05. Sonntag nach Trinitatis (Nachfolge Jesu) – 2019

05. Sonntag nach Trinitatis (Nachfolge Jesu)

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott, dem Vater, und unserem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Text: Lukas 14, 25 – 33.

25Es ging aber eine große Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen:  26Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein. 27Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. 28Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen? 29damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann’s nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten, 30und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann’s nicht ausführen. 31Oder welcher König will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen andern König und setzt sich nicht zuvor hin und hält Rat, ob er mit Zehntausend dem begegnen kann, der über ihn kommt mit Zwanzigtausend? 32Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern ist, und bittet um Frieden. 33So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.

Lasst uns beten: Lieber Herr, Jesus Christus, wir bekennen dir, dass wir sehr oft nur so halbherzig in deiner Nachfolge stehen! Da sind soviele Dinge im Leben, die sich zwischen uns und dich stellen! Wir bitten dich, vergib uns und lehre uns erkennen, dass du für uns das Wichtigste und das Notwendigste im Leben bist! Nur durch dich und deine Gnade bekommen wir die ewige Seligkeit, als ein Geschenk! Komm, lieber Herr und segne jetzt unser Reden und unser Hören. Amen.


Im Namen Jesu, liebe Gemeinde

Ja, ihr habt recht gehört! Das hat Jesus wirklich gesagt! Und diese Worte sind sein bitterer Ernst! Er will nämlich, dass wir erkennen und wissen sollen, dass unser Leben in seiner Nachfolge nicht einfach nur so Spielerei sein kann! Die Nachfolge Jesu ist nicht etwas, dass wir nach eigenem Belieben tun oder lassen können, wie wir es gerade mal wollen! So ab und zu mal ein bischen Kirche; drei, oder vielleicht viermal im Jahr zum Abendmahl gehen, und den Rest der Zeit jagt man hinter Spaß und Vergnügen, hinter Besitz und Reichtum her – das geht nicht!! So sagt Jesus es uns heute sehr klar und deutlich in seinem Wort!

Jesus stellt die Leute, die ihm damals nachfolgten, und auch uns Christen im Jahr 2019, vor eine sehr deutliche Entscheidung, nämlich: ENTWEDER – ODER! Entweder Nachfolge – Oder die Bindung an die Dinge dieser Welt! Damit schlägt er uns mit unsrer ziemlich „lockeren“ Auffassung von Gott und seinem Willen, und unsrer Abhängigkeit von seiner Gnade, hart auf die Schulter und ruft uns zur Besinnung!

Jesus rät den Leuten in unsrem Text, die ihm damals nur wegen der Sensation seiner Wundertaten folgten, um es sich genau zu überlegen, ob sie diese Nachfolge überhaupt schaffen und durchhalten würden! Solche Überlegungen machen sogar die Weltmenschen, wenn sie z.B. etwas bauen wollen, sagt Jesus! Und genau so gilt das auch für uns alle! Wer nur wegen den Zeichen und Wundern, die Jesus getan hat, oder aus Traditionsgründen, hinter ihm herlaufen wollte, würde wahrscheinlich bald wieder abfallen, oder in ein sinnloses Gewohnheitsgetue verfallen! Wenn wir bei dieser Untersuchung der eigenen Lage ehrlich sind, merken wir, dass keiner von uns in der Nachfolge so fest steht, wie Jesus es hier von uns erwartet! Keiner von uns kann diese Ansprüche, die Jesus hier an uns stellt, erfüllen! Um das zu erklären, wollen wir uns diesen Text nun noch etwas näher ansehen!

Liebe Gemeinde, in diesem Textabschnitt werden drei Dinge genannt, an die wir Menschen hier auf Erden meistens sehr fest gebunden sind! Deshalb stehen sie in der Regel eigentlich immer zwischen uns und Jesus! Als erstes nennt er hier die Familie! Jesus hat bestimmt nichts dagegen, dass wir Familie haben! Mit diesem Wort, dass wir das alles „hassen“ müssen, wenn wir ihm recht nachfolgen wollen, zieht er auch keinen Strich durch das 4. Gebot! Deshalb darf man nicht, wie einige Jugendsekten das immer wieder tun, dieses Wort vom „hassen“ missverstehen und es dann wortwörtlich anwenden! Dadurch reißen sie nämlich oft Jugendliche, auf Nimmerwiedersehen, aus ihren Familien heraus, als ob das Biblisch korrekt, und deshalb selbstverständlich so sein sollte!

Mit dem griechischen Wort, das hier von Dr. Martin Luther als „hassen“ übersetzt wurde, ist nämlich nicht der Hass und die Verachtung der Angehörigen gemeint! Hier geht es um die Rangordnung, in die wir diese Dinge in unsrem Leben einreihen! Ihr Lieben, wie sind bei uns die Prioritäten? Kommt zum Beispiel die Familie vor Jesus und dem Gottesdienst, oder nicht? Dass heißt, verpassen wir ohne weiteres den Gottesdienst wegen Familienangelegenheiten, die am Sonntag stattfinden „müssen,“ oder kommen wir trotzdem erst zum Gottesdienst? Sind die Vorbereitungen für, und die Anbietung oder Beiwohnung von einem Kindergeburtstag für uns so wichtig, dass wir deswegen nicht zur Kirche kommen? Und so gibt es noch viele Fragen, die den Einfluss der Familie auf unser Verhältnis zu Christus „testen“ und messen!

Das zweite, von dem Jesus hier redet, ist die Selbstverleugnung! Wie wichtig sind wir für uns selber? Wir wissen was die Antwort darauf sein sollte! Aber wir wissen auch aus eigener Erfahrung, was sie in Wirklichkeit ist! Hier erinnern wir uns dann vielleicht auch gleich an das sogenannte „Doppelgebot der Liebe“! Wir kennen das: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten, wie dich selbst!“

Liebe Gemeinde, unser Alter Adam lässt es aber gar nicht zu, dass wir uns selbst verleugnen! Wir schaffen es gar nicht um unser eigenes ICH, auf der Liste der Prioritäten, hinter Jesus zu stellen! Dazu sind wir uns selber viel zu wichtig! Deswegen klappt das auch nicht mit dem, was Jesus hier im 27. Vers von seinen Nachfolgern erwartet, nämlich: Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“

Und als dritten Punkt nennt Jesus dann unsren Besitz! Dazu sagt er im letzten Vers: 33So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.“ Ihr Lieben, was jagen und rackern wir uns nicht ab, wegen unsrem Besitz! Wir rasen hin und her, und sind ständig unter Druck, weil wir ‚sooo‘ viel zu tun haben! Dabei kommen dann die täglichen Morgen- und Abendandacht sehr oft ins Gedränge und meistens fallen sie sogar ganz aus! Und unser monatliches Einkommen ist für viele von uns, und ich schließ mich selber dabei ein, oft wichtiger als Gott und sein Wort! Wenn wir daran denken, dass es in dem Bankkonto ab dem 25. des Monats wieder besser aussieht, dann bekommen wir sehr leicht ein wärmeres Gefühl ums Herz, als wenn wir daran erinnert werden, dass wir durch Jesus erlöst sind!

Liebe Gemeinde, dass ist es genau, was Jesus meint, wenn er hier vom „lossagen“ redet! Die Frage ist deshalb immer wieder: Wie sind diese Sachen in deinem und meinem Leben eingeordnet? In welcher Reihenfolge stehen sie bei dir und bei mir? Jesus hat zwei Kapitel vor unsrem Text (Kap. 12,15) gesagt: „Niemand lebt davon, dass er viele Güter hat!“ Und in demselben Kapitel, Vers 31 lesen wir: „Trachtet vielmehr nach seinem Reich, so wird euch das alles zufallen!“ Darauf kommt es auch in unsrem Text an! Jesus sagt auf jeden Fall nicht, dass wir keine Familie haben dürfen; oder, dass wir uns selbst in Sack und Asche setzen müssen, wenn wir seine Jünger sein wollen! Er sagt auch nicht, dass wir nichts besitzen dürfen! Er sagt nur, dass wir diese Dinge nicht mehr lieben dürfen als ihn, unsren Heiland und Erlöser! Und genau da liegt das Problem! Wir schaffen das nämlich nicht! Wir fallen alle diese Tests durch!

Liebe Gemeinde, damit sind wir nun wahrscheinlich bei dem gefährlichsten Punkt in diesem Text und in dieser Predigt angekommen! Jetzt sind wir nämlich da, wo wir diese scharfen Worte Jesu alle in den Wochenspruch einwickeln wollen! Da heißt es ja im Brief an die Epheser 2,8: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es!“ Die Gefahr dabei ist jetzt nämlich, dass viele eingesessene Christen, besonders unter uns Lutheranern, sich bei dem Wort, „Gnade“ gemütlich zurücklehnen, abschalten und vielleicht sogar anfangen zu gähnen! Denn nun ist die Gefahr ja vorbei! Der ganze Ernst von dem, was Jesus hier von denen, die ihm nachfolgen wollen, verlangt, ist raus und weg. Es ist, wie wenn die Luft aus einem runden und schönen Ballon raus ist, und der dann nur noch so ganz schlapp da hängt! Dann heißt es sehr leicht: Das ist ja alles gar nicht so schlimm! Wir schaffen es sowieso nicht! Aber, wir haben ja den lieben Gott! Der wird uns schon nicht fallen lassen! Wir können ja bestimmt nicht alle in die Hölle kommen! Usw.!

Nein, liebe Gemeinde! So sollen und dürfen wir bitte niemals denken oder reden, weil die Gnade Gottes so unbezahlbar kostbar ist! Und dieser Text will uns ja eigentlich nur dahin führen, dass wir es wieder erkennen sollen, weshalb wir ohne diese Gnade total verloren sind! Wir wissen es hoffentlich alle, dass wir wirklich einen gnädigen Gott haben! Und, wir wissen es hoffentlich auch, dass wir diese Gnade nicht einfach so als selbstverständlich hinnehmen sollen! Die Sünde ist und bleibt immer etwas schreckliches, dass schlimme Folgen für uns Menschen hat! Aber gerade dadurch, dass diese Folgen uns erspart bleiben können, wird die Gnade, die uns durch den Glauben an Jesus geschenkt wird, soviel größer und schöner! So wie ein Leben ohne Vergebung einen Menschen garantiert in die Hölle bringt, führt die Vergebung, aus Gnade allein, uns direkt in den Himmel hinein!

Liebe Gemeinde, deshalb dürfen wir uns auch heute wieder durch den Wochenspruch trösten lassen! Wir haben es hoffentlich alle erkannt, dass wir dieses alles, was Jesus hier von uns als Bedingung und Kriterium für die Nachfolge erwartet, nicht schaffen und erfüllen können! Deshalb können wir uns nur auf seine Gnade und die Vergebung berufen, die er für uns am Kreuz verdient hat! Dadurch werden wir, trotz all unsrer Schwachheit, selig, aus Gnade allein! Amen.

Wir beten: Barmherziger und gnädiger Gott und Vater, wir danken dir, dass du unsre Not und unsren Kleinglauben kennst! Wir danken dir für die Vergebung, die du für uns bereithältst, und auch für die Stärkung des Glaubens, die du uns im Heiligen Abendmahl schenkst! Lass uns dadurch im Glauben, und im Vertrauen auf deine Gnade, wachsen und fest werden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.


05. Sonntag nach Trinitatis (Nachfolge Jesu)

Wochenspruch
Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das
nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. Epheser 2, 8

Introitus – Nr. 46 (Psalm 106, 47 u 1 – 2)

Epistel
Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Denn es steht geschrieben: „Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.” Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran  glauben. Denn die Juden fordern Zeichen, und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes  Weisheit. Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.

1. Korinther 1, 18 – 25

Hauptlied
Preis, Lob und Dank sei Gott dem Herren 254
Wach auf, du Geist der ersten Zeugen 258

Evangelium
Es begab sich aber, als sich die Menge zu Jesus drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein  wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht  gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie  kamen und füllten beide Boote voll, so dass sie fast sanken. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,  ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Lukas 5, 1 – 11