Im Namen Jesu, liebe Gemeinde,
Wer nicht hören will, muss fühlen! Dieses Sprichwort trifft auch heute noch zu. Wenn die Kinder z.B. mit brennenden Kerzen, oder mit Streichhölzern spielen, und sie dabei nicht auf der Mutter Verbot achten wollen. Und wenn sie sich dann doch irgendwann die Finger verbrannt haben, und unter Gejammer und heulen zur Mutter kommen, heißt es scheinbar ganz teilnahmslos: Mein Kind, wer nicht hören will, muss fühlen! Und trotzdem liebt die Mutter ihre Kinder, und wird ihnen dann doch die Brandstellen sofort behandeln und verbinden.
So ist es auch dem Volk Gottes in alttestamentlicher Zeit über viele Jahre ergangen. Es gab sehr viele Warnungen durch die Propheten Gottes gegen ihren Götzendienst, den sie immer wieder von ihren Nachbarvölkern übernommen hatten. Es folgten auch viele Strafgerichte, wie Dürren und Angriffe durch die feindlichen Nachbarvölker. Das half aber meistens nur für eine kleine Weile, bevor der Götzendienst sich dann doch wieder unter ihnen breit machte. Deshalb wurde zuerst das Nordreich, bekannt als Israel, im Jahr 722 vor Jesu Geburt schließlich, als Gericht Gottes, von den Assyrern vernichtet.
Aber auch das Südreich, Juda, an das der Prophet Hesekiel hier diese Worte Gottes im Jahr 600 vor Jesus Geburt gerichtet hatte, war nicht unschuldig. Auch sie hatten schon manche Warnungen und auch Strafgerichte von Gott, wegen ihrem Götzendienst, erfahren! Und trotzdem hatten auch sie sich nicht bekehrt, und hatten sich auch kein Vorbild an der Zerstörung des Nordreiches genommen. Sondern sie waren sogar noch so frech und dreist, dass sie Gott die Schuld für ihre Situation in die Schuhe schieben wollten! So ist das Sprichwort: „Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden“, das hier in unserem Text zitiert wird, als eine direkte Anschuldigung gegen den Heiligen Gott zu verstehen. Damit wurde Gott vorgeworfen, dass er sie, die doch so unschuldig waren, strafen wollte für den Götzendienst, den sie von den vorigen Generationen geerbt hatten!
Dieses Argument war aber in Gottes Augen nicht gültig, weil sie selbst genauso weiter gemacht hatten, wie ihre Vorfahren. Das kann man daran erkennen, dass dann, im Jahr 597, also knappe drei Jahre nach dieser Warnung Hesekiels, das Gericht Gottes auch über sie hereinbrach. Aus dem Südreich, Juda, wurden zu diesem Zeitpunkt Teile der oberen Schicht der Bevölkerung in die babylonische Gefangenschaft geführt! Und, weil sich im Volk trotzdem nicht viel geändert hatte, ist der Rest der Bevölkerung ihnen dann etwa 11 Jahre später, nach der Zerstörung des Tempels und der ganzen Stadt, Jerusalem, im Jahr 586 vor Jesu Geburt, auf demselben Weg nach Babylon gefolgt!
Liebe Gemeinde, obwohl Gott solche scharfen Gerichte über sein Volk gehalten hatte, liebt er sein auserwähltes Volk aber immer noch, nach wie vor. Deshalb hat er schließlich dennoch seinen Heilsplan für sie, und für die ganze Welt, mit dem Kommen des Messias aus ihren Reihen, in Erfüllung gebracht! Und, durch diese Botschaft seines Propheten Hesekiel spricht Gott in diesem Text auch schon mal sehr deutliche Worte der Versöhnung.
Als erstes schildert er darin, als der Schöpfer, unsere Lage, ihm gegenüber in ihrer Realität, nämlich: „Alle Menschen gehören mir, die Väter gehören mir so gut wie die Söhne, jeder, der sündigt, soll sterben“. Das bedeutet, dass vor Gott jeder Mensch, auch die Mütter und die Töchter, persönlich Verantwortung für seine Lage übernehmen muss. Dadurch ist es vorbei mit den Beschuldigungen gegen Gott und alle die Anderen, wie z.B. die Eltern, Großeltern, Geschwister oder Freunde! Lohn und Strafe, Schlechtes und Gutes, ja Leben und Tod werden nämlich bei uns nicht durch dass, was andere tun, bestimmt! Nein! Bei Gott erhält jeder Mensch, höchst persönlich, seinen Lohn, seine Strafe, jeder erfährt sein Übel, sein Wohlergehen, jeder lebt sein Leben und stirbt seinen Tod.
Aber dann folgen auch gleich diese großartigen Worte von der Versöhnung, nämlich: 21Wenn sich aber der Gottlose bekehrt von allen seinen Sünden, die er getan hat, und hält alle meine Gesetze und übt Recht und Gerechtigkeit, so soll er am Leben bleiben und nicht sterben. 22Es soll an alle seine Übertretungen, die er begangen hat, nicht gedacht werden, sondern er soll am Leben bleiben um der Gerechtigkeit willen, die er getan hat. Und es geht auch noch weiter, nämlich: 23Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der HERR, und nicht viel mehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen, und am Leben bleibt? 30bKehrt um und kehrt euch ab von allen euren Übertretungen, damit ihr nicht durch sie in Schuld fallt. 31Werft von euch alle eure Übertretungen, die ihr begangen habt, und macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Denn warum wollt ihr sterben, ihr vom Haus Israel? 32Denn ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden, spricht Gott der HERR. Darum bekehrt euch, so werdet ihr leben.
Liebe Gemeinde, alles, was hier so sehr nach eigener Leistung und Werkgerechtigkeit klingt, z.B. dass der Gottlose sich bekehren muss von seinen Wegen; dass er seine Übertretungen von sich werfen soll; und, dass er sich ein neues Herz und einen neuen Geist machen soll, hat die alttestamentliche Gemeinde, sogar bis hin zu einem Dr. Martin Luther, aus eigener Vernunft und Kraft, nie geschafft! Trotz des bekannten Gebets aus dem 51. Psalm: Schaffe in mir Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen Beständigen Geist, und auch der Worte des Propheten Habakuk, 2, 4: Der Gerechte wird aus Glauben leben, bedarf es der Wirkung des Heiligen Geistes, um dieses reine Herz, den neuen, beständigen Geist, und diesen Glauben, bei uns zustande zu bringen! Diesen Heiligen Geist hat Gott jedem von uns, wie auch der kleinen Ella eben, in der Taufe geschenkt!
Und deshalb klingen diese Worte aus unserem Text für uns, die wir in der neutestamentlichen Gemeinde Leben, jetzt z.B. wie folgt: Markus 16, 16: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Oder auch: 2. Kor. 5, 21: Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt! Deshalb hören wir es dann auch immer wieder in der Beichte: Dir sind deine Sünden vergeben! Gehe hin in dem Frieden und in der Kraft des Herrn! Was zu Hesekiels Zeit, das heißt, in alttestamentlicher Zeit, von jeder Person im Volk persönlich, durch das Opfern von Tieren zustande gebracht werden musste, hat Jesus Christus, Gottes Sohn, aus Liebe zu uns Menschen, ein für alle Mal für uns am Kreuz vollbracht! Nur dadurch werden wir in dem Jüngsten Gericht bestehen!
Durch den Heiligen Geist wissen wir, in der Kirche des Neuen Testaments, es auch ganz genau, wie viel es Gott gekostet hat, dass wir das ewige Leben haben können! Weil er uns nicht den ewigen Tod sterben lassen will, hat Gott seinen Sohn, stellvertretend für uns in den Tod geschickt! Da hat er unsere Versöhnung perfekt gemacht! In der Kraft des Heiligen Geistes, öffnet Gott jedem von uns nun den Weg zum wahren Glauben an unseren Heiland und Erlöser, Jesus Christus!
Ja, ihr Lieben, besser könnten wir es gar nicht haben! Lasst uns deshalb, in großer Dankbarkeit für Gottes Versöhnungsbereitschaft, und mit aller Treue ihm dienen, unser Leben lang! Amen.
Wir beten: Lieber Herr, Jesus Christus, wir danken dir, dass du für uns die ewige Versöhnung mit Gott dem Vater gestiftet hast. Nun können wir unser Leben mit frohem Mut, als deine erlöste Schar führen. Wir dürfen dir dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, bis wir in der Auferstehung mit dir zum ewigen Leben eingehen werden. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.
3. SONNTAG NACH TRINITATIS (Das Wort der Versöhnung)
Wochenspruch
Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen,
was verloren ist. Lukas 19, 10
Epistel
Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben. Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.
1. Timotheus 1, 12 – 17
Hauptlied
Allein zu dir, Herr Jesus Christ 273
Jesus nimmt die Sünder an 290
Evangelium
Es nahten sich Jesus allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet? Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lukas 15, 1 – 10