Predigt | Nicht MfG, nicht EGAG, sondern das Siegeswort des dreieinigen Gottes | Trinitatis 2025

Ob WhatsApp, E-Mail, Signal, Telegram, Messenger, Instagram: Heutzutage wird digital kommuniziert über Computer und Cellphone. Wer sich mit der digitalen Kommunikation nicht auskennt, braucht ein Wörterbuch, um die vielen Kürzel zu verstehen, die man dort verwendet, besonders die Grüße am Ende der Nachrichten: MFG für „mit freundlichen Grüßen“, LG für „liebe Grüße“, GLG für „ganz liebe Grüße“, HDL für „hab Dich lieb“ und HDGDL für „hab dich ganz doll lieb“. Der Apostel Paulus benutzt zwar nicht solche Kürzel, doch auch er schließt seinen zweiten Brief an die Korinther mit schönen Grüßen: „Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss“; „Es grüßen euch alle Heiligen“ und „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen“.

Gut und schön, aber was daran merkwürdig ist: mit diesen korinthischen Gemeindegliedern, mit den Korinthern, die er soeben gegrüßt hat, hat Paulus sich gerade ziemlich gestritten; sie waren vom Wege abgekommen, er musste sie zurechtweisen. Gemeindeglieder hatten ihn, den Paulus, so richtig schlecht gemacht. Und nun zum Schluss so liebe Grüße? Da hat man ja fast den Eindruck, dass Paulus ihnen zuletzt noch etwas Honig um den Bart schmiert, sie mit Sahnehäubchen verabschiedet und schreibt: EGAG – Ende gut, alles gut!

Aber diese Worte zum Schluss des Briefes sind nicht bloß ein paar abgedroschene Kürzel, so nach dem Motto: „Wir haben uns nun ordentlich zerstritten, aber was soll’s, mfG, glG, euer Paulus“; hier geht es um sehr viel mehr als ein paar freundliche und versöhnliche Töne. Nein, mit diesen Worten rückt Paulus alles, was er vorher gesagt hat, noch einmal ins rechte Licht.

Was war denn da passiert? Naja, einige Gemeindeglieder hatten erzählt, dass Paulus nicht so richtig den Heiligen Geist habe, sonst würde er nämlich nicht dauernd krank sein und so langweilig predigen. Sie waren persönlich geworden. Gesehnt hatten sie sich nach besseren Rednern, gewaltigeren Predigern, inspirierenden geistlichen Höhenflügen. Und dann waren ja auch tatsächlich welche gekommen, begabte Redner, überzeugende Prediger. Darauf hatte der Apostel Paulus heftig reagiert. Nicht auf die persönlichen Angriffe. Nicht, weil er sich persönlich beleidigt fühlte. Es ging ihm nicht um menschliche Verletztheiten. Sondern es ging und geht ihm um das Fundament des Glaubens. Denn Paulus erkannte, dass diese neuen Leute in Korinth, diese angeblich so super Begabten und packenden Prediger eine ganz andere Botschaft verbreiteten als die, der er selbst als Apostel dort zu Beginn verkündet hatte. Doch Paulus will die Korinther nicht verlieren, will nicht den Kontakt mit ihnen abbrechen. Wie kann er denn trotzdem die Gemeinschaft des Glaubens und das Band der Liebe mit ihnen aufrechterhalten, ja, stärken, in Christus bleiben und wachsen?

Paulus weiß es ganz genau: Das geht nur, wenn wir gemeinsam aus der Gemeinschaft leben, die uns trägt und verbindet, aus der Gemeinschaft, die eben nicht von unseren menschlichen Gefühlen und Sympathien abhängt, sondern von Gott selbst. Und dann spricht er von dem dreieinigen Gott, er spricht davon, wie dieser dreieinige Gott auch die Gemeinschaft zwischen uns Menschen stiftet und trägt. Nur er ist es, der das Band erhalten kann, wieder neu aufleben lassen kann, es geht an erster und letzter Stelle um die Gnade Christi, um die Liebe Gottes und um die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Paulus wünscht das der Gemeinde nicht nur zu, sondern mit diesen Worten stellt er die Gemeinde sozusagen hinein in die Gnade, Liebe und Gemeinschaft Gottes. Das ist kein HDGDL, kein leerer Gruß, sondern eine kraft- und wirkungsvolle Zusage. Nicht umsonst ist dies Segenswort auch bei uns noch als Kanzelgruß am Schluss der Predigt zu hören, weil es wirkt, was es sagt.

Heute zu Trinitatis geht es uns ja ausdrücklich um den dreieinigen Gott, den einen Gott in drei Personen. Aber nie und nimmer bloß als abstrakte, beziehungslose, dröge Formel. Sondern hier geht es um den einen und alleinigen Gott Himmels und der Erden, der alles daransetzt, eine Beziehung zwischen sich und uns zu stiften, eine Beziehung, die gekennzeichnet ist durch Gnade, durch Liebe und durch Gemeinschaft.

Gnade – das ist so ein Wort, das wir eigentlich nur noch in der Kirche gebrauchen, und dabei ist es für unser Leben doch so entscheidend wichtig: Gnade – das heißt: Ich werde geliebt und angenommen nicht aufgrund dessen, was ich in meinem Leben geleistet habe und vorzeigen kann, nicht aufgrund dessen, dass ich in meinem Leben immer alles richtig gemacht habe. Sondern ich werde geliebt und angenommen ohne etwas geleistet zu haben, ohne dass ich diese Liebe und Annahme verdient hätte. Ich werde geliebt und angenommen, obwohl ich in meinem Leben versagt habe, schuldig geworden bin, dass ich den enttäuscht und verletzt habe, auf dessen Liebe und Annahme ich doch angewiesen bin. Auch im Umgang mit anderen Menschen sind wir immer wieder auf Gnade angewiesen. Von dieser Gnade hängen wir eben voll und ganz ab in unserer Beziehung zu Gott. Da können wir uns nichts verdienen und erarbeiten, da können wir auch nichts mehr wiedergutmachen, worin wir versagt haben. Entweder erfahren wir Gnade – oder wir sind verloren.

Der Apostel Paulus redet in seinen Briefen immer wieder von der Gnade unseres Herrn Jesus Christus. Er will deutlich machen: Ob Gott uns gnädig ist, ob er sich uns liebevoll zuwendet, das ist keine Frage mehr. In Jesus Christus hat er uns gezeigt, dass er das Verhältnis zwischen sich und uns wieder in Ordnung gebracht hat, dass nichts mehr zwischen ihm und uns steht. Dass Jesus für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist, das ist nicht logisch. Wahre Gnade steht jenseits jeglicher menschlichen Vernunft. Aber sie bringt zum Ausdruck, wer Gott wirklich ist: einer, der bereit war, den allerhöchsten Preis zu zahlen, damit wir mit ihm für immer leben dürfen. Zwischen Gott und uns steht nur eins: seine Gnade, die Brücke, die uns und ihn miteinander verbindet.

Dann die Liebe Gottes. Vielleicht denkst du: Ach, das klingt inzwischen schon abgelutscht. Doch die Liebe ist entscheidend wichtig, damit wir recht verstehen, wer Gott wirklich ist, wer er als der dreieinige Gott in Wirklichkeit ist. Sein rechtes Wesen ist nicht Zorn oder Rache. Das ist die Kehrseite von Gottes eigentlichem Wesen. Gott ist die Quelle der Liebe selbst. Nein, keine linde, leichte Frühlingsliebe, sondern der „glühende Backofen voller Liebe“. Die Liebe ist nicht nur eine Eigenschaft Gottes neben vielen anderen auch, nicht bloß eine spontane Emotion, die manchmal zu Tage tritt, sondern Liebe ist das Wesen Gottes. In dieser Liebe sind Vater, Sohn und Heiliger Geist der eine Gott, und in diese Liebe will Gott der Vater uns auch durch seinen Sohn hineinziehen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus ist keine kalte Gnade, sondern sie ist durchdrungen von der heißen Liebe Gottes, die uns an sein Herz zieht.

Dann die Gemeinschaft, das Dritte, was die Beziehung zwischen Gott und uns bestimmt. Gottes Liebe sieht so aus, dass er uns tatsächlich in seine Gemeinschaft hineinzieht. Dazu sendet der Sohn den Heiligen Geist, damit der Heilige Geist uns zu ihm, Christus, führt und wir durch Christus in die ewige Liebe Gottes hineingezogen werden. Gott will nicht für sich bleiben „in splendid isolation“, schön ungestört, nur umgeben von frohlockenden Engeln. Sondern er will uns mit dabei haben in der ewigen Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Christlicher Glaube heißt Gemeinschaft – also nicht zuerst und vor allem so, dass wir uns gegenseitig nett sind, sondern leibhaftig mit dem lebendigen Gott Gemeinschaft haben. Das ist viel mehr als einfach nur etwas zu verstehen oder für richtig zu halten. Sondern das ist in Wirklichkeit unsere Rettung, unsere ewige Zukunft, so wunderbar, dass wir immer wieder ins Stammeln geraten, wenn wir versuchen, es mit Worten zu beschreiben.

Aber wird unsere Gemeinschaft in der Gemeinde nicht auch hin und wieder gestört? Kommt es nicht auch in der Gemeinde zu Verletzungen, ob absichtlich oder nicht? Doch. Ihr Lieben, die Sünde ist keine Theorie. Sie ist eine knallharte Wirklichkeit, die uns immer wieder auseinandertreibt und von Gott ferntreibt. Doch genau darum geht es in der Gemeinde. Dass hier eine Wirklichkeit ist, die stärker ist als Verletzungen und Sünde: Die Gemeinschaft mit dem lebendigen, dreieinigen Gott wirkt sich in unserem Miteinander in der Gemeinde aus. Dass wir aus der Vergebung leben und sie einander geben. Wenn wir alle miteinander von der Gnade unseres Herrn Jesus Christus leben, wie sollten wir dann noch den Bruder, die Schwester in der Gemeinde richten, über sie urteilen? Wie sollten wir da noch andere Gemeindeglieder abschreiben, wenn wir doch selber davon leben, dass Gott uns nicht abgeschrieben hat, sondern bei uns bleibt, uns vergibt, auch wenn wir ihn noch so oft enttäuscht haben?

Ganz wichtig: Liebe heißt nicht, dass wir einander nicht zurechtweisen – im Gegenteil: Genau dazu fordert der Apostel die Christen in Korinth hier am Ende ja auf. Aber beim Zurechtweisen geht es nicht darum, selber Recht zu behalten, sondern den anderen in Liebe für Christi Wort und Willen zu gewinnen, damit die Gemeinschaft heil bleibe. Deswegen diese so herzliche Ermahnung: [11] Voller Zuversicht, dass Gottes Wort sein Werk tun wird, schließt der Apostel die Epistel nicht mit MfG, „mit freundlichen Grüßen“, und auch nicht mit EGAG, „Ende gut, alles gut“, sondern mit dem Siegeswort des dreieinigen Gottes, dem Gott der Liebe, von dem und in dem wir das Leben haben, jetzt und allezeit. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

 


Tag der Heiligen Dreifaltigkeit (Trinitatis)

Wochenspruch
Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner
Ehre voll. Jesaja 6, 3

Introitus – Nr. 41 (Psalm 145, 1 u 3)

Epistel

O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn „wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?” Oder „wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm vergelten müsste?” Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Römer 11, 33 – 36

Hauptlied
Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist 217
Gelobet sei der Herr 228

Evangelium

Es war ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm:Wie kann dies geschehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du Israels Lehrer und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben; ihr aber nehmt unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage? Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn. Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

Johannes 3, 1 – 15