09. Sonntag nach Trinitatis (Der kluge Haushalter) – 2022
Wozu sind wir Christen eigentlich hier auf der Erde? Was ist unser Zweck und Ziel im Leben? Diese Frage beantwortet der Herr heute in einem Gleichnis: Wir sind hier auf Erden als eingesetzte Haushalter Gottes. [14] … und zog fort. Der Herr des Gleichnisses ist der Herr Christus. Die Knechte sind wir. Uns hat er seinen Reichtum anvertraut, dass wir ihn für ihn verwalten, bis er wiederkehrt. Darin besteht unsere Aufgabe, das ist der Sinn unseres Daseins hier auf Erden: dass wir Christi Haushalter sein sollen. Wir sind also nicht nur rein zufällig hier auf Erden; wir sind nicht um unser selbst willen hier; wir sind nicht hier, um auch diese Welt erst einmal völlig auszukosten, bevor wir in die nächste eingehen werden, wo es anders sein wird. Wir sind hier als Haushalter unseres Gottes, als Verwalter der Güter unsers Heilandes Jesu Christi.
Jedem Knecht wird Eigentum in Form von Talenten anvertraut. Ein Talent ist eine große Geldsumme, das Gehalt für etwa tausend Arbeitstage, und 5 Talente sind also mehr als 15 Jahreslöhne für einen einfachen Arbeiter. Der zweite bekommt 2, der dritte ein Talent. Auch 1 Talent ist ein hohes Vermögen. Der Herr überlässt ihnen den Reichtum und geht weg, ohne auch nur ein Wort der Anweisung zu geben. Die ersten beiden verdoppelten die Investition. Aber der dritte macht es anders. Wie Ramaphosa auf Phala-phala in die heilige Matratze investiert er seine Summe in ein Loch in die Erde und versteckt es. Nach langer Zeit kehrt der Meister zurück, um die Rechnung zu begleichen. Die beiden, die einen Gewinn erwirtschaftet haben, werden mit einem herzlichen „Gut gemacht“ gelobt und dürfen an der Freude ihres Meisters teilhaben. Der dritte wird mit Heulen und Zähneklappern in die Finsternis verdammt, weil er sein vergrabenes Talent unbewirtschaftet zurückgegeben hat.
Oberflächlich betrachtet klingt das Gleichnis wie ein Urteil nach Werken: Derjenige, der viel verdient, bekommt viel und dann sogar noch das Talent des dritten Knechtes. So nach dem Motto: Tu also alles, was du für Gott tun kannst, hoffe auf das Beste und bete, dass du bloß bei Geschäftsschluss Gewinn vorweisen kannst, sonst kannst du dich gleich mit dem dritten Knecht in die ewige Arbeitslosenschlange einreihen.
Aber der dritte Knecht ist der Schlüssel zum rechten Verständnis. Warum hat er keinen Gewinn erwirtschaftet? Warum hat er keine Geschäfte gemacht? Warum hat er keine Geschäfte mit der Welt gemacht und Geld investiert, das ihm gar nicht gehörte? Schließlich hatte er doch nichts zu verlieren. Warum also tat der dritte Knecht nichts? Warum nahm er das glänzende Talent und vergrub es? Vielleicht sollten wir besser fragen: Warum tun wir das? Was hält uns davon ab, etwas zu tun, Risiken einzugehen, uns einzusetzen? Angst. Es ist Angst. Angst vor Versagen, Angst vor Bestrafung, Angst vor Verlust, Angst vor dem missbilligenden Blick unseres Vaters. Die Angst macht uns lahm, hindert uns daran, überhaupt anzufangen.
Wenn du Eltern hattest, die nie zufrieden waren, für die deine Arbeit nie gut genug war, dann trifft dieses Gleichnis einen wunden Punkt. Angst. Man kann sie in der Stimme des Knechtes hören: [24b] Das sind du und ich unter dem Gesetz. Das Gesetz ist ein harter Zuchtmeister. Es verlangt eine perfekte Leistung. Wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig (Jak 2,10). Das Gesetz verlangt Gehorsam, aber es kann kein einziges gehorsames Werk hervorbringen, sondern nur Angst, Furcht und Schrecken. Und wenn du Gott als deinen himmlischen Vater so siehst und wenn das Gesetz die einzige Möglichkeit ist, mit ihm umzugehen, dann bleibst auch du wie gelähmt vor Angst.
Aber die gute Nachricht ist, dass Jesus Christus dich davon befreit hat. Was zählt, ist nicht die deine perfekte Leistung, denn es ist sowieso nicht deine Leistung. Es ist die Leistung Gottes, die in dir wirkt. Worauf es ankommt, ist das Vertrauen, das Vertrauen darauf, dass Jesus am Kreuz mit seinem vollkommenen Leben und Sterben deine Rechnung beglichen hat, so dass du in dieser Welt ohne Angst vor Versagen handeln kannst. Und wie bei den Dienern im Gleichnis gibt es keine Regeln. Es gibt nur den Glauben an Gott und die Liebe zu den anderen.
Was diesem dritten Knecht fehlte, war nicht der Gewinn oder der Profit, sondern der Glaube. Er glaubte, dass sein Herr hart, anspruchsvoll und grausam war. Und er bekam, was er glaubte. Hätte er geglaubt, dass sein Herr unbekümmert und voller Freude war, dass es ihm egal war, was man verdiente, solange man mit der Welt Geschäfte machte und den guten Namen des Herrn verbreitete, dann wäre dieser Diener hinausgegangen und hätte mutig Geschäfte gemacht, als jemand, der nichts zu verlieren hatte.
Ihr habt nichts zu verlieren. Die Erlösung gehört euch. Das ewige Leben gehört euch. Die Schätze des Himmels gehören euch. Jesus wurde an eurer Stelle verurteilt. In Jesus seid ihr frei, das zu tun, was Gott euch aufgetragen hat, mit den Gaben und Fähigkeiten, die er euch gegeben hat, in dem Wissen, dass Gott dabei am Werk ist und er niemals versagt. Und sogar durch eure Fehler, eure Unzulänglichkeiten und eure Schwächen hindurch wird sein Wille immer geschehen. Das ist unser Vertrauen. Das ist unsere Freude. Das ist unser Glaube. Das ist unsere Freiheit. Das ist unsere Gelegenheit. Amen.
09. Sonntag nach Trinitatis (Der kluge Haushalter)
Wochenspruch
Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.
Lukas 12, 48
Introitus – Nr. 50 (Psalm 143, 1 – 2a; Psalm 40, 9)
Epistel
Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.
Philipper 3, 7 – 14
Hauptlied
Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun 456
Evangelium
Jesus sprach: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort. Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu. Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen. Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wieder bekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.
Matthäus 25, 14 – 30
liturgische Farbe: grün
Festzeit: Trinitatiszeit
Wochenspruch: Lk 12,48
Wochenpsalm: Ps 40
Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113
Epistel: Phil 3,7-11 (12-14)
Evangelium: Mt 25,14-30
Predigttext: Mt 7,24-27
Wochenlied: 497
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Mt 25,14-30
II: Phil 3,7-11 (12-14)
III: Mt 7,24-27
IV: Jer 1,4-10
V: Mt 13,44-46
VI: 1. Petr 4,7-11