Darstellung des Herrn – 2022

Predigt: Lk. 2, 22-33

06.02.2022, Darstellung des Herrn

1          Segen

2          Text

22Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn hinauf nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, 23wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn (2. Mose 13,2; 13,15): »Alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt heißen«, 24und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: »ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben« (3. Mose 12,6-8).

25Und siehe, ein Mensch war in Jerusalem mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war auf ihm. 26Und ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er sollte den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. 27Und er kam vom Geist geführt in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, 28da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:

29Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast;

30denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,

31das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern,

32ein Licht zur Erleuchtung der Heiden

und zum Preis deines Volkes Israel.

33Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde.

3          Gebet v.d.P.

 

4          Predigt

4.1

Wir haben hier in Gottes Wort an uns heute zwei bedeutende religiöse Rituale. Beide dieser Rituale geschehen, wie wir in unserem heutigen Text hören, nach dem Gesetz des Mose. Und zu Recht, wenn wir ins Alte Testament schauen, finden wir beide Rituale: Das Ritual, dem sich Maria unterzieht, findet sich in 3. Mose 12,6+8, wo wir hören, was eine Frau, die ein Kind gebar, machen soll:

Und wenn die Tage ihrer Reinigung für den Sohn oder für die Tochter um sind, soll sie dem Priester ein einjähriges Schaf bringen zum Brandopfer und eine Taube oder Turteltaube zum Sündopfer vor die Tür der Stiftshütte. … Vermag sie aber nicht ein Schaf aufzubringen, so nehme sie zwei Turteltauben oder zwei andere Tauben, eine zum Brandopfer, die andere zum Sündopfer; so soll sie der Priester entsühnen, dass sie rein werde.

Nach dem Gesetz sollte sich eine Frau fast 40 Tage vom Heiligtum fernhalten, weil sie als unrein galt. Die Frau galt nicht als unrein, weil eine Geburt irgendwie ekelig ist, auch nicht weil sie mehr gesündigt hatte als normal. Nein, das Unreine war das Blut. Das Problem war, das man nicht in Gottes Gegenwart sein konnte, wenn man unrein ist. Man wurde unrein, wenn man mit dem Tod, oder mit etwas, was mit dem Tod zutun hatte, in Berührung kam: Seien es tote Körper, kranke Haut oder sogar bestimmte Körperflüssigkeiten, einschließlich Blut. Es hat also nicht damit zu tun, dass Maria nach der Geburt ekelig ist, sondern damit, dass sie blutete. Blut macht unrein. Aber Gott will, dass alle seine Kinder zu ihm kommen, und gibt deshalb auch Möglichkeiten, um wieder rein zu werden. Blut macht unrein, aber Blut macht auch rein, denn es ist durch Opfer, durch das Vergießen von Blut, dass unreine Menschen, dass Maria wieder rein wird. Sie wird rein und kann dann wieder am Gottesdienst teilhaben, wieder an den Gaben und der Gegenwart Gottes teilhaben.

4.2

Als kleine Randnotiz zeigt die Tatsache, dass Maria und Josef für dieses Opfer nur Tauben mitbrachten, noch einmal, in welche Tiefen Jesus für uns ging. Wie sehr er sich erniedrigt hat. Maria und Josef waren in keiner Weise wohlhabend. Jesus wurde nicht nur ein Mensch für uns, nein, er wurde ein armer Mensch. Dass er in einer Krippe geboren wurde, war nicht nur ein Unglückstag, nein, Jesus wuchs in einer Familie auf, die sich nicht einmal die üblichen Opfergaben leisten konnte.

4.3

Sie waren zwar eine arme Familie, aber sie waren gottesfürchtig. Und so bemühten sie sich, das Gesetz zu befolgen, das ihnen durch Mose gegeben worden war. So brachten sie nicht nur Opfer, um Maria wieder rein zu machen, sondern brachten auch Jesus in den Tempel, um ihn auszulösen, wie es in 2. Mose 13,12+15 heißt:

Heilige mir alle Erstgeburt bei den Israeliten; alles, was zuerst den Mutterschoß durchbricht bei Mensch und Vieh, das ist mein…. Denn als der Pharao hartnäckig war und uns nicht ziehen ließ, erschlug der HERR alle Erstgeburt in Ägyptenland, von der Erstgeburt des Menschen bis zur Erstgeburt des Viehs. Darum opfere ich dem HERRN alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, aber die Erstgeburt meiner Söhne löse ich aus.

Alle Erstgeborenen waren allein durch die Tatsache, dass sie lebten, ein Geschenk Gottes. Ein Geschenk, das er den Israeliten gegeben hatte, als er den Engel des Todes nicht in ihre Häuser schickte. Und so gehörten alle Erstgeborenen zu Gott und mussten von ihm ausgelöst werden. Etwas musste bezahlt werden, dass diese Kinder von Gott genommen werden konnten. Etwa wie ein Handel. Gott wird etwas gegeben, in diesem Fall 5 Schekel, was ungefähr ein halber Jahreslohn für einen ungelernten Arbeiter war, und die Menschen konnten das Kind behalten.

4.4

Und hier sehen wir ein weiteres Beispiel dafür, dass Jesus wieder alles für uns getan hat. Ich habe am Neujahrstag, als wir über die Beschneidung Jesu gesprochen haben, erwähnt, dass Jesus das nicht für sich selbst tun musste, sondern dass er sich für uns unter das Gesetz gestellt hat und deshalb beschnitten wurde. Und das gilt auch hier. Gerade Jesus konnte den Anspruch erheben, Gott zu gehören. Er war immer heilig. Er war und ist Gottes eingeborener Sohn. Aber weil das Gesetz verlangte, dass er ausgelöst werden sollte, stellte sich Jesus wieder unter das Gesetz und tat, was von ihm verlangt wurde. So schön lesen wir es in der heutigen Epistel:

16 Denn er nimmt sich nicht der Engel an, sondern der Kinder Abrahams nimmt er sich an. 17 Daher musste er in allem seinen Brüdern gleich werden, damit er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes.

Jesus wurde ganz Mensch und hat sich ganz unter das Gesetz gestellt.

4.5

Und so geht diese arme gottesfürchtige Familie in den Tempel, befolgt das Gesetz und tut, was von ihr verlangt wird. Ein Reinigungsopfer zur Reinigung Marias auf der einen Seite und Jesus als Erstgeborener, der ausgelöst wird, auf der anderen Seite. Sie werden uns so erzählt, dass es auf den ersten Blick fast so aussieht, als gäbe es nur einen Ritus und nicht zwei. Es scheint, dass sie eng miteinander verbunden sind.

4.6

Denn diese beiden Rituale sind in unserem Text miteinander verbunden: Reinigung und Auslösung. Simeon verstand es, nicht weil er so klug war oder weil er so fromm war, sondern weil der Heilige Geist ihn leitete. Simeon verstand, dass das, was hier geschah, die Reinigung und die Auslösung, dass sie miteinander verbunden waren. Dass dieses Baby, das er in seinen Armen hielt, den Trost Israels bringen würde, dass dieses Baby die Rettung sein würde, dass dieses Baby die Reinigung bringen würde.

4.7

Dieses Baby, das für einen mickrigen Preis von 5 Schekeln ausgelöst wurde. Dieses Baby, das Gott gehörte, das Gott war, gab sich selbst für uns. Es wurde ausgelöst, damit es eines Tages ein Opfer für uns alle sein würde. Wir haben 5 Schekel für Jesus bezahlt, aber er hat so viel mehr bezahlt, er hat mit Leiden bezahlt, er hat mit Spott bezahlt, er hat mit seinem Blut bezahlt, das aus seinen Händen und aus seiner Seite floss, als er dort am Kreuz für uns hing. Was er dort tat, war die Auslösung von uns allen. Er gab sich selbst, dass wir vom Tod freigekauft wurden. Er war der Erstgeborene, der nicht hätte sterben müssen, es aber trotzdem tat, für uns. Er starb und war ein Opfer für uns, ein Opfer, das alle anderen Opfer so weit übertrifft, dass wir kein anderes Opfer mehr brauchen als dieses eine. Ein Opfer, das uns alle reinigen würde. Ein Opfer, das es uns ermöglicht, rein zu sein. Durch das Blut dieses Opfers wurden wir rein gewaschen, richtig rein gewaschen, dass wir nicht mehr unrein sind, dass wir nicht mehr alle Reinigungsrituale benötigen. Wir brauchen uns nicht mehr von Gottes Haus fern zu halten, wenn wir den Tod berühren, denn dort, dort in der Taufe hat der, der uns liebt, uns von unseren Sünden rein gewaschen in seinem Blut (Off.1,5). Wir sind rein und können/sollen in seine Gegenwart kommen.

4.8

Hier in diesem Gottesdienst sehen wir, dass alles, was in der Bibel steht, alle Gesetze, seien sie für Reinigung oder Auslösung oder was auch immer, dort im Opfer Christi am Kreuz erfüllt werden. Ja, wir feiern dieses schöne Opfer jede Woche. Nicht nur das, wir nehmen auch daran teil. Wir halten unseren Messias, unseren Christus, unseren Herrn Jesus, im Abendmahl in unseren Händen. Wir essen sein Fleisch und trinken sein Blut. Wir hören ihn in der Predigt zu uns sprechen. Wir sahen sogar heute, wie die kleine Emilia, wie wir alle einmal auch, in Christi Blut gewaschen wurde. Wir werden gereinigt durch das, was Christus für uns getan hat, Woche für Woche, Tag für Tag. Jesus lässt uns an seiner Auslösung und Reinigung teilhaben. Und wir sind aufgerufen, wie Maria und Josef, jede Woche über dieses wunderbare Ereignis, diesen Dienst Gottes an uns, zu staunen.

Unsere Augen haben deinen Heiland gesehen,

31das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern,

32ein Licht zur Erleuchtung der Heiden

und zum Preis deines Volkes Israel.

5          Gebet

Allmächtiger ewiger Gott, wir bitten dich herzlich: Gib, dass wir deinen lieben Sohn erkennen und preisen, wie der heilige Simeon ihn leiblich auf seine Arme genommen und geistlich gesehen und erkannt hat. Durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.


Septuagesimä (Lohn und Gnade)

Wochenspruch
Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.
Daniel 9, 18

Introitus – Nr. 18 (Stücke zu Daniel 3, 2a. 3a; Psalm 18, 2 – 3)

Epistel

Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.

1. Korinther 9, 24 – 27

Evangelium

Jesus sprach: Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg. Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.

Matthäus 20, 1 – 16a


Septuagesimä – Liturgische Farbe: grün

Festzeit: Vorfastenzeit

Wochenspruch: Dan 9,18

Wochenpsalm: Ps 31b

Eingangspsalm: Ps 31

Epistel: 1. Kor 9,24-27

Evangelium: Mt 20,1-16a

Predigttext: Lk 17,7-10

Wochenlied: 342 und 409

Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).

I(Evangelium): Mt 20,1-16a

II: 1. Kor 9,24-27

III: Lk 17,7-10

IV: Jer 9,22-23

V: Mt 9,9-13

VI: Röm 9,14-24