Wer schon mal im Flugzeug gereist ist, kennt die üblichen Ansagen. Z.B.: „Wir freuen uns, Sie heute an Bord begrüßen zu dürfen.“ Usw. Dann kommt irgendwann die Sicherheitsanweisung, da heißt es u.a.: „Sollte der Druck in der Kabine unerwartet sinken, fallen Sauerstoffmasken von der Decke herunter. Bitte legen Sie zuerst ihre eigene Maske an und versorgen erst danach Kinder, Säuglinge und andere.“ Worum geht es da? In der Krise, wenn im Flieger z.B. ein Fenster ausgeschlagen wird oder ein Loch in der Wand entsteht, entweicht der Sauerstoff sofort und man kann kaum noch atmen. Die Sauerstoffmasken machen das Atmen wieder möglich. Aber weil man Sorge trägt um das kleine Kind neben sich oder um die ältere Person, mit der man reist, will man oft zuerst dieser Person helfen und erst dann sich selbst. Dieser Impuls ist verständlich und liebevoll und fürsorglich, aber er hilft nicht weiter. Man kann in der Krise nämlich nicht anderen helfen, wenn man selbst wegen Sauerstoffmangel ohnmächtig geworden ist. Deswegen gilt in der Krise, im Notfall, bei fehlendem Sauerstoff: Legen Sie zuerst ihre eigene Maske an!
Dass der Westen – Nordamerika, Europa, Australien und ähnlich denkende Völker – in einer Art Existenzkrise steckt, wissen wir schon lange. Das Woke-Denken, wie Dr. Schulz es uns vorgetragen hat, der Kampf um Abtreibung, um Euthanasie, der schleichende Marxismus, der Zusammenbruch von Autoritäts-strukturen, die anhaltende sexuelle Revolution, in der alles geht und gehen soll, das Feiern von Transgenderism, die Abkehr von christlichen Werten, dieser Dinge sind wir uns bewusst. Wer aber noch daran zweifelte, dass all das von vielen Eliten im Westen nicht nur begrüßt, sondern aktiv vorangetrieben wird, dem werden durch die Eröffnungszeremonie der olympischen Spiele die Augen geöffnet worden sein. Offen wurde gefeiert, was Gottes Wort widerspricht. Ein bekannter Rechtsprofessor aus den USA gab dazu folgenden Kommentar: „Ich finde es amüsant, dass die Verantwortlichen für die berüchtigte Eröffnungs-zeremonie der Olympischen Sommerspiele 2024 sich nicht einig sind, ob sie das Christentum verspotten oder einfach nur die Ausschweifung feiern und fördern wollten. … Wie auch immer, das Spektakel war abscheulich. Vielleicht hatte es aber auch eine unbeabsichtigte positive Folge. Es führte der Welt die moralische Verderbtheit und geistige Trägheit vieler westlicher kultureller Eliten vor Augen. Es war das sprichwörtliche Bild, das mehr als 1000 Worte sagt.“ So ist es. Was früher heimlich und mit Scham getan wurde, wird heute krass ausgelebt, es wird gefeiert, was dem lieben Gott ein Gräuel ist.
Wir Christen sind keine Miesmacher. Wir feiern den Sport, wir finden sportlichen Wettbewerb gut und erkennen sportliche Talente als Gaben des Schöpfers an. Wir hören hin, wenn der Herr sagt, dass wir gesund leben sollen, den Körper pflegen sollen und uns nicht schuldig machen sollen an Überessen und Alkoholmissbrauch und Drogenkonsum. Wenn unsere Kinder an den Schulen Sport machen, wenn wir als Erwachsene Sport treiben, dann ist das eine gute Sache. Wir sind völlig frei, Springbok-Spiele zu sehen und auch olympischen Wettkämpfen an sich zuzuschauen. Aber worauf die Eröffnungs-zeremonie hindeutet und wo die große Gefahr bei dem Sport liegt, das ist die Vergötterung des Sportes. Der Gedanke, dass man durch den Sport dem Herzen des Universums irgendwie näherkommt, dass der Sport wichtiger ist als die intellektuelle Bildung und das geistliche Leben, dass wir Christen wegen Sport den Gottesdienst und das geistliche Leben vernachlässigen – darauf ruht kein Segen. Ganz klar ist der Sport an und für sich eine gute Sache, aber wir haben dabei stets darauf zu achten, dass wir ihm die richtige Priorität zumessen, sodass der Sport nicht zwischen Gott und uns gerät und wir der Abgötterei schuldig werden. Wir wollen gut und gerne Sport betreiben, aber so, dass wir Gott den Schöpfer dadurch ehren.
Es geht aber auch weiter als das. Durch die Eröffnungszeremonie wollen die Organisatoren der olympischen Spiele aussagen, dass alle Völker der Welt ihre Einheit finden und feiern sollen einerseits durch den Sport, andererseits durch Ausschweifung und Unkeuschheit, ja, durch die Freiheit, das Böse zu tun. Ihr Lieben, durch diese Dinge werden die Völker der Welt nie zur Einheit finden. Die Welt, der Westen und auch unser Land Südafrika stecken in der Existenzkrise. Was wir kommen wir dagegen an? Was sollen wir denn tun?
Wir lernen aus der Sicherheitsanweisung: In der Krise, im Notfall, wenn uns der Sauerstoff ausgeht: Legen Sie zuerst ihre eigene Maske an! Das ist es, was uns heute der Prophet Sacharja sagt. Sacharja 8 hat eine doppelte Dynamik: 1. Gottes Reich will zu uns kommen; 2. Gottes Reich will durch uns kommen. Ganz einfach: Zu uns. Durch uns. Zu uns mit großen Mengen von sauerstoffreichem Evangelium, um uns Leben und Kraft und Hoffnung zu schenken. Zu uns, das ist der 1. Teil von diesem Kapitel. Dann: durch uns. Darum geht es hier. Zu uns; durch uns; so behalten wir Ruhe in einer Welt, die aus den Fugen gerät. Wir haben Frieden in einer Welt, die nicht mehr weiß, was gut und böse ist. Und wir bieten anderen Menschen die Wahrheit an. Gottes ewige Wahrheit in den turbulenten Zeiten der heutigen Krise.
Gott schenkt Sauerstoffmasken von oben. Den ersten Teil von Sacharja 8: Legen Sie zuerst ihre eigene Maske an! Fünf sauerstoffreiche Verheißungen gibt der Herr hier: Seine Gegenwart: Ich kehre zurück und will unter euch wohnen. Immanuel: Gott mit uns. Seinen Schutz will er geben den Alten und den Jungen und allen andern auch, dass sie alle im Frieden leben werden. Seine Rettung – Gott will sorgen, dass seine Kinder aus allen Ländern und Völkern der Welt vom Osten und Westen und Norden und Süden zu ihm kommen, und allesamt sollen wir sein Volk sein und er unser Gott sein, nicht etwa wegen unserer Verdienste oder Würdigkeit, sondern allein aus Gnaden und um seiner Verdienste willen. Seine Schöpfung will er neu machen – rechte Weintrauben sollen in der neuen Schöpfung wachsen, und daraus rechter Wein entstehen, die Erde wird ohne Unkraut die Ernte produzieren, der Himmel wird seinen Segen geben, alles, was in der jetzigen Schöpfung so schiefläuft, Tsunamis, Erdbeben, Viren, Pandemien, Frost, Schimmel, Wurm- und Käfer- und Mottenplagen, Krankheit, Dürre, Brandstiftung und Wasserschaden, alles hat ein Ende. Und aus Fasten und Bußgottesdiensten will der Herr Feste und frohe Feiern machen, sodass kein Weinen und Trauern und Seufzen mehr sein wird, sondern Lachen und Festmusik und fröhlicher Gesang. Diese fünf Verheißungen Gottes geben uns Sauerstoff, sie werden um so schöner und fester durch Jesus Christus, denn die Schrift lehrt: auf alle Gottesverheißungen ist in [Jesus Christus] das Ja. Gottes Gegenwart, Schutz, Rettung, neue Schöpfung und frohes Festefeiern, das alles schenkt er durch Christus. In jeder Krise atmen wir diesen vom Evangelium durchtränkten Sauerstoff ein durch den gekreuzigten und lebenden Herrn Jesus. Denn wenn wir diese Maske nicht zuerst aufsetzen, dann geht uns der Sauerstoff aus, dann wird unser Leben und alles andere zum Klischee, langweilig, keine große Sache und unser geistliches Leben wird öde und spröde. Legen Sie zuerst ihre eigene Maske an! Dann faszinieren und fesseln uns die erstaunlichen Tatsachen: dass ein unschuldiger Mann gestorben ist, damit wir es nicht müssen, dass ein ermordeter Mann wieder zum Leben erwacht ist, dass wir in Jesus Gottes Gegenwart, Gottes Schutz, Erlösung, Erneuerung und fröhliches Feiern in Ewigkeit haben.
Das ist die erste Dynamik von Sacharja 8: Gottes Reich will zu uns kommen. Und dann die zweite Dynamik: Gottes Reich will durch uns kommen. Als nach der langen Gefangenschaft des Volkes Gottes damals endlich der Tempel neu gebaut wurde, kamen vorsichtig einige Bürger der Stadt Bethel zu Besuch, um im neuen Tempel den Herrn anzubeten und anzurufen. Aber, sagt der Herr, wenn der neue Tempel, Jesus Christus, endlich und für immer kommt, werden nicht nur einige Leute aus einigen Orten vorsichtig kommen und den Herrn suchen, sondern viele Menschen aus allen Völkern und Sprachen und Ländern werden fröhlich und eifrig und zuversichtlich kommen, um Gott anzubeten. Da wird es zur rechten Einheit zwischen den Völkern der Erde kommen – nicht auf dem Berg Olympus, sondern auf dem Berg Zion, auf dem Hügel Golgatha, in der herrlichen Gegenwart Gottes.
Aber das Heil und die Einheit der Menschen durch Christus ist nicht nur für alle, sondern auch höchst persönlich. Zu der Zeit werden zehn Männer aus allen Sprachen der Heiden einen Mann aus Juda beim Zipfel des Gewandes ergreifen und sagen: Wir wollen wir mit euch gehen, denn wir hören, dass Gott mit euch ist. Wer ist dieser Mann aus Juda? Es ist nicht irgendein Jude im modernen Sinne des Wortes, sondern ein besonderer Mann aus Juda, es geht um den Mann aus dem Stamm Juda und um jeden, der zu ihm gehört. Christus sagt: Das Heil kommt von den Juden. (Joh 4,22) Aber es kommt gerade und nur durch den Herrscher aus Judas Stamm, den einen Sohn Davids, Jesus Christus, wie es auch in Sach 12,10 heißt, dass Gott das Heil ausgießt durch ihn, „den sie durchbohrt haben“. Warum wollen diese Leute ihn festhalten und nicht loslassen? Weil sie sehen, dass er Sauerstoff hat, und sie auch welchen wünschen, weil sie mitbekommen haben, dass Gott mit ihm ist. Gott ist die Liebe – er liebt auch mich! Schau, wenn andere das in dir erkennen, dann wollen sie es auch für sich haben. Vor einigen Jahren wurde eine Studie unter 8000 Menschen durch-geführt, die zum Glauben an Jesus gekommen waren. Die Frage war: Wie sind diese 8000 Menschen zum Glauben an Jesus gekommen? 5% kamen, indem sie aus eigener Initiative in die Kirche gingen. 7% kamen, weil sie von dem Pastor gehört hatten. 3% lernten Jesus aufgrund einer Initiative der Kirche kennen. 1% kamen, weil man an ihren Haustüren geklopft und sie eingeladen hatte. 4% kamen wegen der Kinderarbeit einer Gemeinde. 80% kamen zum Glauben an Jesus durch eine persönliche Einladung eines Freundes oder Verwandten. Sie halten sich an jemanden, weil sie wissen, dass diese Person die Wahrheit hat, wenn das Flugzeug abstürzt. Also: legen Sie zuerst ihre eigene Maske an! Und dann versorgen Sie ihre Mitreisenden.“ Amen.
SSOLI OLI DDEO EO GGLORIALORIA
Pastor Dr. Karl Böhmer
10. Sonntag nach Trinitatis (Der Herr und sein Volk)
Wochenspruch
Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!
Psalm 33, 12
Introitus – Nr. 51 (Psalm 33, 12; Psalm 74, 2)
Epistel
Ich will euch dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: „Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.” Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.
Römer 11, 25 – 32
Hauptlied
Gott der Vater wohn uns bei 226
Nimm von uns, Herr, du treuer Gott 274
Evangelium
Als Jesus nahe hinzukam, sah er die Stadt Jerusalem und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen. Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen, und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist. Und er ging in den Tempel und fing an, die Händler auszutreiben, und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: „Mein Haus soll ein Bethaus sein”; ihr aber habt es zur Räuberhöhle gemacht. Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Angesehensten des Volkes trachteten danach, dass sie ihn umbrächten, und fanden nicht, wie sie es machen sollten; denn das ganze Volk hing ihm an und hörte ihn.
Lukas 19, 41 – 48