Predigt | 2. Sonntag nach Epiphanias 2025

Wundert ihr euch nicht jedes Jahr, wenn dieses Evangelium von der Hochzeit zu Kana an dem 2. Sonntag nach Epiphanias gelesen wird, darüber, was das alles zu bedeuten hat? Wieso identifiziert Jesus sich denn hier ganz offensichtlich mit dem sozialen Problem des Alkoholkonsums? Und wieso scheint er es sogar noch aktiv zu fördern?

Dieses ist wahrscheinlich ein Text, der bestimmt schon manchem christlichen Sozialarbeiter, und auch mancher christlichen Familie, viel zu schaffen gemacht hat. Wie konnte Jesus nur noch mehr Wein für die Hochzeitsfeier liefern, wo die Gäste doch den Vorrat, der für diese Feier vorgesehen war, schon vorzeitig ausgetrunken hatten? So wollen wir wahrscheinlich beim ersten Hinsehen fragen. Wenn man aber einmal genauer hinsieht, wird man bald großartige Entdeckungen machen von Dingen, die uns dieser Text sagt. Aber, wegen der obengenannten Probleme und Fragen, übersieht man sehr leicht das Wesentliche, um das es hier eigentlich geht.

Dieses ganze Geschehen, von dem der Apostel Johannes uns hier berichtet, hat ganz zu Anfang der Wirkungszeit Jesu auf Erden stattgefunden. Der Apostel fing sein Evangelium, das ja erst viel später als die anderen drei Evangelien geschrieben wurde, mit einer ausführlichen Einleitung an, in der er die Gottheit Jesu lang und breit bewiesen und festgelegt hat. Er schreibt von Jesus als von dem Wort; Jesus ist das Wort, wodurch alles geschaffen ist; Jesus ist das Wort, das Mensch geworden ist, usw. Er ließ auch den ganzen Tatsachenbericht über die Geburt Jesu, wie ihn die andern drei Evangelien wiedergeben, aus. Das tat er, weil er davon ausging, dass seine Leser dieses alles schon wussten. Deshalb ließ er auch den Bericht von der Taufe Jesu, und von der Versuchung Jesu in der Wüste, aus. Dann leitete er seinen geschichtlichen Bericht aber direkt mit der Berufung der ersten Jünger ein. Von da an war er selbst schon mit dabei. Und deshalb hatte er dieses allererste Wunder, wie auch die vielen andern, die er, wie er selbst am Ende dieses Evangelium sagte, längst nicht alle aufschreiben konnte, persönlich miterlebt.

Ihr Lieben, unser Text beginnt damit, dass am 3. Tag in dem Dorf, Kana, das etwa 13 km von Nazareth entfernt liegt, eine Hochzeit stattgefunden hat. Um diese Zeitrechnung recht zu verstehen, muss man beachten, dass uns im ersten Kapitel von Vers 15 an, schon von zwei Tagen berichtet wird, an denen Jesus angefangen hatte, Männer in seinen Jüngerkreis zu berufen. Bis dahin waren es dann aber erst ihrer fünf, nämlich Johannes und Andreas, die aus der Nachfolge Johannes des Täufers zu Jesus gekommen waren. Und Petrus, Philippus und Nathanael waren auch schon mit dabei. Und so gingen diese 5 dann alle an dem genannten 3. Tag, als Gäste, mit Jesus zu dieser Hochzeit in Kana.

Die neu berufenen Jünger kannten Jesus also nur erst ein bis zwei Tage lang. Deshalb war der Sinn dieses Wunders auch mit, dass sie in ihrem jungen Glauben an ihn, gestärkt werden sollten. Der Apostel Johannes hat grundsätzlich alle Wunder Jesu, als glaubensstärkende Beweise für die Gottheit Jesu, gedeutet, wie wir es am Ende seines Evangeliums, Kapitel 20, 30 – 31, lesen können.

Und so bringt uns unser Text nun hauptsächlich zwei Dinge; Als Erstes das, was Jesus wirklich und tatsächlich bei  dieser Hochzeit gesagt und getan hatte, und als Zweites, das, was Jesus seinen Jüngern, und uns durch dieses Zeichen, wie es in unsrem Text hier genannt wird, sagen will.

Erstens; Jesus ist bei dieser Feier dabei gewesen, und er hat auch mitgefeiert! Er war nicht auf der Hochzeit gewesen, um den Menschen bei ihrer Fröhlichkeit ein schlechtes Gewissen zu machen. Nein! Er war da, um an der Freude der Fröhlichen teilzunehmen! Er, den wir leider oft nur noch als den Tröster der Betrübten kennen, will auch der Heiland der Fröhlichen sein. Unser Sonntagsthema stellt ihn uns gerade deshalb auch als den Freudenmeister vor. Wie der Ausleger, Gottfried Vogt, es so schön sagt; „Es wäre gut, wenn wir an diesem Sonntag, Jesus, als den Heiland der Frohen und Glücklichen, auch im weltlichen Sinn, wieder neu entdecken könnten!“

Liebe Gemeinde, Jesus hat zwar bei dieser Hochzeit dem Gastgeber durch dieses Wunder, aus der Verlegenheit geholfen! Das meint aber noch längst nicht, dass er den Alkoholmissbrauch, den wir in unserer Zeit so gut kennen, gutheißt. Der relativ schwache Wein, den die Juden, die sich damals etwas leisten konnten, zu Hause hergestellt hatten, und bei allen Mahlzeiten und Feiern tranken, gehörte einfach für sie mit dazu. Und wir finden eigentlich keinen Verweis darauf, dass dieser Gebrauch, wie heutzutage auch in unsrem Land, irgendwie zum allgemeinen Missbrauch wurde. Es war deshalb in damaliger Zeit nichts Schlechtes, oder Negatives, wenn Jesus hier, bei dieser Hochzeit, für mehr Wein gesorgt hat.

Was wir Menschen allerdings seitdem mit unserer Philosophie von, größer, stärker, besser, usw. schon alles mit dem Wein von damals angefangen haben, ist hier jetzt nicht zur Sprache. Man muss aber wissen, dass der Teufel auch seine Hand dabei mit im Spiel hatte, und noch hat. Er ist es, der diese, und auch mehrere der anderen guten Gaben Gottes, wie z.B. unsre Geschlechtlichkeit und unsren Besitz, gerne als Waffen gegen uns schwache Menschen gebraucht. Mit Jesus feiern und fröhlich sein ist uns also auf alle Fälle erlaubt. Wer dabei aber über das Maß geht, muss wissen, in wessen Gewalt er, oder sie sich durch diese Fehlentscheidung, begibt!

Liebe Gemeinde, hier müssen wir auch noch ein anderes mögliches Missverständnis ansprechen. Aus der Übersetzung, die wir vor uns haben, kommt es einem sehr leicht so vor, als hätte Jesus seine Mutter hier sehr schroff und abweisend, auf ihre gut gemeinte Bemerkung hin, angeschnauzt. Wir lesen dazu im 3. und 4. Vers noch einmal: „Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was geht’s dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Das ist aber längst nicht so scharf gemeint, wie es hier in unsrer Übersetzung klingt. Jesus hat nämlich genau dasselbe Wort, das Luther hier ursprünglich mit ‚Weib’ übersetzt hatte, benutzt, als er am Kreuz hing, und die Maria liebevoll der Pflege des Johannes anbefohlen hatte. Er wollte, und musste es ihr aber klar zu verstehen geben, dass er von jetzt an, seine Aufträge von seinem Vater im Himmel bekommen würde, und nicht mehr von irgendeinem Menschen!

Und nun, zweitens, das Wesentliche und Wichtige, nämlich die Zeichen, die Jesus seinen Jüngern und uns mit diesem Wunder geben will. Eine der Entdeckungen, von denen ich eben sprach, war für mich, dass ein Überfluss an Wein, laut den Prophezeiungen aus dem Alten Testament, ein Zeichen für den Beginn der Heilszeit, und dem Kommen des Messias, war. Wir hören aus 1. Mose 49, Vers 10, den Segen Jakobs auf seinen Sohn Juda, der uns ja zum Teil, auch als eine Weissagung auf den Messias, bekannt ist, nämlich: „10Es wird das Zepter von Juda nicht weichen, noch der Stab des Herrschers von seinen Füßen, bis das der Held komme, und ihm werden die Völker anhangen. Aber es geht in Vers 11 auch noch weiter, nämlich: 11Er wird seinen Esel an den Weinstock binden und seiner Eselin Füllen an die edle Rebe. Er wird sein Kleid in Wein waschen und seinen Mantel in Traubenblut.“

Auch bei verschiedenen der anderen Propheten wird genau dieses Thema vom Wein, auf das Kommen des Messias gedeutet, z.B. bei Joel 4, 18 heisst es; „Zur selben Zeit (wenn der Messias gekommen ist) werden die Berge von süßem Wein triefen und die Hügel von Milch fließen, usw.“ Das alles zeigt deutlich, dass der, der hier auf der Hochzeit in Kana, Wasser in Wein verwandelt hat, wirklich der verheißene Messias ist!

Und man kann diese Symbolik auch noch weiter ausmalen, z.B.:

  • Jesus benutzte das Wasser in den Krügen, das für die, vom Gesetz vorgeschriebene Zeremonielle Reinigung der Gäste vorgesehen waren, als Zeichen, dass jetzt diese Gesetze aufgehoben werden, und dass nun die neue Zeit des Heils, als eine Freudenzeit, angebrochen ist.
  • Jesus machte aus schlichtem Wasser etwas besseres, nämlich Wein, und dazu noch guten Wein, der besser war als der, den die Gäste vorher zu trinken bekamen. Mit Jesus wird alles besser und schöner, als es vorher war.
  • Und nicht zuletzt deutet auch die Tatsache, dass Jesus hier das Wasser, welches zur zeremoniellen Reinigung benutzt wurde, in Wein verwandelte darauf hin, dass der konsekrierte Wein, in dem wir sein Blut im Heiligen Abendmahl empfangen, uns reinigt von allen Sünden, und das nicht nur zeremoniell, sondern tatsächlich und wirklich!

 

Liebe Gemeinde, durch dieses Wunder offenbarte und zeigte Jesus nun, zum ersten Mal, seine Herrlichkeit seinen Jüngern, und allen die es sehen wollten. Er zeigte sich ihnen als der, der die Macht hat über die Natur, ja, als der, durch den alles geschaffen ist. Und seine Jünger glaubten an ihn, sagt uns der Apostel Johannes, aus eigener Erfahrung! Wenn wir in dem ersten Kapittel nachlesen, wie es bei den Berufungen dieser 5 genannten Jünger vor sich ging, dann können wir sehen, dass diese Jünger schon Glauben an Gott hatten. Aber nun wurde dieser Glaube durch das erlebte Weinwunder, auf Jesus fixiert, und von ihm gestärkt.

Und wir? Helfen uns diese ganzen Berichte der Apostel, die für uns in der Bibel aufgeschrieben sind, auch wirklich zum Glauben an unseren Heiland? Dient der Gottesdienstbesuch, der Abendmahlsgang, das Bibellesen, die Hausandacht und was wir noch so alles auf religiösem Gebiet tun, auch wirklich zur Stärkung unseres Glaubens an Jesus? Oder, sind das alles nur tote Formalitäten, an denen man gedankenlos teilnimmt, weil es sich so gehört, und, weil man es so gewohnt ist? Oder sind es vielleicht nur ein emotionelle Erlebnisse, bei denen man sich dann so schön fromm fühlen kann?

Ihr Lieben, auch die Jünger mussten immer noch viel lernen, und im Glauben wachsen, in den drei Jahren, die sie zusammen mit Jesus verbracht haben. Und trotzdem haben sie ihn zum Schluss, in Gethsemane, dann doch alle im Stich gelassen. Davon sollen wir lernen, dass wir in unserem Glauben auch nie so stark sein werden, dass wir uns zurücksetzen können und meinen, dass der Teufel, die Welt und unser Fleisch uns nun nicht mehr betrügen und verführen können.

Möge Gott es deshalb geben, dass wir durch sein Wort und Sakrament immer wieder in unsrem Glauben gestärkt werden. Möge er es auch geben, dass wir Jesus immer als Gast und Freund einladen werden, dass er in unsrer Freude, wie auch in unsrem Leid, überall mit dabei sein soll. So wird unser Glaube, und unsre Freude, einst in der Ewigkeit bei ihm, vollkommen werden. Amen.

Wir beten: Lieber Herr, Jesus Christus, in deinem Wort sagst du uns, dass wir uns mit den Fröhlichen freuen sollen. So hast du es uns auch vorgelebt. Wir bitten dich, lass uns dieses in der Verantwortung vor dir, auch so im Leben anwenden. Komm, lieber Herr, und stärke auch unsren Glauben an dich immer wieder aufs Neue.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.


Wochenspruch
Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Johannes 1, 17

Epistel

Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für klug. [Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.” Vielmehr, „wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.” Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.]

Römer 12, 9 – 16 [17 – 21]

Hauptlied

Gottes Sohn ist kommen 73 In dir ist Freude 334 Evangelium Am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was geht’s dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten,- ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Johannes 2, 1 – 11