Predigt zu Quasimodogeniti, den 19. April 2020
Christusgemeinde Kirchdorf
Jes 40,25-31 I.i.
Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, dem ich gleich sei?, spricht der Heilige. Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
Wenn Krisenzeiten über uns kommen, kann man bei uns Menschen Phasen ausmachen, die sich immer irgendwie ähneln. Zuerst kann man gar nicht glauben, was einem da gesagt wird oder was man da erlebt, ob Unfall oder Todesnachricht oder eben den Ausbruch einer Pandemie. Man ist wie gelähmt und kann es nicht fassen. Dann aber, wenn der erste Schock verdaut ist und einem klar wird, wie ernst die Sache ist, wird der Mensch in der Regel aktiv, sogar hyperaktiv. Geschäftig setzt er alles daran, die Krise offensiv anzugehen und zu verarbeiten mit dem Ziel möglichst bald wieder zur Normalität zurückkehren zu können. Vielleicht sah das bei euch so aus, dass ihr noch das Nötigste eingekauft, nötige Regelungen getroffen habt, bevor der Lockdown kam. Es ist gut, dass der Mensch so reagiert. Denn in Krisenzeiten braucht es mutige Entscheidungen, um der Herausforderung trotzen zu können.
Danach kommt dann aber die wohl schwierigste und langwierigste Phase. Nämlich die, in der einem nach und nach klar wird, dass man nun zusehen muss, wie man unter diesen veränderten Bedingungen zurechtkommt und zu einer neuen Normalität findet, in der manches anders ist als früher. Wir befinden uns jetzt wohl am Anfang dieser dritten Phase. Diese vergangene Woche meinte Prof. Salim Abdool Karim, ein Virologe, der die Regierung berät, dass diese Krise unser Leben unwiederbringlich verändert hat, dass das Leben nie wieder so wird, wie es einmal war. Manches wird zwar in gewohnter Weise zurückkehren. Von anderem aber müssen wir uns vielleicht verabschieden. Was das im Einzelnen sein wird, kann man jetzt noch nicht wissen und wird auch bei jedem Menschen unterschiedlich sein.
Solche Nachrichten verunsichern. Wir haben Angst, weil wir nicht wissen, wie die Welt in 1 oder 3 Monaten aussehen wird. Schon hört man von Leuten, die arbeitslos geworden sind, andere hungern, viele bangen um ihre Firma, ihre Arbeitsstelle, ihr Einkommen. Was wird aus uns? Wann dürfen wir denn endlich wieder auch nur in der Gemeinde Gottesdienste feiern in der alten Größenordnung? Und inzwischen dürfen wir – gefühlt zumindest – nichts machen, müssen zu Hause bleiben, tatenlos zusehen, wie sich dies abspielt.
In dieser 3. Phase ist unser großer Kampf die Müdigkeit. Das würde man nicht meinen, nicht wahr, das ist kontraintuitiv, denn die Tage sind ja unstrukturiert, weil so weniges läuft, also hätte man doch eigentlich mehr Zeit zu schlafen und zu ruhen. Aber dennoch belastet uns in diesen Tagen eine Müdigkeit. Irgendwann hat man genug Nachrichten gehört, genug Krisenmeldungen bekommen, genug neue Anweisungen als Reaktion auf die Krise, man sehnt sich nach der Normalität zurück, aber sie kommt nicht. Schaut, ihr Lieben, es gibt eine Müdigkeit, die kann man nicht dadurch beseitigen, dass man sich einfach mal ein paar Tage lang ins Bett legt und richtig ausschläft. Es gibt eine Müdigkeit, die drückt einen noch viel tiefer zu Boden, die lässt einen überhaupt nicht mehr hochkommen. Es gibt eine Müdigkeit, die auch unseren Glauben betrifft: Was soll das denn alles mit Gott und Jesus und Kirche – wo sind die denn jetzt! Ich sitze hier in meinem Leben ganz allein mit meinen Problemen, und da ist keiner, der mir dabei irgendwie weiterhelfen kann. Es macht sich eine Glaubensmüdigkeit breit, wir merken, das Ganze lässt sich nicht mit einigen Entschlüssen abtun, sondern das kann dauern.
Man kommt sich ja fast vor wie ein Vogel im Käfig. Der Käfig mag Futter und Wasser haben, aber er bleibt ein Käfig. Für einen Vogel im Käfig ist wohl die größte Versuchung, dass er die Hoffnung verliert. In der Einsamkeit erliegt man schnell der Versuchung, dass man traurig hockt, und weil Gitterfenster nur entmutigen, dass man nur noch zu Boden starrt, weil gefühlt andere Mächte über uns bestimmen. Wenn ihr das kennt, wenn es euch so geht, dann dürft ihr wissen: Ihr seid nicht die ersten. Genauso erging es auch damals dem Volk Israel: Die Mächte, die bei ihnen das Leben bestimmten, waren die Babylonier. Da saß es nun schon viele Jahre in den Flüchtlingsheimen in Babylon; allmählich hatten die Leute jede Hoffnung aufgegeben, waren einfach nur noch müde: Gott kümmert sich nicht um mich, der hat mich längst vergessen. Und wenn einem der eigene Glaube nichts mehr zu bringen scheint, dann lässt man sich schnell faszinieren von anderen, scheinbar stärkeren religiösen Angeboten. Die Babylonier, die glaubten damals an die Macht der Sterne, die glaubten an Sternzeichen, an Horoskope, versuchten damit, ihr Leben zu erklären. Die Sterne konnte man wenigstens sehen, und was die babylonischen Sterndeuter da erzählten, das klang alles so wissenschaftlich, so modern – war das nicht viel vernünftiger, ihrem Glauben zu folgen? Verwundert es denn noch, wenn auch in diesen Zeiten unter vermeintlich so wissenschaftlichen Leuten das Interesse an dem Horoskop und der Astrologie so stark zunimmt? Uns bieten sich zwar nicht babylonische Sterndeuter, aber über das Internet dafür Sterndeuter genug, die aus allen möglichen Quellen ihre Erklärungen beziehen, und wir, wir hören hin, wir suchen nach Antworten – wann geht das alles vorbei, wer steckt eigentlich dahinter, wo kommt das wirklich her, wie schlimm ist es tatsächlich, was geht hier wirklich vor sich, wer hat in Wirklichkeit die Fäden in der Hand usw. Aber diese Flut an Informationen und Erklärungen und Auslegungen ermüdet uns und nimmt die Gewissheit und die Kraft und raubt den letzten Nerv, sodass wir irgendwann nicht mehr wissen, wie das weitergehen soll. Müde blicken wir nach unten, Gott scheint weit weg, und inzwischen bestimmen scheinbar andere Mächte mein müdes Leben.
Doch Gott möchte nicht, dass wir in unserem Glauben einfach nur noch müde sind, dass wir denken, er hätte uns verlassen. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«? Gott der Herr möchte nicht, dass wir an solch einen Blödsinn wie Sternzeichen oder Horoskope glauben oder uns von den unzähligen Sterndeutern im Internet Gott und die Welt und die Krise bis zum Gehtnichtmehr erklären und ermüden lassen. Darum spricht er zu seinem Volk in seinem Wort. Er sagt: Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, dem ich gleich sei?, spricht der Heilige. Damit sagt er: Ich bin nicht nur eine Stimme, eine Option unter vielen. Die Heilige Schrift erinnert uns: Gott ist anders, er ist einzigartig, es gibt keinen wie ihn. Er ist unvergleichlich, heilig ist er, der Heilige schlechthin, ihm ist keiner gleich. Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er hat alles ins Leben gerufen, das es gibt; er hat nicht nur die vielen großen Dinge in der Hand hat, sondern auch die ganz Kleinen. Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Nicht nach unten schauen, nein, nach oben! Er, er hat die Fäden in der Hand, er, der Heilige, bleibt Herr der Welt. Was er hier tut, was er in deinem Leben tut, das wird uns oft und lange rätselhaft und unverständlich bleiben. Und darum ist es nicht deine Aufgabe und meine, Gott den Herrn und seine Wege jetzt erklären oder verstehen zu wollen. Sondern zu allen Zeiten geht es darum, Gott Gott sein zu lassen.
Er sagt: Geh mal an einem schönen klaren Abend raus aus deinen vier Wänden und schaue dir den Sternenhimmel an. Die Babylonier hatte viele Namen für viele Sternbilder, und der moderne Mensch hat noch mehr Namen für noch mehr Sternbilder, aber er, Gott der Herr, kennt sie alle. Wenn du an einem klaren Abend den Nachthimmel anschaust, dann siehst du, wie die Sterne einer nach dem andern erscheinen, bis der ganze Sternenhimmel übersät ist mit Sternen. Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Das alles hat dein Herr und Gott, geschaffen, allein durch sein Wort. Die Sterne, die du von der Erde aus am Himmel sehen kannst, die haben keinen Einfluss auf dein Leben. Das Internet auch nicht. Du bist nicht wehrlos unpersönlichen Mächten oder geheimen Organisationen und Manipulierern ausgesetzt. Denn er, dein Gott, er will mit dir zu tun haben, und wenn er das ganze Weltall geschaffen hat und in Händen hält, dann schafft er es auch glatt, etwas in deinem Leben zu tun.
Und dann sagt euch der Schöpfer der ganzen Welt etwas noch viel Großartigeres: Ich bin nicht weit weg von euch, irgendwo jenseits der Grenzen des Universums oder in den Bewegungen der Sternbilder. Sondern ich bin zu euch gekommen, um mich finden zu lassen, um bei euch zu sein. Und das ist ja das Wunderbare: Der Schöpfer aller Geschöpfe, der Herr des Weltalls, der Unermüdliche, wird in Jesus Christus Mensch. Und als Mensch erlebt er selbst, was es ist, müde zu sein. Schlafen zu müssen. Aber, und das macht uns die Bibel so wunderbar deutlich, auch im Schlaf hat Jesus alle Dinge in der Hand. Jesus hat für uns Müdigkeit und Schmerz und selbst den Tod am Kreuz erlitten, und nun ist er auferstanden und lebt und regiert in Ewigkeit, er trägt die Krone, er ist Herr des Weltalls und König aller Könige, mächtiger als jede irdische und überirdische Macht. Er lebt und geht mit euch und lädt ein: Alle eure Sorge werfet auf Gott, denn er sorgt für euch. … Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.
Ja, das müsst ihr euch klar machen, was das heißt: Der, der solch eine Kraft hat, dass er alle Galaxien des Universums geschaffen hat, der kommt heute Morgen zu dir. Der, dessen Wort Spiralnebel und Milchstraßen geschaffen hat, will in dir leben. Wenn dir das keine Kraft gibt, wenn das keine Power-Nahrung ist, wenn das nicht mehr Flügel verleiht als irgend Red Bull! Ja, das macht Gott für dich, damit du in deinem Glauben nicht müde wirst, damit du niemals denken musst, er habe dich verlassen. Uns fehlt dieser Tage ganz besonders das Abendmahl. Und das mit Recht. Aber wir wollen uns daran erinnern, dass das Sakrament der Taufe ein lebenslänglich wirksames Werk Gottes ist, dass wir dadurch jeden Tag als neue Kreaturen in seiner Auferstehung selbst aufstehen dürfen und mit ihm vereint und in seiner Kraft täglich in einem neuen Leben wandeln. Vergesst Eure Taufe nicht.
Gottes Wort gibt uns da noch ein bisschen Nachhilfe. Er sagt: Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
Die auf den Herrn harren… In diesem Wörtchen „harren“ steckt zweierlei drin. Es ist ein altes Wort, das kaum noch gebraucht wird, aber gerade deshalb ist es so interessant. Wer „harrt“, der hat Ausdauer, der hat Geduld, der ist beharrlich, der lässt sich von einer Sache nicht so schnell abbringen. Wer also „auf den Herrn harrt“, der hält auch dann noch an Gott fest, wenn ihm Dinge begegnen oder er Erfahrungen macht, die sich nur schwer verdauen lassen. Gerade wer in der Not nicht seinen Glauben über Bord wirft, sondern stattdessen Gott sein Leid klagt und ihn an seine Zusagen und Verheißungen erinnert, der kann erleben, wie er – scheinbar aus dem Nichts – wieder Kraft bekommt und neu durchstarten kann. Und manch einer mag den Rückenwind jetzt schon mitten in der Krise, in der wir uns befinden, spüren.
Vor einigen Jahren war ich mal beim „Falcon Ridge Bird of Prey Centre“ im Drakensgebirge. Dort wurden uns beeindruckend die Künste und Fähigkeiten der Adler vorgeführt. Mir bleibt im Sinn, wie uns die Dame berichtete, auch für Adler sei das Fliegen harte Arbeit, total ermüdend. Ein Adler fliegt deswegen nur, wenn er unbedingt muss, er schlägt deswegen nur für eine begrenzte Zeit mit den Flügeln, dann sind seine Kräfte aufgezehrt. Aber – aus diesem Grunde lernt der Adler früh, sich auf das zu verlassen, was er nicht sehen kann. Der Adler, der einen Hasen auf fast 3km Entfernung erspähen kann, lernt sich auf die Luftströme zu verlassen und sich damit genaustens auszukennen. Das Schweben kostet nämlich wenig Mühe, eben weil der Adler nicht seine eigene Kraft braucht, um sich in der Luft zu halten, sondern er lässt sich tragen von dem, was er nicht sieht. Ich meine, hier ist auch der Vergleich, denn das Wort Gottes macht. Selbst die Stärksten und Kräftigsten und Jüngsten unter uns haben endliche Kraftreserven. Alle werden wir müde, wenn wir aus eigener Kraft weitermachen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. Es geht darum, sich in der Luft zu halten durch Gottes Kraft, von ihm und durch seinen Geist und seine Taufe und Gnade und Vergebung und Liebe und Kraft Rückenwind zu bekommen, die uns durch jede Krise trägt, schweben wie die Adler. Alles kommt für Dich und mich also darauf an, auf IHN zu harren.
Ursprünglich bedeutete das Wort „harren“ von der hebräischen Wortbedeutung her nicht nur warten, sondern auch „gespannt sein“. Gespannt sein wie die Sehne eines Bogens. Auf Gott harren bedeutet also auch: Gespannt sein darauf, was Gott jetzt mit uns vorhat. Statt zurückzuschauen und dem Gewesenen hinterher zu trauern, kommt es jetzt darauf an, nach vorne zu schauen, und zwar nicht so sehr auf das, was wir uns vornehmen, sondern auf das, was Gott mit uns vorhat. Aber die Frage ist dann natürlich: Was hat er denn mit uns vor? Ja, liebe Gemeinde, das ist ja gerade das Spannende, dass wir das nicht wissen. Das macht ja den Reiz des Glaubens aus, dass wir mit Gott immer wieder neue Entdeckungen und Überraschungen erleben. Was dabei wichtig ist: Wir haben seine Zusage, dass er es mit uns zum guten Ende bringen wird um Jesu Christi willen. Und genau das gibt uns die nötige Kraft. Kraft, die nicht aus uns selbst kommt, sondern die er uns verleiht auf den wunderbaren und manchmal auch wunderlichen Wegen, die er uns führt und mit uns geht. Amen.
Soli Deo Gloria
Pastor Dr. Karl Böhmer
Predigt zu Quasimodogeniti, den 19. April 2020
Wochenspruch
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 1. Petrus 1, 3
Introitus – Nr. 32 (1. Petrus 2, 2; Psalm 81, 2)
Epistel
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit. Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit
1. Petrus 1, 3 – 9
Evangelium
Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben. Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! [Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.]
Johannes 20, 19 – 29 [30 – 31]
- liturgische Farbe: weiß
- Festzeit: Österliche Freudenzeit
- Wochenspruch: 1. Petr 1,3
- Wochenpsalm: Ps 116
- Eingangspsalm: Ps 118
- Epistel: 1. Pet 1,3-9
- Evangelium: Joh 20,19-29
- Predigttext: Joh 21,1-14
- Wochenlied: 102
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
- I(Evangelium): Joh 20,19-29
- II: 1. Pet 1,3-9
- III: Joh 21,1-14
- IV: Kol 2,12-15
- V: Mk 16,9-14 (15-20)
- VI: Jes 40,26-31