07. Sonntag nach Trinitatis (Gemeinschaft des Brotes) – 2020
Heb 12,28-12,3 I.i.
Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt; 29denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.
Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt.
Open Doors ist eine christliche Organisation, die Buch führt über Christenverfolgung in der ganzen Welt. Open Doors berichtet, dass Christen in Bangladesch, Indien, Sudan und Malaysien durch die COVID-19 Seuche drangsaliert werden. Es heißt: Wir geben Nothilfe – aber nur, wenn ihr euren christlichen Glauben verwerft. Ganze Gemeinschaften werden drangsaliert, wieder Muslime oder Hindus zu werden, um Essen zu bekommen: Dein Glaube – oder essen. Und das alles im Namen von Coronahilfe. Wie sieht es bei uns aus? Wir haben gesehen, wie schnell sich unser Leben ändern kann. Es sind schlimme Zeiten, wir dürfen uns in Gottes Haus nicht die Hand geben, umarmen, singen, blasen. Gerade die Gemeinschaft, die wir zu allen Zeiten und besonders in Zeiten der Not brauchen, die wird uns verwehrt. Jetzt fangen wir an, zu ahnen, wie es ist, uns nach der Gemeinschaft der Kirche zu sehnen, zu schmachten; zu ahnen, warum der Psalmist so frustriert schreit: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ (Ps 42,2f.) Unsere Seelen schreien!
Da ist es wohl kein Trost, wenn ich euch sage, dass das alles noch schlimmer werden kann. Stellt euch vor, einige Kirchen verstoßen in ihrem Ärger gegen die Richtlinien. Stellt euch vor, dass Kirchen deswegen überwacht werden, dass Menschen wegen christlicher Werte wie Ehrlichkeit unter Druck gesetzt werden, dass Christen wegen Nichtfolgeleistung zu Staatsfeinden erklärt, Kirchengüter beschlagnahmt und Christen verfolgt werden. Ihr Lieben, ich will nicht den Teufel an die Wand malen. Wir sind wohl von alldem weit entfernt – Gott der Herr gebe es! Aber genauso erging und ergeht es vielen Christen heute. Und wenn wir uns jetzt schon unter Druck gesetzt fühlen, wie würde es sein, wenn es auch noch zu all diesem käme? Der Hebräerbrief wurde an Christen geschrieben, denen es tatsächlich so dreckig ging. Stell dir das vor, dass die Regierung dir nicht nur deine Kirche, sondern dein Haus wegnimmt, weil du Christ bist. Wenn die Regierung Christen beobachtet, wie gehst du mit anderen Gemeindegliedern um? Distanzierst du dich? Wagst du es, Farbe zu bekennen, zu ihnen zu stehen? Wenn deine Mitchristen im Gefängnis landen, wagst du es, sie zu besuchen? Wenn du noch Essen bekommst, aber deine Mitchristen nicht, und sie klopfen bei dir an: Bitte hilf mir, gib mir Essen, bitte nimm mich auf, was machst du?
Zu Christen in solchen Lagen spricht der Hebräerbrief – und in dem Maße, in dem wir zurzeit ebenfalls Einschränkungen und Verbote hinnehmen muss, auch zu uns. Kap. 12 ist der Höhepunkt, da heißt es, bleibt geduldig, verliert nicht den Mut, schaut auf, schaut auf Jesus, euren Vollender, ihr habt noch nicht bis aufs Blut leiden müssen, habt ihr denn vergessen, dass ein Papa, der seine Kinder liebhat, der diszipliniert sie, da gibt es auch mal Schläge auf den Hintern; dass ihr jetzt so aushalten und dulden müsst, das dient zu eurer Erziehung, gerade das ist ein Zeichen, dass euer himmlischer Vater euch wirklich liebhat; passt auf euer Leben auf, werft Gottes Gnade nicht weg! Ja, sagt Heb. 12, wisst ihr überhaupt noch, wem ihr dient? Ihr dient dem Gott, der sein Volk auf dem Berg Sinai besuchte, der in großer Dunkelheit mit furchtbarem Feuer und Ungewitter und gellenden Posaunen eine ganze Gebirgskette beben und brennen ließ und so laut redete, dass Gottes Volk Hören und Sehen verging. Ach, ihr Lieben, so leicht vergessen wir, wer Gott ist, wir stellen uns Gott als zahmen, zahnlosen, alten Löwen vor, der alles mit sich machen lässt. So wie diese kleinen Spielzeugkatzen, die man ins Autofenster stellt, die immerzu mit dem Kopf nicken, die Augen zu machen und nur niedlich sind. Der Hebräerbrief rüttelt uns gerade in schweren Zeiten aus einem laschen, achtlosen Umgang mit Gott auf. Wisst ihr noch, was er machen wird, dieser Gott, so fragt er uns? Gott der Herr spricht Haggai 2: Einmal habe ich Berge zittern lassen, noch einmal will ich erschüttern nicht allein die ganze Erde, sondern auch den Himmel selbst! Gott der Herr will die ganze Erde noch einmal durchrütteln und sieben; und alles, was vergänglich ist und nicht zu seinem ewigen Reich gehört, kann nicht bestehen. Es steht oder fällt alles mit seiner teuren Gnade: Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt; denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. Das scheint die laue, liberale Christenheit westlicher Länder heute komplett vergessen zu haben.eic
Denkt daran, sagt Gottes Wort, denkt dran, dass ihr im heiligen Abendmahl an diesem Gott teilhabt. Denkt dran, was das Abendmahl ist. Da nehmt ihr miteinander teil an diesem Gott, mit Buße und Ehrfurcht kommt ihr zu dem lebendigen Gott, der über eure Seelen wacht, ihr nehmt Teil an dem, was er euch so sehr teuer erkauft hat mit seinem heiligen Blut: Frieden mit dem verzehrenden Feuer! Versöhnung mit ihm, Vergebung der Sünden, ewiges Leben und ewige Seligkeit. Und vergesst ja nicht, dass es da nicht aufhört! Darum geht es nun in Hebräer 13. So leicht meinen wir, wir gehen zusammen zum Abendmahl, wir sind mit dem heiligen Gott versöhnt, der Pastor fährt weg, das war’s. Das war es eben nicht, sondern es geht weiter. Gemeinsame Teilnahme am Abendmahl verbindet. Da sind wir als Gemeinde zusammengeschweißt durch die gemeinsame Teilnahme an Jesu Leib und Jesu Blut und Jesu Leben und Jesu Tod. Und daraus erfolgt die „brennende Liebe unter uns allen“. Dass wir miteinander leiden, miteinander teilen, die Not der anderen unsere eigene Not werden lassen.
Drei Dinge fließen daraus hervor, so sagt es uns Gottes Wort heute. Erstens: Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Bleibt fest… In einer Welt, die von dem heiligen Gott durchgeschüttelt wird, in dieser so andersartigen Welt von heute bleibt nur seine Liebe unerschütterlich fest. Bleibt also auch ihr darin. Brüderliche Liebe, was ist das? Der Sohn Gottes hat uns zu Blutsbrüdern und -schwestern gemacht, wir sind heilige Brüder des heiligen Herrn, und darum erweisen wir uns als Brüder und Schwestern untereinander seine heilige Liebe, sie drängt uns dazu. Diese Zeit mit ihrem Ärger, die so lang wird, droht, unsere Gemeinschaft nicht nur zu stören, sondern zu zerstören, dass wir uns wegen unterschiedlicher Meinungen zu Corona aneinander ärgern, dass die digitale Distanz der Videoübertragung aus unserer wirklichen Gemeinschaft eine virtuelle Gemeinschaft und später einen virtuellen Wunschtraum macht, dass die Gemeinde zuletzt so abstrakt wird, dass sie in Wirklichkeit nicht mehr existiert, dass wir uns aus den Augen verlieren und ignorieren – oder aus Ärger auseinandergehen. Das darf nicht sein. Das ist das Ziel des Bösen: teilen und isolieren und dann beherrschen. Sollten unsere Mitgemeindeglieder, die der heilige Gott mit seinem Blut erkauft hat, uns egal bleiben? Nein! Trotz der schweren Umstände, bleibt fest in der brüderlichen Liebe! Empfangt sie immer wieder. Gebt sie immer wieder.
Zweitens, bleibt gastfrei untereinander. Es kann gefährlich werden, wenn Mitchristen ausgestoßen oder gejagt wurden, wenn Pastoren von den Soldaten gesucht wurden. Gottes Wort ruft: Habt nicht Angst, euren Mitchristen zu helfen, sie zu versorgen, auch wenn ein großes Stigma an ihnen klebt. Hier macht Gottes Wort unsere Augen auf: Es sind Engel unter uns. Hier? In Wartburg? In dieser Gegen? Es sind Engel unter uns! Denkt daran, wie Gott der Herr in menschlicher Form mit zwei Engeln Abraham besucht, wie er sie willkommen heißt und bedient. Abraham hat Engel zu Besuch. Denkt an Lot, Abrahams Neffen, der von Gottes Todesengeln besucht wird, denen Lot Schutz bietet vor bösen Leuten in der Nachbarschaft. Abraham und Lot wissen zuerst überhaupt nicht, dass sie Engel vor sich haben. Zu welchem Segen ist es ihnen, dass sie die so menschlich aussehenden Engel aufnehmen. Was damals selten vorkam, das kann heute viel öfter geschehen. „Ihr seid gekommen … zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu den vielen tausend Engeln…“ (Heb 12,22) Im Gottesdienst, im Abendmahl, singen und loben wir mit Engeln, sie sind unter uns, meistens unsichtbar – manchmal sichtbar. Die Engel spenden Schutz und Segen denen, die fremden Christen Essen, Obdach, oder Hilfe geben. Gott ist unterwegs in dieser kaputten, verseuchten Welt. Bleibt gastfrei untereinander! Ihr wisst nie, wem ihr helft. Es sind Engel unter uns.
Drittens, sorgt für die in der Gemeinde, die leiden. Damals funktionierte es im Gefängnis so, dass der Staat Gefangenen keine Mahlzeiten brachte, keine Kleidung gab. In einem kaputten Staat geht es heute genauso. Da ist man auf seine Familie, auf seinen Clan angewiesen. Wir als Gemeinde, wir sind der Clan des Heilands. Denkt an die Isolierten. Habt nicht Angst, ihnen im Gefängnis oder in der Isolation Essen und Kleidung zu bringen. Ihr habt teil am Leib Jesu im Abendmahl, nun habt auch Teil am Leib eurer Mitchristen, sorgt füreinander. Wo Christen vom Staat oder der Gesellschaft unter Druck gesetzt werden, wo ihre Kirchen geschlossen werden; oder einfach „nur“, wo sie isoliert werden – im Krankenhaus, im Altenheim, zu Hause – steht zusammen, sorgt füreinander. Ihr Lieben, in unserer Gemeinde sind heute Menschen, die allein ins Krankenhaus gehen müssen; andere, die nicht zu ihren leidenden Lieben ins Krankenhaus dürfen; andere, deren Hab und Gut von Schurken kaputtgemacht wird, deren Nussbäume abgesägt werden, die von Wilddieben geplagt werden; andere, die Frostschaden erlitten haben, die ums finanzielle Überleben kämpfen; andere, die einsam sind. Ruft einander an, ermutigt einander, tröstet einander, helft, wo ihr könnt. Soll der Böse uns isolieren, uns auseinandertreiben, unsere Gemeinde kaputtmachen? Nein! Wir sind der Clan des Heilands. Und Christus wehret allem Leide. Lasst uns diese Zeit gemeinsam im Aufblick zu Jesus Christus erdulden, lasst uns diese Zeit als eine Gelegenheit ergreifen, in der brüderlichen Liebe zu bleiben, gastfrei zu bleiben, zu sorgen im Clan für die, die leiden, dass die Gemeinde, die sich nicht als ganze in der Kirche treffen darf, dennoch in dem lebendigen Herrn zusammengeschweißt ist – und bleibt. Bis dass er kommt. Amen.
Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. (Ps 42,6)
Soli Deo Gloria