3. SONNTAG NACH TRINITATIS (Das Wort der Versöhnung)
Die Gnade unsres Herrn Jesus Christus, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, sei mit uns allen. Amen.
Text: Lukas 19, 1 – 10
1Und Jesus ging nach Jericho hinein und zog hindurch. 2Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. 3Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. 4Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. 5Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. 6Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. 7Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. 8Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. 9Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn. 10Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
Lasst uns beten: Herr Gott, lieber himmlischer Vater, wir danken dir für dein Wort! Danke, dass du uns und alle die sonst verloren gehen würden, dadurch rufst und suchst! Gib, dass wir aufhorchen und so gerettet werden! Komm, lieber Herr und segne jetzt unser Reden und unser Hören. Amen.
Im Namen Jesu, liebe Gemeinde
Heute finden wir Jesus wieder auf der Reise nach Jerusalem, kurz vor seiner Kreuzigung! Diejenigen von euch, die ein gutes Gedächtnis haben werden sich daran erinnern, dass Jesus an diesem Tag, kurz vor Jericho schon den blinden Bettler, Bartimäus, am Wegrand geheilt hatte! Das war das Thema von der Predigt am Sonntag Estomihi, genau vor der Passionszeit in diesem Jahr gewesen! Jesus war also eigentlich unterwegs, um für die Sünde der Welt am Kreuz zu sterben! Aber dennoch hatte er Zeit um sich um die Menschen um ihn herum zu kümmern! Er hatte das Gebet des Bettlers erhört und ihm geholfen! Und dann ging er geradeaus zu diesem Baum, in dem Zachäus saß, und holte ihn von da runter, zu sich! Das erste Wunder in diesem Text ist ja die Tatsache, dass Jesus genau wusste wer dieser reumütige Sünder war, und auch, wo er ihn finden konnte!
Ich weiß nicht, wie ihr das macht, aber heutzutage nehmen die meisten Leute sich während einer Reise nicht so leicht die Zeit zum Anhalten, wenn sie irgendwo hinfahren wollen! Wenn wir, z.B. nach Pretoria oder sonst wo hinfahren, halten wir bestimmt nicht in jedem Dorf, z.B. in Ladysmith und dann wieder in Harrismith, usw. an um Tee bei Leuten, die wir vielleicht dort kennen, zu trinken! Ich steig ein und will so bald wie möglich beim vorgenommenen Ziel ankommen! Weil wir alle es meisten so eilig haben, finden wir oft nicht die Zeit um uns um andere Leute, die uns vielleicht sogar nötig haben, zu kümmern!
Aber so macht Jesus es nicht! Obwohl er diese schwere Last, dass er wusste, was in Jerusalem auf ihn wartete, trug, hatte er trotzdem nicht die Haltung: „Je eher daran, je eher davon!“ Nein! Er hat sich immer noch die Zeit genommen um auf die Leute am Straßenrand zu achten! So kam es zur Heilung für den blinden Bettler, und auch für Zachäus hatte sich das Leben dadurch total verändert! Und so ist Jesus auch bis heute, und alle Tage immer noch bei uns in seinem Wort und in den Sakramenten! Dadurch kommt er immer noch, „zu suchen und selig zu machen, was verloren ist!“ So kommt er auch zu dir und mir und schenkt uns immer wieder neues Leben!
Liebe Gemeinde, dieser Mann, namens Zachäus um den es sich hier in unsrem Text handelt, war ein wichtiges Mitglied der finanziellen Gesellschaft in Jericho! Wir lesen von ihm, dass er ein Oberer der Zöllner war, und dazu auch, dass er reich war! Wir wissen auch, dass er von Geburt aus ein Jude war, weil Jesus ihn im 9. Vers als „Abrahams Sohn“ beschrieben hat! Aber trotzdem war er aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen und wurde sogar von ihnen gehasst! Dass kam daher weil er als Zöllner ein Mitarbeiter der Römer war, und deshalb als Verräter seines Volks angesehen wurde! Weil er am Zoll bei seinen eignen Leuten Geld für den Feind einsammelte, war man ihm, wie allen Zöllnern, nicht gut gesonnen!
Dazu kam auch noch zweitens, dass die Zöllner den Ruf hatten, nicht immer ehrlich zu sein! Sie waren bekannt dafür, dass sie des Öfteren höhere Summen am Zoll verlangten um den „Gewinn“ dann in die eigene Tasche zu stecken! Und nach eigenem Geständnis, war Zachäus dabei auch nicht immer ehrlich gewesen! Wegen diesen beiden Dingen war er, zusammen mit all den anderen Zöllnern nach rabbinischem Gesetz als „verloren“ erklärt und deshalb „abgeschrieben!“ Er gehörte also in die Gruppe der „Zöllner und Sünder“ die aus dem Tempel verbannt waren! Deshalb konnten diese Menschen die vorgeschriebenen „Sündopfer“ nicht bringen! Und so gab es für sie, nach jüdischem Denken, keine Vergebung bei Gott! Damit waren sie dann auch aus dem Reich Gottes ausgeschlossen!
Aber, Zachäus wollte Jesus gerne sehen! In unsrem Text wird da nichts direkt davon gesagt, was ihn dazu bewegt hatte! Es könnte die allgemeine Neugier, die sich oft mit dem Besuch von wichtigen Personen bemerkbar macht, gewesen sein! Aber, aus dieser Geschichte kann man doch ableiten, dass es der Heilige Geist war, der ihn dazu bewegt hatte! Jedenfalls waren da dennoch so viele neugierige Menschen gekommen um Jesus zu sehen, dass Zachäus, der körperlich sehr klein war, Jesus bestimmt nicht sehen würde! Deshalb „machte er einen Plan!“ Er lief schnell voraus und stieg auf einen Baum am Sraßenrand, von wo aus er dann über die Leute hinweg, Jesus beobachten konnte!
Und von da an bekam er viel mehr als er je erwartet hatte! Er hat nämlich das größte aller Wunder, das Jesus auch heute noch tut, erlebt! Jesus kam direkt zu ihm an „seinen“ Baum, guckte hoch und rief ihn bei seinem Namen! Da stieg er, so schnell wie er nur konnte herunter und nahm ihn voller Freude in sein Haus auf! Ja, liebe Brüder und Schwestern, jedes Mal, wenn eines Menschen Herz vom Heiligen Geist zur Aufnahme Jesu bewegt wird, ist ein Wunder geschehen! Und dann geschieht, was Jesus im Gleichnis vom verlorenen Schaf im heutigen Evangelium (Lukas 15) gesagt hat: „Es wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut!“ Und diese Begegnung mit Jesus veränderte sein ganzes Leben! Wenn Jesus nämlich in das Leben eines Menschen hinein kommt, schenkt er ihm oder ihr die Kraft seines Heiligen Geistes, um ein neues Leben anzufangen!
Zachäus war auf einmal bereit um sich von seinem Geld zu trennen! Seine Gier und seine Liebe zum Geld wurden auf einmal in Nächstenliebe verändert! Er wurde willig um den Armen zu helfen und hatte ihnen sogar die Hälfte von seinem Besitz gegeben! Seine Unehrlichkeit veränderte sich in Reue, und er fing an diejenigen, die er betrogen hatte zu entschädigen! Und er gab ihnen das Doppelte von dem, wie es im Gesetz vorgeschrieben war! Hier sollen wir darauf achten, dass Zachäus dieses alles nicht getan hatte um Jesus dadurch zu beeindrucken und auf seine Seite zu schwingen! Nein! Er tat dieses alles als Folge davon, dass Jesus sein Leben verändert hatte! Jesu Antwort auf das Bekenntnis und das Unternehmen des Zachäus war: „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren!“ Aber die Leute von Jericho murrten darüber, dass Jesus bei einem „Sünder“ eingekehrt war!
Liebe Gemeinde, welch ein Widerspruch! Während Jesus den Zachäus und seine ganze Familie als gerettet erklärt hatte, beschuldigten die Leute draussen auf der Straße Jesus, dass er das Gesetz übertreten hatte, dadurch, dass er in das Haus des Zachäus hineingegangen war! Vielleicht war der Grund für das Auftreten Jesu aber der, dass er den Juden gerade dadurch zeigen wollte, dass sie es waren, die falsch handelten! Man könnte hier auch die Ermahnung, die Gott dem Petrus später (Apg. 10) gesagt hat, als er die Vision mit dem Tuch und den „unreinen“ Tieren hatte, nämlich: „Was Gott rein gemacht hat, dass nenne du nicht verboten!“ Durch die Vergebung Jesu gehörte Zachäus, als ein Sohn Abrahams, nämlich immer noch zum auserwählten Volk, ganz abgesehen davon, was er alles falsch gemacht hatte! Und so können wir alle, die getauft sind, auch durch die tägliche Reue und Buße immer wieder in die Taufgnade zurück kriechen! Durch Christi Verdienst am Kreuz, werden wir auch immer wieder gerecht gesprochen wenn wird um Vergebung bitten!
Wir werden es allerdings niemals wissen wann, weshalb und wie es geschieht, dass die Gnade Gottes einen Menschen zur Buße leitet! Wir wissen aber, dass dieses geschieht! Und deshalb ist es so wichtig, dass die Kirche das Evangelium in aller Welt verkündigen muss! Wenn wir noch darüber unsre Fragen haben, dann ist dies die Antwort, nämlich: Durch das Wort Gottes werden Menschen zur Buße geleitet! Und es geht noch einen Schritt weiter! Gott will auch uns mit dabei haben! Ohne dass du auch nur ein Wort sagst, nur durch das Vorbild, dass du mit einem christlichen Lebensstil stellst, sollen Menschen zum Wort Gottes hingezogen werden! Den Rest wird der Heilige Geist besorgen!
Liebe Gemeinde, wir sollen aus diesem Text lernen um niemals Menschen als verloren abzuschreiben! Wir müssen immer daran denken, dass wir vor Gottes Augen auch alle nur verlorene Sünder sind! Nur durch seine Gnade sind wir gerettet! Wir können auch nur immer wieder mit dem Gebet des Zöllners im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner, vor Gott treten, nämlich: „Gott, sei mir Sünder Gnädig!“ Dann wird Er unsre Herzen und unser Leben verändern, so, wie Er es bei Zachäus getan hat!
Noch eine Bemerkung zum Schluss! In diesem Bericht in unsrem Text handelt es sich um die Bekehrung eines Menschen, nämlich Zachäus und seiner Familie! Das könnte den Eindruck entstehen lassen, dass die Bekehrung wie ein Lotto funktioniert, wo da millionen von Menschen sich Karten kaufen, von denen dann aber nur eine gewinnt! Zum Glück ist das nicht so, wie wir aus dem Pfingstgeschehen im Jerusalem sehen können! Dort sind durch eine Predigt gleich 3000 Menschen zur Bekehrung und zur Taufe gekommen! Und im 1. Brief an Timotheus 2,4 lesen wir: „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen!“
Ja! Die Gnade Gottes gilt wirklich allen Menschen! Deshalb ist der Allmächtige Gott durch seinen Heiligen Geist überall auf der ganzen Welt aktiv, wo immer Sein Wort gelesen, gepredigt und gehört wird! Das Wort von der Versöhnung ist kräftig und wird Menschen bekehren und verändern, damit sie ein neues Leben führen können! Wenn wir dieses Wort hören und lesen, wird es auch uns alle im wahren Glauben halten, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen.
Wir beten: Heiliger Gott, allmächtiger Vater, wir danken dir, dass du deinen Sohn in diese Welt geschickt hast, damit er auch uns sucht und findet, jedes Mal, wenn wir uns verirrt haben! Herr, wir bitten dich, gib, dass wir durch deine Kraft angeleitet werden um dein Wort weiter zu sagen, damit noch viele verlorene Menschen dadurch gefunden und gerettet werden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.
03. Sonntag nach Trinitatis (Das Wort der Versöhnung) – 2018
Wochenspruch
Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen,
was verloren ist. Lukas 19, 10
Epistel
Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben. Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.
1. Timotheus 1, 12 – 17
Hauptlied
Allein zu dir, Herr Jesus Christ 273
Jesus nimmt die Sünder an 290
Evangelium
Es nahten sich Jesus allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet? Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Lukas 15, 1 – 10