08. Sonntag nach Trinitatis (Früchte des Geistes) – 2023

Das Salz der Erde und das Licht der Welt: Die Bedeutung guter Werke im christlichen Leben

Südafrikaner im Ausland erkennt man am „K-Way“ Emblem an den Jacken, an den südafrikanischen Farben und natürlich am Salzverzehr. Wer ausessen geht, sich ein Steak bestellt und Salz drauf streut, bevor er es überhaupt probiert, ist mit hochprozentiger Sicherheit Südafrikaner. Wir kennen und schätzen das Salz. Das tut unser Heiland auch. Heute, ihr Lieben, spricht unser Heiland über den Wert und den Nutzen von guten Werken. Wer meint, es sei vielleicht zu katholisch, über gute Werke zu reden, muss sich hier mit dem Herrn der Kirche und seinem Wort auseinandersetzen, denn auf gute Werke ist er aus, nicht um der Werke willen oder um der Seligkeit willen, sondern um gute Werke um Gottes Willen. Um Gottes Willen! Wenn der Heiland seine Jünger Salz und Licht nennt, dann geht es ihm um gute Werke zu Gottes Lob.

Bevor wir nun in das Salz oder die Werke einsteigen, müssen wir feststellen, dass der Heiland hier zu einer ganz bestimmten Gruppe Menschen redet. „Ihr seid das Salz der Erde“, diese „ihr“, die hat der Heiland soeben mit den mitunter bekanntesten und beliebtesten Worten der Bibel beschrieben, mit den Seligpreisungen. [Mt 4,3–6] Wenn wir das aufs allerkürzeste zusammenfassen wollten, dann sagt hier der Heiland, dass Menschen, die Gott nichts, aber auch nichts zu bieten haben, dennoch alle guten geistlichen Gaben durch Jesus Christus empfangen sollen. Und dann verspricht er weiteren Segen allen, die durch ihre Beziehung zu Jesus angefangen haben, barmherzig zu sein, reine Herzen zu bekommen, sich für Frieden und Versöhnung einsetzen oder verfolgt werden. Von Anfang bis Ende redet Jesus hier zu Christen, die das Gesetz Gottes hören, die beginnen, Buße zu tun – sie, nur sie können die Seligpreisungen recht hören. Ihnen spricht der Heiland solch mächtiges, ermutigendes, starkes, orientierendes Evangelium, ihnen und allen, die ihrem Wort glauben. Direkt spricht Jesus sie an: [11f.]

Und dann: Ihr seid das Salz der ErdeIhr seid das Licht der Welt. In diesen kurzen, aber kräftigen Worten fasst Jesus das christliche Leben zusammen, was es ist, als Christ auf dieser Welt zu leben in dem Ruf und Beruf, den ihr ausübt, dort, wo ihr lebt, da, wo ihr zu Hause seid.

Zwei positive, kräftige, wirksame Vergleiche macht der Heiland hier. Ihr seid das Salz der Erde, sagt er. Seht, wo Südafrikaner durch ihren Salzgebrauch sehr auffallen, da ist das Salz selbst total unauffällig. Seine Wirkung geschieht auch und gerade da, wo man es nicht sieht. Es durchwirkt das ganze Gericht, die ganze Mischung. Das Salz ist nicht dazu da, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sondern um seine Wirkung zu entfalten, es ist da, um das Fleisch und die Bratwurst erst so richtig nach Fleisch und Bratwurst schmecken zu lassen. Sobald das Salz so sehr in den Vordergrund tritt, dass man nur Salz schmeckt, dann – und das dürfen auch wir Südafrikaner lernen – dann ist die Mahlzeit versalzen. So ist auch mit uns Jünger des Herrn. Er hat uns nicht in diese Welt gestellt, um die Aufmerksamkeit der Erde auf uns zu lenken, sondern auf Jesus Christus. Wenn wir als einzelne Christen oder als Kirche die Aufmerksamkeit auf uns lenken, wo Pastoren in den Mittelpunkt gestellt werden, wenn Kirchengebäude und -gelände und Institutionen zur Hauptsache werden, dann ist die Hauptsache nicht mehr die Hauptsache, dann hat die Kirche aufgehört, zu salzen. Da wurden der Tod und die Auferstehung des Heilands und die Rechtfertigung des Sünders weggedrängt. Dann salzt das Salz nicht mehr.

Im Essen gebrauchte man damals Meeressalz. Es diente dazu, Essen zu würzen, Fleisch zu präservieren und Wunden zu desinfizieren. Aber damals gab es auch Salz, das beim Toten Meer gesammelt wurde. In großen Verdunstungsbecken verdampfte das Wasser, und was übrigblieb, war eine Kombination von Kochsalz und weiteren Chemikalien, das als Heilmittel und für medizinische Zwecke gebraucht wurde. Mit der Zeit konnte das Kochsalz aus dieser Mischung herausgelaugt werden, sodass das Salz nicht mehr salzte. Dann war es nur noch gut, rausgeworfen und zertrampelt zu werden.

Dazu war und ist das Salz aber nicht da! Es sollte würzen, präservieren, säubern, heilen, seinen ganz eigenen Nutzen entfalten. Und das war und ist immer noch dringend nötig, wenn man denn die Erde anschaut, die wir salzen. Die Erde ist böse, korrupt, krank, schwerkrank, sie muss gesalzen werden, Menschen sollen Buße tun und glauben an den herrlichen Heiland Jesus Christus. Wie sollen sie das tun, wie wird die Erde gesalzen, wenn wir unsere Aufgabe ablehnen? Wenn wir denn an unserem Arbeitsplatz und in unserer Küche, im Tagewerk und am Abend nicht barmherzig sind, reinen Herzens sind und friedfertig, sondern knallhart und gehässig und immer auf Recht und mehr als Recht pochen und brüllen, wenn wir in der Welt mit dem Motto „Business is business“ unversöhnlich zanken und streiten und lügen und betrügen und manipulieren und bestechen, um unseren Willen durchzusetzen? Diese Erde, auf der wir jeden Tag leben, diese Erde salzen wir durch eine Lebensart, die Christus bezeugt mit Fleiß und Tüchtigkeit und Treue und Demut, mit Barmherzigkeit und Friedfertigkeit, dass unser Leben verkündigt des Herrn Tod und verkündigt des Herrn Leben, bis dass er kommt.

So auch das Licht. Ihr seid das Licht der Welt, sagt der Heiland. Gerade wir in Südafrika mit unserem lieben oder eher lästigen „Loadshedding“ sind uns wieder ganz neu dessen bewusst geworden, was Licht alles Gutes tut. Das Licht leuchtet in der Dunkelheit und beleuchtet den Weg, es zeigt, wo Gefahr ist und spendet Hoffnung, sodass man alles andere auch richtig sehen kann. So auch wir, die Jünger des Herrn: Das Licht eurer guten Werke am Arbeitsplatz und im Betrieb, in der Schule und zu Hause lässt andere erkennen, wer und wie Gott wirklich ist.

Ihr seid das Licht der Welt, das heißt nun nicht, ihr seid wie die Sonne, sondern eher wie der Mond; es geht um reflektiertes Licht. Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist. So sind wir Jünger des Herrn wie eine Solaranlage, die das kraftspendende Licht im Taufbecken sammelt und am Altar in sich aufnimmt und im Wort Gottes durchleuchtet und mit Licht überflutet wird, um dieses Licht dann nützlich weiterzugeben, bis die Akkus wieder neu aufgeladen werden. Könntet ihr es euch vorstellen, fragt der Heiland, eine Solaranlage für euer Haus einzubauen und dann die ganzen Glühbirnen schwarz anzustreichen? Auf keinen Fall, das wäre doch hirnverbrannt. So auch ihr, sagt Christus, lasst ihr euer Licht leuchten, wo man es sehen kann. So ist es eben mit guten Werken, dass sie anderen Menschen Gutes tun, sodass man sie eben sehen kann. Diese Werke will Gott, spricht der Heiland. Unsere guten Werke tun wir, um unserem himmlischen Vater Ehre zu bringen; unsere guten Werke tun wir, um den Nächsten aufzubauen.

Und das bedeutet, dass keiner von uns ein „gewöhnliches“ Leben führt. Ihr führt euer Leben eben nicht wie die Nichtchristen; sie sind nicht Salz und Licht der Welt, ihr aber schon, und ich mit. Wie das Salz den Südafrikaner im Ausland identifiziert, so die guten Werke den Christen dort, wo er lebt. Dabei geht es selbstverständlich um Wort und Tat; Worte ohne Taten hört man nicht, Taten ohne Worte bringen die Leute nicht dahin, dass sie euren Vater im Himmel preisen. Jeder gläubige Christ, Mann oder Frau, Laie oder Pastor, steht und geht und lebt als Jünger des Herrn durch Jesu Vergebung und Segen. In seinem Trost, in seinem Licht, in seiner Sanftmut, durch seine Barmherzigkeit leuchtet in dir und mir hell auf das Licht des Herrn. So seid das Salz der Erde. [16] Amen.