Predigt – Herr-Sein: Nicht Recht, sondern Vorrecht – 15. Sonntag nach Trinitatis – 2026

Das Recht auf Selbstbestimmung. Das Recht auf Meinungsfreiheit. Das Recht auf Widerspruch. Das Bleiberecht, das Stimmrecht, das Streikrecht. Es ist fast unmöglich, solche Rechte aus unserer Gesellschaft wieder wegzudenken. Aber es sind noch keine 80 Jahre, seit solche Menschenrechte von den Vereinten Nationen festgelegt wurden. Sie haben viel Gutes mit sich gebracht. Aber nicht nur Gutes. Denn wer auf seine Rechte achtet, der stellt auch Ansprüche. Wir halten leidenschaftlich fest an unserem Recht auf Wahlfreiheit. Wir wollen selbst bestimmen. Wenn man den Mittelteil dieser Lesung aus Römer 10 nimmt und ihn aus dem Zusammenhang reißt, könnte man ihn so lesen: Wenn du mit deinem Mund bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet werden. Ganz einfach! Dann tu es doch. Beschließe einfach. Entscheide einfach. Gib dein Leben hin. Wer den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden!

Doch Paulus fährt fort und sagt: Aber wie können sie ihn denn anrufen? Das ist der springende Punkt: Sie können es nicht. Du kannst es nicht. Ich kann es nicht. Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft glauben kann. Ich kann es nicht schaffen. Ich kann mich nicht dafür entscheiden. Es geht hier nicht um das Selbstbestimmungsrecht, es geht nicht darum, was du tust oder was ich tue oder welche Wahl wir treffen. Es muss von Gott kommen. Das ist eben die Gefahr des Menschenrechtsdenkens, dass ich selig die ultimative Lüge lebe und denke, ich habe die Kontrolle über mein Leben, ich kann alles selbst bestimmen. Das ist einer der Gründe, warum Reichtum – materieller Reichtum und Wohlstand – eine so tödliche geistliche Gefahr darstellen kann. Denn wenn ich das Recht habe, alles zu bestimmen, und wenn ich die Mittel habe, es zu tun, dann kann ich mich selbst absichern und die Kontrolle ausüben. Oder aber, dass andere Menschen diese Kontrolle haben und ich nicht. Ich muss – und sie müssen – den Namen des Herrn anrufen. Aber sie können es nicht – denn es muss von Gott kommen.

So spricht der Herr. So sagt es der Text. Damit er deutlich zur Geltung kommt, wollen wir ihn umkehren und rückwärts abspielen. Gott muss den Anfang machen. Gott muss senden. Das hat er immer schon getan. Er wählt Menschen aus – und dann sendet er sie aus: Abraham, Mose, Aaron und die Leviten, die Propheten, Johannes den Täufer, die Apostel, die Missionare, die Pastoren – Gott sendet. Und er sendet immer mit einer bestimmten Absicht. Seine Absicht, sein Ziel ist die Verkündigung. Er hat Menschen zu euch gesandt! Boten, die verkündigt haben. Prediger, Missionare und Pastoren, die zu euch geredet haben, andere, die vorher schon zu euren Eltern oder zu euren Großeltern geredet haben, und dann wussten sie, dass sie gesandt waren, es euch zu verkünden, und die Kindergottesdienstleiterinnen und Religionslehrerinnen, denn du und ich waren hilflos, wir hatten nicht die Mittel und nicht die Freiheit, uns für den Herrn zu entscheiden, wir waren unfähig und wählten nur den Tod. Gott sandte einen Boten, um hilflosen Menschen zu verkünden, damit ihnen geholfen werden konnte, damit unfähige Menschen befähigt werden konnten, damit Tote lebendig gemacht werden konnten, um zu glauben und zu bekennen. Das ist das Wunder: zu bekennen, dass Jesus der Herr ist. Nicht ich bin der Herr. Nicht du. Nicht Helen Zille. Nicht Frans Cronje. Der gekreuzigte Jesus ist der Herr. Nicht irgendein Wundertäter, sondern jemand, der sich selbst kreuzigen ließ. Der auf seine Wahl verzichtete, der auf seine Freiheit verzichtete, der auf seine Mittel verzichtete, der sich nicht dafür entschied, bedient zu werden, sondern sich dafür entschied, zu dienen, und sich frei für die Knechtschaft und den Tod entschied, die uns befreien würden. Dieser Jesus – er ist der Herr.

Hörst du das? Hörst du diese frohe Botschaft? Dann bekenne mit deinem Mund, dass er für dich und für alle zum gekreuzigten Herrn geworden ist. Und glaube in deinem Herzen, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat. Warum? Warum hat er ihn von den Toten auferweckt? Weil der Tod der Feind ist, weil der Tod das Zeichen der Sünde ist, weil der Tod uns von uns selbst und voneinander trennt und kein Teil von Gottes Plan für seine Schöpfung ist. Da Jesus sich also entschlossen hat, zu kommen und uns zu retten, und da er an eurer Stelle gestorben ist, hat Gott ihn auferweckt, um euch ganz und gar zu retten, an Leib und Seele, jetzt und am letzten großen Tag, dem Tag des Sieges, dem Tag, der aller Rebellion, allem Spott, aller Sünde und allem Tod ein Ende machen wird. An dem Tag wird jeder gerettet werden, der den Namen des Herrn anruft. Hörst du das? Diese Botschaft ist es, die uns glauben lässt. Und wenn wir diese Predigt hören, diese buchstäblich unglaubliche frohe Botschaft, dann wählt die Botschaft dich aus. Gott wählt durch diese Botschaft aus.

Heute jährt sich die Gründung unserer Kirche. Im Jahr 1892 gründeten unsere Väter und Mütter die FELSISA. Es ging ihnen um die Treue zur Heiligen Schrift, festzuhalten, dass Gottes Wort die Wahrheit sagt und keine Fehler enthält; es ging ihnen um den Abendmahlstisch, dass man sich nicht mit falscher Lehre vermengen wollte; es ging ihnen um die Treue zu der Kirche ihrer Herkunft, der lutherischen Kirche, und dem Bekenntnis, das sie mit der Kirche aller Zeiten festhält, wie die Augsburger Konfession festhält: Dass Gott seine Boten, seine Prediger in die Welt sendet, um vor der Welt Jesus zu bekennen und an seine Auferstehung zu glauben. 1892 bekannten sie aufs Neue auch den 5. Artikel: „Damit wir zu diesem Glauben kommen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt, das Evangelium und die Sakramente gegeben. Durch diese Mittel gibt Gott den Heiligen Geist, der bei denen, die das Evangelium hören, den Glauben schafft, wo und wann er will. Das Evangelium lehrt, dass wir durch Christi Verdienst und nicht durch unsere Verdienste einen gnädigen Gott haben, wenn wir dieses glauben. Verworfen werden die Wiedertäufer und andere, die lehren, dass wir den Heiligen Geist ohne das leibhafte Wort des Evangeliums durch eigenes Bemühen, eigene Gedanken und Anstrengungen erlangen.“

Im Jahr 2026 sendet Gott noch immer seine Boten, seine Prediger, die er erwählt hat, damit andere hören und glauben können. Wir haben gehört und geglaubt. Und auch sie müssen hören und glauben, dass Gott der Herr sie genauso liebt, wie er euch liebt.

Ja, ihr lieben Konfirmanden, Gott hat euch sehr lieb. Wenn ihr vom Herzen glaubt, so werdet ihr gerecht; und wenn ihr mit dem Munde bekennt, so werdet ihr gerettet. Das wollt ihr heute tun. Gott segne und erhalte euch in diesem Glauben und Bekenntnis, damit auch andere es von euch hören, dass dieser gekreuzigte und auferstandene Jesus der Herr ist, und so am letzten großen jüngsten Tag gerettet werden. Amen.


Wochenspruch Alle eure Sorge werft auf Gott; denn er sorgt für euch. 1. Petrus 5, 7

Introitus – Nr. 56 (1. Petrus 5, 7; Psalm 127, 1)

Epistel

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

1. Petrus 5, 5c – 11

Evangelium

Jesus lehrte seine Jünger und sprach: Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Matthäus 6, 24 – 34