Licht in der Nachfolge Jesu – Letzter Sonntag nach Epiphanias (Jesu Verklärung) – 2025

Heutzutage, wie die meisten von Euch bestimmt wissen, kann man sich bei Facebook oder WhatsApp oder Instagram und ähnlichen Social Media ein Hintergrundbild, ein Profilbild oder auch einen Status Update persönlich gestalten. Da posten Menschen bunte Bilder und lustige Witze, hier und da auch mal was Ernstes. Immer mal wieder kommt es vor, dass einige sich das Bild verdunkeln oder schwarz einfärben oder sonst einen schwarzen Querstreifen durch das Bild machen. Da gibt die Person zu erkennen: Es ist was passiert, es ist Dunkel in mein Leben gekommen – ein Todesfall, ein Trauerfall, eine Depression vielleicht, wo ich erst einmal nur schwarzsehe.

Das passt nicht unbedingt in die heutige Zeit, wo viele Menschen versuchen, nach außen hin eine Show abzuziehen, zu zeigen, dass alles in Ordnung ist und sie das Leben schaffen und gut drauf sind. Mancher postet also wohl nicht ein dunkles Bild, auch wenn er es eigentlich will. Es gibt diese Zeiten, da sehnt man sich danach, dass wieder Licht ins Leben kommt, Hoffnung, Trost, Hilfe.

Im Gotteswort für heute gibt Jesus sich selbst zu erkennen als das Licht der Welt. Er verspricht, dass wer ihm nachfolgt, nicht in der Finsternis bleibt. Damit will er sich nicht als kurzfristige Notlösung bieten, etwa wie ein Pflaster, das bleibt, bis es euch besser geht, ihr das schwarze Profilbild wieder löschen und dann alleine weitermachen könnt. Nein, er sagt: Erst wenn ihr mir folgt, könnt ihr wirklich einsehen, was Dunkelheit ist – aus was für eine Finsternis das Licht der Welt euch gerettet hat; und was ich für ein helles Licht bin.

Jesus hat die Worte unserer Predigtlesung im Tempel in Jerusalem gesprochen. Die Juden waren überzeugt: Im Tempel wohnt die Herrlichkeit Gottes, verborgen vor den Augen der Menschen, und doch ganz bestimmt da. Wenn Jesus hier sagt: Ich bin das Licht der Welt, dann war es klar, wie seine Zuhörer das verstehen mussten: Jesus sagt: Ich bin die Shekhina, die Herrlichkeit Gottes, die mitten unter seinem Volk wohnt. In mir könnt ihr Gott in seiner Herrlichkeit finden – und außer mir ist kein Gott und keine Herrlichkeit! Starker Tabak!

Etwa 30 Jahre vor dieser Aussage war Jesus schon einmal in diesem Tempel gewesen, als kleines Baby, getragen auf den Armen seiner Eltern. Wer an dem Tag dabei war und zuschaute, konnte an dem kleinen Baby wohl keine Herrlichkeit entdecken. Der Prophet Maleachi hatte geschrieben: „bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Bote des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt!, spricht der HERR Zebaoth. Da hat wohl keiner erwartet, dass der Herr von seinen Eltern in den Tempel getragen wird! Doch so war es. Der fleischgewordene Gott war in seinen Tempel gekommen.

Der Tempel war der Ort des Opfers, der Ort, an dem Lämmer als Sündopfer oder als Passalämmer zum Schlachten gebracht wurden. Hier erscheint Gottes zartes Lamm, das seit ewigen Zeiten versprochen wurde, 40 Tage alt, um als Erstgeborener nach dem Gesetz des Mose ausgelöst zu werden. Bei Tieren, bei Menschen: jeder männlicher Erstgeborener gehörte Gott und musste ihm geopfert werden. So steht es im 2. Mose 13. Aber der Herr schenkt den Ausweg: Beim Menschen sollst du alle Erstgeburt unter deinen Söhnen auslösen – d.h. gebt mir anstelle eures erstgeborenen Sohnes ein Ersatzopfer, ein stellvertretendes Opfer, dann dürft ihr euren Jungen wieder nach Hause nehmen – und bei armen Leuten war das ein Paar Tauben – das Erlösungsopfer des armen Mannes. Und nun erfüllt der Sohn Gottes das Opfer. Der Erlöser wird durch das Blut von zwei Tauben unter dem Gesetz ausgelöst. Christus ist gekommen, um den neuen Bund, das neue Testament zu geben. Er kann das aber nur dadurch, indem er den alten Bund, das ganze alttestamentliche Gesetz bis zum letzten Punkt erfüllt.

Und wie? Indem er Plätze wechselt mit den Tauben und Schafen und Rindern. Indem er das Ersatzopfer wird, das stellvertretende Opfer wird, der, der die Sünde trägt und dafür sterben muss. Obwohl er ohne Sünde ist, wird er um unseretwillen zur Sünde. Er ist der Ersatzsünder der sündigen Menschheit, und das Ersatzopfer zugleich. Dazu kommt der Herr als Baby, als erstgeborener Sohn Gottes in seinen Tempel – um den Weg des Opfers einzuschlagen.

Ein alter Mann wartet darauf, ihn zu begrüßen, um seinen Herzenswunsch erfüllt zu sehen. Simeon ist sehr alt, aber er wird nicht sterben, bis er den Christus mit eigenen Augen gesehen hat. Man kann sich nur vorstellen, wie es für ihn ist, Tag für Tag im Tempel zu warten und umherzugehen und sich zu fragen, kommt er heute? Zu warten und zu beobachten. Dieser alte Mann verkörpert das ganze Alte Testament, ein Mann, der lange, lange auf die Erfüllung Israels wartet. Sein Herz muss an dem Tag einen Sprung gemacht haben, als Maria und Josef mit ihrem 40 Tage alten Sohn in den Tempel kommen und der Heilige Geist ihm zuflüstert: „So! Da ist der, auf den du wartest.“ Das Baby? Ja, das Baby. Simeon nimmt das kleine Kind in seine alten, müden Arme, erhebt seine wahrscheinlich von Katarakten längst verdunkelten Augen zum Himmel und singt: Herr, endlich lässt du mich in Frieden gehen. Du hast Wort gehalten. Endlich. Oder, wie wir es singen: „Herre, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren…“

Manch ein Kind hat schon gedacht, diese Worte bedeuten, dass es endlich Zeit ist, nach Hause zu gehen, weil der Gottesdienst um ist. Früher war der Lobgesang des Simeon das Gute-Nacht-Lied der Christen, das „Müde bin ich, geh zur Ruh“-Gebet. Zumindest seit dem 4. Jahrhundert nach Christus. Unsere lutherischen Kirchenväter haben ihn im 19. und 20. Jahrhundert in den Gottesdienst eingebaut; wir singen ihn am Ende der Abendmahlsliturgie. Das ist sehr passend, denn im Abendmahl haben wir das Heil unseres Herrn geschaut. Wir haben geschmeckt und gesehen, wie freundlich der Herr ist. Wir haben seine Worte gehört, die an uns persönlich gerichtet sind: Mein Leib für euch gegeben, mein Blut für euch vergossen. Den Leib und das Blut, geboren von Maria, in eine Krippe gelegt, ans Kreuz genagelt, von den Toten auferweckt, verherrlicht zur Rechten Gottes – das gibt er uns als Speise und Trank, und wir singen wie Simeon unser Lied der Befreiung, der Freiheit. Wir können wahrhaftig in Frieden fahren, erleichtert, denn Gott hält sein Wort.

Solche Freiheit, solchen Frieden hat nur der, der Jesus nachfolgt. Nur wer in der Verbindung mit ihm lebt, kommt aus der Dunkelheit seines Lebens heraus – egal ob er sein Leben selbst als finster empfindet oder nicht. Oft erkennt man die eigene Dunkelheit nicht! Ein Beispiel: Eine Gruppe von Menschen sitzt in einem Zimmer zusammen und unterhält sich eifrig. Die Stunden vergehen, allmählich wird es dunkel. Doch die Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit, sodass die Menschen in der Gruppe nicht merken, in was für einer Dunkelheit sie eigentlich sitzen. Doch da geht mit einem Mal die Tür auf – einer kommt rein, schaltet das Licht an und sagt: „Warum sitzt ihr hier denn im Dunkeln?“ Das hatten die Menschen in der Gruppe selber gar nicht so wahrgenommen, hatten sich an ihren Zustand gewöhnt, bemerkten die Dunkelheit erst, als ihnen jemand von außen Licht machte. So viele Menschen verbringen ihr ganzes Leben lang in diesem Halbdunkel, halten es für völlig normal, vermissen auch gar kein Licht – und merken hoffentlich nicht erst in der Stunde ihres Todes, dass ihnen das wirkliche, entscheidende Licht in ihrem Leben gefehlt hat!

Der Herr Jesus ist Licht – er ist kein Trostpflaster, nicht als Stützräder am Kinderfahrrad, bis wir selber fahren können; nein, Jesus ist Licht, weil er selber wahrer Gott ist, der wahre Gott, der das Licht in Person ist und uns an diesem Licht Anteil geben will. Dieses Licht blendet auch uns heutzutage nicht, sondern es scheint für so viele Menschen in ihr Leben hinein. Ja, Christus, das Licht der Welt, leuchtet auf, wenn Menschen in der heiligen Taufe zum neuen Leben in der Gemeinschaft mit Christus wiedergeboren werden. Immer wieder geht es darum, dass das Licht der Welt uns in seinen Lichtschein hineinzieht, uns in die Lebensgemeinschaft mit ihm hineinzieht. Und nur in dieser Lebensgemeinschaft wird es dann auch in unserem Leben hell bleiben. Ohne Christus fallen wir immer wieder in die Finsternis zurück.

Nachfolge – so nennt Christus selber dieses Leben in seiner Gemeinschaft hier in seinem Wort. Wenn wir in unserem Leben tatsächlich einmal in völliger Dunkelheit sitzen, dann sind wir dringend darauf angewiesen, von irgendwoher ein Lichtsignal zu empfangen, damit wir wissen, wo wir eigentlich sind. Genau dieses Licht gibt uns Christus: Er lässt uns erkennen, wo und wer wir eigentlich sind. Er nimmt uns nicht eigene Entscheidungen im Leben ab – aber er verspricht uns: Wenn wir uns von ihm, dem Licht der Welt, leiten lassen, dann gehen wir unseren Lebensweg nicht allein, dann gehen wir ihn gemeinsam mit Christus. Und mit Christus unseren Lebensweg zu gehen – das bedeutet in der Tat ganz praktisch: Den Kreuzesweg gehen, einen Weg auch des Leidens zu gehen, einen Weg, auf dem wir angefeindet und ungerecht behandelt werden können, einen Weg, auf dem wir mit dem Tod bedroht werden können

Aber er ist der Weg mit dem Licht. Wenn wir diesen Weg in der Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus gehen, dann werden wir in allem Leid, in aller Anfechtung, auch an finsteren Tagen doch immer das Licht des Lebens haben. Gott gebe es, dass euch dieses Licht der Welt in der Kraft des Heiligen Geistes stets leuchten möge! Ja, und dieser Weg ist der Weg in das Licht. Es wartet auf euch eine Herrlichkeit im unbeschreiblich schönen Licht des Herrn, wo keine Dunkelheit mehr sein wird.

Du Himmelslicht, laß deinen Schein / bei uns und in uns kräftig sein / zu steter Freud und Wonne.

Sonne, Wonne, / himmlisch Leben willst du geben, wenn wir beten / zu dir kommen wir getreten. Amen.