Einige Dinge kann man nur auf Deutsch sagen, weil andere Sprachen ganz einfach keine Ausdrücke dafür haben, wie z.B. „Schadenfreude“ oder „Waldeinsamkeit“ oder „Parkettfußbodenschleifmaschinenverleihtarife“. So gibt es aber auch Begriffe, die man eben nur auf Englisch sagen kann; und das Beispiel, um das es hier geht, ist „Lifestyle Creep“. Dieser Begriff ist mittlerweile auch im Deutschen gängig. Lifestyle Creep – was ist das? Lifestyle Creep bezeichnet die Tendenz, dass es bei steigendem Einkommen gleichzeitig zu steigenden Ausgaben kommt. Oder – einfach gesagt – je mehr Geld ich verdiene, desto mehr gebe ich aus. Z.B. galt es früher als etwas Feines, bei Jacks Tearoom einen Chappie zu 2c zu kaufen; heute macht man mindestens zweimal die Woche Braai. Oder: Unsere Eltern waren froh über einen Datsun GX oder einen Peugeot 504, aber wir kommen ohne Porsche Macan fast nicht mehr durch. Dieses Phänomen nennt sich „Lifestyle Creep“.
Gleich von vornherein müssen wir uns klarmachen, dass es Jesus in seiner Rede über das Sorgen nicht um Lifestyle Creep geht. Er garantiert uns mit keinem Wort einen Lebensstil, an den wir uns gewöhnen. Überhaupt tut es gut, uns vor Augen zu führen, wie reich wir sind. Nur etwa 45% der Haushälter in Südafrika haben fließendes Wasser im Haus; weniger als ein Drittel verfügen über ein Auto; weniger als ein Drittel haben einen Computer im Haus. Gerade mal 16% aller Südafrikaner haben eine Krankenkasse, etwa 6% aller Häuser eine Klimaanlage. Da können wir uns wohl gut einordnen, nicht wahr? Und wenn wir uns an international anerkannten Standards messen wollen: Wenn du mehr als 1 Paar Schuhe hast und dir aussuchen kannst, was du isst, bist du reich. Reichtum aber garantiert der Herr Jesus mit keinem Wort. Es geht ihm um die Grundbedürfnisse des Menschen.
Da müssen wir uns doch fragen, was Jesu Wort uns in unserer Lage noch zu sagen hat. Denn die große Mehrheit unter uns macht sich wohl kaum Gedanken darüber, was wir morgen trinken werden, anziehen werden, ob wir was zu essen haben werden. Ja, wir sorgen uns um unsere Pension, um unser monatliches Auskommen, wir sorgen uns um unsere Zukunft, ob wir uns die Krankenkasse werden leisten können, ob wir oder unsere Wirtschaft die Schulden werden tragen können. Aber ob wir morgen irgendwo ein Glas Wasser zu trinken finden, bereitet uns kaum Sorge. Anders war es für die Leute, die dabeistanden und zuhörten, als Jesus diese Worte redete. Die meisten von ihnen lebten von der Hand in den Mund. Die hatten tatsächlich Not um alle diese Dinge.
Jesus wusste auch genau, dass einige seiner Zuhörer in Zukunft tatsächlich noch mal Hunger und Durst spüren würden. Er wusste auch, dass im Laufe der Jahrhunderte einige seiner Nachfolger verhungern würden! In Schwellen- und Entwicklungsländern auf der Welt gibt es viele Christen, die am Hungertuch nagen, die am Rande der Existenz ein Leben führen. Noch vor wenigen Jahren wurde in der FELSISA Geld eingesammelt, damit Lutheraner in Mosambik während der großen Dürre dort zumindest etwas Reis am Tag zu essen bekommen konnten. Die Glieder unserer neuen Schwesterkirche in Malawi schlafen nachts fast alle auf dem Erdboden. Wenn Jesus hier sagt: [33], dann ist das nicht als eine Garantie zu verstehen, dass keine Christen mehr hungern oder dürsten oder arm sein werden.
So. Wenn der Herr Jesus uns also nicht das Recht auf Lifestyle Creep garantiert, nicht ein Recht auf Reichtum, und schon gar nicht, dass alle Christen immer und überall satt werden, worum geht es ihm denn? Was machen wir denn mit diesen so lieben, freundlichen, trostreichen Worten des Herrn, wenn sie nicht als Garantie zu verstehen sind? Ihr Lieben, der rechte Schlüssel zum Verständnis dieser Rede Jesu liegt in dem ersten Vers unserer Lesung. So spricht der Herr: [24] Worum geht es? Es geht um Geld – es geht um Gott – es geht um dein Herz! Es geht um die letztgültige Realität, die deinem Herzen am wichtigsten ist, es geht um die Loyalität deines Herzens, es geht um das eine, wichtigste Ding in deinem Leben, das dich täglich motiviert und treibt. Woran hängt dein Herz? Was willst du im Leben? Der Herr Jesus sagt hier nämlich nicht: „Ach, hört mal auf, zwei Herren zu dienen“ – Jesus sagt nicht: „Hört endlich auf, Gott zu dienen und dem Geld nachzujagen“, sondern er sagt geradeaus: „Ihr könnt das nicht.“ „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Geld!“ Ihr seid so geschaffen, dass ihr nur einen Gott haben könnt. Entweder Gott oder das Geld. Darum sage ich euch: [25] Jesus geht es hier um dies eine: Dass wir nicht Sklaven des Geldes oder des Lifestyle Creep sind, sondern Knechte Gottes. Damit wir das eine gewinnen und behalten, was zählt.
Es kann nur einen Herrn und Meister in deinem Leben und in deinem Herz geben. Darum verurteilt der Herr Jesus den Geiz und die Habsucht. Er legt das aus: Dem Geld zu dienen bedeutet, ständig zu sorgen für das irdische Leben und den Leib. Denn das tut man aus Unglauben; weil man Gott nicht vertraut, will man immer mehr, um sich abzusichern vor Unfall, oder weil man sein Ansehen oder Selbstwert durch seinen Besitz bestimmt, oder weil man Angst hat, im Leben nicht zu seinem Recht zu kommen. So bedeutet Sorgen ganz einfach, mit dem Herzen dran zu hängen. Aber der Geldgötze gibt nicht, was er verspricht. Und was er gibt, gilt nur für eine kurze Zeit. Wer auf diesen Gott setzt, steht in Ewigkeit bankrott und verlassen da. Deswegen lädt der Herr uns so freundlich ein, ein Leben ohne Sorge zu führen. Wenn Essen und Kleidung unsere Herren sind, oder Lifestyle Creep, wenn das neuste Auto, die Krankenkasse oder die Klimaanlage oder das finanzielle Ruhekissen oder eine große Pension in deinem Leben ein und alles ist, dann wirst du durch ständige Sorgen darüber geknechtet, versklavt der Sorge, ob du je genug haben wirst. Aber wenn du dem Herrn Himmels und der Erde dienst, dem lieben Vater im Himmel durch Christus seinen Sohn, dann bist du frei für ihn, und alles andere ordnet sich ein.
Wenn Jesus lehrt: Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft, dann ist das keine Garantie, dass es niemals zu Durststrecken im Leben kommt. Es geht um das allgemeine Befinden der Christen. Seht die Vögel unter dem Himmel an. Schaut die Lilien auf dem Feld an. Wir Jünger Jesu haben alle schon Vögel sterben oder Blumen vertrocknen sehen. Der Herr verhindert nicht immer Naturkatastrophen. Sehen wir uns das persönliche Beispiel der Apostel und vieler großer Diener des Herrn an, stellen wir fest, dass es im Leben der Kinder Gottes immer wieder zu Entbehrungen kommen kann. Sie stellen uns auf die Probe: Wer sorgt, dass du genug hast? Die Einladung unseres Herrn, von Sorgen frei zu sein, fließt aus der Wahrheit, dass wir Knechte des Höchsten sind, des dreieinigen Gottes. Unser allmächtiger Gott wird euch geben, was ihr braucht.
Wenn Jesus sagt: „Sorgt nicht für morgen“, dann heißt das nicht, dass wir nicht Vorsorge treffen sollen, sondern, dass wir uns nicht sorgen sollen. Wenn wir uns sorgen, stehen wir in unserer Angst vor dem, was fehlen könnte, alleine da. Aber wir sind ja nicht allein. Jesus sagt: Sorgt nicht. Ich bin ja da. Durch Antworten, die wir kennen, lässt er uns erkennen, wie Gott für uns sorgt. Fürsorge statt Sorge: Jesus lacht und sagt: Guckt euch doch nur mal die lustigen Vögel an. Sie tragen keine Benina-Nähmaschinen im Rucksack, sie fahren keinen John Deere über die Felder. Und schaut nur mal, wie gut es ihnen geht, ja, wie schön Gott sie gemacht hat und erhält. Seid ihr mir nicht mehr wert als die? Ja! Es ist, als wenn er die große helle Sonne auf unsere dunklen Sorgen leuchtet und zeigt, dass sie nur aus Nebel bestehen, der im warmen Licht der Gnade Gottes verdampft. Da könnt ihr doch nicht denken, lacht der Herr Jesus, dass das Geld ein besserer Gott ist als ich?!
Das Leben ist mehr als Essen und Trinken und Kleidung, nicht wahr? Ja, lachen die Kinder Gottes, das Leben ist mehr als die Existenz, erst bei Gott hat das Leben Sinn. Das Leben ist der Herr Jesus selbst, den wir kennen- und lieben lernen dürfen, weil er uns zuerst geliebt hat, so, dass er alles aufgegeben hat, was er zum Leben brauchte. Das Essen nahm man ihm, und das Trinken, ja, die Kleidung nahm man ihm und dann das Leben selbst. Aber er gab das alles hin, damit ihr das Leben habt, und die Liebe Gottes, und die Fürsorge Gottes, die Kleider der Heils und der Gerechtigkeit in seinem Blut, dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter …
Und so schreibt unser himmlischer Arzt uns das Gegenmittel zur Sorge vor: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit. Was bedeutet das? Damit sagt der Herr Jesus: Lasst es eure erste Sorge sein, dass ihr dort hingeht und lebt, wo Jesus regiert und wo seine Gerechtigkeit zu finden ist, seine Vergebung, seine Wahrheit. Sucht das Evangelium, sagt Jesus. Das ist das Gegenmittel zur Sorge. Wo finden wir das Evangelium? Hier! Hier in der Schrift, hier in der Predigt, hier in den Sakramenten. Hier in der Gemeinschaft der Nachfolger des Herrn. Der Herr unsere Gerechtigkeit, der ist hier zu finden! Denn hier finden wir Gottes Vorsorge und Gottes Fürsorge für uns. Und die nimmt uns unsere Sorge. Weil er für uns sorgt, sind wir versorgt.
Liebe Leute, jeder Tag hat doch genug Plage. Warum wollt ihr noch mehr dazunehmen, indem ihr euch um den nächsten Tag sorgt? Als Jesu Jünger haben wir einen Meister – unseren himmlischen Vater. Er macht uns frei. Im Glauben an ihn wird alles, was wir besitzen, nicht mehr zum Abgott, zum Schatz, zum Fluch, sondern täglich Brot, das wir aus seiner Hand nehmen, locker halten und weitergeben. Wir haben z.B. letzten Sonntag gehört, wie die Gelder der Mission zurückgegangen sind, nachdem unsere Regierung Kleiderspenden aus Übersee verboten hat. Was hindert uns daran, die Kleidung aus unseren Schränken zu holen, die wir ein Jahr lang nicht mehr getragen haben, und sie der Mission zu schenken, damit das Reich Gottes laufen kann? [33] Amen.
Wochenspruch Alle eure Sorge werft auf Gott; denn er sorgt für euch. 1. Petrus 5, 7
Introitus – Nr. 56 (1. Petrus 5, 7; Psalm 127, 1)
Epistel
Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
1. Petrus 5, 5c – 11
Evangelium
Jesus lehrte seine Jünger und sprach: Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.
Matthäus 6, 24 – 34