09. Sonntag nach Trinitatis (Der kluge Haushalter) – 2021
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. 25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. 26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. 27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.
Liebe Brüder und Schwestern in Christus, ich lese diese Geschichte wahrscheinlich mindestens dreimal pro Woche. Mein Sohn hat nämlich eine dieser Kinderbibeln, bei denen es kleine Klappen gibt, die man öffnen kann, wodurch sich das Bild, das man sieht, verändert und die Geschichte so weitergeht. Dies ist wahrscheinlich eins von Elis Lieblingsbüchern, deshalb lesen wir es sehr oft. In diesem Buch gibt es zwei Türen. Zu Beginn sieht man zwei Menschen, die bauen. Der eine baut auf Sand, und der andere auf Stein. Und wenn man die Türen aufklappt, sieht man, wie es regnet und flutet, und ehe man es erwartet, stürzt das Haus auf Sand in sich zusammen, während das auf Felsen gebaute Haus standhaft bleibt, was auch sehr gut zu unserer heutigen Lesung passt. Aber die Kinderbibel nimmt sich einige Freiheiten mit dem Text. Auf der ersten Bilderserie scheint der Mann, der auf Sand baut, es sich leicht zu machen und leichte Baumaterialien zu verwenden, während der andere Mann sich anstrengt und schwitzt und offensichtlich sehr hart an seinem Haus arbeitet. Wenn wir die beiden fertigen Häuser betrachten, können wir deutlich sehen, dass das eine einfach besser ist als das andere. Das auf Sand gebaute ähnelt eher einer Hütte als einem Haus, und das auf Felsen gebaute ist aus riesigen Steinblöcken gebaut und könnte eher mit einer Burg verwechselt werden. Und ich muss zugeben, dass auch ich mich dieses Verbrechens schuldig gemacht habe, denn wenn ich mir diese Geschichte vorstelle, sieht das eine Haus immer ein bisschen, wenn nicht sogar viel besser aus als das andere.
3.2
Aber nirgendwo in unserer Bibel wird das gesagt. Die Qualität des Hauses oder die Mühe, die in es gesteckt wurde, entscheidet nicht darüber, ob es fällt oder nicht, wenn der Regen kommt. Nein, der entscheidende Faktor ist das Fundament. Was wir in unserer Geschichte haben, könnten zwei exakt gleiche Häuser sein, oder vielleicht ist die Hütte auf dem Felsen und die Burg auf dem Sand gebaut. Der wichtige Unterschied ist, wie bei allen Grundstücken: Location, Location, Location. Denn das Ergebnis ist eindeutig: Wie das Haus auch aussehen mag, dasjenige, das auf einem guten Fundament steht, ist dasjenige, das bleibt.
3.3
Unsere Häuser stehen, so deutet es der Herr Jesus an, für unser Leben, und die Qualität des Hauses wird dadurch bestimmt, wie wir unser Leben führen, was wir alles für weise Beschlüsse fassen und gute Werke tun. Bestimmt kennt ihr auch ein paar wirklich “gute” Menschen, die einfach nett zu jedem sind, den sie treffen. Langsam zum Zorn, schnell zum Verzeihen, freundlich, wohltätig usw. Viele solcher guten Menschen sind nun mal keine Christen. Um beim Bild zu bleiben: Ihre Häuser sind sicherlich schön und gut gebaut. Ja, oft sehen wir sogar, dass Nichtchristen ein besseres Leben führen als Christen. Und das scheint ziemlich viele Menschen zu irritieren: Warum sind wir als Christen an so vielen Stellen keine besseren Menschen als der Rest der Welt? Wir bezeugen, dass wir gerettet sind, wir predigen gegen die Sünde, aber die Welt kann deutlich sehen, dass wir trotzdem ständig in Sünde fallen. Es ist traurig, aber oft wahr: Bei vielen Christen sieht das Leben nicht besser aus als beim Rest der Welt. Heißt das, dass Nichtchristen, deren Leben gut aussieht, in den Himmel gehen, Christen aber, die Dreck am Stecken haben, in die Hölle? Klar und deutlich darf ich hier nein sagen. Was wirklich wichtig ist, was letztlich zählt, ist das Fundament. Was zählt ist Jesus. Und wie er unsere „Häuser“ einschätzt. Versteht mich bitte nicht falsch: Christen sollen ein gutes Leben führen, damit Menschen es sehen und den Vater im Himmel preisen. Gerade weil wir auf dem richtigen Fundament bauen, können wir auch mit dem Heiligen Geist gute Werke, oder wenn wir mit dem Bild vom Bau bleiben, ein gutes Haus bauen. Und wir sollten streben das beste Haus zu bauen. Wie wir im Evangelium gehört haben, Gott schaut genau darauf, was wir mit unserer Zeit hier auf Erden machen. Aber der springende Punkt bei diesem Gleichnis ist: Nichts, das wir machen, ist an sich fest und schön und stark genug, um die Flut zu überleben. Es kommt alles auf das Fundament an.
3.4
Wir sehen das sehr deutlich in der Bergpredigt Jesu. Unser kleines Gleichnis, das wir hier haben, ist die Schlusserklärung der Botschaft Jesu. In der Bergpredigt verkündet der Herr eine starke Verschärfung des Gesetzes. Er sah, dass die Menschen im alten Israel fälschlicherweise glaubten, dass sie alle Gebote, die Gott ihnen gegeben hat, einhalten könnten. Dass die Menschen ihre Häuser ganz alleine bauen könnten. Aber Jesus macht sehr deutlich, dass das nicht der Fall ist. In seiner Auslegung der Gebote macht er deutlich, dass kein einziger lebender Mensch ein gutes Haus bauen kann. Dass alle unsere Häuser von Schimmel befallen, von Termiten geschwächt, von Sünde infiziert sind. Kein einziges Haus, egal wie gut es ist, würde bestehen können, wenn die Flut kommt, wenn das Fundament brüchig ist oder fehlt. Die Flut, d.h. nicht nur das, was wir in unserem Alltag durchmachen, nicht nur Prüfungen und Bedrängnisse, ja auch die, aber die wirkliche Flut, die, die wir aus eigener Kraft nicht überleben können, die ist, was Jesus predigte und stets predigt: Eine Flut kommt: Das Reich des Guten kommt und mit ihm das Gericht und der endgültige Tod für alle, die nicht würdig sind.
3.5
Ja, ein endgültiger Tod für alle, die unwürdig sind. Und wenn wir unsere Häuser betrachten, sehen wir die Korruption der Sünde. Die Gebote zeigen uns klar und deutlich. Wir sehen das undichte Dach. Wir sehen die schiefen Wände, wir sehen, dass wir unwürdig sind. Das Jüngste Gericht kommt und wir sind unwürdig. Aber. Aber Jesus hat uns etwas gegeben, um dieses Gericht zu überleben, ein Fundament, das uns diese Fluten überleben lässt, das uns den Tod selbst überleben lässt. Jesus sagt hier, wer zuhört, wirklich hört auf seine Worte, der wird etwas haben, das ihn retten wird. Er wird ein Fundament haben, das es ihm ermöglicht, die Fluten zu überleben – nämlich derjenige, der auf die gute Nachricht hört, die Christus bringt, dass er uns durch seinen Tod und seine Auferstehung Rettung vor dieser Flut bietet. Ja, unser Fundament ist nichts anderes als das Kreuz selbst. Deshalb sind diese und viele Kirchen auch so gebaut, wie sie sind. Wenn man unsere Kirche von oben betrachtet, sieht man, dass die Kirche mit ihrem langen Schiff und zwei kürzeren Seitenausbauten in der Form eines Kreuzes gebaut ist. Ja, der buchstäbliche Grundriss dieser Kirche ist das Kreuz. Die Kirche, und wir mit ihr, wir brauchen den Herrn Jesus, wenn wir die Fluten, den Teufel, die Welt und den Tod überleben wollen. Wenn wir das letzte Gericht überleben wollen, müssen wir fest auf dem Kreuz gegründet sein. Das ist es, was es bedeutet, zu hören und zu tun. Nicht, dass wir das größte und beste Haus bauen müssen, sondern zu hören, dass wir Christus brauchen und zu ihm und nur zu ihm zu gehen, um unser Heil zu erlangen.
3.6
Und das, meine lieben Brüder und Schwestern, ist der entscheidende Unterschied zwischen dem Weisen und dem Narren. Der weise Mann sieht, dass er den Herrn Jesus braucht. Er hört von des Herrn Wort, dass das Jüngste Gericht kommt. Wer sich aus archäologischer Perspektive die Geographie Israels ansieht, stellt schnell fest, dass die Israeliten meistens nicht in den Tälern bauten, oder besser gesagt, dass die Gebäude, die Bestand haben, nicht in den Tälern gebaut wurden. Die werden auf den felsigen Hügeln gebaut, denn wie bei informal Settlements, die oft in Überschwemmungsgebieten gebaut werden, sind die meisten Täler Israels anfällig für jährliche Sturzfluten/Flashfloods. Beim Bau des Hauses weiß der weise Mann also, dass Überschwemmungen kommen werden. Auch wenn das Tal trocken zu sein scheint und kein Regen in Sicht ist, weiß der weise Mann, dass Fluten kommen werden, und er baut entsprechend auf den steinigen Hügeln. Der weise Mann weiß, dass das Gericht kommen wird. Dass er ein starkes Fundament braucht, um den kommenden Sturm zu überstehen. Der weise Mann hört auf Jesus, wenn er sagt, dass nur die Sanftmütigen das Reich Gottes erben werden. Nur diejenigen, die sehen, dass sie Jesus unbedingt brauchen, dass sie nichts einbringen können, nur diejenigen, die sehen, dass sie Gott nichts zu bieten haben außer ihrer Sünde, nur die werden sehen, dass sie ein starkes Fundament brauchen; dass das Haus zweitrangig ist.
3.7 Common sense
Daher, lieber Christ: Übersieh nicht das Fundament. Der Narr in diesem Gleichnis ist eigentlich lächerlich. Ein Haus auf ein festes Fundament zu bauen, gehört schlicht und einfach zum gesunden Menschenverstand. Wenn man ein Haus kauft, macht man sich nicht nur Gedanken über seine Schönheit, sondern auch über sein Fundament. Ein fehlerhaftes Fundament zerstört den Bau. Wer wäre schon so dumm, ein Haus auf Sand zu bauen? Das Fundament ist einfach alles. Dieses Gleichnis zeigt uns, wie verblendet der Mensch doch ist, dass Jesus dieses Gleichnis überhaupt erzählen muss. Es sollte zum gesunden Menschenverstand gehören, dass wir alle auf sein festes Fundament, auf Christus selbst bauen und nicht versuchen, uns auf unser eigenes Bauen oder Wissen oder Können zu verlassen. Aber leider wissen wir, dass der gesunde Menschenverstand nicht so weit verbreitet ist. Nicht in zeitlichen Dingen, und schon gar nicht in geistlichen. Brüder und Schwestern, ich bitte euch dringend, vernünftig zu sein. Christus kommt, lasst euch nicht täuschen. Wir werden nicht aus eigener Kraft überleben. Aber das müssen wir auch nicht. Christus selbst ist unser Fundament. Wessen Haus auf ihn gebaut ist, hat für die Ewigkeit Bestand.
Amen
4 Kanzelsegen
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.
09. Sonntag nach Trinitatis (Der kluge Haushalter)
Wochenspruch
Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.
Lukas 12, 48
Introitus – Nr. 50 (Psalm 143, 1 – 2a; Psalm 40, 9)
Epistel
Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.
Philipper 3, 7 – 14
Hauptlied
Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun 456
Evangelium
Jesus sprach: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort. Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu. Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen. Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wieder bekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.
Matthäus 25, 14 – 30
liturgische Farbe: grün
Festzeit: Trinitatiszeit
Wochenspruch: Lk 12,48
Wochenpsalm: Ps 40
Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113
Epistel: Phil 3,7-11 (12-14)
Evangelium: Mt 25,14-30
Predigttext: Mt 7,24-27
Wochenlied: 497
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Mt 25,14-30
II: Phil 3,7-11 (12-14)
III: Mt 7,24-27
IV: Jer 1,4-10
V: Mt 13,44-46
VI: 1. Petr 4,7-11