Rogate 2025 – Kirchdorf
Die Gnade unseres Herrn, Jesus Christus, und der Friede Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, sei mit uns allen. Amen.
Text: Matthäus 6, 5 – 15
Jesus spricht zu seinen Jüngern: 5Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. 7Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11Unser tägliches Brot gib uns heute. 12Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. 13Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. 14Denn, wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Lasst uns beten: Komm, lieber Herr, und lehre uns beten! Amen.
Im Namen Jesu, liebe Gemeinde
An den vorigen beiden Sonntagen haben wir viel von der Güte und der Gnade Gottes, und auch von dem Lob und dem Dank, die wir ihm dafür schuldig sind, gehört! Daraus konnten wir Gott wieder als unsren gütigen und gnädigen Herrn erkennen! Heute geht es um das Gebet, und um das Beten! Wir sollen heute wieder daran erinnert werden, dass wir als gläubige Christen mit dem allmächtigen Gott reden sollen und auch, wie und worüber wir mit ihm reden dürfen! Dieser Kontakt zu unserem lebendigen Vater im Himmel, ist für unsren Glauben nämlich lebensnotwendig!
Aber, es wird ja nicht nur in der Christenheit und im Judentum gebetet! In den vielen anderen Religionen auf dieser Welt, wird oft auch irgendein toter Götze angebetet! Und trotzdem werden solche toten Götzen von ihren Anbetern als so groß und mächtig angesehen, dass sie für die Menschen eigentlich gar nicht zugänglich sind! Deshalb ist das Ziel von allen nicht-christlichen Gebeten immer, um diese Götzen zu beeindrucken, und, wie man meint, um sie bei guter Stimmung zu halten! Dann, so denkt man, könnte es irgendwann doch möglich sein, dass ein Gebet vielleicht erhört wird, was ja sowieso ganz unmöglich ist!
Liebe Gemeinde, mit dem Kommen Jesu in diese Welt geschah aber etwas, von dem man auch im Judentum noch nie gehört hatte! Die Juden haben selber, wegen dem 2. Gebot, sehr große Ehrfurcht vor Gott. Sie haben sogar solch eine Angst, dass sie Gottes Namen missbrauchen könnten, dass sie es nicht einmal wagen, diesen Namen auch nur auszusprechen! Obwohl sie die Buchstaben von dem Namen Gottes, wie er ihn Mose beim brennenden Busch gegeben hatte, als Jahwe aufschreiben, benutzen sie beim Reden aber immer nur das Wort Adonai. Adonai ist ein hebräischer Begriff, der eigentlich, „mein Herr“, oder auch „unser Herr“, bedeutet.
Aber Jesus machte es ganz anders! Was er beim Beten tat, war für seine Jünger, und für alle gottesfürchtigen Juden damals, und auch heute noch, etwas Unvorstellbares! Ja, streng genommen war, und ist es für sie sogar, Gotteslästerung! Wenn Jesus nämlich in die Stille, vielleicht auf einen Berg ging und betete, dann hat er Gott als „Vater“ angeredet! Die Jünger hatten auch bald gemerkt, dass Jesus ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis zu Gott hatte! Und das hat sie wahrscheinlich schließlich sehr beeindruckt! Sein ganzes Leben zeugte nämlich von einem Verhältnis zu Gott, wie es zwischen einem Kind, und seinem liebenden Vater, sein sollte!
Dazu konnten die Jünger dann auch noch merken und erkennen, dass Jesus selber, im Stand der Erniedrigung, total abhängig von seinem Kontakt mit Gott war! So, wie ein kleines Kind, immer, wenn es etwas braucht oder etwas Aufregendes erlebt hat, nach dem Vater oder der Mutter ruft, rief Jesus zu Gott! Wie ein Kind mit den Eltern redet, und alles mit ihnen teilt, so redete Jesus im Gebet mit seinem „Vater!“
Für die Jünger, die das Beten ja nur nach den strengen jüdischen Gebetsregeln kannten, waren die Gebete Jesu deshalb etwas ganz Neues! Weil sie Jesus inzwischen auch als ihren Lehrer angenommen und liebgewonnen hatten, entstand bei ihnen wahrscheinlich auch das Bedürfnis, so zu beten, wie Jesus das tat! Jesus hatte für sie das Gebet von einer gezwungenen Formalität, in ein „herzliches Gespräch“ mit Gott, verändert! Deshalb kamen sie zu Jesus, wie Lukas das in Kapitel 11, 1 berichtet, und baten ihn: „Herr, lehre uns beten!“ Damit sagten sie so viel wie, lieber Herr, wir wollen gerne auch so beten, wie du das tust!
Liebe Gemeinde, unser Predigttext ist nun die Antwort Jesu auf diese Bitte der Jünger, wie Matthäus sie uns berichtet! Jesus legt hier sozusagen erst einmal ein ganz neues Fundament für unser christliches Beten! Er holt seine Jünger, und auch uns, heraus aus der falschen Gebetspraxis, wie sie damals bei den Juden, und auch heute noch immer, sogar auch unter einigen Christlichen Gruppierungen, vorkommt! Und dann gibt er uns auch das perfekte Vorbild von einem Gebet, das von Gott erhört wird, nämlich das all um bekannte „Vaterunser!“ Mit dem Namen von diesem Gebet werden wir schon an das erinnert, was Jesus seinen Jüngern in unsrem Text im 6. Vers gesagt hat, nämlich: „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu, und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.“ Damit sagt er den Jüngern, und auch uns: Statt Jahwe, oder, weil ihr Angst habt, Adonai zu sagen, dürft ihr jetzt auch, wie ich das tue, zu dem allmächtigen Gott, „Vater“ sagen!
Mit dem Hinweis, dass man zum Beten ins Kämmerlein gehen soll, korrigiert Jesus dann auch eine bestimmte Gebetspraxis, die damals sehr beliebt geworden war, und die es auch heute noch gibt! Es war so, dass das Beten damals zu einer öffentlichen Angelegenheit geworden war. Die Pharisäer hatten nämlich, so ähnlich wie bei den Moslems heute noch, bestimmte Gebetszeiten für jeden Tag, angeordnet! Und, diese mussten strengstens eingehalten werden! Dadurch sollte eigentlich das Gebetsleben, unter dem Volk, gefördert werden. Daraus wurde dann aber leider sehr schnell, eine religiöse Formalität, die, zur eigenen Ehre, gründlich missbraucht wurde! Diejenigen, die sich besonders gut im Beten geübt hatten, wie die Schriftgelehrten und Pharisäer, waren nämlich geneigt, ihr Können in der Öffentlichkeit vorzuführen. Wenn die vorgeschriebene Gebetszeit kam, haben sie sich nicht an einen stillen Ort zurückgezogen, sondern sie blieben einfach da und dann auf der Straße stehen. Und dann sprachen sie, so, dass alle es hören mussten, die vorgeschriebenen Gebete, ehe sie wieder weitergingen. Das nennt Jesus hier ganz deutlich, Heuchelei, worauf kein Segen ruhen kann!
Liebe Gemeinde, Jesus hatte aber bestimmt nichts gegen das Beten! An einer anderen Stelle ermutigt er seine Jünger sogar, um zum Gebet zusammenzukommen. Und er gibt dem gemeinsamen Gebet auch eine besondere Verheißung! Bei Matthäus 18 sagt er nämlich: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Und in der Apostelgeschichte wird wiederholt davon berichtet, dass die Jünger zum Gebet zusammengekommen waren! Als Petrus z.B. im Gefängnis in Jerusalem saß, trafen sich viele aus der ersten Gemeinde im Haus des Markus, und beteten für ihn! Und ihr Gebet wurde erhört, und ihr Wunsch wurde auf wunderbare Weise erfüllt! Denn, bald darauf stand Petrus dann ja auch schon wieder vor der Haustür!
Jesus ist also nicht gegen das gemeinsame oder öffentliche Gebet als solches! Er warnt uns aber hier ganz besonders, vor der Heuchelei beim Beten! Wer betet, sagt er, soll schlicht und einfach mit Gott reden! Deshalb ermutigt Jesus seine Jünger, zum Gebet ins Kämmerlein zu gehen! Das Kämmerlein soll der Ort sein, wo nichts dich beim Beten stören kann! Kein Telefon oder Computer, keine WhatsApps, oder andere Botschaften, die andauernd durchkommen, keine Tür, die immer wieder aufgeht, usw.! Im Kämmerlein, wo man ganz allein mit Gott ist, besteht auch nicht so leicht die Gefahr, dass man sein Gebet zur Schau stellen will! Im Kämmerlein kannst du auch dein Herz ganz vor Gott öffnen und ausschütten! Dort darfst du ihm alles sagen: deine Sorgen, deine Zweifel, deine Schuld – Dinge, die du vielleicht niemals in der Öffentlichkeit nennen würdest, und von denen sogar niemand etwas wissen darf! Und dabei kannst du sicher sein: Der Vater hört dein Gebet, denn er siehst auch in die verborgensten Ecken deines Herzens hinein! Und er wird dir vergelten dadurch, dass er tun wird, wie es für dich dann am besten sein wird!
Liebe Gemeinde, das zweite Thema, das Jesus hier erklärt, ist das „wie“ des Gebets. Wenn du also einen geeigneten Platz gefunden hast, wie sollst du dann beten? Auf diese Frage sagt Jesus uns im 7. & 8. Vers erst einmal, was wir nicht tun sollen, und auch, weshalb nicht, nämlich: „Wenn ihr betet sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet!“
Mit langen Gebeten und ständigen Wiederholungen meinen die Heiden nämlich immer noch, dass sie ihre toten Götzen umstimmen könnten! Aber Jesus sagt uns, dass bei Gott, dem lebendigen „Vater“, dieses nicht nötig ist! Denn der Vater will uns sowieso immer nur das Beste schenken! Und wenn der Vater eine Bitte vielleicht einmal nicht, wie gewünscht, erfüllt, dann nur, weil er in seiner Allwissenheit schon sieht, dass wir das Erbetene nicht brauchen, oder, dass es für uns sogar zum Schaden sein würde!
Liebe Gemeinde, nach diesem allen gibt Jesus seinen Jüngern dann das Vorbild von einem Gebet, wie Gott es von uns haben will! Wenn man das Vaterunser als Ganzes sieht und andächtig betet, dann merkt man ganz bald, dass die Sachen, die Jesus uns hier ans Herz legt, alles Dinge sind, die Gott uns sowieso gerne geben will! Er will, dass sein Name geheiligt wird …, er will, dass sein Reich kommt…, er will, dass sein Wille geschieht …, er will uns unser tägliches Brot geben…, er will uns unsere Sünden vergeben…, und er will uns vor den Versuchungen bewahren, und uns von dem Bösen erlösen! Und deshalb will dieses ganz besondere Gebet uns dazu helfen, dass wir freudig um diese Dinge bitten sollen, die Gott uns geben will! Wir brauchen ihn nicht umzustimmen! Er will sowieso für uns da sein! Die Frage ist nur, ob ich, und wir alle, das dann auch wirklich so haben wollen? Daran sollen wir besonders, jedes Mal, beim Sprechen des Vaterunsers, aktiv denken! Wir sollen beim Beten ganz bewusst in unseren Herzen sagen: Ja, Vater, bitte lass deinen Namen bei uns geheiligt werden. Ja, Vater, bitte lass dein Reich zu uns kommen, usw!
Ihr Lieben, die Worte von diesem Gebet wollen uns dann auch zum Beten in Jesu Namen, Mut machen! Wer nämlich im Namen Jesu betet, bittet Gott nicht um unsinnige Dinge! Das Gebet im Namen Jesu bittet als erstes immer um das, was wir und unsere Lieben zum ewigen Leben brauchen! Alles andere, worum wir bitten, wie Gesundheit, usw., steht dann immer unter dem Vorzeichen: „Wenn es dein Wille ist!“ Wer im Namen Jesu betet, erkennt deshalb auch alle irdischen Gaben und allen irdischen Segen, wie Heilung oder Bewahrung vor Unfall und Schaden, usw., wie auch unser Geld und Gut, als unverdientes Geschenk der Gnade Gottes an! Und dann geht er oder sie auch so damit um! Wer so betet, wird frei, um auch Gottes irdische Gaben zu seinem Dienst, und zu seiner Ehre, zu gebrauchen!
Dann macht Jesus in unserem Text aber auch noch eine sehr ernste, und wichtige, Zufügung zur 5. Bitte! Er macht nämlich unsere Vergebungsbereitschaft dem Nächsten gegenüber, zur Bedingung für unseren Empfang der Vergebung Gottes! Und die Tatsache, dass er dieses dann auch gleich noch einmal in den Versen 14 und 15 wiederholt und betont, zeigt uns, für wie wichtig er diesen Punkt hält! Daran haben wir uns zu halten, ob es uns nun passt, oder nicht!
Zum Schluss, lieber Bruder, liebe Schwester, wenn dein Gebetsleben aus irgendeinem Grund am Abflauen ist, oder vielleicht schon ganz aufgehört hat, dann mache heute wieder einen neuen Anfang! Bitte Gott, dass er dir seinen Heiligen Geist dazu schenkt! Bitte ihn, so wie die Jünger ihn damals gebeten haben, nämlich: Herr, lehre mich beten! Und dann, sei ein guter Schüler, und folge seinen Anweisungen, wie er sie uns gegeben hat, gerne! Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.