Im Juli 2009 begann ein islamischer Aufstand in Nordnigeria. Seitdem läuft er ununterbrochen weiter. Dahinter stehen die islamische Terrororganisation Boko Haram und die Fulani, ebenfalls radikalisierte und dschihadistisch motivierte muslimische Hirten. Seit 2009 wurden in Nigeria mehr als 60 000 Christen ermordet oder bei Überfällen entführt. Die entführten Christen sind nie in ihre Heimat zurückgekehrt, und ihre Angehörigen glauben, dass sie tot sind. Was den Leuten dort angetan wird, wie sie gefoltert und getötet werden, darüber will ich schweigen. Denn es ist schrecklich. Seit 2009 wurden etwa 20 000 Kirchen und christliche Schulen in Brand gesteckt und zerstört. 30 000 000 Christen wird mit dem Leben gedroht, von denen sind 10 000 000 auf der Flucht vor islamischen Verfolgern. Am 5. August wurde z.B. in der Stadt Maiduguri eine Kirche zerstört. Der Sohn des Pastors, Ezekiel Bitrus Tumba, 29 Jahre alt, wurde erschossen als er versuchte, die Zerstörung zu verhindern. Davidson Malison, ein nigerianischer Christ, sagt: „Uns fließen unaufhörlich Tränen aus den Augen.“ Und die Welt sieht zu und tut nichts.
„Unterwirf dich Allah oder stirb!“ „Bete die Hindu-Götter an oder stirb!“ „Verehre den römischen Kaiser oder stirb!“ Dies war und bleibt die Erfahrung von Millionen von Christen in der ganzen Welt. In keinem Jahrhundert wurden mehr Christen für ihren Glauben getötet als im 20., und allen Anzeichen nach werden es im 21. Jahrhundert noch mehr. All dies ist die Erfüllung von dem Wort des Herrn zu uns Christen Mt 24: Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern. Ja, sagt er, diese Trübsal und Not für die Kirche wird sich zum Ende hin noch verschärfen, es wird uns Christen vielerorts so übel ergehen, dass, wenn Gott die Zeit nicht verkürzen würde, kein Christ überleben würde. Die Offenbarung nun schildert aus verschiedenen Blickwinkeln, wie sich diese schrecklichen Ereignisse entfalten. Kapitel 6 und 8 schildern Bilder des Schreckens, der Trübsal, des Leidens und der Angst, die um Christi willen über die Erde kommen, wie Gottes Volk zur Zielscheibe gemacht wird.
Doch mitten in diesen Kapiteln gibt es ein Zwischenspiel. Johannes bekommt einen fantastischen Anblick zu sehen. Er sieht zunächst das gesamte Volk Gottes hier auf der Erde, das bereit ist, seinen Aufrag zu erfüllen, die frohe Botschaft von Jesus Christus dem Seligmacher zu erzählen und vorzuleben im finstern Tal der todverfallenen Welt. Der Auftrag lautet, alle Völker zu Jüngern zu machen indem sie sie taufen und Christi Wort lehren. Aber noch bevor das geschieht, bevor das losgeht, sieht Johannes, wie Gott sein Volk zuvor mit dem Heiligen Geist in der Taufe versiegelt – und erst dann kommt die Trübsal. Gott rüstet vor dem Kampf sein Volk zu, das gesamte Volk Gottes aller Zeiten hier auf der Erde, die kämpfende Kirche, Christen, die den guten Kampf des Glaubens kämpfen. Versiegelt mit dem Heiligen Geist zu sein bedeutet, dass Gott sein Volk im Glauben beschützen wird, auch wenn es leidet. Die kämpfende Kirche wird wegen Christus leiden und sterben, aber sie wird den Glauben nicht verlieren, denn ihr Gott wird sie verteidigen. Und dann zeigt Gott Johannes ein zweites Bild. Ein Bild vom Ende. Ein Bild vom Ziel. Ein Bild von dem, was ganz gewiss kommt. Johannes sieht wie ein Hoffnungsglimmer die Zulunft, er sieht am Triumphtag die, die starben und doch leben, eine Menschenmenge um den Thron Gottes, eine unzählige Schar aus jeder ethnischen Gruppe der Welt, mit weißen Gewändern bekleidet und Siegespalmen schwenkend, wie sie brausend singen und schallend loben, Gott und dem Lamm alle Ehre für ihre Rettung geben, und vor ihnen und um den Thron herum das ganze Heer des Himmels, das Gott anbetet.
Johannes sieht sie und erzählt: [13-14]. Wer ist diese Schar? Es ist das Volk Gottes, das aus der Trübsal hier auf Erden kommt. Sie kommen aus den Zeiten des Schreckens und der Verfolgung auf Erden, aus der kämpfenden Kirche, aus der Not und dem Streit, es sind die, die trotz aller Anfechtung und Trübsal den Glauben bewahrt haben und in die ewige Herrlichkeit vor Gott eingehen dürfen. Befleckt mit Sünde waren sie im Leben, aber ihre Kleider sind gewaschen und weiß gemacht im Blut des Lammes, das uns rein macht von aller Sünde. Sie sind durch das Blut Christi, das am Kreuz vergossen wurde, von allen Sünden, Flecken und Makeln rein gewaschen. Es sind die Christen, die vom römischen Reich verfolgt wurden. Es sind Menschen wie die Nigerianer Ezekiel Bitrus Tumba und Davidson Malison. Aber mehr noch! In gewisser Hinsicht erfährt jeder Christ die Prüfung des Glaubens und den Streit des Herrn, wir alle müssen mehr oder weniger mitleiden als gute Streiter Christi Jesu (2. Tim. 2,3). Die Schar von Menschen, die überwinden, an der Siegesfeier des gestorbenen und auferweckten Lammes teilhaben, sie schließt ein jeden einzelnen Christen, der den guten Kampf des Glaubens kämpft und in Christus überwindet, die ganze Schar, als wäre sie bereits triumphierend, vollständig, wie sie es bei der Auferstehung am Ende sein wird. Diese triumphierende Völkermenge – das sind die Heiligen des Herrn.
„Heilige“, auf Englisch „Saints“, da bleibt die lutherische Kirche sehr vorsichtig. Denn wir lehnen den Heiligenkult und das Beten zu und Reden mit verstorbenen Christen streng ab. Was soll dann noch das ganze Gerede von „St. Paulus“, „St. Joh, Mk, Lk“? Waren sie nicht alle Sünder, genau wie wir? Ja, aber einer der Schätze der Reformation ist die aus der Heiligen Schrift gewonnene Erkenntnis, dass wir alle, die wir auf Christus getauft sind und an ihn glauben, gleichzeitig Sünder und Heilige sind. Sünder, weil wir mit der Sünde und unserem alten Adam bis zum Tag unseres Todes kämpfen (und ob wir das wissen). Heilige, weil wir in Christus sind, rein gewaschen durch das Blut Christi, und das neue Leben Christi leben, weil Gott uns in Christus für gerecht erklärt, für annehmbar in seinen Augen. Und so führen wir unser Leben und kämpfen den guten Kampf als Sünder und Heilige, beides zugleich. Das bedeutet, dass du, lieber Christ, obwohl du Sünder bist und ständig der Vergebung Gottes bedarfst, gleichzeitig auch ein Heiliger bist, weil Christus dich in der Vergebung gerecht spricht, weil sein Geist dich heilig macht. Durch Christi Blut also bist du heilig, stehst du vor Gott so gerecht da wie Jesus selbst, denn sein Blut bedeckt dich. Das dürfen wir ohne Überheblichkeit und aus großer Dankbarkeit sagen, weil Gott es sagt. Aus diesem Grund, lieber Christ, ist die Vergebung Gottes so kostbar, so teuer, so wertvoll, dass sich nichts mit ihr vergleichen lässt. Ohne sie bist du nur Sünder und musst kläglich und ewiglich sterben. Mit ihr bist du Sünder aber auch Heiliger zugleich. Und wenn du und ich eines Tages, ja, bald, bald, auferstehen und in diese Schar der Erlösten eintreten, mit allen Heiligen vor dem ewigen Gott und dem Lamm stehen, dann werden wir keine Sünder mehr sein, sondern nur noch Heilige.
Um es ganz deutlich zu machen: Wir beten nicht zu toten Menschen. Wir beten nur zu Christus und durch Christus zum dreieinigen Gott, denn Christus ist nicht tot – er lebt und sitzt als das Lamm in der Mitte vom Thron, unser Hirte, unser Licht, unser Leben und unsere Erlösung! Aber wir vergessen auch nicht die Heiligen, die uns vorangegangen sind, die im Glauben gestorben und bei Gott sind. Wir meinen doch gerade sie, wenn wir sonntäglich bekennen: „Ich glaube an die Gemeinde der Heiligen“; das sind wir selbst und all jene, die uns im Glauben vorausgegangen sind, die unter Bedrängnis und in Trübsal den Glauben bewahrt haben, wir sind dankbar für Gottes Treue zu ihnen und ihre Treue und das Zeugnis, das sie im Leben und im Tod gegeben haben. Weil sie standhaft geblieben sind und den Auftrag Gottes in der kämpfenden Kirche ausgeführt haben, dürfen wir hier als Empfänger und Teilnehmende dieses Gottesdienstes in Ruhe sitzen. Nein, wir werden sie nicht vergessen, wir werden mit ihnen in Christus wieder vereint; und wenn wir heute das „Heilig, heilig, heilig“ singen, werden wir uns daran erinnern, dass mit uns nicht nur die kämpfende Kirche auf Erden singt und feiert, Christen, die verfolgt oder eingekerkert wurden und mit uns im Kampf stehen, sondern auch die triumphierende Kirche, alle Märtyrer und Heiligen, alle Engel und Erzengel und Heerscharen des Himmels, die das Lamm anbeten und Ihm die Ehre geben, Ihm, der selbst durch Kreuz und Auferstehung unser Sieg ist für immer.
Diese Zukunft gibt die Schrift uns zur Hoffnung, als Zielsetzung mitten in Leid und Unterdrückung. Die Pforten der Hölle werden die Kirche des Herrn nicht überwältigen! Denn für die Christen in Nigeria und für uns gilt, dass der Heiland uns umsorgt und nicht verlässt und durch die Bedrängnis herrlich hinausführt, wie schon das Volk Gottes zu allen Zeiten. Alle, die ihr Leben wegen Jesus und in Jesus verloren haben, haben es in Christus behalten, schon stehen sie in dieser Gemeinde der Heiligen und feiern. Dieses Wort des Herrn, dieses herrliche Bild des Sieges und des Triumphs über alles Schreckliche und Böse ist auch unser Trost, die wir um unsere christlichen Verstorbenen trauern und selbst im Leben kämpfen müssen, denn hier spricht und verspricht der Heilige Geist selbst: (15-17) In dieser Welt gehören Tränen und Klagen zur Nachfolge des Herrn dazu. Tränen über die Sünde, Tränen über das Verderben und das Leid anderer Christen, Tränen über unser eigenes Leid, Tränen über den Tod geliebter Menschen, über Einsamkeit und Kummer. Gott aber wird jedem, der im Blut des Lammes vor ihn kommt, höchstpersönlich jede Träne von den Augen wischen und unser Weinen in Lachen verwandeln, sodass wir mit dem Psalmisten beten:
Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen,
du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet, dass ich dir lobsinge und nicht stille werde.
HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. (Ps 30,12f.)
Amen.
Drittletzer Sonntag der Kirchenjahres (Die Zeichen des Endes)
Wochenspruch
Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!
2. Korinther 6, 2b
Epistel
Unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.
Römer 14, 7 – 9
Hauptlied
Wir warten dein, o Gottes Sohn 518
Evangelium
Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da! oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach! Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein. [Zuvor aber muss er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird’s auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. Ebenso, wie es geschah zu den Zeiten Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tag aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. Auf diese Weise wird’s auch gehen an dem Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden.]
Lukas 17, 20 – 24 [25 – 30]