21. Sonntag nach Trinitatis (Geistliche Waffenrüstung)
Predigt zum Erntedankfest, den 1. November 2020
Christusgemeinde Kirchdorf
Markus 8,1-9 I.i.
1 Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: 2 Mich jammert das Volk, denn sie haben nun drei Tage bei mir ausgeharrt und haben nichts zu essen. 3 Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. 4 Seine Jünger antworteten ihm: Wie kann sie jemand hier in der Wüste mit Brot sättigen? 5 Und er fragte sie: Wie viel Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben.
6 Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. 7 Und sie hatten auch einige Fische, und er dankte und ließ auch diese austeilen. 8 Sie aßen aber und wurden satt und sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. 9 Und es waren etwa viertausend; und er ließ sie gehen..
„Wie oft habe ich es dir nicht schon gesagt? Wirst du es denn nie lernen?“ So seufzt wohl mancher Vater, so spricht wohl manche Mutter zu den Kindern. Auch aus meiner Kindheit kommen mir diese Sätze in den Sinn. Da wollen die Eltern z.B., dass die Kinder Gäste grüßen. Besucher zu grüßen ist wichtig, es zeigt, dass das Kind die Gäste als Personen wahrnimmt und ihre Gegenwart würdigen, nicht einfach an ihnen vorbeischauen. Wenn man Bekannte im Supermarkt oder auch auf dem Kirchhof vor sich sieht, aber dann wegschaut und stracks an ihnen vorbeigeht – das ist eine Unsitte, das gehört sich nicht. Man grüßt! Man zeigt Respekt. Man nimmt die Person wahr, hat Augen für den Nächsten, bleibt nicht in sich selbst gekrümmt. Doch da reden sich die Eltern immer wieder dumm und dusselig, die Kinder und Jugendlichen schnallen es trotzdem nicht, tun so, als wenn niemand da ist, grüßen nicht, auch wenn sie es wiederholt gehört haben. „Wie oft habe ich es dir nicht schon gesagt? Wirst du es denn nie lernen?“
Ob dem Herrn Jesus wohl auch so zumute war? Da ist er tagelang unterwegs, wirkt Wunder und tut Heilungen, lobt den Glauben einer kanaanitischen Frau. Die Jünger sind dabei. Eine Menschenmenge hat sich auch inzwischen um ihn gesammelt. Was muss unser Heiland wohl für eine Ausstrahlung gehabt haben, wie hat er wohl packend und mit Vollmacht reden können, wie müssen die Menschen ihm an den Lippen gehangen haben! Eine große Menge umgibt den Heiland, die Menschen schauen ihn an, hören ihm gebannt zu, merken nicht einmal, wie die Zeit vergeht, legen sich nachts auf die Erde schlafen, und am nächsten Tag geht’s weiter, nun schon 3 Tage lang. Und das ohne Chicken Licken um die Ecke. Lange schon knurrt der Magen, aber man kann nicht weg, zu spannend ist, was hier läuft. Doch irgendwann geht die Ausdauer aus – sie haben sich die Beine in den Bauch gestanden, der Hunger ruft. Der Heiland sieht das, merkt es, es bewegt ihn, er ruft die Jünger zu einer Konferenz zusammen und sagt: Mich jammert das Volk, denn sie haben nun drei Tage bei mir ausgeharrt und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. Dies ist ein Augenblick großer Spannung. Der Herr Jesus hat offensichtlich was vor. Aber was? Erraten die Jünger es?
Seine Jünger antworteten ihm: Wie kann sie jemand hier in der Wüste mit Brot sättigen? … Also, wär ich da der Lehrmeister und die Jünger meine Studenten, ich wär wohl ausgeflippt. Ich wär in Versuchung, den Petrus an den Kragen zu greifen: „Wie oft habe ich es dir nicht schon gesagt? Wirst du es denn nie lernen?“ Das hätten der Petrus und die andern Jünger nämlich glatt verdient. Gerade einige Monate vorher hatte der Herr Jesus gerade viele Wunder getan, und die Jünger sogar auch; der Meister hatte gelehrt und gepredigt, und eine große Menge hatte sich um ihn gesammelt, dort am öden, verlassenen Ort, auch mit Hunger im Magen hörten sie ihm den ganzen Tag zu. Damals waren es die Jünger, die Jesus abends baten, das Volk wegzuschicken, damit die Menschen sich selbst Essen kaufen konnten. Damals hatte der Herr Jesus ihnen befohlen, die Menschen zu füttern, und als sie nur 5 Brote und 2 Fische fanden, nahm der Meister sie selbst in die Hand – und speiste damit auf wunderbare Weise die 5,000 Mann mit ihren Familien. Das lesen wir Mk 6. Und nun wiederholt sich die Geschichte Mk 8: Jünger, Menge, Jesus, Wunder, Lehren, Predigen, öder, verlassener Ort, Hunger, Durst und Not. Und nun? Vertrauen die Jünger auf ihren Herrn? Erwarten sie, dass er helfen kann und will? Jesus hält diesmal sogar eine Konferenz mit ihnen, macht deutlich, dass er die Not gesehen hat, dass sie ihn tief bewegt hat, dass er keineswegs vorhat, irgendwen hier hungrig wegzuschicken. Und die Jünger, wo schauen sie hin, was sagen sie? Antwort: Wie kann sie jemand hier in der Wüste mit Brot sättigen?
„Wie oft habe ich es euch nicht schon gesagt? Werdet ihr es denn nie lernen?“, hätte Jesus wohl seufzen können. Grund genug hätte er dafür. Und nicht nur bei den Jüngern damals. Auch und besonders bei der Kirche heute. „Wie oft habe ich es euch nicht schon gesagt? Werdet ihr es denn nie lernen?“ Immer wieder meinen wir, wenn wir Gottes Hilfe in der Not erfahren, seinen Trost im Leid, wie er macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl, wir meinen, nun haben wir alles gerafft – und dann kommt die neue Not und das neue Leid und der neue Mangel und – alles ist weg, Welt unter, wir fassen uns an den Kopf, wie wird das nur werden? „Wie oft habe ich es euch nicht schon gesagt? Werdet ihr es denn nie lernen?“, mag da der Heiland auch zu uns sagen. Seht, ihr Lieben, dass ist einer der großen Gründe, warum wir immer wieder in die Kirche gehen. Weil wir es uns immer wieder sagen lassen wollen, immer wieder neu sein Wort lernen, auf den Herrn in der Not vertrauen lernen.
Aber mehr noch. Es ist doch erschreckend, und das sehen wir auch aus dieser Geschichte, dass es gerade diejenigen sind, die Jesus am nächsten stehen, die immer wieder Pfusch machen, nicht mehr auf sein Wort achten, nicht mehr auf ihn hören, nichts mehr von ihm erwarten. Vielleicht hast auch du das schon erlebt: Dass die Kirche dich enttäuscht hat, dass du viel mehr von ihr erwartet hast und dennoch enttäuscht wurdest, ja, dass du vielleicht sogar von einem Pastor oder Bischof tief enttäuscht wurdest. Ihr Lieben, es gibt keine perfekte Kirche mit perfekten Kirchendienern und Gliedern. Auch die Pastoren sind alle Sünder. Nicht umsonst ruft die Heilige Schrift gerade der Kirche zu: Wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle! (1.Kor 10,12) Die anderen Glieder der Gemeinde sind – wie du – alle Sünder. Es ist immer heilsam, zu bedenken, dass wir bekennen: Ich glaube an eine heilige, christliche Kirche – ja, ich glaube daran, denn mein Herr sagt mir, dass es sie gibt, aber sehen mit meinen Augen tue ich sie oft nicht. Spätestens seit dem Kirchenvater Augustin hält die Christenheit fest, dass die Kirche eine „corpus permixtum“ ist, eine Gruppe voller Sünder und Gerechter, voller Gläubigen und Heuchler. Nicht umsonst rechnet die CA damit, dass es selbst unter den Pastoren in der Kirche Betrüger, Pfuscher und Scharlatane gibt.
Ausschlaggebend für die Kirche und für uns ist eben, dass unser Heiland das nicht ist. Im Gegensatz zu den Jüngern sieht er die Not der Menschen um ihn herum, und sie bewegt ihn, und er macht was dran. Ja, auch die Not der Jünger sieht er, und sie bewegt ihn, und er macht was dran – die Not, dass die Jünger in der Wüste nichts von ihrem Heiland erwarten. Er sagt hier nicht: „Wie oft habe ich es euch nicht schon gesagt? Werdet ihr es denn nie lernen?“, sondern greift ein, nimmt ihre 7 Brote und ihre wenigen Fische, spricht ein Dankgebet, und teilt auf wunderbare Weise aus, dass alle 4,000 Menschen satt werden. Ihr Hunger wird gestillt von dem, der das Lebensbrot ist. Und dieses Mal werden 7 Körbe voller übriggebliebener Brocken. Zweimal kommt hier die Zahl 7 vor. Lange schon hat die Kirche das so verstanden, dass die 7 sich auf die Menschen und ihre Gegend bezieht. Es lebten nämlich genau 7 heidnische Völker direkt um Israel herum; und anders als bei der Speisung der 5,000 sind Jesus und die Jünger diesmal in heidnischem Gebiet, wo Juden und Nichtjuden lebten. Das heißt, dass die 4,000 Menschen hier wohl z.T. Juden und z.T. Heiden waren. Und seht, vielleicht war das der Grund, aus dem die Jünger nicht erwarteten, dass der Meister wieder eingreifen wird – dass er Juden speisen würde, hatte er ja gezeigt, aber Heiden? Heiden würde er doch bestimmt nicht speisen, oder? Aber genau das tut der Heiland. Er hat Augen für die Not, ganz egal, wer von ihm steht, ob Jude, ob Heide, ob Jünger. Er nimmt alle Personen wahr. Allen will er helfen. Für alle ist er gekommen, für Sünder aus jedem Volk, um ihrem Mangel abzuhelfen, ihre Not ihn tief bewegen zu lassen und sich selbst für sie zu geben. Solche Augen braucht die Kirche auch heute.
Liebe Gemeinde, wir haben einen Herrn, der da hilft! Das wollen wir uns immer wieder sagen lassen. Einen Herrn hast du, der deine Not sieht, der dich als Person wahrnimmt, auf dich zugeht und dich beachtet, der deine Not ihn tief bewegen lässt, der nicht von dir wegschaut, sich nicht scheut, bei dir zu sein und dir zu helfen. Hier in dem Gotteswort für heute will der Heiland dich lehren, in der Not und in dem Mangel, in Zeiten der Sorge und Angst, nie zu wenig von ihm zu erwarten. Dieser Heiland ist selbst ans Kreuz gegangen, um den wahren Hunger der ganzen Welt zu stillen, sich ihr selbst als Lebensbrot zu geben. Und wenn du kein Licht im Dunkel siehst und vor dir nur Not und Sorge ist, dann schaue auf ihn, erwarte alles Gute von ihm. Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen. (Ps 55,23) Denn seine Gnade reicht soweit der Himmel ist, und seine Treue, so weit die Wolken gehen. (Ps 108,5) Wie gut, dass uns der Herr das immer wieder sagt, uns immer wieder seinen Heiligen Geist schickt, um uns zu lehren, damit wir es endlich lernen. Wie gut sind wir aufgehoben bei diesem Heiland, der immer noch bereit ist, sich finden zu lassen, wo seine Jünger sich versammeln, immer wieder einlädt, immer wieder hilft. Auch dieses Jahr hat er uns die Ernte gespendet, uns ernährt und getränkt mit herrlichen Gaben. Welch einen gnädigen Gott haben wir doch!
An der Wartburger Schule arbeitete früher eine Dame, die dafür bekannt war, wie sie mit Problemen umging. Sie war eine gläubige Christin, und wenn es Not gab und Mangel, wenn neue Schwierigkeiten sich einstellten, dann sagte sie gern: „I’m excited to see how the Lord’s going to solve this one.“ Das ist doch eine schöne Einstellung. Dass wir uns die Not zu dem Heiland und Meister treiben lassen, dass wir mit Augen voller Erwartung und Geduld auf ihn schauen, zu sehen, wie er wohl diesmal helfen wird. Wir schauen auf ihn und empfangen Tag für Tag, was wir brauchen, brechen den Hungrigen das Brot, zeigen des Herrn Erbarmen in einer gebrochenen, hungrigen Welt und warten getrost auf den Tag, an dem das ewige Festmahl anbricht und aller Not abgeholfen wird. Nicht nur 4 oder 5.000 Menschen. Denn „der Herr Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. … Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der Herr hat’s gesagt.“ (Jes 25,6.8) Amen.
SOLI DEO GLORIA
Pastor Dr. Karl Böhmer
21. Sonntag nach Trinitatis (Geistliche Waffenrüstung)
Lehrpredigt zum Erntedankfest, den 1. November 2020
Christusgemeinde Kirchdorf
- Joh 1,8-9 I.i.
Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.
CA XI Von der Beichte (LG S. 818):
Von der Beichte wird gelehrt, dass man in der Kirche die dem einzelnen zugesprochene Absolution beibehalten und nicht wegfallen lassen soll. Freilich ist es nicht nötig, alle Missetaten und Sünden in der Beichte aufzuzählen, weil das gar nicht möglich ist: „Wer kann merken, wie oft er fehlet?“ (Ps 19.13)
Die Einzelbeichte kennen viele von uns wohl nur noch aus den Filmen. Da gibt es ein Möbelstück mit zwei Kammern, in der einen sitzt der Priester zu bestimmten Zeiten und wartet, bis ein Gemeindeglied sich in die andere Kammer setzt und durch die Abschirmung sagt: „Vater, vergib mir, denn ich habe gesündigt…“ Und dann folgt eine Beichtliturgie mit Aufzählung der begangenen Sünden und Absolution. Da meinen wir leicht, die Einzelbeichte sei etwas Römisch-katholisches und unserer Kirche fremd. Aber nichts könnte der Wahrheit ferner sein. Denn die Reformatoren haben sich alle Mühe gegeben, die Einzelbeichte unbedingt als Kern der lutherischen Beichtpraxis beizubehalten. Überall dort, wo die Bekenntnisschriften von der Beichte sprechen, auch im kleinen Katechismus, ist strenggenommen die Einzelbeichte gemeint. Sie wurde und wird gezielt von der lutherischen Kirche praktiziert.
Luther staunte schon seinerzeit darüber, wie viele Christen nach der Reformation nicht mehr in die Beichte kamen. In der röm.-kath. Kirche war seit dem Jahr 1215 jeder Christ gezwungen, mindestens einmal im Jahr in der Einzelbeichte dem Priester alle Sünden aufzuzählen. Nun, die Lutheraner behielten die Einzelbeichte bewusst bei, aber nicht mit Aufzählung aller Sünden – wer kann merken, wie oft er fehlet? lehrt die Schrift, sodass niemand alle Sünden überhaupt weiß, geschweige denn aufzählen kann. Als nun die Reformation kam und man nicht mehr in die Einzelbeichte gehen und alle Sünden aufzählen musste, gingen viele gar nicht mehr hin. Dazu sagt der Große Katechismus: „Solche Säue sollten nicht bei dem Evangelium sein noch etwas davon haben, sondern unter dem Papst bleiben und sich treiben und plagen lassen, dass sie beichten, fasten müssten usw., mehr als jemals vorher. Denn wer das Evangelium nicht glauben und darnach leben will und tun, was ein Christ tun soll, der soll auch keinen Genuss davon haben.“ Für Luther also ist zur Beichte zu gehen etwas, was jeder Christ gern tut. Christen sollten nie gezwungen werden müssen, zur Beichte zu gehen, sondern sie sollten die Kirche zwingen, die Beichte anzubieten! „Wenn ich daher zur Beichte ermahne, so tue ich nichts anderes, als dass ich ermahne, ein Christ zu sein.“
Nach und nach gab es in den lutherischen Kirchen Gott sei Dank immer mehr Beichtende, schließlich so viele, dass Pastoren keine Zeit blieb, alle über die Einzelbeichte privat zu absolvieren, und so begann man, in Gruppen zur Beichte zu kommen, und daraus entstand der Beichtgottesdienst wie wir ihn kennen. Der Pietismus aber hasste die Beichte und kritisierte sie, sodass immer weniger Einzelbeichte gehalten wurde und einige Kirchen sie ganz abschafften. Im 20. Jahrhundert ist auch der allgemeine Beichtgottesdienst unter Druck geraten. Bei vielen wird die Beichte noch verkürzt als Teil des Hauptgottesdienstes praktiziert. Das ist sehr wohl eine Beichte, die aber das absolute Minimum darstellt. Viele Kirchen haben aber nun auch die allgemeine Beichte ganz abgeschafft, sodass wenig – wenn überhaupt irgendetwas – von der Beichtpraxis noch zu sehen ist. Diese Kirchen sind arm dran und wissen es nicht. Ja, und dann haben sehr viele auch diese Beichte rausgeworfen und haben keine mehr – zu negativ, heißt es. Ihr Lieben, diese Kirchen haben sich um einen großen Schatz gebracht.
Die lutherischen Bekenntnisse sagen dazu: „Die aber, die [die Beichte] nicht achten und von selber kommen, die lassen wir auch fahren. Das sollen sie aber wissen, dass wir sie nicht für Christen halten.“ (Großer Katechismus) Wie kann unsere Kirche so etwas lehren? Sie kann es, weil es in der Beichte ganz einfach um das Herzstück des christlichen Glaubens geht: Um die Vergebung der Sünden. Hier spricht Gottes Wort klipp und klar: Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wer seine Sünden nicht einsieht, wem sie nicht leidtun, wen sie nicht belasten, der ist kein Christ, der hat keinen Glauben und ist ein Selbstbetrüger. Wer aber seine Sünden bekennt, nicht unter Zwang, sondern frei auf Verheißung des Evangeliums hin, dem sagt Gott ins Angesicht zu, dass er ihm die Sünden vergibt und ihn reinigt von aller Ungerechtigkeit. Welch gläubiger Christ würde das nicht für sich in Anspruch nehmen wollen? Darum wollen und dürfen wir die Beichte nie und nimmer abschaffen.
Das trifft in erster Stelle auf die Einzelbeichte zu. Die Einzelbeichte ist für dich als ein Geschenk zum freien Gebrauch da, wenn dich dein Gewissen plagt und nicht in Ruhe lassen will, wenn der Satan dir deine Sünde vorhält, sodass du meinst, Gott kann dich nicht mehr liebhaben, deine Sünde ist zu groß. Dafür ist die Einzelbeichte genau das rechte Mittel. Du bekommst unter Handauflegung Vergebung für genau die Sünden, die dich belasten, und der Pastor ist amtlich verpflichtet, lebenslänglich darüber das Beichtgeheimnis walten zu lassen.
Die Einzelbeichte ist eine Einladung, kein Muss. Auch die allgemeine Beichte gilt. In der allgemeinen Beichte sollen wir alle Sünden bekennen, auch die, deren wir uns nicht bewusst sind. Wenn aber einer von uns sich an einem anderen Menschen versündigt hat, soll er zuerst hingehen und ihm seine Sünde beichten. Daraufhin vergibt der Christ dem andern die Sünde. Der Herr Jesus fordert uns dazu auf und sagt: „Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“ (Mt 6) In alledem will uns der Herr immer wieder lehren, wie teuer und wertvoll seine Vergebung ist. Seine Gnade ist nicht billig, und deswegen gibt er sie nicht dem Heuchler, der ohne Reue und Buße durch Plappern schnell Vergebung bekommen will. Nein, seine Gnade ist teuer, sie kostet das Blut seines Sohnes; aber er schenkt sie gerne jedem, der auf ihn hört: Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. Durch die Vergebung gibt der Heiland immer wieder neue Kraft und bewahrt uns dadurch vor Missglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster. Genau darum ist sie so wichtig. Lasst uns gerne zur Beichte kommen und die Einzelbeichte als einen Schatz behalten und pflegen! „Wenn nun ein Herz da ist, das seine Sünde fühlt und Trost begehrt, so hat es hier eine gewisse Zuflucht; da findet und höret es Gottes Wort, indem Gott einen durch einen Menschen von seinen Sünden entbindet und losspricht.“ (Großer Katechismus) Amen.
SOLI DEO GLORIA
Pastor Dr. Karl Böhmer
Wochenspruch
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Römer 12, 21
Introitus – Nr. 62 (Jesaja 41, 10; Psalm 18, 31)
Epistel
Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, und an den Beinen gestiefelt, bereit, einzutreten für das Evangelium des Friedens. Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.
Epheser 6, 10 – 17
Hauptlied
O König Jesus Christus 267
Ach Gott vom Himmel sieh darein 246
Evangelium
Jesus lehrte seine Jünger und sprach: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.” Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will. Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben” und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.
Matthäus 5, 38 – 48
liturgische Farbe: grün
Festzeit: Trinitatiszeit
Wochenspruch: Röm 12,21
Wochenpsalm:
Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113
Epistel: Eph 6,10-17
Evangelium: Mt 5,38-48
Predigttext: Mt 10,34-39
Wochenlied: 273 und 377
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Mt 5,38-48
II: Eph 6,1-10
III: Mt 10,34-39
IV: Jer 29,1.4-7.10-14
V: Joh 15, 9-12 (13-17)
VI: 1. Kor 12,12-14.26-27