Ostern (Die Auferstehung des Herrn) – 2021

Predigt zu Ostern, den 12. April 2021

  1. Mo 14,8-14.19-23.28-30.15,20-21 I.i.

Da ließest du deinen Wind blasen, und das Meer bedeckte sie. 15,10

Es begann alles – mit einem neuen König in Ägypten, der wußte nicht von Josef und machte Israel zu seinen Sklaven. In 2.Mo 1 heißt es: Die Ägypter setzten Fronvögte (Sklaventreiber) über sie. Da zwangen die Ägypter die Israleiten mit Gewalt zum Dienst und machten ihr Leben sauer mit schwerer Arbeit in Ton und Ziegeln und mit mancherlei Frondienst auf dem Felde. Es geht immer härter und barbarischer zu, die Ägypter beginnen sogar in völkermörderischer Wut, kleine hebräische Jungen in den Nil zu werfen, um sie zu töten.

Aber – es kommt noch schlimmer! Denn der Pharao befiehlt seinen Sklaventreibern: Ihr sollt dem Volk nicht mehr Häcksel geben, dass sie Ziegel machen, wie bisher; lasst sie selbst hingehen und Stroh dafür zusammenlesen. Aber die Zahl der Ziegel, die sie bisher gemacht haben, sollt ihr ihnen gleichwohl auferlegen und nichts davon ablassen. Die Sklaven werden nieder-gedrückt in den Schlamm des Nildeltas und mit Peitschen geschlagen, ihnen geht die Puste aus, denn in 2.Mo 6,9 heißt es, dass die Sklaven buchstäblich „kurzatmig“ sind, ihnen geht Atem, Wind und Geist aus. Israel wird sterben!

Aber – es kommt noch schlimmer! Denn als die Sklaven bei bester Gelegenheit die Beine in die Hand nehmen und so schnell wie möglich aus Ägypten zu fliehen, sehen sie, wie der Pharao ihnen hinterherjagt. Sie sehen die Bogenschützen auf den Wagen, wie die Lenker ihre Pferde in einen gewaltigen Rausch peitschen, und in der Ferne hören sie das Kriegsgeschrei von Ägyptens erlesensten Elite-Kriegern: Wir machen euch das Leben zur Hölle!

Aber – es kommt noch schlimmer! Atemlos von der Flucht fällt Israel erschöpft auf die Knie in der Nähe von Pi Hahiroth, zwischen Migdol und dem Meer, gegenüber von Baal Zephon, umzingelt und umgeben, eingekreist von allen Seiten. Sie sagten zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben?

Es war ein schrecklicher, furchtbarer, entsetzlicher Tag – denn es kommt noch schlimmer! Der Feind reißt das dicke Maul auf und nimmt den Mund voll und ruft: Ich will mein Schwert ausziehen und meine Hand soll sie verderben. Wir kennen diesen Feind, der versklavt und stiehlt und tötet und vernichtet, und uns in den Schlamm niederdrückt. Wir haben gespürt, wie seine anklagende Peitsche unsere Vergangenheit aufplatzen lassen hat. Wir haben seinen Kriegsgeschrei gehört: „Weil du das gedacht, das gesehen, das getan, das gesagt hast, landest du in der Hölle!“ Und dann, wenn wir seinen heißen Atem in unserem Nacken spüren, hören wir ihn ruhig flüstern: Ich will mein Schwert ausziehen und meine Hand soll euch verderben.

Jesus nennt diesen Feind einen Mörder und einen Lügner und den Vater der Lüge (Joh 8). Petrus nennt ihn einen brüllenden Löwen, der nach Menschen zum Fressen sucht (1.Pet 5,8). Paulus beschreibt ihn als den Gott dieser Welt, der den Menschen den Sinn verblendet (2.Kor 4,4). Und in Offb 9,11 nennt Johannes ihn auf Hebräisch Abaddon und auf Griechisch Apollyon. Beide Worte bedeuten „ZERSTÖRER“. Wir sehen zerstörte Ehen, Pastoren, Gemeinden, junge Leute, alte Leute um uns herum. Wir empfinden oft genug zerstörten Glauben, Hoffnung und Liebe in uns selbst. Gerade jetzt, beim Versuch, vor diesem bösen Sklaventreiber zu fliehen, fallen wir erschöpft auf die Knie, von allen Seiten umzingelt und umkreist. Kurzatmig, es geht uns die Puste aus, es gibt einen Teil von uns, der sich fühlt, als ob all das, wofür wir so hart gearbeitet und gekämpft haben, sterben wird!

Gerade als Israel so gut wie tot war, verkündet das Wort Gottes: Da ließest du deinen Wind blasen, und das Meer bedeckte sie (15,10). Wasser und Geist sind Gottes Rettungsmittel. Deshalb wird im Lobgesang Moses und im Lobgesang Mirjams am Meer auch keine Waffe, kein einziges Instrument der menschlichen Kriegsführung in Israels Hand genannt. Als der Pharao sein Schwert zieht, setzt Israel ihm kein eigenes Schwert entgegen. Als Pharao auf dem Streitwagen kommt, kommt ihm kein anderer Streitwagen entgegen. Die Elitetruppe, die er anführt, stößt auf keine menschliche Kampftruppe. Aber als das Lied feiert, dass Israel durch Wasser und Geist wiedergeboren wurde, singt Mose: Der Herr ist der rechte Kriegsmann, Herr ist sein Name! Sacharja 4,6 nennt diese militärische Strategie mit Namen: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. Als diese brutale Horde endgültig daniederliegt nasse Leichen am Ufer, feiert Israel: Der Herr ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil!

Aber – es kommt noch besser! Denn es kommt zu einem noch größeren Auszug, der allerdings auch beginnt mit einem bösen König, der in völkermörderischer Wut den Befehl gibt, das Volk Israel ins Schlachtmesser zu werfen, Kindermord in Bethlehem. Andere Feinde schließen sich dem Angriff an. Pharisäer verschwören sich mit dem Gefolge des Herodes. Falsche Zeugen sagen, er sei von Dämonen besessen. Schriftgelehrte stellen ihn auf die Probe mit Fangfragen aus der Bibelkunde. Seine Brüder lachen ihn aus und machen ihn lächerlich. Stolze Sadduzäer kriegen sich mit ihm in die Haare. Und der letzte Angriff beginnt mit 30 Silberlingen – für 30 mickrige Silbermünzen wird er verkauft – als Sklave. Kurzatmig, atemlos von der Flucht, fällt Jesus erschöpft im Garten nieder. Er befindet sich in der Nähe des Kidrontals, zwischen dem Ölberg und Jerusalem, gegenüber von Bethanien – und ist von allen Seiten umzingelt und eingekreist. Der Sünden der Welt schuldig gesprochen wird ihm wird das Leben zur Hölle gemacht!

Geküsst mit einem falschen Kuss, wird er verhaftet, gefesselt, angeklagt, mit verbundenen Augen verspottet, verurteilt, ausgezogen – und zu einem blutigen Brei geschlagen. Der Feind leckt sich die Lippen und sagt: Ich will mein Schwert ausziehen und meine Hand soll dich verderben. Mit Schweiß und Blut überströmt wird er an ein Holz gefesselt; sechs Stunden lang ringen an diesem Freitag seine Lungen um Luft. Israel ist wieder kurzatmig, ihm geht die Puste aus, er weiß, dass er – sterben wird!

Aber –der Herr lässt seinen Atem, Wind, seinen Geist noch einmal blasen – und das Meer teilen und den Schlamm trocknen und einen Weg durch das Meer bahnen, um sein Israel sicher durch den Tod ins ewige Leben zu bringen! Er ist nicht hier, er ist auferstanden… wie er euch gesagt hat. Und dann: Rabbuni! Am Ufer des Meeres führt Mirjam die Frauen im Lobgesang an – und Mirjam ist der hebräische Name für Maria – und Maria steht „am Ufer“ des Grabes mit den Frauen und singt und sagt: Ich habe den Herrn gesehen! Sogar die Zweifler müssen in Ewigkeit bekennen: Mein Herr und mein Gott!

Aber – es kommt noch besser! Weil der Herr noch seinen Wind, seinen Geist bläst, sind du und ich, die so gut wie tot waren, wiedergeboren! Mit befreiender Kraft schwebte der Geist des Herrn über unserem Taufwasser und befreite uns von unserem Versklavtsein an Dinge, die den Tod bringen, das Leben stehlen und uns zerstören. Tropfnass vom Taufwasser, stecken wir nicht mehr im Schlamm, denn: Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen, buchstäblich „so dass wir hinfort nicht mehr der Sünde versklavt sind“. So steht es in Römer 6,6.

In Römer 8 gerät Paulus völlig außer sich: Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist (Geist der Sklaverei) empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet (dass ihr wieder zu Sklaven der Furcht werdet); sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi.

Und das bedeutet: Das Beste kommt noch! Denn der Herr wird seinen Atem, Geist, Wind ein letztes Mal blasen lassen … eine Posaune blasen zu lassen, die den endgültigen Auszug einleiten wird. Der Himmel wird sich auftun, und auferstandene Herr Jesus Christus wird auf einem weißen Pferd einherreiten, mit Augen wie Feuerflammen und auf seinem Haupt viele Kronen, und angetan mit einem Gewand, das mit Blut getränkt ist, der den Namen trägt: Das Wort Gottes, auf dessen Kleidung und auf dessen Hüfte geschrieben steht wird der Name König aller Könige und Herr aller Herren, und aus seinem Munde wird gehen ein scharfes Schwert – der Himmel wird sich auftun und er wird in herrlicher Macht auf dem weißen Pferd hervorkommen und das Tier und den falschen Propheten und den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist, ergreifen und sie alle in den feurigen Abgrund schleudern – und sie werden wie ein Stein in die Tiefe sinken!

Dann werden wir für immer von aller Tyrannei und Sklaverei befreit sein. Wir werden für immer beim hohen Fest des Lammes feiern und jauchzen und lachen und singen: Der Herr ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil! Und es wird geben ein endloses Halleluja. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. (Frei nach Vorarbeiten von Prof. Reed Lessing)


Wochenspruch

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. Offenbarung 1, 18

Epistel

Ich erinnere euch an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt. Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.

1. Korinther 15, 1 – 11

Hauptlied
Christ lag in Todesbanden 181
Erschienen ist der herrlich Tag 183

Evangelium

Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und den Leichnam Jesu zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Markus 16, 1 – 8