Über die Advents- und auch die Weihnachtszeit haben wir nun schon viel über Jesus gehört! Und das ist auch gut so! Je mehr wir über das Leben Jesu erfahren und wissen, je besser ist das für unseren Glauben an ihn! Man kann ja nämlich sogar im alltäglichen Leben kein festes Verhältnis, oder auch nur eine Freundschaft mit einer Person aufbauen, die man gar nicht kennt! So ist das auch mit unserem Glauben an Jesus.
Ihr Lieben, nach allem, was wir bis jetzt schon von Jesus gehört haben, treffen wir ihn heute, wie er sich am Jordanufer, wahrscheinlich in der Nähe von Jericho, in die Reihe der Sünder gestellt hatte, um von Johannes getauft zu werden. Dieses Geschehen könnte man, so ungefähr, als den Anfang von Jesu öffentlichem Wirken in dem Volk Israel beschreiben. Von hier ging es für ihn dann 40 Tage und Nächte lang in die Wüste. Und diese Zeit endete dann mit den drei Versuchungen des Teufels, die Jesus, wie wir wohl alle wissen, siegreich überstanden hat. Von da an ist er dann für beinahe 3 Jahre lang durch Galiläa, Samarien und Judäa gezogen, um den Leuten das Evangelium zu predigen, bis es dann zu seiner Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt kam.
Wir wissen nicht, ob Jesus und Johannes sich in der Zeit ihrer Kindheit und Jugend überhaupt je gesehen haben. Wir wissen zwar, dass Johannes nur ungefähr 6 Monate älter war als Jesus, und, dass Elizabeth und Maria mit einander verwandt waren. Aber mehr nicht! Diese Situation dort am Jordan, von der unser Text berichtet kam dem Johannes anscheinend auch sehr plötzlich und unerwartet. Es scheint keine abgemachte Sache gewesen zu sein, und deshalb kann man auch annehmen, dass Johannes Jesus auf jeden Fall nicht dort erwartet hatte. Er wusste wohl, dass er selber dem Herrn den Weg bereiten sollte. Das hatte er auch schon einmal getan, in dem er Jesus, den Leuten, die bei ihm waren, aus einem Abstand her, als das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, identifiziert hatte. Und danach hatte er dem Volk das Kommen Jesu, dann auch immer wieder, durch gewaltige Bußpredigten angekündigt!
Er hat das kommende Gericht Gottes angekündigt, dem alle Menschen entgegengehen! „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ hatte er dem Volk zugerufen. Und zu den Mitgliedern der geistlichen Führungsschicht des Volks sagte er sogar, wie wir es schon am 3. Advent gehört haben, nämlich: „Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu, bringt rechtschaffene Frucht der Buße! Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum: jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Ich taufe mit Wasser zur Buße: der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen. Er hat seine Worfschaufel in der Hand; er wird seine Tenne fegen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer!“
Ihr Lieben, das ist bestimmt „starker Tabak,“ wie die Alten es früher beschrieben hätten! Das kann einen schon zum Husten bringen, wenn einem so etwas einfach so direkt ins Gesicht gesagt wird! Johannes hatte Jesus wahrscheinlich als den kommenden Richter verstanden, der bei seiner Ankunft hier auf dieser Erde, erst einmal ordentlich aufräumen würde! Deshalb hat er den Leuten die Buße und die Umkehr zu Gott hin, als ihre einzige Chance, um aus diesem Gericht befreit zu werden so stark und dringlich gepredigt! Und die Leute haben sich von ihm ansprechen lassen! Als Zeichen ihrer Reue und Buße ließen viele von ihnen sich dann dort im Jordan von ihm taufen!
Aber nun stand auf einmal dieser Jesus von Nazareth da vor ihm! Johannes verstand nun wohl gar nichts mehr! Dieser Jesus, mit dessen Erscheinen er den Leuten so gedroht hatte, stand da wie ein gewöhnlicher Mensch, mitten in der Reihe der bußfertigen Sünder, und bat Johannes, dass er ihn taufen sollte. Da war kein Zeichen von dem angedrohten Gericht über die sündige Menschheit; kein Zeichen von dem strengen und strafenden Richter!
Ihr Lieben, man kann sich vorstellen, dass Johannes sich wahrscheinlich gefühlt haben muss wie manche Mutter es wohl auch schon mal erlebt hat. Während die Kinder tagsüber unartig sind, sich zanken und nicht hören wollen, was die Mutter sagt, heißt es schließlich: „Wartet mal bis Papa nach Hause kommt! Dann werde ich ihm alles erzählen, und dann werdet ihr euch wundern!“ Und dann kommt der Papa nach Hause, die Mutter packt ihren Ärger über die unartigen Kinder aus, und der Papa tut gar nichts! Die angedrohte Strafe trifft nicht ein! Da ist der Mutter förmlich der Teppich unter den Füßen weggezogen! In einer Ehe kann so etwas natürlich nicht lange gut gehen, und deshalb sollten die Väter von unartigen Kindern auch nie so reagieren!
Aber bei Gott ist das anders! Johannes musste umdenken! Er hatte ja Recht als er den Leuten Jesus als den Richter vorgestellt hatte! Aber er hatte dabei ein äußerst wichtiges Zwischenstadium, von dem die Propheten schon geredet hatten, vergessen, und gar nicht beachtet. Jesus war nämlich zuerst und vornehmlich als Retter der Menschheit erschienen! Damit ist er auch heute immer noch beschäftigt! Das Gericht kommt noch! Aber, noch ist es Gnadenzeit!
Was Johannes an den Anfang stellen wollte, steht bei Gott am Ende! Dass dieses Umdenken, und der wunderbare Heilsplan Gottes dem Johannes nachher immer noch zu Schaffen gemacht hat, konnte man aus dem Evangelium zum 3. Advent auch schon erkennen. Da ließ er Jesus nämlich, aus dem Gefängnis, durch seine Jünger noch einmal fragen: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Und Jesu Antwort darauf schließt dann mit der Feststellung, dass seit seinem Kommen in diese Welt, wie der Prophet Jesaja es vorausgesagt hat, „Blinde wieder sehen können, Lahme wieder gehen können, und den Armen das Evangelium gepredigt wird!“ Das bestätigte ihn, als den verheißenen Messias! Ja, liebe Brüder und Schwestern, bis zum Jüngsten Tag wird da für alle lebenden Menschen immer noch Zeit zur Umkehr sein, durch das ihnen gepredigte Evangelium! Wer es aber bis zu seinem eigenen Tod nicht angenommen hat, hat sich allerdings selbst gerichtet, weil er nicht an den eingeborenen Sohn Gottes geglaubt hat, wie Jesus es, Joh. 3, 18 sagt!
Ihr Lieben, nun wollen wir doch noch einmal kurz zurück an den Jordan, zu diesem Treffen von Johannes und Jesus. Während dem Johannes wahrscheinlich vieles durch den Kopf ging, hat er erst einmal dagegen protestiert, um Jesus in die Taufe, als Zeichen der Buße, hinein zu nehmen! Er hatte erkannt, dass Jesus diese Taufe gar nicht nötig hatte! Deshalb sagte er dann auch, dass es eher umgekehrt sein müsste, nämlich, dass Jesus ihn taufen sollte! Aber Jesus bestand darauf, um von Johannes getauft zu werden! Damit wollte er nämlich Johannes, und auch uns darauf hinweisen, dass sein Kommen in diese Welt ganz anders war, als erwartet! Er wollte nicht mit der Axt dazwischenhauen und Bäume fällen und verbrennen, wie Johannes meinte! Nein, er wollte sich, trotz seiner Sündlosigkeit, zwischen die Sünder stellen und sich ihnen gleichstellen, so, dass Gott ihm zum Schluss die Sünde und Schuld der ganzen Welt aufpacken konnte. So sollte, durch seinen Tod, für uns, alle Gerechtigkeit erfüllt werden!
Das konnte Johannes bis dahin noch nicht ahnen, aber nachdem er ihn auf seine gebräuchliche Weise getauft hatte, bekam er dann wohl doch einen kleinen Einblick in den Heilsplan Gottes für diese Welt! Gottes Geist kam aus dem Himmel auf Jesus herab, und eine Stimme bestätigte, wer dieses in Wirklichkeit war, nämlich: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“ Da wusste Johannes, dass es sich bei Jesus nicht mehr um die Taufe handelte, die er dort am Jordan, als Zeichen der Vergebung, praktizierte! Nein! Daraus war nun Gottes Taufe geworden, mit der er seinen Sohn, in den Dienst der Menschheit gestellt hat! So hat er uns die Sünden abgenommen und am Kreuz dafür gebüßt. Deshalb bekommen wir nun immer wieder die Vergebung von Gott gespendet! Sein Sohn, der, trotz seiner Sündlosigkeit, sich mit uns Sündern auf eine Ebene gestellt hat, hat für unsere Schuld bezahlt!
Liebe Gemeinde, nun bleibt zum Schluss für uns wahrscheinlich noch die Frage nach dem Zusammenhang zwischen der Taufe des Johannes und der Taufe, mit der wir alle in den Gnadenbund mit Gott aufgenommen wurden. Der große Unterschied liegt darin, dass die Taufe des Johannes immer nur auf das Sündenbekenntnis, und das Versprechen zur Besserung, seitens des Täuflings, folgte. Das kann man mit der Beichte, wie wir sie heute kennen, vergleichen. Im Gegensatz dazu ist die Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes, die Jesus vor seiner Himmelfahrt eingesetzt hat, aber ein permanentes Geschenk Gottes, das dem Täufling mit auf den Lebensweg gegeben wird! Weil wir und alle Menschen täglich immer wieder sündigen, müsste die Taufe des Johannes auch an uns, immer wiederholt werden, damit wir aufs Neue Vergebung bekommen können! Weil unsere Taufe aber durch Gottes Allmacht und Gnade gestiftet und getragen wird, und weil sie auf dem Leiden und Sterben Jesu beruht, brauch sie nie erneuert zu werden! Was Gott uns einmal versprochen, und uns in der Taufe geschenkt hat, das hält er auf ewig!
Deshalb ist für uns jedes ernste Gebet um Vergebung, und jeder Gang zur Beichte immer ein Zurückkehren zu unserer Taufe, zu dem Taufbund, den der allmächtige Gott mit uns geschlossen hat! So hat die Taufe, die Jesus eingesetzt hat, und in der alle, die sie empfangen, neugeboren werden aus Wasser und Geist, alle anderen Taufen abgelöst und aufgehoben! In dieser einen Taufe schenkt Jesus uns, ein für allemal, vollen Anteil, und den ganzen Profit von seinem Leiden, Sterben und Auferstehen!
Ihr Lieben, möge Gott es geben, dass wir mitten in den Anfechtungen unserer Zeit, wo halb gebildete Prediger, und auch total unwissende Laien, oft große Aussagen über die Taufe machen, fest bei seinem Wort und bei seinem Versprechen bleiben können! Durch den Dienst seines Sohnes am Kreuz, schenkt er uns immer wieder, Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit! Das ist gewisslich wahr! Ihm sei ewiglich Dank! Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus, zum ewigen Leben. Amen.
Wochenspruch
Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Johannes 1, 17
Epistel
Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für klug. [Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.” Vielmehr, „wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.” Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.]
Römer 12, 9 – 16 [17 – 21]
Hauptlied
Gottes Sohn ist kommen 73 In dir ist Freude 334 Evangelium Am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was geht’s dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten,- ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
Johannes 2, 1 – 11