Was ist Segen? Und was heißt es, gesegnet zu sein? Einige meinen mit dem Wort Segen finanzielle Sicherheit, andere gute Gesundheit, andere enge Beziehung, die dem Leben Sinn verleihen. Und Fluch ist dann oft das Gegenteil. Segen und Fluch ist auch eines der Grundthemen der Heiligen Schrift. Was ist Segen? Was ist Fluch? Wie können wir die beiden voneinander unterscheiden? Diese Kunst brauchen wir, um Gottes Wirken in unserem Leben richtig einzuordnen, Zufriedenheit zu lernen und in Dankbarkeit und Zuversicht unser Leben zu führen. Das lehre uns der dreieinige Gott.
1. Gott der Herr hat diese Erde gesegnet – aber der Mensch hat Gottes Fluch über sie gebracht. Von Anfang an gibt Gott sich als dreieinigen Gott zu erkennen. Das hebräische Wort für Gott bedeutet buchstäblich „Götter“; aber immer steht das, was Gott tut, d.h. stehen die Verben in der Einzahl. „Am Anfang schuf Götter Himmel und Erde.“ Alle drei Personen in Gott sind bei der Schöpfung zugegen: Gott der Vater ist Ursprung aller Dinge, er schafft Himmel und Erde durch sein Ebenbild: Gott den Sohn, durch sein Wort (Joh 1; Kol 1), und Gottes Geist schwebt auf dem Wasser und gibt Leben dem Menschen und der ganzen Schöpfung. Innerhalb der Gottheit verhalten sich die drei Personen Gottes in vollkommener Eintracht und Harmonie zueinander; das Ganzsein, das Heilsein Gottes überträgt er in der Schöpfung auf die Erde. Er ordnet sie, sie ist gut, sie ist heil; und dann segnet er sie. Sein Segen bedeutet Leben in Harmonie mit dem Schöpfer und seiner Schöpfung, Fruchtbarkeit, dass die Tiere sich vermehren. Segen bedeutet Wimmeln, Lebendigkeit, Vielfalt. „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei“, Gott schafft den Menschen als sein Gegenüber, das ebenfalls in Pluralität lebt, als Mann und Frau, nun erstreckt sich Gottes Heilsein und vollkommene Harmonie auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau in der Ehe, und auf die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Und das ist sehr gut! Was ist Segen? Leben, Produktivität, Fruchtbarkeit, Einheit in Pluralität, Pluralität in Einheit, Frieden, Harmonie, Ordnung, Heilsein, Freiheit, und das alles vor Gott und mit Gott.
Doch durch Ungehorsam und Rebellion geht der Segen zu Bruch. Der Mensch flieht vor Gott, geht ihm aus den Augen; der Satan wird vom Segensratgeber zum Feind, mit dem man in der Schöpfung leben; es kommt das Böse in die Welt: Fruchtbarkeit wird zur Last, das Kindergebären schmerzhaft, die Beziehung zwischen Mann und Frau gestört, die Arbeit belastet, die Produktivität fällt. Gottes Fluch lastet auf der Welt. Was ist Fluch? Isolation; Disharmonie; Unfriede; Unordnung; Unheil; Leid; Gestörtsein; Versklavtsein; Krankheit; Tod; Gottes Zorn; der Ausschluss von Gottes gnädiger Gegenwart.
2. Seitdem bringen wir Segen und Fluch durcheinander. Wir vergessen so leicht, dass wir in einer Welt leben, die unter dem Fluch Gottes steht. Unsere Körper, unser Verstand, unsere Arbeit, unsere Mitmenschen, unsere Ehen, unsere Gesellschaften, unsere Umwelt, all diese Dinge ächzen unter den Konsequenzen der Sünde, des Bösen und der Vergänglichkeit. Wir sollten mit diesen Dingen rechnen! Aber wir vergessen sie, weil es nicht allen immer schlecht geht. Es ist allein Gottes Gnade, dass die Welt noch besteht, dass er regnen lässt und die Sonne scheinen lässt über Böse und Gute. Obwohl kein Mensch es verdient, geht es vielen lange gut; sie sind gesund, erfolgreich, wohlhabend.
Luther schreibt: „Wie sols doch Gott mit vns machen? gute tage können wir nicht ertragen / böse können wir nicht leiden / gibt er vns Reichthum, so stoltzieren wir / vnd werden hoffertig / das schier niemand kan mit vns auskomen / vnd wollen nur auff den henden getragen sein / vnd als Götter angebetet werden. Gibt er vns aber Armut / so verzagen wir / werden vngedultig / vnd murren wider jhn.“ Damit deckt er zwei Sünden auf: Erstens unterscheiden wir oft falsch zwischen Segen und Fluch; wir meinen, wenn es uns gut geht, wir gesund sind, wir Familie haben und finanziell gut durchs Leben kommen, sind wir gesegnet – aber wenn wir Unfälle oder Unglück oder Todesfälle erleben, wir krank sind oder finanzielle Probleme haben, dann lastet ein Fluch auf uns. Zweitens ziehen wir daraus falsche Konsequenzen: Geht es uns gut, werden wir lau, stolz, undankbar, meinen, dass wir diesen „Segen“ verdienen; geht es uns schlecht, werden wir ungeduldig, schimpfen auf Gott – oder wir meinen, wir sind wohl verflucht, können nichts daran ändern, und wir verzagen.
3. Es lastet ein Fluch auf der Welt; aber dreieinige Gott lässt den Fluch nicht das letzte Wort sprechen, sondern greift gnädig ein. Als die Menschen immerfort gegen ihn sündigen, verderben sie die ganze Erde. Gott schickt deshalb die Sintflut, um ein Ende mit ihr zu machen. Aber seine Gnade zeigt er darin, dass er einige rettet und einen Neuanfang mit der Schöpfung macht. „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen“, sagt er, sondern „solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Gottes große Liebe – allein die ist es, die inmitten des Kaputtseins dieser Welt es doch möglich macht, dass Menschen leben können.
Als auch Noahs Nachkommen gegen Gott rebellieren und sich in der Stadt Babel gegen ihn zusammentun, sagt Gott bei sich selbst: „Lasst uns herniederfahren“, und er tut es auch und macht der Rebellion ein Ende und zerstreut die Menschen über die Erde. Aber dann überlässt er sie nicht dem Chaos, dem Fluch und dem Untergang, sondern er erwählt einen Menschen, Abram, und schickt ihn in die Welt und sagt: Ich „will dich zu einem großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ Nun bindet Gott der Herr seinen Segen an Abrams Nachkommen und an Abrams Glauben. Was heißt das? Auf dieser Welt können Menschen wohl reich werden und gesund, mächtig und erfolgreich, gefühlt sogar glücklich und zufrieden, aber wenn sie keine Verbindung zu Abrams Nachkommen haben und Abrams Glauben an den dreieinigen Gott nicht teilen, dann leben und sterben sie unter Gottes Fluch. Es heißt, dass Wohlstand, wirtschaftlicher Erfolg, Finanzen, Gesundheit, Familie und Glücksgefühle keine verlässliche Anzeichen für Segen sind; im Gegenteil, Menschen ohne den dreieinigen Gott und seine Gnade erweisen sich all diese Dinge letztlich als Fluch. Wir brauchen nur an den reichen Mann und den armen Lazarus zu denken. In Lazarus‘ Fall dienten ihm sogar Armut, Isolation, Krankheit, Durst und Hunger zum Segen, durch die Verbindung zu Abrahams Nachkommen und den Glauben an Abrahams Gott hat Lazarus auch in Not und Leid Gottes Segen, und wird ewig selig.
Deine äußerlichen Umstände sind kein verlässlicher Maßstab, um Segen oder Fluch einzuschätzen. Segen geht auch für dich nur über Abrahams Glauben und Abrahams Nachkommen. Gott erklärt das in Gal 3: Nun sind die Verheißungen Abraham zugesagt und seinem Nachkommen. Es heißt nicht: »und den Nachkommen«, als wären viele gemeint, sondern es gilt einem: »und deinem Nachkommen« welcher ist Christus. Segen und Fluch hängen allein an Christus! „Christus aber hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns –– … auf dass der Segen Abrahams zu den Heiden komme durch Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.“ Wir haben in dieser Welt Angst vor Not, Tod, Krankheit, Isolation, Armut, Misserfolg und Katastrophen. Aber in Christus dienen denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten – auch diese Dinge. Verzage nicht. Wenn du aber Erfolg, Wohlstand, Gesundheit und Glück hast, bedenke, dass gerade diese Dinge dir zum Fluch werden können, wenn du sie undankbar und ohne Glauben genießt. So rühme dich nicht, sondern empfange und verwalte sie dankbar. Lerne recht auf deine eigenen Umstände und auf die deines Nächsten zu schauen, indem du in Christus empfängst, womit Gott dich segnet.
Ohne Christus gibt es keinen Segen; in Christus allen Segen. Denn der dreieinige Gott hat Segen und Fluch ausschließlich an Jesus Christus gebunden. Das bedeutet: keiner kann segnen, wo Gott flucht! In Jeremias Zeit liefen allerlei Prediger herum, die die Menschen segnen wollten und ihnen Wohlstand, Sicherheit, Glück und Erfolg zusprachen. Aber Gott hatte sie nicht gesandt. Und all ihre Segensversuche scheiterten jämmerlich. Keiner kann segnen, wo Gott flucht! Aber, und da ist das wunderbar Tröstliche: Keiner kann fluchen, wo Gott segnet. Es gibt keine Macht im Himmel oder auf Erden, die dir Böses zusprechen oder zuwünschen oder zufügen kann, wenn Gott der Herr segnet. Der Prophet Bileam hat es versucht. Ihm wurde viel Geld versprochen, Gottes Kinder zu verfluchen. Aber er konnte es nicht, nicht bei bestem Willen, denn der dreieinige Gott war bei seinen Kindern und hat Bileam gezwungen, sie zu segnen. Vertrau dich Gott an, trage ihm deine Sorgen vor, er wird helfen. Wo hat der Herr dir Segen versprochen? Nicht im Geschäft; im Bankkonto; im Sport; in der Leistung; in der Bildung; nicht darin, ob du verheiratet bist oder nicht, sondern im Gottesdienst. Der Herr hat Männer dazu berufen und ordiniert, sein Volk zu segnen, indem sie den Namen des dreieinigen Gottes auf sein Volk legen. Auf diesen Namen bist du nach Christi Befehl getauft worden: den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Hier im Gottesdienst wird dieser Name neu auf dich gelegt. Der Herr segne dich und behüte dich – jeder Fluch verliert seine Macht, denn der Vater ist bei dir und schützt dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig: In Jesus Christus zeigt der Vater dir sein freundliches Gesicht und macht dein Leben mit seiner Gnade hell. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Da muss jeder Fluch schweigen, denn der Heilige Geist schenkt dir seine volle Aufmerksamkeit und bringt dir den Frieden Gottes ins Herz. So bist du gesegnet und kannst ein Segen sein und getrost beten: Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes. Ps 116,7
Wochenspruch
Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner
Ehre voll. Jesaja 6, 3
Introitus – Nr. 41 (Psalm 145, 1 u 3)
Epistel
O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn „wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?” Oder „wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm vergelten müsste?” Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Römer 11, 33 – 36
Hauptlied
Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist 217
Gelobet sei der Herr 228
Evangelium
Es war ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm:Wie kann dies geschehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du Israels Lehrer und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben; ihr aber nehmt unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage? Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn. Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.
Johannes 3, 1 – 15