09. Sonntag nach Trinitatis (Der kluge Haushalter) – 2019

09. Sonntag nach Trinitatis (Der kluge Haushalter) – 2019

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, dem Vater und unsrem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Text: Matthäus 13, 44 – 46

44Jesus sprach zu seinen Jüngern: Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. 45Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, 46und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Lasst uns beten: Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass du auch uns in deinem Wort über das Himmelreich informierst! Herr, schenk uns die Kraft deines heiligen Geistes, dass wir erkennen können, was du alles getan hast, damit wir mit dir in deinem Reich leben können! Herr Gott, mach‘ auch uns zu klugen Haushaltern dieser Botschaft von dem Heil in deinem Sohn, Jesus Christus! Komm, lieber Herr, und segne uns durch dein Wort. Amen.

Im Namen Jesu, liebe Gemeinde

Der Text, den wir für diese Predigt gehört haben, kommt aus einer Reihe von 8 Gleichnissen, die Jesus erzählt hat, um seinen Zuhörern „das Himmelreich“ zu erklären! Jesus hat ja öfter Gleichnisse gebraucht, um Dinge, die den Leuten unbekannt waren, zu erklären. Auch heute noch wird diese Methode oft im Unterricht in den Schulen, und auch an anderen Unterrichtstellen, gebraucht! Da erzählt der Lehrer, oder die Lehrerin etwas, dass den Schülern bekannt ist, und baut dann durch Vergleiche mit dem schon bekannten, die Erklärung von dem noch unbekannten Lernmaterial, auf!

Viele Leute hatten damals in Israel ein total falsches Verständnis von diesem „Himmelreich“, von dem Jesus hier geredet und gelehrt hat! Der Thron Davids, den der Messias wieder aufrichten und besteigen würde, war für sie ein weltlicher Thron! Sie meinten, dass, wenn Jesus wirklich der Messias wäre, sollte er die Juden wieder in ein mächtiges Volk verändern! Deshalb erwarteten viele von ihnen, und sogar auch die Jünger, dass Jesus diese „Bombe“ irgendwann einmal zum Platzen bringen würde! Dann sollten die Römer zurück nach Italien gejagt werden, und die Juden würden die Weltherrschaft übernehmen! So hatten sie alle, „irdische“ Gedanken, während Jesus immer wieder von „himmlischen“ Dingen geredet hat!

Liebe Gemeinde, Jesus baut diese zwei kurzen Gleichnisse in unsrem Text nun auch wieder auf zwei Begebenheiten, die den Leuten damals gut bekannt waren, auf. Weil diese Dinge aber wahrscheinlich für uns eigenartig sind und fremd klingen, müssen sie erst einmal kurz erklärt werden. Das erste Gleichnis galt wahrscheinlich besonders den armen Leuten in der Bevölkerung! Wir kennen das auch, dass Leute, die sowieso nicht viel haben, immer wieder davon träumen, und auch einiges von diesem wenigen Geld dafür ausgeben, um den großen Preis beim Lotto einmal zu gewinnen! Um solch einen Schatz, wie hier in unsrem Gleichnis, zu finden, und um ihn behalten zu dürfen, war für die armen Leute damals auch so, als wenn sie beim Lotto den großen Preis gewinnen würden! Und es kam damals scheinbar sogar öfter mal vor, dass einige Leute wirklich solche Schätze, irgendwo draußen „im Feld“, gefunden haben! Deshalb war diese Geschichte der Bevölkerung bestimmt nicht ganz unbekannt!

Aber, wie kam es denn eigentlich dazu, dass solche Schätze dort lagen, wo man sie finden konnte? Das kam daher, dass es damals noch keine Banken gab, wie heute, wo man sein Geld und seinen Besitz in relativer Sicherheit aufbewahren konnte. Wenn da nun Krieg kam, und das hat es in Israel in den 600 Jahren vor der Geburt Jesu ja oft gegeben, haben die Reichen jedes Mal ihr Geld, ihre Perlen, und andere Schätze, irgendwo auf dem Land, dass ihnen um die Städte und Dörfer herum gehörte, vergraben! So hat ja der dritte, faule Knecht im heutigen Evangelium, das auch gemacht! Die Stellen, wo solche Schätze vergraben waren, waren natürlich größtes Geheimnis! Wenn die Bedrohnug dann vorbei war, ging man ungesehen hin und holte sich diese schönen Sachen alle wieder zurück ins Haus!

Nun kam es aber auch manchmal so, dass die Besitzer solcher Schätze, nicht wieder zurückkommen konnten, um sich ihren Besitz zu holen! Die Leute vom Nordreich sind, nachdem sie von den Assyrern besiegt wurden, zum Beispiel nie wieder in ihr Land zurückgekommen! Und auch die babylonische Gefangenschaft hat ja so lange gedauert, dass alle von denen, die zu Anfang in die Gefangenschaft geführt wurden, in Babylon gestorben sind! Da waren also viele solche Schätze unter der Erde, die keinen Besitzer mehr hatten! Deshalb wurde dann in der damaligen Welt, allgemein die Regel eingeführt, dass der rechtliche Eigentümer von dem Stück Land, auf dem solch ein Schatz gefunden wurde, dann auch das Eigentumsrecht davon hatte!

Das „Spiel“ mit den Perlen, war dagegen mehr etwas für die Reichen! Bevor Gold und Edelsteine diesen Markt übernommen hatten, waren die Perlen hoch in der Mode! Es wird Berichtet, dass die bekannte, letzte Königin von Ägypten, Cleopatra, zum Beispiel zwei Perlen in ihrem Besitz hatte, die nach heutiger Rechnung zusammen mehrere Million Dollar wert waren! Da war also schon was los in diesem Handel mit Perlen! Das war nicht nur etwas für den Flohmarkt, so am Sonnabendmorgen! Nein, da wurde wirklich viel Geld für solche Perlen ausgegeben!

Soweit der Hintergrund zu diesen beiden Gleichnissen. Der Sinn in diesen beiden Geschichten, die Jesus hier erzählt, ist aber der Gleiche! Beide Male findet jemand etwas sehr Wertvolles. Und beide Male tun die Finder alles, was sie nur können, um das, was sie gefunden hatten, zu besitzen! Man ist bei diesen beiden Geschichten sehr leicht geneigt um zu denken, dass dieser Schatz im Acker, und diese besondere Perle, das Himmelreich darstellen! Und dann sind wir Menschen, diese beiden Männer, die nun alles was sie haben, hergeben, um das Himmelreich zu gewinnen und zu besitzen! Das ist ja in einer Weise auch richtig gedacht! Das Himmelreich ist nämlich wirklich das Wertvollste, was ein Mensch je finden und besitzen kann! Und, dafür sollte man auch wirklich gerne alles Irdische hergeben!

Liebe Gemeinde, das ist aber nicht unbedingt, was Jesus uns mit diesen Gleichnissen vom Himmelreich sagen will! Erstens haben wir auf Erden ja gar nichts, mit dem wir den Preis für unsre Seligkeit bezahlen können! Und zweitens wissen wir auch aus der biblischen Rechtfertigungslehre, dass wir uns das Himmelreich sowieso nicht selber verdienen oder kaufen können!

Den Schlüssel zu dem, was hier gemeint ist, finden wir in den Versen gerade vor unsrem Text! Da erklärt Jesus nämlich seinen Jüngern das vorige Gleichnis von dem Unkraut unter dem Weizen! Wir kennen dieses Gleichnis vielleicht nicht so gut. Deshalb will ich diese Geschichte erst einmal vorlesen. In Matthäus 13, von Vers 24 an, heißt es: 24Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: „Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. 26Als nun die Saat wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. 27Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? 28Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, dass wir hingehen und es ausjäten? 29Er sprach: Nein! damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. 30Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune.“

Und dann kommt die Erklärung: 36Da ließ Jesus das Volk gehen und kam heim. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.

37Er antwortete und sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist’s, der den guten Samen sät. 38Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. 39Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt.“

Liebe Gemeinde, hieraus kann man also erkennen, dass in all diesen Gleichnissen der Mann, oder der Mensch, der hier handelt, immer Gott selber ist! Dass heißt, in unsren beiden Gleichnissen findet Gott den Schatz im Acker und die kostbare Perle! Und deshalb ist es auch Gott der alles dransetzt und aufopfert um diese beiden Dinge in seinen Besitz zu bekommen! Und der Schatz und die kostbare Perle, um die es sich hier handelt, das sind wir Menschen! Angefangen bei Adam, Noah, Abraham, Isaak und Jakob, dem auserwählten Volk, bis hin zu allen Menschen auf dieser Welt, den gläubigen und auch den ungläubigen! Gott hat in seinem Sohn, Jesus Christus, alles was er hat, am Kreuz hergegeben, damit er uns alle in seinen Besitz bekommen kann! Er hat die Menschen nach seinem Bild geschaffen, aber durch den Sündenfall hatten sie sich von ihm abgewendet!

Und wenn Jesus am Anfang von seiner Wirkungszeit hier auf Erden (Matth. 4,17) sagt: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“, dann sagt er damit, dass es sein Ziel ist, um die gefallene Menschheit wieder in seinen Besitz zu bekommen! Durch die Erlösung, die er am Kreuz für uns erworben hat, werden wir und alle die an ihn und seine Vergebung glauben, und davon Gebrauch machen, wieder Teil von diesem Himmelreich!

Liebe Gemeinde, das Himmelreich besteht also für uns darin, dass wir von Gott gefunden und durch Jesus erlöst worden sind! Alles was dabei für uns zu tun übrig bleibt, ist, um dieses Geschenk der Gnade Gottes dankbar anzunehmen, und es, wie wir es bei der Prüfung vor zwei Wochen gehört haben, auch auszupacken! Dazu will Jesus uns in der Kraft seines Geistes auch immer wieder einladen und Mut machen! Wir sind es ihm Wert, dass er durch sein Sterben für uns die Tür zum Himmelreich geöffnet hat! Dafür wollen wir ihm dienen und ihn loben, mit allem was wir sind und haben. Amen.

Wir beten: Herr, in deinem Wort sagst du uns, wie wertvoll und wichtig wir, und alle Menschen, für dich sind! Lass uns das erkennen und auch unsren Beitrag dazu geben, dass diese Botschaft in der Welt verkündigt werden kann! Gib dem Wort deine Kraft damit es in den Herzen derer, die es hören, wirken wird! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.


09. Sonntag nach Trinitatis (Der kluge Haushalter)


Wochenspruch
Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.

Lukas 12, 48

Introitus – Nr. 50 (Psalm 143, 1 – 2a; Psalm 40, 9)

Epistel

Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Philipper 3, 7 – 14

Hauptlied
Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun 456

Evangelium

Jesus sprach: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort. Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu. Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen. Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wieder bekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Matthäus 25, 14 – 30


liturgische Farbe: grün

Festzeit: Trinitatiszeit

Wochenspruch: Lk 12,48

Wochenpsalm: Ps 40

Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113

Epistel: Phil 3,7-11 (12-14)

Evangelium: Mt 25,14-30

Predigttext: Mt 7,24-27

Wochenlied: 497


Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.)


I(Evangelium): Mt 25,14-30

II: Phil 3,7-11 (12-14)

III: Mt 7,24-27

IV: Jer 1,4-10

V: Mt 13,44-46

VI: 1. Petr 4,7-11