11. Sonntag nach Trinitatis (Pharisäer und Zöllner) – 2019

11. Sonntag nach Trinitatis (Pharisäer und Zöllner) – 2019

Die Gnade unsres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Text: Lukas 7, 36 – 50

36Es bat ihn aber einer der Pharisäer, bei ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch. 37Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, dass er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein Glas mit Salböl 38und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit Salböl. 39Als aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. 40Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sag es! 41Ein Mensch (Gläubiger) hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. 42Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er’s beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben? 43Simon antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er am meisten geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt. 44Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. 45Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. 46Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. 47Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. 48Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. 49Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt? 50Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!

Wir beten: Lieber Vater im Himmel, wir danken dir für dein Wort wodurch du heute mit uns reden willst! Lass uns dadurch immer wieder unsre Sünde erkennen und sie im Gebet vor dir bekennen! Herr, segne jetzt dein Wort an unsren Herzen. Amen.

 Im Namen Jesu, liebe Gemeinde

Die meisten von uns sehen, hören und lesen die Nachrichten im Fernsehen, im Smartphone und in den Zeitungen, wahrscheinlich regelmäßig! Dabei passiert es sehr schnell, dass man sich selbst mit den anderen vergleicht. Dann denkt man leicht: „So schlecht, wie die da, bin ich ja nun zum Glück nicht!“ oder: „Das geschieht ihnen Recht, sie wollten ja nicht hören!“ Es gehört mit zu dem menschlichen Denken, dass wir uns gut fühlen, wenn wir meinen, dass wir nicht die „schlechtesten“ Menschen auf Erden sind, was immer das zu bedeuten hat!

Das Thema für diesen Sonntag heißt: „Pharisäer und Zöllner. In dem Evangelium haben wir deshalb eben auch dieses Gleichnis gehört! Das hat Jesus erzählt, um uns das rechte Verhalten des Sünders vor Gott zu erklären! Dieser Predigttext passt auch genau zu dem Thema und erklärt uns diese Sache sogar noch besser! Was hier berichtet wird ist nämlich eine wahre Geschichte und nicht nur ein Gleichnis, wie wir es im Evangelium gehört haben! Wir könnten deshalb über diesen Sonntag auch das Thema: Pharisäer und Sünder schreiben! Dann hätten wir sie zusammen, diese Zöllner und Sünder, die von den Pharisäern, und auch heute oft von vielen von uns, ohne Wenn und Aber, verdammt werden!

Letzten Sonntag haben wir gehört, wie liebevoll, aber dennoch direkt, Jesus mit der Frau am Jakobsbrunnen über ihre Sünde geredet hat! Und dann haben wir auch gesehen, wie er diese Frau zum Glauben gebracht hat! Und wie sie dann aus diesem Glauben an Jesus, gleich das ganze Dorf hergeholt hatte, um Jesus kennen zu lernen! Und dadurch sind viele von den Bewohnern des Dorfes, Sychar in Samaria, zum Glauben an der Heiland der Welt gekommen!

Liebe Gemeinde, dass es Sünde gibt, wissen wir alle, aber heute gehen wir mit diesem Thema einige Schritte weiter. Unser Text stellt uns nämlich vor die folgenden Fragen:

  1. Wer sind denn die Sünder von denen unser Text redet?
  2. Gibt es wirklich verschiedene Kategorien von Sündern, nämlich diejenigen, die nur „kleine Sünden,“ sogenannte „kleine Fehlerchen“ machen, bis hin zu denjenigen, die in „grobe Sünde,“ in sogenannte „schändliche Taten,“ gefallen sind?
  3. Wie schätzt Gott uns ein?
  4. Wie geht Gott mit der Sünde um?
  5. Wie schätzen wir uns selber ein?

Liebe Brüder und Schwestern; in der Bibel gibt Gott uns auch noch an anderen Stellen, als nur in diesen beiden Predigttexten, klare Antworten auf diese Fragen! Im Brief an die Römer, Kapitel 3, 23 lesen wir z.B. die bekannten Worte: „Es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten!“ Und schon im Alten Testament, Psalm 14, 2 & 3 heißt es: „Der Herr schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage. Aber sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer!“ So gibt es noch viele Stellen, die uns ganz deutlich sagen, dass alle Menschen Sünder sind, die nur aus Gnade selig werden! Deshalb heißt es auch nach Römer 3, 23 im 24. Vers gleich anschließend: „und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.“

Es gibt auch keine allgemeine Einteilung der Menschen in verschiedene Gruppen, z.B. sogenannte „große Sünder“ und „kleine Sünder“ oder auch „Sünder“ und „Fromme!“ Das beweist uns die Bibel z.B. im Brief des Jakobus, Kapitel 2, 10. Da heißt es: „Denn wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt (auch nur) gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig.“ Es geht also nicht darum, dass man gar nicht, oder mindesten so wenig wie nur möglich sündigt, um deshalb vor Gott gerecht zu werden! Nein! Es geht darum, dass man die Sünden, auch die „kleinen“, die man getan hat, nicht immer entschuldigt, verharmlost und zu verstecken sucht! Man muss alle Sünden bereuen und bekennen, und Vergebung dafür von Gott bekommen! Natürlich gibt es auch sogenannte, „grobe“ Sünden, von denen die Bibel sagt, dass wir sie vermeiden sollen! Aber auch das bringt uns nicht in den Himmel! Das tut nur Gottes vergebende Gnade und seine Liebe zu uns in Christus Jesus!

Liebe Gemeinde, für den Pharisäer, Simon in unserem Text war es klar, dass Gott mit ihm eigentlich ganz zufrieden sein konnte! Er hatte ja sogar Jesus, dem er nicht sehr freundlich gesonnen war, zu sich ins Haus eingeladen! Wahrscheinlich tat er auch alles das, worüber der Pharisäer im Gleichnis, das wir eben im Evangelium gehört haben, geprahlt hatte! Dabei hatte er aber vergessen, dass er Jesus nicht einmal nach den Sitten und Regeln der Zeit empfangen hatte! Es gab keinen Kuss zur Begrüßung, keinen Diener mit Wasser zum Waschen der Füße und auch kein Öl zum Glätten der Haare! Und das, obwohl man annehmen kann, dass dieses alles für die anderen Gäste bereit war. Es fehlte bei ihm leider die offene und ehrliche Herzlichkeit und Liebe zu Jesus! Er hat auch auf die Frau, und damit auf alle, die für ihn unter seiner selbst-gerechten Würde waren, herabgesehen! Das kann man ganz deutlich aus seinen Gedanken, die in Vers 39 genannt werden, erkennen!

Dieser Mann hatte sich selbst als „OK“ eingeschätzt, gegenüber dieser Frau! Er hatte dabei sogar gemeint, dass er Jesus, wegen seiner prophetischen Gabe, an seiner Seite haben würde! Er hatte erwartet, dass Jesus sie als „Sünderin“ erkennen, und sie sofort, wie einen ungewollten Hund, mit einem Fußtritt von sich wegjagen würde! Das hätte Jesus nach den jüdischen Regeln auch eigentlich tun müssen, um selber „rein“ zu bleiben! Aber: „Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten“ hat Jesus bei Matthäus 9, 13 von sich selbst gesagt! Deshalb tut er beides: er stößt diese Frau nicht von sich und er ruft auch den Pharisäer, Simon zu sich dadurch, dass er ihm seine Lieblosigkeit aufdeckt! Er erzählt ihm das kurze Gleichnis von der Vergebungsbereitschaft Gottes. Damit wollte er ihn einladen um auch von dieser Liebe und Freundlichkeit Gottes gebrauch zu machen! Ob er diese Einladung irgendwann angenommen hat, wissen wir nicht!

Wir wissen auch nicht genau, was diese Frau getan hatte, um sich diesen schlechten Ruf in der Stadt zu verdienen! Wahrscheinlich hatte es etwas mit Unzucht zu tun! Wir wissen aber, dass sie ihren verlorenen Zustand erkannt hat! Deshalb kam sie nun in voller Hingabe, und in tiefer Reue mit teurem Salböl zu Jesus, und tat, wie es in unserem Text beschrieben ist! Sie hatte sich selbst richtig eingeschätzt, nämlich als Sünderin, die nur durch Gottes Gnade Vergebung für ihre Sünde bekommen konnte! Sie fiel Jesus zu Füßen und weinte Tränen der Reue über ihre Sünde! Ihre Taten der Liebe sind Zeichen von der großen Dankbarkeit dafür, dass Jesus sie von der Macht der Sünde befreit hatte! Jeder Mensch, der oder die mit dieser Haltung zu Gott kommt wird immer wieder diese Worte zu hören bekommen: „Dir sind deine Sünden Vergeben! Geh hin in Frieden!“

Zum Schluss kann man dieses nun alles zusammenfassen und sagen:

  • Vor Gott sind wir und alle Menschen, arme Sünder, die nur aus seiner Gnade selig werden!
  • Gott vergibt „große“ und „kleine“ Sünden bedingungslos! Deshalb ist es gut zu wissen, dass wir auch, für die Vergebung von den scheinbar „kleinen“ Sünden, genau so dankbar sein sollen, als für die der „großen“ Sünden! Sünde ist Sünde, und bringt uns, wenn sie nicht vergeben wird, das ewige Verderben!
  • Wir alteingesessenen Christen, die als kleine Kinder schon getauft wurden, müssen aufpassen, dass wir nicht werden wie die Pharisäer! Wir sollen uns vorsehen, dass wir nicht selbstsicher werden und meinen, wir hätten, wegen unserer Taufe nun einen „Freipass“ in den Himmel! Nein, auch bei uns darf die tägliche Reue und Buße nicht fehlen! Auch wir müssen immer wieder wie diese Frau, diese „Sünderin,“ mit Tränen der Reue vor Jesus niederfallen und ihm danken, dass er uns von unserer Sünde befreit und erlöst hat!
  • Wem die Sündenvergebung eine Wirklichkeit ist, der liebt viel! Solch eine Person guckt nicht auf die anderen runter, sondern geht ihren eigenen Lebensweg in Frieden!

 

Möge Gott es geben, dass Jesus auch von uns allen, wie von dem Zöllner im Gleichnis, heute  sagen kann: „Diese gehen gerechtfertigt hinab in ihre Häuser!“ Amen.

 

Lasst uns beten: Lieber himmlischer Vater, wir bekennen dir unsre Schuld, die wir auf uns geladen haben! Nimm sie uns ab, weil dein Sohn dafür am Kreuz gelitten hat und gestorben ist! Gib das wir dir dafür in der Kraft des Heiligen Geistes immer wieder danken! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.


11. Sonntag nach Trinitatis (Pharisäer und Zöllner)

Wochenspruch
Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

1. Petrus 5, 5b

Introitus – Nr. 52 (Daniel 9, 18)

Epistel

Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden -; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Epheser 2, 4 – 10

Hauptlied
Aus tiefer Not schrei ich zu dir 272

Evangelium

Jesus sagte zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Lukas 18, 9 – 14


liturgische Farbe: grün

Festzeit: Trinitatiszeit

Wochenspruch: 1. Petr 5,5b

Wochenpsalm: Ps 113

Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113

Epistel: Eph 2,4-10

Evangelium: Lk 18,9-14

Predigttext: Mt 21,28-32

Wochenlied: 299


Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).


I(Evangelium): Lk 18,9-14

II: Eph 2,4-10

III: Mt 21,28-32

IV: Gal 2,16-21

V: Lk 7,36-50

VI: 2. Sam 12,1-10.13-15a