08. Sonntag nach Trinitatis (Früchte des Geistes)
Der berühmte Nobelpreisträger für Wissenschaft Isidor Rabi wurde mal gefragt, wie er denn Wissenschaftler wurde. Rabi antwortete, dass seine Mutter jeden Tag nach der Schule mit ihm über seinen Schulalltag sprach. Es ging ihr nicht darum, was er an diesem Tag gelernt hatte, sondern sie fragte immer: „Na, Isidor, hast du heute eine gute Frage gestellt?“ Rabi sagte: „Gute Fragen zu stellen, das hat mich zum Wissenschaftler gemacht.“ Fazit: Gute Fragen führen zu einem guten Verständnis. Da entgegnet wohl mancher: „Es gibt aber keine dummen Fragen.“ Antwort: Das mag sein, aber es gibt ganz schöne dumme Annahmen und Vermutungen. Wenn ich dich z.B. frage: „Na, hast du schon aufgehört, deinen Hund zu prügeln?“ – dann nimmst du mir das wahrscheinlich krumm. Was kann man denn darauf schon antworten? Sagst du ja, dann gibst du zu, dass du deinen Hund geschlagen hast; sagst du nein, dann heißt das, du schlägst ihn immer noch. Das Problem bei der Frage ist die Annahme, dass du deinen Hund schlägst, nicht wahr? Gute Fragen gründen auf guten Annahmen.
Die Jünger Jesu sind wohl ziemlich stolz auf die Frage, die sie ihm stellen. Klingt so schön akademisch. Sie gehen mit ihm am Sabbat spazieren. Ein Mann fällt auf – blind, und zwar von Geburt an. Dieser blinde Mann darf am Sabbat nicht betteln, noch darf ihm jemand etwas geben, da es am Sabbat verboten ist, dies zu tun. So nehmen die Jünger seine Blindheit zum Anlass für eine akademische Diskussion über das Böse im Leben. Ist er schuld an der Blindheit oder sind es die Eltern? Das ist die Religion von Ursache und Wirkung. Böse Dinge passieren bösen Menschen, gute Dinge passieren guten Menschen; wenn es dir gut geht, hast du etwas richtig getan, wenn dir Böses geschieht, ist jemand unbedingt daran schuld, entweder du oder andere. Richtig?
Falsch! Falsche Annahme! Weder dieser Mann noch seine Eltern haben gesündigt. Der Herr Jesus beantwortet ihre Frage nicht. Wir bekommen keine Antwort darauf, warum dieser Mann blind geboren wurde, so wie wir auf die meisten Warum-Fragen, die wir stellen, nie eine Antwort bekommen. Jesus sagt nicht, wer daran schuld ist. Stattdessen stellt er eine gute Frage: Was will Gott der Herr mit der Blindheit machen? Wozu ist der Mann blind? Jesus fragt nicht: Wo kommt das Böse her? Sondern: Was macht Gott damit? Antwort: Sein Leiden, seine Not geschah, damit Gottes Werk offenbar werde. Gott wird etwas Gutes tun. Das ist seine Spezialität. Er macht aus Bösem Gutes.
So denkt aber die natürliche Religion über böse Dinge nach, sie sagt: „Jedes Leid in der Welt hat eine bestimmte Ursache und meine Aufgabe ist es, die Ursache zu finden, dann kann ich damit umgehen, so kann ich jedes Leid diagnostizieren.“ Da wird z.B. ein Elefantenjäger in Zim von einem Elefanten getötet, alles schreit: „Hurra! Das war Karma.“ Er ist „selbst schuld an seinem Leid.“ Aktuell: Covid verbreitet sich, und schon kursieren Bilder von der „Mutter Natur“, die uns sagt: „Geht sofort auf eure Zimmer und denkt mal scharf darüber nach, was ihr getan habt.“ Das soll ein Witz sein – aber mit ernstem Unterton. Covid und die Corona-Regeln belasten uns monatelang, wir suchen nach den „wahren dafür Verantwortlichen“– sei es die kaputte Natur, George Soros, Bill Gates, China, die VN, Geheimorganisationen usw. Dahinter steht die Annahme, dass jemand an Corona schuld sein muss, und wenn wir das erst rauskriegen können, dann können wir richtig damit umgehen…
Warum ist Corona gekommen? Wer ist daran schuld? Was haben sie damit vor? Ihr Lieben! Die Heilige Schrift legt nahe, dass diese Fragen uns letztlich nicht helfen werden – sogar wenn wir die Antworten bekämen. Denn sie lassen außer Acht: 1. dass unsere Regierung Gesetze erlassen hat, die für alle Bürger gültig sind; 2. dass Gott doch da ist, dass er allmächtig ist, dass Corona und die neuen Gesetze nicht ohne seinen Willen gekommen sind. Er spielt also auch eine Rolle darin, ja, er spielt die ausschlaggebende Rolle. Wenn wir Bösem oder Kaputtem in dieser Welt begegnen, lehrt die Schrift uns, gute Fragen zu stellen, nämlich: Wo ist Gott der Herr in diesem Virus, in diesem Leid? Wozu ist es da, was will Gott der Herr damit bezwecken und erreichen? Wie werden Gottes Werke durch die Corona-Zeit in unserem Land offenbar?
[4] Unser Nachdruck in dieser Zeit soll sein, jede Gelegenheit zu nutzen, die Werke Gottes zu tun, ihm zu dienen und unserem Nächsten zu dienen. Jesus unterstreicht das, wir müssen es tun, denn es kommen in dieser Welt Zeiten, an denen wir die Werke Gottes nicht tun können. Wo die Sünde herrscht, da ist Nacht, sagt Jesus – hört, was der Herr in Jer 13,16 spricht: „Gebt dem Herrn, eurem Gott, die Ehre, ehe es finster wird und ehe eure Füße sich an dunklen Bergen stoßen und ihr auf das Licht wartet, während er es doch finster und dunkel machen wird“. Die Sünde floriert in der Finsternis, und Gott schickt manchmal Zeiten der Finsternis über diese Erde, daran erinnert Jesus hier. Wir wollen diese Zeit also dafür nutzen, Gutes zu tun, solange wir es können. Wir wissen nicht, wann Zeiten der Nacht kommen, aber wir wissen, dass sie kommen, und zuletzt kommt das Gericht und die ewige Finsternis für die Ungläubigen. Aber der Herr Jesus lenkt unsere Augen auf die Gelegenheiten, die Gott der Herr jetzt schenkt; die Schrift sagt: „Kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit.“ (Eph 5,16) Aber wenn es geistig dunkel und finster um uns wird, was dann? Wonach fragen wir dann?
Jesus spricht: [5] Mit seinen „ICH BIN“-Sprüchen verbindet Jesus sich mit dem Gottesnamen Jahwe, „Ich bin, der ich bin“. Ich bin das Licht der Welt. Er spuckt auf den Boden, knetet etwas Dreck aus der feuchten Erde und salbt dem Mann die Augen. So steht es da: Er salbt die Augen des Blinden mit Dreck. Er tut, was der Schöpfer tut. Am Anfang schuf Gott den Menschen aus Erde, und nun kommt Jesus, das schaffende Wort, und repariert was zerbrochen ist mit einem Tupfer Dreck an die Augen. Nun sendet Jesus, der Abgesandte des Vaters, den Blinden mit Erde in den Augen in den Teich „Gesandt“ um sich die verdreckten Augen zu waschen, damit Gottes Werk an ihm gezeigt wird. Er kommt sehend zurück. Aber – Jesus ist nun nicht mehr zu sehen…
Das muss uns doch zum Nachdenken bringen! Jesus hat sich dem Blinden offenbart, ohne dass der ihn sah. Jesus wird dem Blinden in seiner Dunkelheit offenbart, dadurch, dass er sich auf Gottes Befehl mit Wasser wäscht… Er kann ihn sehen, ohne ihn zu sehen. Dies alles spielt auf die Taufe an. Liebe Gemeinde, in unserer natürlichen Blindheit sind wir blind für Gott. Wir leben, als gibt es ihn nicht, als wenn er nicht da ist, oder als wenn seine Gegenwart nichts für unseren Alltag bedeutet. Wir sind blind für uns selbst und unseren eigenen Zustand. Wir sehen nicht die Sünde, die uns verdirbt. Wir sehen uns selbst nicht in Beziehung zu anderen. Das Licht, Christus selbst, scheint auf uns, aber ohne die Augen des Glaubens können wir ihn nicht sehen. Wir sind blind. Gott hat aber ursprünglich den Menschen geschaffen, damit sein Werk an ihm offenbar wird. Gott der Herr muss unsere Augen berühren, er sendet uns zu dem Siloah-Wasser der Heiligen Taufe, in dem uns die Augen des Glaubens, neu erschaffene, wiedergeborene, erneuerte Augen geschenkt werden. Durch das Wasser und das Wort mit dem Geist gewaschen, wird uns gegeben, Jesus so zu sehen, wie er wirklich ist und was er für uns tut.
Ist dein Leben dunkel geworden? Das Licht der Welt erleuchtet deine dunkelste Finsternis. Keine Finsternis ist ihm zu dunkel. Er streckt die Hand aus, um euch mit seiner Salbung des Geistes in der Taufe zu salben. Er streckt die Hand aus, um euch Augen zum Sehen, Ohren zum Hören und Glauben zum Empfangen zu schenken. Und nun seid ihr ebenfalls Abgesandte des Abgesandten. Liebe Gemeinde, ihr seid ebenso Wunder des Wortes wie dieser blind geborene Mann. Gottes Werke werden an euch offenbar, auch und besonders in bösen Zeiten, die eure Ausdauer auf dir Probe stellen. Verzagt nicht! Jesus Christus ist das Licht der Welt, und er scheint heute und hier für die, die Augen haben, ihn zu sehen. Jesus Christus ruft uns in dieser bösen Zeit zu und spricht: „Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.“ (Joh. 12,46) „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh. 8,12) „Und das Licht scheint in der Finsternis, aber die Finsternis hat’s nicht ergriffen“ (Joh 1,5) Auch die finsterste Zeit kann das Licht nicht auslöschen. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinen Wegen. Es scheint ein Licht in der Finsternis.
Liebe Gemeinde, wir wollen es uns in dieser Corona-Zeit immer wieder sagen: Gott ist hier, er sieht, was passiert, Gott der Herr ist am Werk, er macht was mit dieser Zeit und mit dir und mir in dieser Zeit, er hat damit ein Ziel, einen Zweck. Schaut nicht auf das Dunkel, sondern auf das Licht. Tut in dieser Zeit die Werke des Herrn, solange es geht. Beschäftigt euch mit guten Fragen. Eine gute Frage ist: Was erreicht der Herr durch diese Zeit? Das kann spannend werden. Verlasst euch auf ihn, er wird es wohl hinausführen. Denn wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. (Röm. 8,28) Amen.
- Gott lebet noch.
- Seele, was verzagst du doch?
- Sollt‘ der schlummern oder schlafen,
- der das Aug hat zugericht‘,
- der die Ohren hat erschaffen,
- sollte dieser hören nicht?
- Gott ist Gott, der hört und siehet,
- wo den Frommen weh geschiehet,
- Seele, so bedenke doch
- Lebt doch unser Herrgott noch.
- Soli Deo Gloria – pkb
08. Sonntag nach Trinitatis (Früchte des Geistes)
Wochenspruch
Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Epheser 5, 8b – 9
Introitus – Nr. 49 (Psalm 43, 3; Psalm 48, 2)
Epistel
Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn’s vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.
Epheser 5, 8b – 14
Hauptlied
O gläubig Herz, gebenedei 384
Evangelium
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Matthäus 5, 13 – 16