Darstellung des Herrn – 2024

Freiheit ist nicht umsonst, und der Preis für die Freiheit ist fast immer Blut. Das hat schon so manche Generation neu erfahren müssen, wie heute auch die Ukrainer und die Israeliten und Palästinenser, die um ihre Kinder trauern. Freiheit ist nicht umsonst, und der Preis für die Freiheit ist Blut.

Beim Auszug aus Ägypten geht es ganz besonders um Freiheit: Freiheit von der Sklaverei in Ägypten, aber auch Freiheit von der Sklaverei der Sünde. Die Bedeutung des Auszugs aus Ägypten können wir gar nicht hoch genug einschätzen. Der Auszug aus Ägypten war DAS Ereignis des Alten Testaments. Gott wollte, dass sein Volk nie vergisst, dass er es befreit hat, und deshalb bestand er darauf, schrieb er vor, legte er fest, dass sie sich jedes Jahr an dieses Ereignis erinnern sollten. Das Passahfest ist das Fest, das jedes Jahr als Erinnerung an den Auszug aus Ägypten gefeiert wird. Das Passahfest feiert den offiziellen Beginn des Volkes Israel. Es feiert die Befreiung aus der Sklaverei. Das Passahfest erinnert an das wichtigste Ereignis der israelitischen Geschichte, aber warum genau ist es so wichtig?

Wegen der Freiheit. Deshalb. Doch die Freiheit ist nicht umsonst, und der Preis für die Freiheit ist Blut. Israels Freiheit kostete Blut, das Blut der Erstgeborenen. Erinnert ihr euch an die zehn Plagen? Gott versuchte, den Pharao zu überzeugen, sein Volk ziehen zu lassen. Um dem Pharao zu zeigen, wie ernst er es meinte, tat Gott durch Mose große Wunder – er verwandelte Wasser in Blut, er schickte Fröschen in ganz Ägypten, Hagel, Heuschrecken. Aber der Pharao mochte seine Sklaven und weigerte sich nach jeder Plage, Israel ziehen zu lassen. Erst die zehnte und letzte Plage drang durch seinen Dickkopf und sein hartes Herz, erst die zehnte und letzte Plage überzeugte den Pharao, zumindest vorübergehend, Israel ziehen zu lassen. Denn da kam der Todesengel Gottes und brachte alle erstgeborenen Söhne und männlichen Tiere in Ägypten um, sogar den Sohn des Pharaos. Erst dann, als er seinen ältesten Sohn tod in den Armen trug, gab der Pharao nach.

Die Häuser der Israeliten waren anders. Der Tod besuchte diese Häuser nicht. Es waren die Häuser von Gottes Volk. Die Israeliten gaben ihre Zugehörigkeit zu Gott mit Blut zu erkennen. Diesmal war es das Blut von einjährigen männlichen Lämmern ohne Makel oder Fehler. All dies symbolisierte das Blut des Lammes Gottes, des Messias, dessen Blut das neue Israel (alle Gläubigen) vor dem Zorn Gottes bewahren würde. Deshalb befahl Gott ein jährliches Passahmahl mit Lamm und ungesäuertem Brot zur Erinnerung an den großen Auszug aus der Gefangenschaft. Israel musste wissen und durfte nicht vergessen: Freiheit ist nicht umsonst, und der Preis für die Freiheit ist Blut.

Das kennen wir. Das wissen wir. Das haben wir noch im Gedächtnis. Wo der Todesengel das Blut des Lammes sah, ging er vorüber. Dort starben die Erstgeborenen nicht. Was wir aber nicht mehr so präsent haben, ist, dass als Gott das Volk und das Vieh der Ägypter schlug und tötete, da machte er gleichzeitig auch etwas mit seinem eigenen Volk. So sprach der Herr auch über sein eigenes Volk: „alle Erstgeburt unter den Israeliten gehört mir, von Menschen und Vieh“ (4. Mose 8,17). Ab diesem Tag forderte Gott auch von den Israeliten ihre erstgeborenen Kinder für sich. Weil Gott die ältesten Söhne und männlichen Tiere der Israeliten am Abend der 10. Plage nicht tötete, weil er sie verschonte, sagte er, sie gehörten ihm. Gott befahl den Israeliten, ihre männlichen Erstgeborenen ihm zu weihen und so anzusehen, als gehörten sie ihm. Es war fast so, als ob Gott sagen wollte: „Ihr schuldet mir etwas! Ihr schuldet mir das Blut eurer Erstgeborenen für eure Freiheit.“

Mose erklärte dem Volk Israel die Sache so: [14-16] Das müssen wir richtig verstehen. Gott wollte nicht, dass noch mehr Menschenblut vergossen wird. Seit die Israeliten im gelobten Land lebten, mussten sie ihm jedes erstgeborene männliche Tier opfern, jedes Stierkalb, jeden Schafbock, jeden Ziegenbock. Aber die Menschen, die erstgeborenen Söhne sollten Gott nicht geopfert werden. Das wollte er nicht! Das war einer der größten Unterschiede zwischen Gott und den falschen Göttern der Kanaaniter. Die Kanaaniter opferten tatsächlich ihre ältesten Söhne den Göttern. Gott der Herr aber wollte das nicht und tolerierte es nicht. Deshalb hat er es anders geregelt. Jüdische Eltern kauften ihre erstgeborenen Jungs nicht mit dem Tod, sondern mit einem anderen Opfer frei: Reiche Familien mussten ein Lamm opfern, wogegen arme Familien zwei Tauben opfern durften. Mit dem Geld oder mit dem Blut der Opfertiere „erlösten“ sie ihren Sohn, lösten ihn aus, kauften ihn frei, damit sie ihn nach Hause nehmen und dort großziehen konnten.

Freiheit ist nicht umsonst, und der Preis für die Freiheit ist Blut. So ging es 1400 Jahre lang, dass gläubige jüdische Eltern ihr erstgeborenes männliches Kind Gott mit Blut freikauften. Und so kam es, dass 1400 Jahre nach dem Auszug aus Ägypten wieder mal ein frischgebackenes Elternpaar nach Jerusalem zum Tempel kam. Arm waren sie, denn sie konnten sich kein Lamm leisten. Zwei Tauben mussten sie kaufen und dem Priester zum Opfer geben. Vierzig Tage nach der Geburt ihres erstgeborenen Sohnes präsentieren Josef und Maria ihren erstgeborenen Sohn im Tempel und erlösen ihn, lösen ihn aus, kaufen ihn mit einem Opfer von zwei kleinen Vögeln zurück. Dies ist die „Darstellung des Herrn“, die wir heute feiern, am 2. Februar, 40 Tage nach Weihnachten, nach der Geburt Jesu. Josef und Maria halten ihren kleinen Sohn in den Armen und geben dem Priester zwei lebende Tauben. Und der Priester nimmt sie und geht hin und opfert sie. Und dann kommt der Priester und nimmt ihren erstgeborenen Sohn und stellt ihn dem Herrn dar – und dann ist er erlöst, freigekauft, und der Priester gibt ihn den Eltern zurück.

Und nun schaut, ihr Lieben, wie so viele Fäden des ATs und des NTs an diesem Tag hier zusammenlaufen. Nun kommt Jesus als Kind von armen Leuten – und lebt und stirbt für die geistlich Armen dieser Welt. Als Kind von freigelassenen Menschen, um die Gefangenen der Welt freizumachen. Sie hätten Jesus nicht unbedingt zum Tempel bringen müssen – irgendein Priester irgendwo im Land hätte das machen können. Aber Josef und Maria kommen von Bethlehem nach Jerusalem in den Tempel, um die Schrift zu erfüllen. So spricht der Herr: Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt!, spricht der Herr Zebaoth. (Mal 3,1) Der kleine Jesus kommt in den Tempel als der erstgeborene, eingeborene Sohn Gottes des Vaters, als die Erfüllung, als die Erstgeburt, die Gott dem Vater geweiht ist. Gleichzeitig kommt er als das Lamm ohne Fehler und Makel, um die Schuld zu bezahlen. Freiheit ist nicht umsonst, und der Preis für die Freiheit ist Blut. Mit dem Blut von Tauben wird der kleine Jesus erlöst; mit seinem eigenen Blut wird er zum Erlöser der ganzen Welt, damit bezahlt er den Preis für deine Freiheit, dass der Todesengel an dir und mir vorüberziehen muss und wir ewiglich leben und alle Gott dem Herrn geweiht sein dürfen. Und deswegen singen die Engel und Erzengel und die Heiligen im Himmel, zehntausendmal zehntausend und vieltausendmal tausend jetzt dem Erstgeborenen Gottes dieses Loblied: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.

Jede Darstellung im Tempel oder bei einem Priester erinnerte Gottes Volk daran, was der Herr in der Vergangenheit für sie getan hatte, was es gekostet hatte und wie kostbar dieses Geschenk der Freiheit ist. Aber nichts davon ließ sich vergleichen mit der wirklichen Sklaverei, in der wir alle gefangen sind – der Sklaverei der Sünde – und mit der ultimativen Freiheit, die Gottes erstgeborenen Sohn für uns verdient hat, den Himmel selbst, und zwar mit seinem kostbaren Blut, das dafür vergossen und geflossen ist. Er wird der Erstgeborene, der am Kreuz als Opfer dargebracht wird, um für unsere Freiheit zu bezahlen und uns zu erlösen, aus der Schuld freizukaufen.

Wegen Jesus brauchen wir Gott nicht zu opfern. Wir brauchen uns nicht Gott darzustellen. Es besteht keine Notwendigkeit, uns mit einer Gabe an Gott zu erlösen. Wir brauchen uns Gott nicht zu weihen oder irgendetwas für Gott zu opfern. Christus tut dies für uns, für dich. Aber das bedeutet nun, dass der Herr dich für sich in Anspruch nimmt, dass er Anspruch auf dich erhebt. Du gehörst ihm. „Auf dass ich sein eigen sei und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene“ – unser keiner lebt sich selber! Sondern wir leben dem Herrn. Und darum ruft der Apostel uns auf: „Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“ (Röm 12,1f.)

Unsere Hingabe an ihn ist folgt aus seiner Hingabe an uns, aus der Erlösung. Die Freiheit, die er für uns erworben hat, war nicht umsonst. Das ist Freiheit nie. Der Preis dafür ist Blut. Unser Blut ist dafür nicht gut genug, ebenso wenig wie alles andere, was wir anbieten. Nur sein Blut reicht aus. Und das ist die gute Nachricht: Sein Blut reicht für dich aus. Der Preis ist bezahlt. Und du bist frei. Amen.


Septuagesimä (Lohn und Gnade)

Wochenspruch
Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.
Daniel 9, 18

Introitus – Nr. 18 (Stücke zu Daniel 3, 2a. 3a; Psalm 18, 2 – 3)

Epistel

Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.

1. Korinther 9, 24 – 27

Evangelium

Jesus sprach: Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg. Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.

Matthäus 20, 1 – 16a


Septuagesimä – Liturgische Farbe: grün

Festzeit: Vorfastenzeit

Wochenspruch: Dan 9,18

Wochenpsalm: Ps 31b

Eingangspsalm: Ps 31

Epistel: 1. Kor 9,24-27

Evangelium: Mt 20,1-16a

Predigttext: Lk 17,7-10

Wochenlied: 342 und 409

Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).

I(Evangelium): Mt 20,1-16a

II: 1. Kor 9,24-27

III: Lk 17,7-10

IV: Jer 9,22-23

V: Mt 9,9-13

VI: Röm 9,14-24