Okuli (Das Lamm Gottes) – 2021
Vor ein paar Jahren führten Psychologen ein Experiment durch, das zeigen sollte, wie eine Person mit Gruppendruck („Peer Pressure“) umgeht: 10 Teenager wurden in ein Zimmer gebracht mit 3 Diagrammen, und auf jedem Diagramm waren Linien in unterschiedlichen Längen aufgemalt. Die Aufgabe war einfach: Die Teenager sollten die Hände heben, wenn der Lehrer auf die längste der Linien zeigte. Eine Person in der Gruppe wusste aber nicht, dass die anderen neun vorher angewiesen worden waren, für die zweitlängste Linie zu stimmen. Egal, was ihnen gesagt wurde, sollten die neun nicht für die längste Linie stimmen, sondern für die zweitlängste. 9 wählen falsch – was macht der Zehnte? Meistens ging das so: Das Experiment begann, 9 Teilnehmer stimmten für die falsche Linie. Der 10. schaut sich um, runzelte verwirrt die Stirn und wählt dann ebenfalls die falsche Linie. In 3 aus 4 von den Experimenten sitzt der eine da und sagte, eine kurze Linie sei länger als eine lange Linie.
Dahinter steht der Gruppendruck, der Wunsch, zur Gruppe dazuzugehören. Das ist an sich was Gutes, denn so lernen Kinder, was sich gehört und was nicht. Aber Erwachsene eben oft auch. Jeder von uns hofft wohl im Stillen, dass wir in solch einer Lage doch gegen den Strom gehen würden. Ganz sicher können wir uns dabei nicht sein. Der Wunsch nach Konformität steckt tief.
Unser Gotteswort für heute spricht von Konformität in Sachen Unzucht, Unreinheit, Habsucht. Damit meint die Bibel alle Sünden im geschlechtlichen Bereich, sexuelle Unsittlichkeit, jede Art von illegitimen Geschlechtsverkehr, die Sünden gegen das 6. und 10. Gebot. Die Heilige Schrift macht deutlich, dass der Sexualtrieb ein Geschenk Gottes ist. Das Verlangen nach einer Person vom andern Geschlecht im sexuellen Bereich ist etwas Gutes und gottgefälliges. Gott der Herr will den Geschlechtstrieb in keinster Weise schlechtmachen, sondern er gehört zu Gottes guter Schöpfung dazu. Gott hat ihn geschaffen und in uns hineingelegt. Und er will sehr wohl, dass wir nach seinem Willen damit umgehen.
Unzucht heißt auf Griechisch „Porneia.“ Das Wort „Pornographie“ ist ein Bekenntnis. Es sagt offen, um was es da geht: Um Worte, Bilder, Filme, die Unzucht zeigen. Gott verbietet nicht nur jegliche Form der Pornographie, sondern auch jegliche Beschäftigung damit, verbietet die Selbstbefriedigung, die meistens mit der Pornographie einhergeht. Gott verbietet geschlechtliches Handeln außerhalb des Rahmens von der lebenslänglichen Ehe zwischen Mann und Frau, also nicht nur homosexuelles Handeln, sondern auch das Zusammenleben von Mann und Frau vor der Ehe, Polyamorie (sexuelle Verhältnisse in Gruppen von 3 oder mehr) und dgl. mehr. Diese Dinge gehören sich nicht für die Heiligen, sagt der Herr. Das sind die, die mit dem Blut Christi reingewaschen wurden. Das sind vergebene Christen, die den Namen des gekreuzigten Heilands an der Stirn und im Herzen tragen. Weil wir das sind, sollen wir uns von nichts und niemandem verführen lassen zur Unzucht.
Was den Kampf für uns so schwer macht ist, dass in unserer Gesellschaft die Unzucht normalisiert worden ist. Es gilt als harmlos, Pornographie zu schauen, ja, als natürlich. Es wird heute allgemein so ausgelegt, dass der Sextrieb an sich automatisch ein Recht auf Sex bedeutet, in welcher Form auch immer. Die übergroße Mehrheit von Webpages im Internet sind pornographischer Art. Und jedes Smartphone hat Zugang dazu. Nicht nur wird Pornographie immer jüngeren Kindern zugemutet, sondern die Gesellschaft erwartet regelrecht, dass Kinder an den Schulen sexuell aktiv sind. Und nach der Schule sowieso. Herumschlafen nach Belieben ist selbstverständlich geworden, Prostitution ein offenes Gewerbe. Bücher, Fernsehsendungen und Filme eifern um die Wette, Unzucht auch nur nebenbei als völlig normal darzustellen.
[5f.] Hier macht Gott deutlich: Wenn wir beharrlich an Sünde festhalten und nicht von ihr lassen wollen, dann verspielen wir unsere Teilhabe am ewigen Leben. Gott ist nicht egal, wie wir unsere Sexualität ausleben, er lässt sich nicht von der Gruppe beeindrucken, sondern kündigt das Gericht an. In dieser Welt aber lässt Gott der Herr seinen Zorn auf Menschen kommen, indem er sie tun lässt, was sie wollen. Bei all der sexuellen Freizügigkeit unserer Tage wird verschwiegen, dass das, was man in der Pornographie sieht, sich uns Menschen einprägt, uns verändert. Sie macht den Menschen süchtig nach immer mehr und immer Extremerem. Es wird ein sexuelles Idealbild geschaffen, das man heiß begehrt, aber niemals bekommt. Deswegen spricht Gott der Herr hier von Götzendienern, denn man betet den idealisierten menschlichen Körper an und verspricht sich davon alles Glück auf Erden. Aber darauf lastet Gottes Gericht. Je mehr der Mensch in der Ausschweifung lebt, desto weniger ist er sexuell fähig, in einer gesunden Ehe zu leben. Die allermeisten Vergewaltiger im Gefängnis und in den Familien haben damit angefangen, dass sie Pornographie schauten und glaubten, dass sie ein Recht auf Sex haben, das sie umsetzten. Bei aller Freizügigkeit unserer Zeit spricht man selten über die sexuell übertragenen Krankheiten, über die Schwangerschaften, die durch Abtreibung beendet werden, über das schwere Leben von Kindern, die außerhalb der Ehe geboren werden, und schon gar nicht über den Schaden am Selbstbild, an die Gefühle der Schande und der Scham, die den Menschen oft schwer belasten.
An dieser Stelle lassen wir uns an das Experiment erinnern, das ich zu Anfang nannte. An den Gruppenzwang, der uns unter Druck setzt, so zu handeln wie die Menschen um uns herum. Ihr Lieben, die Tatsache, dass die westliche Welt die Unzucht normalisiert hat, bedeutet nicht nur, dass sie überall um uns herum praktiziert wird, sondern, dass wir und unsere Kinder unter heftigem Druck stehen, auch so zu handeln. Der Druck ist unvermeidlich. Wie können wir ihm standhalten? Wie können wir nach Gottes Gebot und Willen handeln, wenn die Welt um uns herum für die zweitlängste Linie stimmt? Erstens können wir dafür sorgen, dass wir uns mit Menschen umgeben und zu Menschen halten, die auch versuchen, nach Gottes Ordnung zu handeln; wenn wir an die Uni gehen, wenn wir umziehen müssen, und möglichst auch im Alltag, machen wir es uns selbst viel leichter, wenn wir uns zu lutherischen Gemeinden, Jugend- und Freundesgruppen halten, christlichen Gruppen, denen wir uns angleichen wollen. Zweitens, dass wir auf unseren PCs und Smartphones Filter nutzen oder einbauen, um nicht einmal in Versuchung zu kommen, unsittliches Material zu schauen, und uns gegenseitig zur Rechenschaft ziehen; dass wir Vorsicht üben bei der Wahl von Büchern und Filmen. Drittens, dass wir bei der Erziehung und in christlichen Familien die Sexualität der Welt offen ansprechen. Weil wir wissen, dass unsere Kinder und wir selbst mit blatanter Unzucht konfrontiert werden und davon beeinflusst werden können, wollen wir uns der Gefahren bewusst sein und in einer Weise damit umgehen, die Gott gefällt und uns gut tut. Und viertens, dass wir uns in den Gemeinden gegenseitig helfen, sexuelle Zucht konsequent auszuleben. Dass wir in den Gemeinden hören, was Gott dazu sagt, dass wir nur das unter uns dulden und loben, was gut ist. Ein Beispiel: Welche Art von Witzen gehen an unseren Hochzeiten durch? Sagen wir den MCs und den Rednern, was geht und was nicht geht? Wie oft fallen gerade an christlichen Hochzeiten die Witze unter die Gürtellinie, und wir sagen nichts? [3-4] Das sollen wir besser machen.
Was heute in der Welt an Unzucht getrieben und gefördert wird, das gibt sich gern als „progressiv“, fortgeschritten, frei und modern. Dabei ist es alles andere. Dies sind genau die Dinge, die die Zeit Noahs ausmachten. Und viele Gesellschaften seitdem. Auch in Ephesus lief es so. Die Gesellschaft in Ephesus übte Druck auf die Christen dort aus, der Welt genau diese Dinge mitzutun. Aber Gott spricht: [7f.] Damit fordert er die Kirche auf, eine alternative Lebensweise auszuleben. Wenn hier von Finsternis und Licht die Rede ist, geht es um die Taufe, in der Christus das Licht des neuen, unvergänglichen Lebens in uns angezündet hat, das uns ewig leben lassen wird. Lieber Christ, wenn du mit Schuld- und Schamgefühlen über deine Vergangenheit kämpfst, sprich sie dem Herrn in der Beichte aus, sag ihm was dich belastet. Die Begegnung mit Christus ändert dein Leben. Traue es ihm zu, auch dein Leben neu zu machen. Jesus Christus kann unser Leben völlig verändern, schlimme Sünden vergeben, unsere Schande nehmen, so in uns leuchten, dass man allen Ernstes über uns sagen kann: Ihr seid selber Licht in dem Herrn. Und dieses Licht haben viele Menschen nötig, die heute noch in der Finsternis sitzen und gar nicht ahnen, wie sehr sie in ihrem Leben im Dunkeln sitzen. Christi Licht soll in unsere Gemeinde und Gesellschaft hinausstrahlen – dieses Licht der Hoffnung, die nur Christus schenken kann.
Die Welt meint, was sie da alles tut, das ist Liebe. Aber das ist keine Liebe. Das ist Sklaverei des eigenen Triebs. Liebe ist nicht, andere Menschen für meinen Vorteil auszunutzen. Liebe ist, was Jesus Christus getan hat. Er hat in Liebe zu aller Welt sich selbst aufgeopfert. Damit wir in ihm frei sind, ihm zu dienen – und dabei alle Vorteile zu haben, nämlich ein reines Gewissen, das Geschenk wahrer Liebe untereinander, erfülltes Leben für alle. Wir erkennen das Unverheiratetsein als ein Geschenk des Herrn an, in dem man Kopf und Hände frei hat, für ihn und den Nächsten zu leben. Wir erkennen den Sexualtrieb an als ein Geschenk des Herrn, der zur Ehe ermutigt. Wir erkennen die Ehe als ein Geschenk des Herrn an, in dem wir Liebe üben und empfangen. Wir erkennen Kinder an – nicht als unerwünschtes Nebenprodukt unserer Liebe, sondern als Geschenk Gottes in der Liebe. Gerade durch den positiven Einfluss der Familie als ihrer Gruppe lernen sie, was gut und heilsam ist. Ja, und die Gemeinde ist ein Geschenk. Unsere Gemeinde ist unsere Gruppe, in der wir uns gegenseitig ermutigen, nach Gottes Ordnung zu leben. Gott geb’s, dass wir diese Geschenke so zu schätzen wissen, dass auch andere darauf neugierig werden. Wie haben wir Christen es doch so gut! Amen.
Soli Deo Gloria
Okuli (Das Lamm Gottes)
Wochenspruch
Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Lukas 9, 62
Introitus – Nr. 23 (Psalm 25, 15; Psalm 34, 16 u 20)
Epistel
So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das sind Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.
Epheser 5, 1 – 8a
Hauptlied
Wenn meine Sünd mich kränken 162
Evangelium
Als Jesus und seine Jünger auf dem Wege nach Jerusalem waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Lukas 9, 57 – 62
liturgische Farbe: violett. Festzeit: Fastenzeit.
Wochenspruch: Lk 9,62
Wochenpsalm: Ps 34b
Eingangspsalm: Ps 34
Epistel: Eph 5,1-8a
Evangelium: Lk 9,57-62
Predigttext: Mk 12,41-44
Wochenlied: 82 und 96
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Lk 9,57-62
II: Eph 5,1-8a
III: Mk 12,41-44
IV: 1. Petr 1,(13-17) 18-21
V: Jer 20,7-11a (11b-13)
VI: 1. Kön 19,1-8 (9-13a)