Predigt – 1. Christtag | Weihnachten 2025

„Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen 12und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden!“ Das haben wir gestern Abend gehört! Heute sagt uns unser Text, als Fortsetzung von gestern Abend nun: „Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, 5machte er uns selig!“ Wir werden wohl heute nicht ohne einige Überflügelung und Wiederholung von dem, was gestern schon gesagt oder angedeutet wurde, durchkommen. Das kommt daher, weil das zentrale Thema, worauf das ganze Evangelium hinzielt, immer das Gleiche ist, nämlich: Gott hat in Christus, in dem Kind in der Krippe von Bethlehem, uns Sündern seine heilsame Gnade, seine Freundlichkeit und Menschenliebe gezeigt! In Jesus ist diese Gnade zum Vorschein gekommen, dass heißt, da hat Gott sie für uns Menschen sichtbar werden lassen!

„Gott, unser Heiland macht uns selig, nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan haben, sondern nach seiner Barmherzigkeit!“ Genau wie gestern wollen wir zu Anfang auch wieder darauf achten, was in den vorhergehenden Versen gesagt ist. Und auch hier sehen wir, dass es sich um ein Vorher und ein Nachher handelt. Das bezieht sich aber nicht nur auf   den Apostel Paulus, oder auf die bösen Leute von Kreta, sondern es gilt für uns alle! Da lesen wir, Vers 3, direkt vor dem Anfang von unserem Text: “Denn auch wir waren früher unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, waren mancherlei Begierden und Gelüsten dienstbar und lebten in Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten uns untereinander!“ Und dann folgt die Wende, nämlich: „Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, 5machte er uns selig!“ Mit dem Wörtchen „wir“ schließt der Apostel sich selbst mit ein! Er wusste sehr wohl, dass er vor Gott genau so ein Sünder war, wie wir, die Leute von Kreta, und alle anderen Menschen auch! Das wissen wir auch aus der bekannten Stelle, 1. Tim. 1, 15, wo er sich selbst als den größten aller Sünder bezeichnet hat.

Aber, dann kam die große Änderung: „Als die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, “ ihm erschienen war, da ist wirklich alles anders geworden! Seitdem der Auferstandene Herr dem Christenverfolger, Saul dort vor Damaskus begegnet war, war er nie wieder derselbe! Nun zählten für ihn nicht mehr eigener Verdienst und eigene Leistung! Nun kam die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes auch bei ihm zum Ausdruck und zum Vorschein. Liebe Gemeinde, das will dieser Text uns heute am Weihnachtsfest sagen;

Gott hat in seiner Liebe zu uns Menschen, den neuen Anfang selbst gemacht, erstens, durch die Geburt Jesu, und zweitens, durch unsere Wiedergeburt in der Taufe!

Da steht in diesem Text, genau wie gestern Abend, auch nicht die Weihnachtsgeschichte, wie wir sie kennen. Sondern wir lesen noch einmal nur davon, dass die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes erschienen ist. Damit ist gemeint, dass der allmächtige und heilige Gott, freundlich, und in Liebe im Stall von Bethlehem zu uns gekommen ist. Und das ist Weihnachten! Jesus kam in diese Welt als ein Mensch! Er lebte als Mensch, wie wir alle, und war gebunden an Raum und Zeit! Er war sogar den Versuchungen des Teufels ausgesetzt! Er wurde von den Menschen verachtet und verstoßen, und zum Schluss sogar getötet! Ja, liebe Gemeinde, so naht sich Gottes Heil, seine Freundlichkeit und Liebe, uns sündhaften Menschen!

Liebe Gemeinde, unser Heiland kommt nicht mit Gewalt, sondern sanftmütig! Er wusste, als Teil von der Dreieinigkeit, ja schon von dem Kreuz, das auf Golgatha auf ihn wartete! Und trotzdem treibt seine unendliche und bedingungslose Liebe ihn her, zu uns verlornen und verdammten Sündern! Wir sollen in dieser Erscheinung seiner Liebe, ihn selbst erkennen! Er könnte uns ja auch fallen, und links liegen lassen! Er braucht uns ja nicht um sein eigenes Fortbestehen zu sichern! Aber er will uns, seine gefallenen Geschöpfe, retten und erlösen! Er will uns aus dem Bann des Teufels und der Sünde, in den wir seit dem Sündenfall geraten sind, herausholen, weil er uns so lieb hat!

Ohne dass er dabei aufhört, Gott zu sein, kommt er deshalb ganz menschlich zu uns, dort im Stall von Bethlehem. Dann als zwölfjähriger Junge im Tempel, und später als Wanderprediger in Galiläa, Samaria und Judäa. Und zum Schluss seines Erdenlebens, ist er am Kreuz gestorben, auferstanden und wieder gen Himmel gefahren! Und heute kommt er immer noch in seinem Wort und in den Sakramenten zu uns! So kommt das Reich Gottes zu uns! Nicht dadurch, dass wir von uns aus, durch eigene Leistungen erst etwas zustande bringen mussten! Sondern so, dass er nach seinem Erbarmen, mit seiner Güte, unsere Herzen immer wieder in Bewegung bringt! Das ist der neue Anfang, den die Geburt von Bethlehem, auch in unsren Herzen immer wieder machen will.

Und unser Text sagt uns, zweitens auch, wie das geschehen soll, nämlich: „Gott, unser Heiland macht uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneurung, die der Heilige Geist bewirkt, damit wir, durch seine Gnade gerecht gewordenen, Erben des ewigen Lebens werden können, nach unserer Hoffnung.“ Das ist der Hauptsatz, aber da gehört auch noch ein wichtiger Zwischensatz dazu, nämlich; „dass der rettende Gott den Heiligen Geist reichlich über uns ausgegossen hat, durch Jesus Christus, unsern Heiland!“

Ihr Lieben, man könnte jetzt vielleicht überrascht sein, dass in diesem Weihnachttext so direkt von der Taufe, als dem Bad der Wiedergeburt und Erneurung im Heiligen Geist, geredet wird. Solch einen Text würde man ja eher am 6. Sonntag nach Trinitatis, der als Thema „Das Taufgedächtnis“ hat, erwarten. Aber, wenn wir uns die dritte Tauffrage im Katechismus näher ansehen, wird uns einiges schon deutlicher. In der Frage 291 heißt es dort nämlich: „Warum heißt die Taufe auch ‚Bad der Wiedergeburt und Erneurung des Heiligen Geistes’? Und in der Antwort steht: Weil der Heilige Geist in der Taufe den Glauben und damit zugleich das neue geistliche Leben in uns wirkt.“ Wir sind durch die Taufe am Kommen des Heilands beteiligt und davon betroffen, weil er dadurch ja zu einem jeden von uns, persönlich kommen will!

In der Weihnachtsgeschichte wird die Ankunft Jesu auf dieser Welt als Ganzes, beschrieben! Aber in der Taufe kommt diese heilsame Gnade, die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes zu jedem von uns! Da ist er selber zu mir und zu dir gekommen und hat uns alles Heil und alle Seligkeit gebracht! Und das nicht weil wir es verdient hätten, sondern weil er es so will! Als über uns der Name des dreieinigen Gottes genannt, und das Wasser der Taufe auf uns gegossen wurde, da ist er zu uns allen ganz persönlich gekommen! Da ist er in unser sündiges Leben hinein gekommen, und hat es wieder heil gemacht!

Sind wir getauft, dann ist Christus in unser Leben eingetreten, und hat uns mit in sein ewiges Leben hineingenommen. Da hat er den Heiligen Geist über uns ausgegossen, damit der das Werk der Heiligung in uns anfangen und weiterführen kann! Dadurch sind wir zu „neuen Kreaturen“ geworden! In, mit und bei der Wassertaufe ereignet sich die Erneuerung, die der Heilige Geist in uns bewirken will!

Liebe Gemeinde, das hat Folgen! Christus will, dass wir ihn und sein Heilswerk für uns persönlich im Glauben annehmen! Dadurch werden wir, wie wir es gestern schon gehört haben, Teil von seinem Volk, das er sich geheiligt und gereinigt hat! Dadurch werden wir auch eifrig und fähig gute Werke zu tun, und zum Zeugendienst an unsren Mittmenschen! Dann können diese Menschen, durch unser gelebtes Zeugnis, zu ihm geführt werden! Unser Glaube soll auch wachsen und stark werden! Und dazu will er uns die nötige Kraft für das Wachstum, in Wort und Sakrament schenken! Aber wir machen oft nicht genug Gebrauch von diesen Angeboten und wundern uns dann, wenn unser Glaube und unser Einsatz für ihn immer so schwach und kümmerlich bleiben.

Zum Schluss müssen wir dann aber auch noch daran erinnert werden, dass weder unser Glaube, noch unsere Bekehrung oder alle guten Werke die wir tun, unsre eigenen Werke sind! Gott hat den neuen Anfang aus Barmherzigkeit in uns gemacht! Und, wie wir es schon öfter gehört haben, sind wir bei diesem allen, immer die Passiven! Wir werden neu geboren; er rettet uns; er schenkt uns den Glauben, den Heiligen Geist, usw.! Gerade an diesem Wissen soll unser Glaube sich, in den Stunden wenn wir zweifeln und schwach und angefochten sind, trösten! Es liegt nicht an uns, sondern allein an Gottes Liebe und Gnade! Dadurch sollen wir auch immer wieder zu der wahren Weihnachtsfreude geführt werden!

Indem der Heiland zu uns auf die Erde, und durch die Taufe persönlich in unser Leben kam, und in uns den Glauben gewirkt hat, geht auch für uns die Tür zum Himmel auf! Seitdem leben wir ständig in der Hoffnung und frohen Erwartung des ewigen Lebens! Das ist gewisslich wahr! Amen.

Wir beten mit dem Liederdichter, Paul Gerhard: Schönstes Kindlein in dem Stalle, sei uns freundlich, bring uns alle, dahin, da mit süßem Schalle, dich der Engel Heer erhöht!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesu zum ewigen Leben. Amen.