16. Sonntag nach Trinitatis 2020 (Der starke Trost)
Die Gnade unsres Herrn Jesus Christus, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.
Text: 2. Timotheus 1, 7 – 10
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Besonnenheit. 8Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.
9Er hat uns selig gemacht und gerufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, 10jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.
Lasst uns beten: Herr Jesus Christus, du bist zu uns auf diese Welt gekommen, uns Sünder selig zu machen. Wir danken dir, dass du unsre Sünde weggenommen, und dadurch den Tod besiegt hast so, dass er keine Macht mehr über uns hat! Und, wir bitten dich, schenk uns auch den Glauben, der sich fest auf dich und dein Wort von unserer Erlösung verlässt. Amen.
Im Namen Jesu, liebe Gemeinde
Wer sich im sogenannten Kirchenjahr auskennt, wird wissen, dass wir uns nun schon, seit dem Trinitatisfest, in der sogenannten festlosen Hälfte des Jahres befinden. Das bedeutet natürlich nicht, dass da bei uns nun schon seit 16 Wochen nichts mehr im Gottesdienst geschieht. Ganz im Gegenteil! Die Sache mit den Covid19 Viren hat wohl einen Strich durch alle unsre gesamtkirchlichen Zusammenkünfte für dieses Jahr gezogen. Aber wir sind in unsren Gottesdiensten dennoch die ganze Zeit dabei, um die Auswirkung der verschiedenen Aspekte des Werkes Jesu in dieser Welt auf unsren Glauben, zu erklären und anzuwenden. Wir sind also, sozusagen in dieser Zeit, wie in jedem Jahr dabei, um die Pfeiler und Träger der Brücke, auf der wir in den Himmel kommen, neu zu entdecken und sie in unsren Herzen zu festigen und zu stärken!
So hatten wir z.B. schon mehrere Male von der Bedeutung des Predigtamtes in der Kirche gehört. Und dann ging es am 6. und 7. Sonntag nach Trinitatis besonders um die Bedeutung und die Wirksamkeit der Taufe und des Heiligen Abendmahls im Leben von uns Christen. So können wir am Thema, und an den Texten von jedem Sonntag in dieser Zeit erkennen, wie wir dadurch auf dem Weg zum ewigen Leben geleitet und geführt werden sollen!
Ihr Lieben, wie es uns in dem Wochenspruch und dem Sonntagsthema, die wir zu Anfang dieses Gottesdienstes gehört hatten, schon angedeutet wurde, geht es heute nicht nur um den Tod und das Sterben, sondern auch um die Auferstehung und das Ewige Leben. Deshalb könnte man auch sagen, dass wir es heute praktisch mit einer Beerdigungspredigt zu tun haben werden. Das Gute dabei ist aber, dass wir dieses Thema heute einmal ohne einen Sarg, und ohne das offene Grab dort auf dem Friedhof, und den damit verbundenen Emotionen, so zu sagen ungetrübt, behandeln können. Wir können also ganz auf die wichtige Botschaft und den starken Trost, den dieser Sonntag uns mitteilen will, achten.
Dieser Sonntag, der fast in der Mitte zwischen dem vorigen und dem nächsten Osterfest liegt, hat, wie schon bei der Begrüßung genannt, auch einen starken Auferstehungs- und österlichen Charakter. Dadurch will er uns ebenfalls vorbereiten auf den Tag wenn wir entweder selber in einen Sarg gelegt werden, oder wenn wir wieder einmal an einem Sarg stehen werden. Dass dieses kein beliebtes Thema ist, wissen wir alle, weil niemand gerne daran erinnert werden will, dass wir alle einmal sterben werden! Aber trotzdem wissen wir auch, dass dieses ein äußerst aktuelles Thema ist! Das zeigen uns die vielen Gräber auf unseren Friedhöfen, und die Tatsache, dass wir immer wieder Beerdigungen von Verwandten, Freunden und Bekannten, Jung und Alt, erleben.
„Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen“, beten wir bei jeder Beerdigung mit den Worten des 90. Psalms! Damit deuten wir an, dass wir Menschen diese Erkenntnis nicht aus uns selbst haben, sondern, dass sie uns immer wieder von Gott geschenkt werden muss. In unserem Evangelium, das wir eben gehört haben, sagt Jesus der Marta, und einem jedem von uns: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ Und dann folgt wohl die wichtigste aller Fragen auf dieser Welt, nämlich: „Glaubst du das?“
Ja, liebe Schwester, lieber Bruder, glaubst du das, wenn du dort in tiefer Trauer und innerer Zerrissenheit in den Sarg eines lieben Menschen hinein schaust, oder wenn du an deinen eignen Tod denkst? Traust du auch dann noch dieser Zusage deines Heilands, dass er wirklich die Auferstehung und das Ewige Leben in Person ist? Glaubst du auch dann noch, dass die Person, von der du da Abschied nehmen musst, und auch du selber, am Tage der Auferstehung aller Toten, an dieser Auferstehung teilhaben wirst? Sprechen oder singen wir nicht oft am Sonntag, im Glaubensbekenntnis, so fast leichtsinnig die Worte: „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und ein ewiges Leben?“
Liebe Gemeinde, wir müssen uns beizeiten mit diesem Thema beschäftigen, und Gott immer wieder um diesen Glauben bitten! Denn nur dadurch kommt man zu der Gewissheit, dass, wer an Jesus als seinen Erlöser glaubt, auf ewig bei Gott leben wird. Das wird geschehen, auch wenn wir hier auf Erden den zeitlichen Tod noch zu durchleiden haben. Dieser Tod hat ja aber seit dem ersten Ostermorgen, keine Macht mehr über uns!
Die Macht des Todes, und die Angst die wir vor dem Sterben haben, kommen ja eigentlich daher, dass mit dem Sterben für uns Menschen die Möglichkeit, Vergebung unserer Sünden zu bekommen, vorbei ist. Dann ist der Strich gezogen, und wer immer noch dachte, er hätte Zeit bis zur Wiederkunft Christi hierfür gehabt, wird sich wundern! Für diejenigen, die ihr Leben lang keine Vergebung wollten, oder die leichtsinnig darüber hinweg gelebt haben, wird die Lage dann sehr ernst werden. Aber, es liegt zum Glück nicht in unsrer Hand, hierüber zu entscheiden und zu richten. Das sollen wir dem Allmächtigen Gott überlassen, den wir aber auch immer wieder um Gnade für uns selbst, und für unsre Lieben, bitten sollen.
Am Karfreitag und am Ostersonntag hat Jesus den Tod besiegt, und hat dadurch für uns, und alle Menschen, die Vergebung unsrer Sünde erworben. Deshalb hat der zeitliche Tod, wie schon gesagt, keine Macht mehr über alle, die an Jesus, und an sein Erlösungswerk glauben. Unser Sterben kann uns nicht mehr auf ewig von Gott trennen! So sagt es uns Gott selber, durch seinen Apostel, in unsrem Text, nämlich: 9Gott hat uns selig gemacht und gerufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, 10jetzt aber offenbart ist, durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat, durch das Evangelium.
Liebe Gemeinde, obwohl unser Text ja eigentlich ein Teil der Anweisungen und Ermutigung des Apostels an seinen Schüler, Timotheus, für dessen Amtsführung ist, passt er trotzdem sehr gut in unser heutiges Thema hinein. Der Apostel Paulus saß hier nämlich im Gefängnis, und er war sich sogar ziemlich sicher, dass er da nicht wieder lebendig herauskommen würde. Und dennoch strahlt aus diesen Worten ganz besonders, die absolute Gewissheit des Ewigen Lebens hervor! Und diese Gewissheit wollte er auf Timotheus, auf uns, und auf alle Christen übertragen!
Ja, das ist der einzige Trost, auf den wir unsere Hoffnung auf das Ewige Leben gründen und bauen sollen! Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht! Diese Aussage ist das Zentrum, der Mittelpunkt und die Achse des Evangeliums! Alles, was wir hier im Gottesdienst tun, die Beichte, die Taufe, das Heilige Abendmahl, die Lesungen und die Predigten, unsre Lieder und Gebete, dreht sich um diesen einen Punkt! Alle diese Handlungen führen uns hin zu dem Leben und dem unvergänglichen Wesen, mit dem wir nach der Auferstehung bekleidet sein werden!
Und diese Gewissheit, die uns durch den Glauben von Gott geschenkt wird, will uns die Angst vor dem eigenen Sterben nehmen. Wir wissen ja schon genau, wo das endgültige Ziel für uns, und alle Gläubigen in Christus Jesus, ist! Es ist das Ewige Leben bei Gott im Himmel! Und, wenn wir es uns jetzt auch noch nicht vorstellen können, was das wirklich alles umfasst und bedeutet, und wie der Weg dahin sein wird, dürfen wir trotzdem ganz sicher sein, dass Gott uns zweifelslos zu diesem Vaterland hinführen wird!
Ihr Lieben, das ist die eine Seite, nämlich, ich und mein Sterben! Es bleibt dann aber auch immer noch die andere Seite von diesem Thema, nämlich, ich und das Sterben einer meiner Lieben. Wenn der Schmerz, der durch solch einen Abschied verursacht wird am größten ist, klingen auch die Worte Jesu, die er zu der Witwe von Nain an der Totenbare ihres Sohnes gesagt hat, nämlich: „weine nicht!“, sehr hohl und weit von der Realität entfernt! Aber, das soll uns heute auch gesagt werden: Wir dürfen, ja wir sollen und müssen sogar am Grab von einem lieben Menschen weinen! Das ist einfach nötig, und hilft uns, um die Trauer und den Schmerz des Abschieds, zu verarbeiten! Aber, es sollen nicht Tränen der Hoffnungslosigkeit und der Verzweiflung sein! In unsrer Trauer, die ganz natürlich auf solch einen, für dieses Leben, permanenten Abschied folgt, sollen und müssen wir uns an Gott und unsren Heiland wenden! Nur dort werden wir die Hilfe und den Trost finden, durch die wir durch diese schwere Zeit hindurchgetragen werden sollen!
Ja, Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht, durch das Evangelium! Durch dieses Wissen, und in diesem Glauben bekommen wir immer wieder den Geist der Kraft und der Besonnenheit von Gott, in unsre Herzen und Sinne gegeben! Möge der dreieinige Gott uns alle in diesem Glauben erhalten und stärken! Amen.
Wir beten: Ach mein Herr Jesus, der du bist / vom Tode auferstanden, / rett uns aus Satans Macht und List / und aus des Todes Banden, / dass wir zusammen insgemein / zum neuen Leben gehen ein, / das du uns hast erworben. (LG 190, 9)
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.
16. Sonntag nach Trinitatis (Der starke Trost)
Wochenspruch
Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.
2. Timotheus 1, 10b
Introitus – Nr. 57 (Psalm 16, 10 – 11; Psalm 30, 2)
Epistel
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes. Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.
2. Timotheus 1, 7 – 10
Hauptlied
O Tod, wo ist dein Stachel nun 188
Was mein Gott will, das gscheh allzeit 335
Evangelium
Es lag einer krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf Marias und ihrer Schwester Marta. Maria aber war es, die den Herrn mit Salböl gesalbt und seine Füße mit ihrem Haar getrocknet hatte. Deren Bruder Lazarus war krank. Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, liegt krank. Als Jesus kam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grabe liegen. Betanien aber war nahe bei Jerusalem, etwa eine halbe Stunde entfernt. Und viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, sie zu trösten wegen ihres Bruders. Als Marta nun hörte, dass Jesus kommt, geht sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen. Da sprach Marta zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben. Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta spricht zu ihm: Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung am Jüngsten Tage. Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist. [Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob seine Augen auf und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich weiß, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umher steht, sage ich’s, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn gehen! Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn.]
Johannes 11, 1 – 3 u 17 – 27 [41 – 45]
liturgische Farbe: grün
Festzeit: Trinitatiszeit
Wochenspruch: Ps 145,15
Wochenpsalm: Ps 104
Eingangspsalm: Ps 145,15
Epistel: 2. Kor 9,6-15
Evangelium: Lk 12,(13-14) 15-21
Predigttext: Jes 58,7-12
Wochenlied: 324 und 502
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Lk 12,(13-14) 15-21
II: 2. Kor 9,6-15
III: Jes 58,7-12
IV: 1. Tim 4,4-5
V: Mt 6,19-23
VI: Hebr 13,15-16