Predigt zum Epiphaniasfest
Christusgemeinde Kirchdorf, den 5. Januar 2025
Mt 2,1–12 I.i.
Stell dir vor, du lebst in Wartburg und kennst deine Nachbarn und gehst abends mit deinem Hund durchs Dorf spazieren und kommst auf ein Haus zu, in das eine neue Familie eingezogen ist. Aber außerhalb des Hauses sind schicke, teure Autos geparkt, Limousinen, eine Blaulichtbrigade, viele Menschen, Diener, Chauffeure, Leibwächter mit dunklen Brillen; offensichtlich hat diese neue Familie hohen Besuch. Und deswegen stimmt das Bild nicht, denn das Haus ist klein und herabgekommen und steht in der Nähe vom Taxistand, und nun dieser hohe Besuch… Du bist neugierig, du spazierst vorbei aber reckst den Hals, um zu sehen, was los ist, und dann siehst du ins Wohnzimmer und es bietet sich dir ein seltsamer Anblick: Drei Männer, vielleicht auch mehr, entweder Mitglieder eines Königshauses oder Promis oder Politiker, elegant gekleidet, herausgeputzt wie ein Pfau, sie schwitzen Reichtum aus jeder Pore, aber – sie sind auf den Knien, vor ihnen ein Baby auf dem Schoß der Mutter in Alltagskleidung, und sie beugen ihre Angesichter zum billigen Teppich und beten das Kind an.
Ein verrücktes Bild! Aber das ist Epiphanias. Das ist das Bild von Mt 2. Wie verrückt, wie blödsinnig muss dieses Bild weltlichen Menschen erscheinen! Doch wir wissen, dass diese Weisen aus dem Morgenland Einsicht besitzen und Weisheit, die wir brauchen, ja, dass die Schrift sie uns als Vorbilder beschreibt.
Die Weisen – diese mysteriösen Magier aus dem Morgenland – wer sind sie, woher wissen sie, was sie wissen? Das Morgenland, das liegt da, wo die Sonne am Morgen aufgeht – im Osten. Gemeint ist wohl die Gegend von Babylon oder Persien, heute Irak und Iran. Und die Weisen dort sind wohl Glieder einer persische Priesterkaste, angesehene, wohlhabende Leute, die sich mit Sternkunde, Astrologie und anderen Wissenschaften befassten. Wir wissen, dass als das Volk Israel nach der Gefangenschaft in diesen Ländern nach Israel zurückkehren durfte, haben viele Juden beschlossen, nicht zu gehen, sondern in Persien zu bleiben. Es gab in Persien seitdem eine sehr große Gruppe Juden. Ausleger meinen, dass der große Prophet Daniel und seine Freunde ihr Wissen weitergegeben haben werden und besonders eine Prophetie, dass eines Tages ein Stern im Westen aufgehen würde, eine besondere Konstellation, der die Geburt des Messias ankündigen sollte, dem König der Juden, durch den alle Völker der Welt, und eben auch die Perser gesegnet werden sollten. Es mag sein, dass dieser neue Stern bis zu 2 Jahre vor der Ankunft der Weisen im Heiligen Land aufging; auf jeden Fall hatten die Weisen genug Zeit, mit Geld und Leibwächtern und allen möglichen Helfern und dem nötigen Transport die weite Reise nach Westen zu machen. Inzwischen sind Josef und Maria wohl umgezogen, denn nun leben sie in einem Haus in Bethlehem, sind permanent einquartiert. Bethlehem, das „Haus des Brotes“, wo auch David einst geboren war. Und inzwischen ist Jesus vielleicht schon ein oder anderthalb Jahre alt.
Der Stern hatte ihnen die allgemeine Richtung gewiesen – nach Jerusalem. Dort würde man den neugeborenen König auch erwarten. Bestimmt nicht in Bethlehem – Bethlehem lag 10km entfernt, ein Kaff, ein Nirgendwo. Also taucht diese noble Gesandtschaft in Jerusalem auf – beim königlichen Palast in Jerusalem. Nun, wir haben zu Weihnachten gehört, was für ein furchtbarer Mensch der Herodes war, der dort thronte. Ein brutaler Regent, mit allen Wassern gewaschen, den die Römer als König unter ihrer Herrschaft eingesetzt hatten. Einer, der auf den geringsten Verdacht hin Menschen ermorden ließ, weil er Angst hatte, dass jemand ihn vom Thron stoßen würde. Und wenn es hier heißt, dass Herodes erschrak und alle Menschen in Jerusalem mit ihm, dann weil sie das Schlimmste befürchteten, Morde und Schrecken und Gewalt.
Ein getroffener Hund bellt!, lautet das Sprichwort. „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ Dass Herodes auf diese Frage sich so erschrickt und die Weisen so belügt und betrügt zeigt uns, dass er wusste, dass er in Wahrheit nicht der rechte und nicht der rechtmäßig König der Juden war. Dass er sich minderwertig fühlte, bedroht fühlte. Und mit Recht! Er versammelt heimlich die Hohenpriester und Schriftgelehrten und fragt, wo der Schrift nach der „Christus“ geboren werden sollte. Das bedeutet, Herodes weiß, er kennt die Bibel gut genug zu wissen: es kommt ein Christus, ein Messias, ein Gesalbter, und dass er der rechtmäßige König der Juden sein wird.
Ihr Lieben, viele meinen, wenn es dazu kommt, welche Stellung Menschen zu Jesus nehmen, dass es nur 2 Optionen gibt: Option A: Entweder du glaubst an Jesus und vertraust ihm und bist ein Christ – oder Option B: Du lehnst Jesus ab und bist Ungläubiger. Aber die Schrift macht deutlich, dass es eine weitere Option gibt. Option C: Die Rebellion. Menschen, die wissen, dass Jesus der Messias ist, ein großer Prophet ist, die ihn vielleicht haben Wunder tun sehen oder über seine Weisheit und Herkunft staunen und ihm trotzdem nicht vertrauen und gegen ihn rebellieren. So wie Herodes: Er identifiziert sofort den König der Juden mit dem Messias, aber wie reagiert er darauf? Er sagt: Ich lasse ihn umbringen, abschlachten. Diese Option ist die Option des Teufels, der Christus anerkennt – was rufen die Dämonen? Wir wissen, wer du bist: Du bist Gottes Sohn! Und trotzdem sagen sie ihm den Kampf an und wollen ihn beseitigen. So auch Herodes. Wenn diese Weisen und all ihr Gefolge die Geburt des Christus so ernst nehmen, dass sie monatelange Reisen aufnehmen, um ihn anzubeten; wenn die Schrift voraussagt, dass der Christus geboren werden soll, und zwar in Bethlehem, dann sagt Herodes trotzdem diesem Baby den Kampf an, will nicht auf ihn hören, sondern mit Gewalt aus dem Wege räumen.
[9] Liebe Gemeinde, hier wollen wir genau aufpassen. Es ist das Wort Gottes, das hier den Ausschlag gibt. Erst als die Schriftgelehrten aus der Bibel herausbekommen, dass der Christus in Bethlehem geboren wird, als die Weisen der Schrift vertrauen und sich im Glauben auf den Weg machen, erst dann erscheint der Stern wieder. Er funktioniert also nicht als GPS. Diesmal bestätigt er nur, was sie schon wissen. Und dann bleibt er genau oberhalb des richtigen Hauses stehen. Was lehrt uns das? Antwort: Jesus, den Messias, ohne das Wort Gottes, neben dem Wort Gottes zu suchen, bedeutet, den Heiland am falschen Ort zu suchen und deswegen einen falschen Heiland zu finden. Der Christus lässt sich nicht finden ohne oder außerhalb des Wortes Gottes. Das Wort allein weist uns hin auf den richtigen Christus und den richtigen Ort.
[10] Hier müssen uns vom Urtext leiten lassen. Mt hätte schreiben können: Und sie freuten sich. Aber er tut das nicht. Er schreibt: Sie waren hocherfreut. Und er hätte nur das schreiben können, aber er tut es nicht. Er hätte schreiben können: Und sie waren hocherfreut über die Maßen, aber er tut es nicht. Buchstäblich heißt es hier: Sie freuten sich mit riesiger Freude und zwar über alle Maßen. Freude, Freude über Freude, doppelt und dreifache Freude. Und wenn das für sie stimmt, dann auch für uns: Wenn uns der Morgenstern im Herzen aufgeht und der Heilige Geist uns die Schuppen von den Augen fallen lässt und wir in der Schrift die Verheißung des Evangeliums und die Güte Gottes in Christus erkennen, dann packt auch uns die Freude. Dass der gnädige Gott uns nicht nach unserer Sünde straft und uns nicht in unserer Gottesferne und -feindschaft lässt, sondern gnädig unser Fleisch und Blut an sich nimmt und für uns leidet und stirbt, da kommt eine Freude auf, die sich nicht unterdrücken lässt!
[11f] Zu Anfang sahen wir ins Wohnzimmer, wie diese reichen und vornehmen Leute auf die Kniee gingen und sich auf den Boden warfen und das Kind anbeteten. Anbeten – ist das richtig? Ja, das ist das gleiche Wort, das Jesus bei der Versuchung des Teufels zitiert, du sollst anbeten den Herrn deinen Gott und ihm allein dienen. Als Jesus gen Himmel fuhr und die Jünger sich auf dem Berge versammelten nach seiner Auferstehung, da beteten sie Jesus an. Das gleiche Wort. Männer, die aufs Angesicht niederfallen und Jesus anbeten. Das ist es, was es heißt, Christ zu sein. Dieses Kind, diesen Heiland von Herzen anbeten.
Gottes Wort nennt uns hier drei Optionen, drei Stellungen, die wir zu Christus nehmen können. Die erste ist Gleichgültigkeit. Meh. Das ist die Haltung, die die meisten Menschen einnehmen, die Haltung der Schriftgelehrten. Sie sehen ja auch diese große Entourage, sie sind es, die in der Schrift nachforschen. Und Bethlehem liegt bloß 10 km von Jerusalem. Wenn sie sich schon die Mühe machten, Leute zu Johannes d.T. zu schicken, um zu beobachten, warum nicht jetzt? Sie winken den Weisen zu: Macht’s gut, meldet euch, man sieht sich. Sie sind gleichgültig. Sie glauben nicht der Schrift. Option A: Gleichgültigkeit. Option B: Hass – Zorn – Rebellion. Um sich zu freuen, dass Jesus als Opfer für Sünden kommt, muss man erstmal einsehen, dass man Sünder ist – Auferstehung – dass du ewiglich sterben musst – dass er selig macht – dass man nicht selig ist. So ist es bei vielen Menschen: Wenn du zwischen sie und ihre Selbstgerechtigkeit kommst, dann geht’s dir wie wenn du zwischen einer Bärin und ihren Jungen gerätst. Dann gibt’s Krieg. Wenn Jesus kommt als dein Herr dann bedeutet das, dass du nicht dein Herr bist, und das kann unser sündliches Fleisch einfach nicht leiden. Dann gibt’s Zorn – Hass – Rebellion.
Option A und B sind die Optionen des Fleisches: Gleichgültigkeit oder Zorn. Aber der Heilige Geist legt uns die dritte Option vor: Die Option der Weisen, die hören und glauben und kommen, um anzubeten. Als wir zu Anfang die vornehmen Männer beim Anbeten zuschauten, stellten wir die Frage: Wie verrückt, wie dumm, wie blödsinnig muss dieses Bild weltlichen Menschen aussehen! Aber die Dummheit der Anbetung Jesu ist die größte Weisheit, die es gibt – auf das Angesicht niederzufallen und ein Kind anzubeten ist die Weisheit Gottes. So steht es auf den letzten Seiten der Bibel, dass alle Menschen eines Tages diesen Heiland anbeten werden. Und wir, ihr Lieben, wir wollen das jetzt schon tun. Denn dann kommt Freude auf. Riesige Freude, und zwar über alle Maßen. Große Freude, die allem Volk widerfahren soll, denn uns ist der Heiland geboren, Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Amen.