrliches, göttliches Leben für dich hingab am Kreuz – und es am 3. Tage wieder aufnahm, um deinen Hunger auf ewig zu stillen. Das Brot des Lebens. Er will dein ein und alles sein. Jetzt. Und nicht nur jetzt. Sondern dann. Und immer.

 

Egal, wie dein Leben jetzt gerade aussieht, egal, wie alt du bist, was immer auch die tiefsten Nöte und dringendsten Bedürfnisse sein mögen, die du verspürst – die Antwort auf die Frage: Was jetzt – und was dann?, ist immer Jesus.

 

Der ältere Herr zu Beginn der Geschichte, der wusste es: Wenn du jung bist, öffnet sich das Leben vor dir. Nach der Schule öffnet sich dir das Leben. Wenn du dich ausbilden lässt oder ein Geschäft beginnst oder heiratest, dann öffnet sich das Leben vor dir. Und das ist gut so. Ergreife im Glauben an Jesus Christus und unter Gebet gute Gelegenheiten, die sich dir bieten. Führe das Leben, zu dem Gott dich beruft. Aber bedenke: Es kommt die Zeit – und es ist ein Vorrecht, wenn sie kommt – da wird das Leben enger. Es gibt weniger Gelegenheiten, neu anzufangen, und du wirst älter und deine Zukunft begrenzter und dein Horizon verengt sich – ja, und dann, was dann? Schau genau hin. Da, in der Engstelle, steht dein Heiland. Jesus Christus. Das Brot der Welt. Für den, der hört auf die Worte des Lebens und den, der sie spricht, für den, der die Liebe des Schenkenden höher achtet als jedes Geschenk, für den lautet die Antwort auf die Frage: Und was dann?, immer und überall: Jesus. Jesus, der da spricht: Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, der wird nimmermehr dürsten.

Ach, dass ein Christ so sehr für dieses Leben sorgt!

Was ist es mehr?

Ein Bau von Erden,

der wieder muss zur Erde werden.

Ein Kleid, das nur geborgt.

Der könnte ja das beste Teil erwählen,

die seine Hoffnung nie betrübt:

Das Heil der Seelen,

das in Jesus liegt.

O selig! wer ihn in der Schrift erblickt,

wie er durch seine Lehren

auf alle, die ihn hören,

ein geistlich Mama schickt!

Drum, wenn der Kummer gleich das Herze nagt und frisst,

so schmeckt und sehet doch, wie freundlich Jesus ist.

 

Amen.


07. Sonntag nach Trinitatis (Gemeinschaft des Brotes)

Wochenspruch
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Epheser 2, 19

Introitus – Nr. 48 (Psalm 22, 27a; Psalm 106, 1)

Epistel
Die das Wort annahmen, ließen sich taufen. Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig  geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nach dem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die  Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

Apostelgeschichte 2, 41a. 42 – 47

Hauptlied
Herr Jesus Christus, mein getreuer Hirte 56
Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut 382

Evangelium
Jesus fuhr weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt. Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden. Da  hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist  nicht genug für sie, dass jeder ein wenig bekomme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele? Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an  dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer. Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, soviel sie wollten. Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrigblieben, die gespeist worden waren. Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Als Jesus nun  merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.

Johannes 6, 1 – 15