05. Sonntag nach Trinitatis (Nachfolge Jesu) – 2021

  1. Sonntag nach Trinitatis 2021 – Kirchdorf

Die Gnade unsres Herrn, Jesus Christus, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, sei mit uns allen. Amen.

 

Text: 2. Korinther 12, 1 – 10: Gerühmt muss werden; wenn es auch nichts nützt, so will ich doch kommen auf die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn. 2Ich kenne einen Menschen in Christus; vor vierzehn Jahren – ist er im Leib gewesen? ich weiß es nicht; oder, ist er außer dem Leib gewesen? ich weiß es auch nicht; Gott weiß es -, da wurde derselbe entrückt bis in den dritten Himmel. 3Und ich kenne denselben Menschen – ob er im Leib oder außer dem Leib gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es -, 4der wurde entrückt in das Paradies und hörte unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen kann. 5Für denselben will ich mich rühmen; für mich selber will ich mich nicht rühmen, außer meiner Schwachheit. 6Und wenn ich mich rühmen wollte, wäre ich nicht töricht; denn ich würde die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, damit nicht jemand mich höher achte, als er an mir sieht oder von mir hört. 7Und damit ich mich wegen der hohen Offenbarung nicht überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. 8Seinetwegen habe ich dreimal zum Herrn gefleht, dass er von mir weiche. 9Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. 10Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgung und Ängsten, um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.

 

Lasst uns beten: Lieber Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass du oft gerade die scheinbar Schwachen in deine Nachfolge rufst! Danke, dass du mit unserer Schwachheit immer noch Geduld hast! Und hilf uns dann, dass wir uns in deiner Nachfolge, ganz auf deine Kraft verlassen werden! Komm, lieber Herr, und lass uns alle durch dein Wort gesegnet werden! Amen.

 

Im Namen Jesu, liebe Gemeinde

 

Jeder von uns möchte bestimmt, in der Nachfolge Jesu, immer einen sehr starken und festen Glauben haben! Viele Leute meinen sogar, dass dieses eine notwendige Bedingung für die Nachfolge überhaupt ist! Wir würden wahrscheinlich auch alle sehr gerne öfter mal, auf geistlichem Gebiet, etwas Außergewöhnliches erleben! Diese Sehnsucht kommt unter den Christen sogar sehr weit verbreitet vor! Wenn einer unseren Lieben z.B. eines der Kinder schwer krank ist, würden wir am liebsten auch nur ein Gebet sprechen, um dann jedes Mal sofort Gottes Heilung zu erleben! Oder, wenn wir in unserem Glauben angefochten sind, und an Gott zweifeln, würden wir gerne etwas Übernatürliches erleben, das uns dann wieder stärken soll! Dadurch soll dann aller Zweifel an Gott sofort, wie der Nebel im Schein der Morgensonne, verschwinden!

 

Ihr Lieben, auch der Apostel Paulus kann von so etwas aus seinem eigenen Leben berichten! Wir erkennen etwas davon, wenn er in unserem Text von einem „Pfahl im Fleisch“ redet. Was dieses Leiden war, wissen wir nicht genau! Es war wohl ein körperliches Gebrechen, und hatte wahrscheinlich etwas mit seinen Augen zu tun! Die Tatsache ist aber, dass dieses Leiden ihn bei seiner Missionsarbeit sehr gehindert und belastet hat! Und, er hat darüber gebetet! Dreimal hat zu Gott gefleht, dass er doch dieses Leid von ihm wegnehmen sollte! Aber Gott hat es nicht getan! Diese Enttäuschung kennen wir wahrscheinlich alle! Auch wir beten manchmal, und der Gott, von dem wir ja wissen, dass er ein Gott der Liebe ist, erfüllt unsere Wünsche nicht! Er nimmt das Leid oder die Not, weswegen wir beten nicht immer sofort weg!

 

Liebe Gemeinde, es ist natürlich so, dass Gott alle unsere Gebete, die wir im Namen Jesu sprechen, immer hört! Aber wir müssen ihm den Beschluss, wie und wann er unsere Bitten erfüllen will, überlassen! Weil wir das aber nicht immer tun, meinen wir oft sehr leicht, dass Gott gar nicht mehr auf unsere Bitten achtet! So denken wir, nur weil das, worum wir gebetet hatten, nicht sofort geschehen ist! In solchen Situationen sollen wir von dem Apostel lernen, damit wir nicht unsere Nachfolge, nur wegen so etwas, einfach beenden!

 

Vielmehr sollen wir uns in dieser Situation immer wieder an die vielen Male erinnern, wo Gott doch eingegriffen hat, und es zu wunderbaren Änderungen hat kommen lassen! Das sind sogar oft ganz einfache Dinge, für die man vielleicht nicht einmal direkt gebetet hatte! Dennoch sind diese kleinen Dinge, wie, wenn die Behandlung des Arztes gegen eine Grippe erfolgreich anschlägt, aber auch jedes Mal, ein Zeichen von Gottes Gnade und von seiner Güte! Wenn es aber zu den erstaunlich großen, und übernatürlichen Dingen kommt, dann passierte das sogar bei dem Apostel Paulus auch nicht jeden Tag. Auch bei ihm war es immer eine Ausnahme, wenn er so etwas erleben durfte!

 

Liebe Gemeinde, hier in unserem Text erinnert der Apostel sich nun an solch ein Erlebnis! Er erzählt zum ersten Mal öffentlich, was er vierzehn Jahre vorher, etwa im Jahr 41, erlebt hatte! Da hatte er auch eine Vision, die aber nichts zu tun hatte mit der Erscheinung Jesu, die er bei seiner Berufung, im Jahr 35, vor den Toren von Damaskus erfuhr! Er berichtet davon, dass er bei dieser zweiten Vision nicht einmal wusste, ob er im Leib, oder außerhalb von seinem Leib war! Es war sogar so gewaltig, dass er sich selbst im Himmel gesehen hat! Dort hatte er Worte gehört, die unaussprechlich sind, und die kein Mensch wiederholen kann! Wir würden wohl alle sehr gerne genau wissen, was er dort alles erlebt hat! Aber er sagt es uns nicht!

 

Über dieses Erlebnis hatte er keinem Menschen je etwas gesagt! Als Grund für sein Schweigen sagt er: „Für mich selbst aber, will ich mich nicht rühmen – damit nicht jemand mich höher achte, als er an mir sieht oder von mir hört.” Er hatte also geschwiegen wegen dem Problem, dass bei dem Erzählen von solchen wunderbaren Erlebnissen, die Menschen, die davon hören, nicht Gott, sondern oft nur den Menschen, der das erlebt hatte, rühmen! Das ist auch heute noch so! Wo angeblich große Wunder passiert sind, da strömen die Massen hin!

 

Genau deshalb hatte Paulus bis dahin niemandem etwas von seinem Erlebnis erzählt! Und, er tut es schließlich hier in unserem Text auch nur, weil er sich von den Korinthern dazu gezwungen fühlte! Die Geschichte mit der Gemeinde in Korinth kennen wir ja schon. Dort war eine Gruppe von Leuten, die immer nur große und wunderliche Dinge im Gottesdienst sehen und erleben wollten! Sie meinten, dass der Geist Gottes nur da wirkte, wo außergewöhnliche Sachen zu sehen waren!

 

Diese Gemeindeglieder griffen deshalb auch den Apostel Paulus an! Für sie war er nämlich nicht „geistlich“ genug! Sie klagten z.B. auch darüber, dass er nicht besser und dynamischer predigte! Sie hatten auch etwas darüber zu sagen, dass er scheinbar nicht in Zungen reden konnte! Für diese Leute musste ein echter Christ, aufgrund seines „starken“ Glaubens, immer etwas Übernatürliches vorzuweisen haben! Für sie war der Apostel Paulus deshalb nicht akzeptabel, weil sie meinten, dass er dieses alles nicht vorzeigen konnte! Und weil sie seine Geistlichkeit in Frage stellten, wollten sie ihn auch schließlich nicht mehr als ihren Mentor haben!

In unserem Text wehrt der Apostel sich nun dagegen! Seine Gegenwehr fängt aber eigentlich schon im 10. Kapitel an, und erreicht hier in unserem Text aus dem 12. Kapitel, ihren Höhepunkt. Dadurch, dass er nun doch davon erzählt, was er vor vierzehn Jahren erlebt hatte, zeigt er, dass er auch groß dastehen könnte, wenn er das wollte!  Er wollte es aber nicht! Er wollte nicht, dass die Leute ihn nur deswegen ehrten und hinter ihm herliefen! Er wollte der Gemeinde auch nicht eine falsche Vorstellung von Gott geben! Er wollte nämlich nicht, dass sie glauben sollten, dass Gott uns Menschen, die in seiner Nachfolge leben, immer nur mit solchen Zeichen und Wundern beeindrucken müsste.

 

Liebe Gemeinde, die Wirklichkeit Gottes, von der wir in der Zeit von Advent bis Ostern gehört hatten, ist ja etwas ganz Anderes! Als Gott in Jesus in diese Welt kam, war er nämlich auch nicht darauf aus, um die Leute zu beeindrucken! Deshalb lebte er während seiner Erdenzeit im „Stand der Erniedrigung!“ Er wurde in großer Armut in einem fremden Stall in Bethlehem geboren! Er wurde genau wie wir vom Teufel versucht, hat aber keine Sünde getan! Und er hat zum Schluss am Kreuz geschrien: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Ja, das war nichts Sensationelles, sondern, da ist nur seine große Liebe zu uns schwachen Sündern, zu sehen! Am Kreuz Jesu erkennen wir also den Gott, den unsere allergrößte Not interessiert, und der deshalb mit seiner Vergebung immer bei uns steht! Und, wenn wir angefochten oder schwach im Glauben sind, verwirft er uns nicht gleich, als wären wir ihm zu „ungeistlich!”

 

Liebe Gemeinde, diese bestimmten Leute in Korinth wollten aber einen Gott, der sie andauernd durch seine mächtigen Taten beeindrucken sollte! Und sie wollten einen Pastor, der das auch konnte! Und deshalb passte der Apostel Paulus mit seinen scheinbaren Schwächen, einfach nicht in dieses Bild hinein! Aber nun zeigt der Apostel diesen Leuten genau das Gegenteil! Er erklärt ihnen, dass die wahre Kraft Gottes sich auch, und besonders da zeigt, wo seine Diener nicht unbedingt große Persönlichkeiten in der Kirche sind, die vielleicht sogar Wunder tun kann! Deshalb erzählt er ihnen auch von seinem Leiden, „dem Pfahl in seinem Fleisch!“ Gott hätte dieses Leiden ja leicht von ihm wegnehmen können! Wahrscheinlich hätte diese Gruppe in Korinth sich sogar darüber gefreut, und den Paulus dann auch besser respektiert als vorher! Aber Gott hat es nicht getan! Er hat nicht einfach das, was seinen Apostel in diesem Leben geplagt oder gehindert hat, weggenommen! Nein, Paulus hat weiterhin, bis an sein Lebensende, an diesem „Pfahl im Fleisch“ gelitten.

 

Aber gerade dadurch, dass ihm seine Bitte nicht erfüllt wurde, hat er auch etwas Wichtiges gelernt! Er hat gelernt, dass „Gottes Kraft gerade in den Schwachen mächtig ist!” Die Menschen sehen das nämlich meistens, wie damals in Korinth, anders herum! Sie meinen oft, dass Gottes Kraft sich immer nur in den starken Persönlichkeiten in den Kirchen, hier auf Erden, zeigt. Das ist aber oft nicht so, weil die Aufmerksamkeit sich dabei sehr leicht auf die Person verschiebt, und nicht bei Gott bleibt! Daran will dieser Text uns immer wieder erinnern!

 

Deshalb gilt auch für Paulus das Gegenteil von dem, was die Leute in Korinth von ihm erwartet hatten! Die Kraft Gottes liegt nicht bei dem Menschen, sagt er, sondern bei Gott selber! Und Gott erhört auch das Gebet eines sogenannten „starken“ Christen nicht schneller oder besser, als das Gebet eines „schwachen“ Christen! Nein! Es ist sogar Gottes Art um besonders auf die Schwachen und Angefochtenen zu hören. Er tut das, weil sie oft, wegen ihrer Schwachheit, so wie der Zöllner aus dem Gleichnis im Tempel, von sich weg, auf Gott blicken! Und wenn das geschieht, bekommt Gottes Geist Raum in so einer Person, und so wird Seine Kraft gerade in den Schwachen mächtig! Hieran tröstet der Apostel Paulus sich auch, wenn er zum Schluss schreibt: “Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten, um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark!”

 

Liebe Gemeinde, es kommt zum Schluss deshalb in der Nachfolge Jesu nicht darauf an, dass wir selber stark sein müssen! Wir sind alle miteinander schwach, und wir dürfen es auch sein! Solange wir nur wissen, woher die eigentliche Kraft, die uns auf dem Weg durch dieses Leben zur Ewigkeit hin trägt, kommt, nämlich von Gott! Wo ein Mensch das erkennt, ist das Wunder aller Wunder schon geschehen! Wer sich auf Gottes Kraft verlässt, der hat alles was nötig ist! Und, das gilt sogar, wenn er oder sie, wie der Apostel Paulus, ein Leiden in diesem Leben zu ertragen hat! Amen.

 

Wir beten: Herr, wir bekennen dir, dass wir immer so gerne den Starken spielen wollen! Wir tun oft so, als ob wir alles in diesem Leben schaffen und im Griff haben! Du aber weißt ganz genau, dass wir dabei nur Schauspieler sind! Wir tragen Masken, hinter denen es oft ganz anders aussieht! Vergib uns, o Herr, und hilf, dass wir uns in deiner Nachfolge nur auf dich, und auf deine Kraft verlassen werden. Denn nur so werden wir das Ziel unsres Lebens sicher erreichen können! Und der Friede Gottes der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.


05. Sonntag nach Trinitatis (Nachfolge Jesu)

Wochenspruch
Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das
nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. Epheser 2, 8

Introitus – Nr. 46 (Psalm 106, 47 u 1 – 2)

Epistel
Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Denn es steht geschrieben: „Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.” Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran  glauben. Denn die Juden fordern Zeichen, und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes  Weisheit. Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.

1. Korinther 1, 18 – 25

Hauptlied
Preis, Lob und Dank sei Gott dem Herren 254
Wach auf, du Geist der ersten Zeugen 258

Evangelium
Es begab sich aber, als sich die Menge zu Jesus drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein  wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht  gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie  kamen und füllten beide Boote voll, so dass sie fast sanken. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,  ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Lukas 5, 1 – 11