Predigt – 22. Sonntag nach Trinitatis 2026

Gnade sei mit uns und Friede von Gott dem Vater und unsrem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Text: Römer 7, 14 – 25a

14Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. 15Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. 16Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, dass das Gesetz gut ist. 17So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. 18Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. 19Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. 20Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. 21So finde ich nun das Gesetz, dass mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. 22Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. 23Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. 24Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? 25Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!

Lasst uns beten: Lieber himmlischer Vater, mit diesem Wort fasst du uns hart an und rüttelst und alle wieder wach! Die Sünde und das Böse sind Wirklichkeiten, ja, diese Dinge wohnen sogar in uns! Das hat schlimme Folgen! Hab Dank, dass du uns die Hilfe durch deinen Sohn, unsren Heiland, Jesus Christus gebracht hast! Gib, dass wir diese Hilfe gerne annehmen und dadurch gerettet werden! Komm, lieber Herr, und segne jetzt unser Reden und unser Hören. Amen.

Im Namen Jesu. liebe Gemeinde

Während der Einleitung zu der Reihe der Lehrpredigten aus der Apostelgeschichte, die wir zurzeit immer wieder höre, wurde es schon genannt, dass die Predigttexte, auch in unserer Synode, den Pastoren in der sogenannten allgemeinen Predigttextordnung der Lutherischen Kirchen im deutschen Sprachraum, vorgeschrieben sind. Einer der Gründe, der für diese Regelung gegeben wird, ist der, dass, wenn solch ein Text wie dieser nicht vorgeschrieben wäre, wahrscheinlich nur die allerwenigsten Pastoren je freiwillig darüber predigen würden! Es ist nämlich ein schwieriger Text, über den man sehr viel nachlesen und studieren muss, bevor man überhaupt mit dem Schreiben der Predigt anfangen kann! Und dennoch ist es ein sehr wichtiger Text, weil er das Leben der Menschen beschreibt, so, wie es wirklich ist! Er ist dazu aber auch ein schöner Text, weil er „gefüllt ist mit dem Evangelium!“ Er stellt uns ja nicht nur das Problem vor, sondern er gibt uns auch die Lösung für unser Problem! Durch Jesus Christus werden wir nämlich aus unserer Zerrissenheit zwischen dem Wollen, und dem sehr mangelhaften Vollbringen, gerettet!

Aus diesem Textabschnitt kennen wir wahrscheinlich alle die bekannten Verse 18 und 19 noch aus dem Konfirmandenunterricht. Da heißt es: „Ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. 19Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ Damit ist unser doppeltes Leben vor Gott, sehr gut beschrieben! Und Dr Martin Luther hat es so zusammengefasst: Auf Latein: Wir Christen sind „Simul (= gleichzeitig) iustus (= gerechtfertigt) et peccator (= und Sünder) „Wir Christen sind also gleichzeitig Gerechte und dennoch Sünder!“

Liebe Gemeinde, der Wert in diesem Text liegt also darin, dass er uns genau zeigt und sagt, wie es um uns steht! Als Christen müssen wir dieses bedenken, und es auch so annehmen! Einem Patienten, der seine Krankheit leugnet, sie einfach ignoriert, oder sich weigert um irgendeine Behandlung anzunehmen, kann nicht geholfen werden! Und ein Mensch, der seinen verlorenen Zustand vor Gott nicht erkennt oder erkennen will, läuft ebenso in sein eigenes Verderben hinein!

Was wir deshalb aus unserem Text heute sehen und annehmen sollen ist Folgendes:

In uns wohnt 1. von Natur aus, nichts Gutes!

Das hat 2. schlimme Folgen, weil wir uns selbst nicht aus dieser Lage retten können!

Aber, Gott hat uns 3. die Hilfe selbst gebracht!

Diese drei Punkte sind eigentlich eine Zusammenfassung von dem Kern der biblischen Botschaft! Dieses ist es, worum sich alles dreht! Der Mensch muss mit Hilfe des Heiligen Geistes erkennen, dass er verloren ist, und sich selbst nicht retten kann! Und dann will der Heilige Geist uns dahinführen, dass wir die Hilfe und Rettung, die Gott uns durch Jesus Christus anbieten und schenken will, erkennen und auch annehmen können!

Ihr Lieben, noch ein Punkt zur Erklärung dessen, was hier gemeint ist, muss noch genannt werden! Wenn es in diesem Text so vorkommt, als ob der Apostel immer nur von sich selbst redet, weil er immer in der „ersten Person“ von „ich, meiner, mir und mich“ redet, dann tut er das nur, weil er sich hier selbst, als Vorbild für die ganze Menschheit, gebraucht hat! Was er sagt, beschreibt nicht nur ihn, sondern auch uns und alle Menschen! Jeder von uns muss diesen Text beim Lesen oder Hören auf sich selbst beziehen! Um diese Übung zu erklären, lese ich den 15. Vers noch einmal vor, und jeder von uns denkt dann, jedes Mal, wenn das Wort „Ich“ vorkommt, an sich selbst, also: „15Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.“

Ja, ihr Lieben, wer kennt das nicht? Da redet man mit jemandem, z.B. dem Ehepartner, über ganz gewöhnliche Dinge, und plötzlich entsteht ein riesiges Argument! Keiner von den beiden hat es so gewollt, aber auf einmal ist es da! Man wirft sich schließlich schlimme Dinge an den Kopf und geht ärgerlich auseinander! Es gibt aber auch sogar noch viel schlimmere Sünden, die uns einfach so unerwartet überfallen können! Ohne, dass man es vorher so geplant hatte, tut man auf einmal etwas, das direkt gegen Gottes Gebote ist! Und hinterher fühlt man sich sehr schlecht, und muss alles daransetzen, um den Schaden wieder gut zu machen! Das kommt daher, wie uns unser Text sagt, weil die Sünde in uns wohnt! Und sie wohnt nicht nur dort wie ein stiller und bescheidener Gast! Nein, sie übernimmt alles, sie zieht alle Hebel, nimmt das Steuerrad in die Hand, und lenkt unser Tun und Lassen in eine Richtung, in die wir z.B. gar nicht fahren wollten!

Und, wir Menschen haben dafür auch keine Entschuldigung vor Gott! Adam hat z.B. versucht, um Gott für den Sündenfall zu blamieren, weil er ja die Eva geschaffen hatte! Und Eva hat die Schlange blamiert! Aber es hat alles nichts genützt! Wir Menschen sind und bleiben vor Gott schuldig für alles, was wir hier auf Erden falsch machen! Wenn unser Text deshalb hier in den Versen 17 & 20 sagt: „17So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Oder: 20Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt,“ dann ist das allerdings keine faule Ausrede! Sondern, es ist die Erkenntnis, dass wir Menschen alle die sündige Natur in uns haben, und, dass unser ganzes Leben von ihr bestimmt wird!

Ihr Lieben, davor können wir uns auch nicht schützen oder impfen lassen! Wenn ein Kind geboren wird, wird es in sicheren Abständen gegen alle möglichen Krankheiten, wie z.B. Stickhusten, Masern, usw. geimpft! Dadurch soll sich eine Immunität gegen diese Krankheiten im Körper aufbauen! Dann bekommt so ein geimpftes Kind diese Krankheiten wahrscheinlich auch später in seinem Leben nicht! Auch wir Erwachsenen können uns gegen die Grippe impfen lassen, damit wir sie dann im Winter nicht kriegen! Aber gegen die Sünde gibt es so etwas nicht! Wir können uns mit bestem Willen nicht davor schützen, oder daraus retten!

Das kann nur einer, nämlich Gott selbst, der seinen Sohn Jesus Christus für unsere Sünde am Kreuz hat sterben lassen! Dadurch bekommen wir das Gegengift, nämlich die Vergebung für alle unsere Sünden, die großen und die kleinen! Ihr Lieben, es gibt nämlich keine Sünde, die wir vor Gott bereuen, die uns nicht vergeben wird! Um bei dem Vorbild vom Impfen zu bleiben; das Gegengift der Vergebung durch den Glauben an Jesus, wird dich heilen! Und, weil wir nie gegen die Sünde und ihre Folgen immun werden können, brauchen wir auch an jedem Tag die Vergebung, die Gott uns schenkt!

Wer das erkennt, kann zusammen mit dem Apostel Paulus, und auch mit Dr Martin Luther freudig Gott danken für diese Befreiung von Sünde, Tod und Hölle! Paulus ruft z.B. am Ende von unserem Text: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!“ Er hat mich elenden, todverfallenen Menschen erlöst!! Und von Martin Luther wissen wir, wie er seine Gefühle nach der Erkenntnis, die Gott ihm beim Studium vom Römerbrief geschenkt hat, beschrieben hat, nämlich: „Mir war, als öffnete sich des Himmels Tür, und träte ich ins Paradies selbst ein!“

Lieber Bruder, liebe Schwester, hat du dich schon je so sehr gefreut, wenn dir die Vergebung deiner Sünden zugesprochen wurde? Oder wenn du im Gebet die Befreiung von dem, was dich bedrückt hat, bekommen hast? Hast du schon je mal das Bedürfnis gehabt, um Gott ausdrücklich für seine Vergebung in deinem Leben zu danken? Wer die Größe von dem Geschenk, das Gott uns in Christus immer wieder macht, erkennt, kann nicht anders, als, um vor Freude zu sprudeln!

Aber, ihr Leben, das will der Alte Adam gerade bei uns verhüten! Deshalb redet er uns immer wieder ein, dass es mit der Sünde gar nicht so schlimm ist! Und, er sagt uns auch, dass wir uns deshalb keine Sorgen zu machen brauchen! Der Liebe Gott wird uns schon gnädig sein, und ein Auge zudrücken! Wir sind ja alle ganz OK, und gar nicht solche elenden und schlechten Leute, wie es in der Bibel heißt! Und deshalb brauchen wir auch nicht so regelmäßig in die Beichte und zum Heiligen Abendmahl zu kommen!

Liebe Gemeinde, das ist aber nur ein billiger Trost! Der hält nicht Stand, wenn wir eines Tages vor dem Richterstuhl Christi erscheinen müssen! Dann gilt nur Christi Blut und Gerechtigkeit, als unser Schmuck und Ehrenkleid, mit dem wir vor Gott bestehen können und so den Eingang in den Himmel bekommen werden! Ja, das ist die einzige Methode und Medizin, mit der das Problem von unsrer Schuld vor Gott, gelöst werden kann! Möge Gott uns, durch seinen Heiligen Geist, alle dahin bringen, dass sich auch für uns die Himmelstür öffnen wird, damit wir die Ewigkeit dort bei ihm erleben können! Amen.

Wir beten: Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für die wunderbare Rettung aus Sünde, Tod und Hölle, die du uns schenkst! Herr Jesus Christus, danke, dass du mit deinem Leben für uns bezahlt hast, damit wir aus unserem Sündenelend erlöst und befreit sind! Nun gehören wir dir auf Zeit und Ewigkeit! Herr Gott, Heiliger Geist, erhalte und stärke in uns diesen seligmachenden Glauben! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.