Die Weisheit eines hörenden Herzens: Lektionen von Salomo für ein weises Leben in Christus
Die Geschichte von König Salomo lehrt den Unterschied zwischen Wissen und Weisheit. Salomo bat Gott um ein “hörendes Herz”, um Gut von Böse zu unterscheiden, statt nach Reichtum oder Anerkennung zu streben. Diese Erzählung zeigt, dass wahre Weisheit bedeutet, auf Gottes Wort zu hören und danach zu handeln, besonders in Verantwortungspositionen. Sie erinnert uns daran, auf Christi Weisheit zu vertrauen, um ein weises Leben zu führen.
Wissen ist, gelernt zu haben, dass Tomaten Früchte sind. Weisheit bedeutet, sie trotzdem nicht in einen Obstsalat zu mischen. Wissen respektieren wir; Weisheit aber noch mehr. Weisheit verstehen wir oft als Lebenserfahrung, wir verbinden sie mit dem Alter, mit einem Menschen, der viel erlebt hat und es geschafft hat, trotzdem eine Art Seelenruhe zu finden und umgehen zu können mit Schwerem, sich nicht umwerfen zu lassen, wenn das Leben bunt und bedrohlich überfüllt wird. Aber wahre Weisheit ist viel, viel mehr als das.
Wenn wir an Weisheit in der Bibel denken, fällt uns der König Salomo ein mit seiner Bitte. So haben wir es in Bibelgeschichten gelernt: Salomo hätte bitten können um Reichtum und Anerkennung, aber er tut es nicht. Salomo weiß sofort: Wenn Gott sagt: „Bitte, was ich dir geben soll!“, dann ist das eine Prüfung. Er darf bitten, was sein Herz wünscht. Aber Salomo weiß: Woran du nur dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott. Und so bittet Salomo um – „Weisheit“ (so haben wir das zumindest in Erinnerung), um ein „verständiges Herz“. Wörtlich aber bittet Salomo nicht um Weisheit; nein, er bittet Gott: „Gib mir ein hörendes Herz.“ Er sagt: Gott, ich brauche deine Hilfe, ich bin jung und unerfahren, meine Aufgaben sind so groß und schwer, dass ich gar keine Ahnung habe, wie König zu sein; so gib mir ein hörendes Herz, damit ich dienen kann und verstehen, was gut und böse ist.
Mit dieser Bitte besteht Salomo die erste Prüfung. Gott macht ihn zum weisesten König seiner Zeit. Sein hörendes Herz wird zur Basis für seine Intelligenz, seinen Verstand, seine Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und weise zu handeln. So auch wir: Nur wenn unser hörendes Herz auf Gott hört und sein Wort, können wir auch weise Entscheidungen im Leben treffen und die Willenskraft bekommen, danach zu handeln. Wenn unser Herz nicht auf Gott hört, auf sein Wort, auf seine Gebote, auf seinen hört, dann hilft alle Lebenserfahrung der Welt nicht, gute Entscheidungen zu treffen. Aber mit Gottes Wort als Grundlage haben wir die Basis für ein weises Leben.
Mancher von uns wird im Leben in Positionen gebracht, in denen wir Verantwortung übernehmen müssen für andere Menschen. In denen wir dienen müssen, schwere Entscheidungen treffen müssen, mit Menschen arbeiten müssen, die uns vor Herausforderungen stellen, sei es als Geschäftsleute, als Arbeitgeber, sei es in der Gemeinschaft in einem Amt, das wir ausüben müssen, sei es in der Gemeinde, wo wir dienen sollen. Manchmal überfordern uns solche Aufgaben und es geht uns wie Salomo, dass wir uns selbst zu jung und unreif und unerfahren vorkommen und die Aufgaben und Verantwortung und die Kritik und die Anfragen zu viel, zu groß und schwer werden und wir verzweifeln wollen. Manch einer meint dann, es ist besser, nichts zu tun, nicht zu dienen, solche Aufgaben ganz zu vermeiden. Aber das hilft nicht, denn die Entscheidungen müssen nun mal getroffen und die Dienste ausgerichtet werden zum Wohl der anderen und zum Dienst in Gemeinschaft, Gemeinde, Familie.
Da gibt Luther einen guten Rat, den ich hier etwas frei wiedergebe: „Soll man denn gar nichts tun und jeder schweren Verantwortung aus dem Weg gehen? Nie und nimmer! Stattdessen soll jeder sein Amt fleißig und treu ausrichten, das ihm von Gott befohlen ist; aber er soll sich davor hüten, dass er sich nicht auf seine Kräfte oder Weisheit verlasse und meine, dass er ein großer Mann ist und alles nach seinem Rat gehen soll. Denn solcher Frechheit und Einbildung ist nicht zu helfen; es ist verdammlich, wenn ich meine, dass ich immer und überall die rechten Beschlüsse fasse und Haus oder Kirche gut regieren kann. Nein, sondern wenn du ein Richter bist, ein Bischof, ein Prinz – wir können hinzufügen: ein Arbeitgeber, einer mit Verantwortung – so schäme dich nicht, auf deine Knie zu fallen und zu sagen: Lieber Herr Gott, du hast mich zu einem Prinz, Richter, Hausvater, Pastor, Diener in der Kirche gesetzt (Vorsteher, Lehrerin, Farmer, Arbeitgeber, Mutter, Leiterin, Verantwortungsträger), darum regiere und lehre du mich, gib mir Rat, Weisheit, Stärke und Kraft, das ich mein befohlenes Amt fleißig und gut ausrichte.“
Das hat Salomo getan und hat viele Jahre weise gedient. Aber die letzte, große Prüfung ist er schließlich doch durchgefallen. Gottes Wort sagt: Salomo liebte ausländische Frauen, – 700 Haupt- und 300 Nebenfrauen, aus solchen Völkern, von denen der Herr gesagt hatte: Geht nicht zu ihnen und lasset sie nicht zu euch kommen. … Und als er nun alt war, neigten seine Frauen sein Herz fremden Göttern zu, sodass sein Herz nicht ungeteilt bei dem HERRN, seinem Gott. 1. Kö 11,4 Gott gab Salomo ein hörendes Herz, ein Herz, das auf Gottes Wort hörte. Aber mit der Zeit hörte Salomos Herz immer mehr auf seine ungläubigen Frauen. Sie haben Salomo den Kopf und das Herz verdreht. Da war es also mit seinem hörenden Herzen, seinem gehorsamen Herzen dahin.
Ihr lieben Konfirmanden, wie alle konfirmierten Glieder unserer Gemeinde habt ihr euer Leben lang nun schon Gottes Wort gelernt und die Sakramente kennen und schätzen gelernt. Euer Herz hat durch Gottes Gnade sein Wort gehört, wie es euch eure Eltern und Großeltern zu Hause, Eure Lehrerinnen im Unterricht und auch ich es euch alle gesagt haben. Heute kommt eine erste Prüfung – eigentlich eine Gelegenheit, das zu bekennen, was ihr wisst und glaubt. Diese ganze Gemeinde steht hinter euch und freut sich an euch und trägt euch im Gebet. Wie die älteren Christen hier aber auch wissen, ist diese nur die erste von vielen Prüfungen, die ihr im Leben erfahren werdet. Um diese Prüfung und alle anderen Prüfungen des Lebens zu bestehen, um unser Herz nicht fremden Göttern zuzuneigen, brauchen wir eine Weisheit, die größer ist als die von Salomo. Aber wo finden wir die?
Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde: Wahre Weisheit bedeutet nicht, dass ein Mensch viel weiß, auch nicht die Fähigkeit, das Wissen auch immer richtig anzuwenden, wahre Weisheit ist auch nicht mit Lebenserfahrung gleichzusetzen, sondern wahre Weisheit ist zuerst und zuletzt die Furcht des Herrn. So sagt es uns Gottes Wort Spr 9,10 und Ps 111,10: Der Anfang der Weisheit ist die Furcht des Herrn, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand. Es gab und gibt nämlich Einen, der viel weiser ist als Salomo und alle anderen weisen Menschen aller Zeiten. Und das ist der Herr Jesus Christus selber. In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis (Kol 2,3). Christus ist Gottes Weisheit in Person. Der gekreuzigte Christus, den die Weisen dieser Welt für Dummheit halten, er ist selbst die Weisheit Gottes. Hört auf ihn und fürchtet Gott! Christus ist das Evangelium in Person, die Kraft Gottes, die selig macht alle, die an ihn glauben, die Weisheit, die uns weise macht zum ewigen Leben; seine Leistung ist es, durch die wir diese und alle Prüfungen bestehen; er hat versprochen: „Wenn es aber jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern gibt und niemanden schilt; so wird sie ihm gegeben werden.“ (Jak 1,5) So schämen wir uns nicht, zu beten: Herr Jesus Christus, du Weisheit des ewigen Gottes, gib unseren Konfirmanden und uns allen allezeit ein hörendes Herz für dein Wort, ein Herz, das dich fürchtet und sich von dir etwas sagen lässt, dass wir in dir weise werden zum ewigen Leben und ewiglich in dir befunden werden. Amen.
Wochenspruch
Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.
Lukas 12, 48
Introitus – Nr. 50 (Psalm 143, 1 – 2a; Psalm 40, 9)
Epistel
Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.
Philipper 3, 7 – 14
Hauptlied
Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun 456
Evangelium
Jesus sprach: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort. Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu. Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen. Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wieder bekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.
Matthäus 25, 14 – 30
liturgische Farbe: grün
Festzeit: Trinitatiszeit
Wochenspruch: Lk 12,48
Wochenpsalm: Ps 40
Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113
Epistel: Phil 3,7-11 (12-14)
Evangelium: Mt 25,14-30
Predigttext: Mt 7,24-27
Wochenlied: 497
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Mt 25,14-30
II: Phil 3,7-11 (12-14)
III: Mt 7,24-27
IV: Jer 1,4-10
V: Mt 13,44-46
VI: 1. Petr 4,7-11