08. Sonntag nach Trinitatis (Früchte des Geistes) – 2021

8 Sonntag nach Trinitatis 2021 – Kirchdorf

Die Gnade unsres Herrn, Jesus Christus, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, sei mit uns allen. Amen.

Text: 1. Korinther 6, 9-14 & 18-20

9Wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, 10Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben. 11Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.

12Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen. 13Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird das eine wie das andere zunichte machen. Der Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe. 14Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft.

18Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe. 19Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? 20Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.

Lasst uns beten: Herr Gott, lieber himmlischer Vater, in dieser Welt scheint der Teufel und das Böse freien Lauf zu haben! Auch wir sind davon nicht unberührt! Hab Dank, dass wir aus deinem Wort wissen dürfen, dass auch wir reingewaschen und geheiligt sind! Durch deinen Sohn schenkst du uns immer wieder die Vergebung aller unserer Sünde! Er hat uns teuer gekauft! Gib, dass wir dir, aus Dank dafür, mit unserem Leben und Handeln hier auf Erden, Ehre und Preis bringen werden! Komm, lieber Herr, und segne jetzt dein Wort an uns allen. Amen.

Im Namen Jesu, liebe Gemeinde

Unser Text fängt ziemlich unerwartet mit der Ermahnung an, dass die Ungerechten nicht in den Himmel kommen werden! Darauf folgt dann ein sogenannter „Lasterkatalog“! Darin werden verschiedene Sünden aufgezählt und direkt beim Namen genannt so, dass man sich wirklich erschrecken muss! Und zum Schluss sagt der Apostel in Vers 11 auch noch ganz direkt zu den Korinthern: „So etwas haben einige von euch auch mal getan!“ Paulus, wie kannst du nur, möchte man fragen! Ja, ihr Lieben, was würdet ihr tun, wenn ich, oder unser Pastor, oder vielleicht sogar der Bischof so etwas ganz öffentlich über euch sagen, oder in einem offenen Brief an alle in der Synode, über euch schreiben würde? Ich meine, dass diese Gemeinde wahrscheinlich über Nacht sehr viel kleiner werden würde!

Ihr Lieben, um diesen Text recht zu verstehen müssen wir aber wieder erst einmal auf den Hintergrund achten! Es geht hier nämlich um ein „Vordem“ und ein „Nachdem!“ Hier wird verglichen, wie es, einerseits, vor der Ankunft des Evangeliums und der daraus folgenden Gründung der christlichen Gemeinde in Korinth zuging. Und dann wird, andererseits genannt, wie sich Sachen geändert haben, seitdem die Botschaft des Evangeliums dort gepredigt wurde! Den Schlüssel dazu gibt uns der zweite Satz im 11. Vers, nämlich: Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus, und durch den Geist unseres Gottes.“

So passt dieser scheinbar „schlimme“ Text doch auch in das Thema für diesen Sonntag, und für die Woche, die heute anfängt, hinein! Es handelt sich heute ja, wie wir es in den Abkündigungen zu Anfang schon gehört hatten, um die „Früchte des Geistes“, die Gott auch bei uns wirken will! Wir wissen aber alle, dass wir aus Schwachheit immer wieder genau das tun, was wir nicht tun sollen! Wenn wir vielleicht auch nicht so oft und leicht in solche groben Sünden, wie sie zum Teil, in unserem Text aufgezählt sind, fallen, handeln wir doch oft genug gegen Gottes Gebote! In einem von unseren Beichtgebeten werden sogar der Geiz und der heimliche Neid, der Hass, die Missgunst und die bösen Lüste auch aufgezählt als Sünden, die uns von Gott trennen! Damit kommen wir auch in dieser Liste der Ungerechten vor. Deshalb haben die im Beichtgebet genannten Dinge, wenn sie uns nicht vergeben werden, zum Schluss für uns genau solche schlimmen Folgen, wie die öffentliche Unzucht, usw. um die es hier in diesem Text geht! Bevor wir deshalb über die Korinther herziehen und sie verurteilen wollen, sollten wir lieber unseren eigenen verlorenen Zustand erst einmal bedenken, und ihn immer wieder vor Gott bekennen!

Und, genau wie der Heilige Geist damals in Korinth bei vielen Menschen die Umkehr möglich gemacht hat, tut er es auch heute noch bei uns! Ja, liebe Brüder und Schwestern, auch wir sind in der Taufe reingewaschen, auch wir sind durch den Heiligen Geist geheiligt, und durch die Vergebung, die wir immer wieder durch Jesus bekommen können, sind auch wir immer wieder vor Gott gerecht geworden! Dafür sollen und dürfen wir Gott auch ständig von ganzem Herzen mit unserem Leib und Leben danken!

Ihr Lieben, der Hintergrund zu dem, das hier gesagt wird, war folgender. Korinth war damals eine bekannte Hafenstadt, weil sie sogar zwei Häfen hatte! Der eine lag zum Nord-Westen hin, and der nördlichen Küste von dem Landstreifen, der Korinth mit dem Rest von Griechenland verbindet. Und der zweite lag auf der anderen Seite, nach Süd-Osten hin von wo aus es dann in das Mittelländische Meer geht! Und wie in allen Hafenstädten, befand sich deshalb auch in Korinth eine große Zahl von Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft! Es gab Reiche und Arme, Sittliche und diejenigen, die ein wildes Leben führten, usw.

Dazu kam dann aber auch noch, dass man die sexuelle Unzucht, als Teil von der religiösen Praxis im griechischen Volk, erhoben hatte! Im Tempel der sogenannten „Fruchtbarkeitsgöttin,  namens Aphrodite“ waren da z.B. ständig bis zu 1000 Frauen im Dienst in diesem schändlichen „Betrieb!“ Deshalb war diese Art von Sünden den Korinthern gut bekannt! Und das war der Grund, weswegen der Apostel genau diese Sachen hier, mit so deutlichen Worten, auf den Tisch gelegt hat!

Aber, Gott sucht sich ja nicht nur die „Besonderen“ und die „Perfekten“ Menschen in seinem Reich zusammen! Im Gegenteil! Seine Gnade gilt allen Menschen, und oft waren es ausgerechnet diejenigen, die von diesem Lasterkatalog betroffen waren, die seinem Ruf gefolgt sind! Gottes Gnade stellt nämlich keine Ansprüche wie: Du musst erst so oder so gut sein, bevor du zu mir kommen kannst, usw.!  Nein, wir dürfen kommen, so wie wir sind – mit unserer Ungeduld, mit unserem Geiz, mit unserer Ichsucht, und mit allem, was es sonst noch so unter uns Menschen gibt! Gerade zu solchen Sündern sagt  Gott: „Dich will ich haben! Du sollst mein Kind sein! Aber, es wird sich dabei dann in deinem Leben alles ändern!“

Liebe Gemeinde! So hat Jesus es ja selber auch gemacht! Die Leute, die sich um ihn versammelten, damit er ihrem Leben wieder Sinn und Ziel geben sollte, waren hauptsächlich solche, wie sie in diesem Lasterkatalog vorkommen, nämlich: Unzüchtige, Ehebrecher, Diebe und Räuber! Aber, in der Kraft des Heiligen Geistes, hatte sich bei ihnen dann, wie z.B. bei Zachäus, dem Zöllner, alles geändert!

Deshalb erinnert der Apostel die Christen in Korinth erst einmal wieder daran, wie es einmal auch bei ihnen war, und was nun geworden ist! Er will ihnen dann aber auch Mut machen um ihren Leib, den der Heilige Geist aus diesem „Schlamassel der Unzucht“ gerettet hatte, nun auch zur Ehre Gottes zu gebrauchen und einzusetzen! Die Gefahr war ja für sie immer noch sehr groß, dass sie wieder in diese Sünden und Schandtaten zurückfallen konnten! Alle anderen in Korinth taten es ja, weshalb denn nicht auch die Christen? Es ist sogar anzunehmen, dass da wohl einige aus der Gemeinde waren, die diesen Weg zurück in die alte sündenvolle Lebensweise auch wirklich wieder gegangen waren!

Sie kamen ja aus einer Kultur, in der man den Leib und die Seele nicht als eine Einheit verstanden hat. Der Leib galt in der griechischen Philosophie, die ihre „Religion“ bestimmt hatte, immer nur als ein Hindernis und ein Gefängnis für die Seele. Das Ziel des Lebens bei ihnen war deshalb, dass der Leib sterben musste damit die Seele daraus befreit werden konnte! Das war für die Griechen die Erlösung! Und das ewige Leben bestand für sie darin, dass die, aus sich selber, „perfekte“ Seele, nachdem der Leib gestorben war, im Weltall herumschwebte und tun konnte, wie und was sie wollte. Was „der Leib“ tat, hatte nach griechischem Verständnis nämlich keinen Einfluss auf die Seele! Deshalb hat man auch nicht viel auf den Leib gegeben! Er war so zu sagen ja nur ein „notwendiges Übel“ mit dem man machen konnte, was man wollte! Nach der Beerdigung eines Menschen war, nach ihrem Verständnis, für den Leib ja sowieso alles aus und vorbei!

Liebe Gemeinde, deshalb musste der Apostel es den Korinthern erst einmal wieder beibringen, dass Leib und Seele zusammen gehören! Was der Leib tut, hat bestimmt einen Einfluss auf die Seele! Und wenn der Leib sündigt, wenn er z.B. durch Unzucht oder andere Sünden gegen Gottes Gebote handelt, dann hat das auch negative Folgen für die Seele! Deshalb sagt er ihnen, dass die Sünden des Leibes auch die Seele aus dem Himmel halten werden! Das ist es, was er mit der Einleitung sagen will, nämlich: 9Wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen!“

Und dann wird der Leib auch wieder in seinen eigentlichen Status zurückgeholt! In den beiden letzten Versen lesen wir: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist, und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? 20Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.“ Ja ihr Lieben, so ist es! Seit der Taufe wohnt der Heilige Geist in uns, und er will in uns, und auch gerade durch unseren Leib, die Früchte des Geistes, die zur Ehre Gottes und zum Wohl von unserem Nächsten dienen, zustande bringen! So ist unser Leib ein wichtiges Werkzeug, das wir zur Ehre und zum Preis Gottes gebrauchen sollen!

Und wir? Was machen wir heutzutage mit und aus unserem Leib? Sind wir nicht vielleicht schon ins andere Extrem gegangen, wo wir unseren Körper weit über die normale, verantwortungsvolle Pflege hinaus, behandeln? Sind wir nicht mit dem weltweiten Streben nach dem „perfekten Körper“ auch schon da angekommen, dass wir den Körper anbeten, und ihm allein dienen? Versuchen wir nicht auch, um unseren Körper durch Vitamine, Farbe, stramme Übungen in Gymnasien, umringt von vielen Spiegeln, und nicht zuletzt durch die Mode, zum sogenannten „perfekten Körper“ zu erheben? In der Modewelt geht heutzutage alles für den Körper, während die Seele dabei, sehr leicht, total vernachlässigt wird! Und das ewige Heil, dass Christus für den Leib und für die Seele vorgesehen hat, gilt zum Schluss, für viele Menschen, gar nichts mehr!

Liebe Gemeinde, wir müssen deshalb immer daran denken, was dieser Text uns im 12. Vers sagt, nämlich! 12Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen.“ Wir werden hier zur Vorsicht ermahnt! Wir dürfen zwar alles, und wir können uns auch vieles leisten! Aber es gibt Grenzen, die wir als Christen freiwillig beachten sollen! Und, wo die Gefahr besteht, dass wir uns selber, und anderen, durch unser Auftreten zum Schaden handeln könnten, sollen wir das rechtzeitig erkennen, und es lieber nicht tun!

Ihr Lieben, um diese Erkenntnis zu haben, ist wahrscheinlich eine der größten und wichtigsten Früchte, die der Heilige Geist in uns wirken will! Möge Gott es schenken, dass wir in seiner Kraft unser ganzes Leben, in der Einheit von Leib und Seele, zu seinem Preis und zu seiner Ehre, führen werden. Amen.

Wir beten: Lieber Herr und Heiland, Jesus Christus, du hast mit deinem Leben für unsere ewige Seligkeit bezahlt! Wir danken dir dafür! Gib, dass wir uns nicht durch irdische Dinge von unserem himmlischen Ziel ablenken lassen! Durch deine Gnadenmittel willst du unseren Leib, als Tempel deines Geistes, immer wieder reinigen! So wird dein Geist durch uns Frucht bringen, die dir zur Ehre, und uns und unserem Nächsten, zum Guten dienen wird! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.