10. Sonntag nach Trinitatis (Der Herr und sein Volk) – 2020

10. Sonntag nach Trinitatis (Der Herr und sein Volk)

1. Tim 6,11–16

Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, heißt es hier. Für viele ist es nicht mehr politisch korrekt, das Kämpfen. Wir sprechen nicht gerne darüber, dass es nötig ist, zu kämpfen. Aber Gott macht in seinem Wort klar, dass er selbst in einen Kampf verwickelt ist, und wir, die in Christus sind, wir sind es deshalb auch. Das Leben des Christen ist ein Kampf um den Glauben. Es geht um zwei gegenübergesetzte Mächte, die sich bekämpfen: Auf der einen Seite stehen unsere eigenen Begierden, steht der Teufel mit seinen bösen Mächten, steht die weltliche Kultur mit all ihren Prioritäten, Werbungen und Medien – ihnen gegenüber steht der Heilige Geist mit seinen Gnadenmitteln, die Menschen zur Erlösung führen. Dies ist ein geistlicher Kampf. Ein Kampf, der nicht mit Schreien und Schimpfen und Schlägen gekämpft wird, sondern im Glauben, in der Liebe, in der Geduld, in der Sanftmut. Ein geistlicher Kampf mit geistlichen Dimensionen, es geht um die Dimensionen des Heiligen Geistes in eurem Leben. Welche sind das?

Nummer 1, die wir in den Versen unmittelbar vorher lesen, ist die Lehre der Bibel, die Lehre des Glaubens, wie ihr sie im kl. Katechismus gelernt habt, „die heilsamen Worte unseres Herrn Jesus Christus,“ wie die Bibel es ausdrückt, „die Lehre, die dem Glauben gemäß ist“. Haltet fest an der Lehre, ruft uns Gott auf, werft sie nicht weg, sondern bleibt bei dem, was ihr gelernt habt, bleibt bei den heilsamen Worten Jesu und der Lehre der Schrift. Nummer 2 ist die Frömmigkeit – dass wir unseren Glauben und die Lehre vor Gott ausleben, nicht weil es uns deswegen finanziell besser geht, sondern weil Frömmigkeit an sich für uns ein großer Gewinn ist. Nummer 3 ist die Zufriedenheit, dass wir zufrieden sind mit dem, was Gott uns gibt und nicht ständig nach mehr Geld und Gewinn streben. Die Geldgier ist eine Wurzel alles Übels, sagt der Herr, Geldgier macht Menschen lau, sodass sie von Gott abfallen. Passt auf davor, hütet euch davor, übt euch in der Zufriedenheit! Durch Zufriedenheit kämpfen wir gegen das Böse.

Der Teufel versucht immer wieder, mit Lügen unseren Glauben zu ersticken. Ihr erkennt vielleicht einige seiner Lügen, die ich jetzt aufzähle:

  • Erfolg ist wichtiger als die Lehre der Kirche.
  • Ein schöner Lebensstil ist ein echter Segen, Zufriedenheit aber nicht.
  • Persönlicher Erfolg ist besser als Frieden mit Gott.
  • Gefühle sind wichtiger als Wahrheit.
  • Gewinnen ist besser als Liebe zu üben.
  • Sanftmut ist ein Zeichen der Schwäche.
  • Das ewige Leben bedeutet jetzt gerade so gut wie gar nichts.

Du hast das um dich herum gesehen, du kennst es. Du hast damit zu kämpfen, denn das ist der Weg der Welt, aber es zerstört, wovon Paulus hier schreibt. Deswegen ruft der Herr uns auf: [11a] Gottesmensch – das zu sein ist das Höchste und Beste in diesem Leben, kein Geld der Welt ist wertvoller als das. Ihr Lieben, das Christsein ist keine Freizeitbeschäftigung. Unser Leben als Christen ist nicht passiv, Gott beruft uns nicht dazu, Schlafmützen zu sein. Nein, was der Herr von Timotheus und euch und uns alle fordert, ist aggressiv formuliert. [11b-12] Fliehe. Jage nach. Kämpfe. Ergreife. Wir Christen sind nicht irgendwo auf einem Parkplatz abgestellt, während die Welt mit voller Geschwindigkeit auf ihre materialistischen Ziele zurast. Nein. Wir verfolgen auch ein Ziel, und zwar mit voller Geschwindigkeit. Aber ein anderes Ziel. Wir als Gottes Kinder müssen zielstrebiger sein als die Männer und Frauen dieser Welt.

Das ist es, was Paulus von Timotheus wollte. Paulus wollte, dass Timotheus so lebt wie er. Schauen wir uns Paulus an vor und nach seiner Bekehrung. Paulus hat seinen Lebensstil nicht geändert. Es war ein Richtungswechsel. Vor seiner Bekehrung war Saulus von Tarsus ein leidenschaftlicher, frommer Mann, der nur eines im Sinn hatte: Er wollte Christen verfolgen. Nach seiner Bekehrung war er genauso leidenschaftlich und ehrgeizig wie zuvor. Aber sein Ziel war anders geworden, besser geworden, herrlicher geworden, jetzt wollte er Jesus Christus nachfolgen, dass er ihn gewinnt, auf alle Kosten zu ihm gehört, dass er sein Leben für ihn einsetzt. Nicht gegen ihn. Und so sollt auch ihr, sollen auch wir den guten Kampf kämpfen zwischen dem Heiligen Geist und der Anziehungskraft des Fleisches und der Welt. Der Glaube hält sich an Jesus fest. Ja, wir werden im Leben stolpern und fallen. Aber Jesus ist gekommen, um zu überwinden, um uns aufzurichten, wenn wir fallen. Und wie lebte er? Was tat er? Hielt er nicht genauso sehr fest an der Wahrheit wie an der Liebe? Ist er nicht selbst demütig und gehorsam geworden? Hat er nicht ein reines und rechtschaffenes Leben geführt, das in jeder Hinsicht perfekt war? Hat er nicht die Liebe zu Gottes Gebote über alles gestellt? Er vertraute dem Vater, selbst als er ans Kreuz geschlagen wurde, selbst als ihm Nägeln in die Hände geschlagen wurden, damit er daran stirbt. Niemals vernachlässigte Jesus den Dienst an anderen. Immer hat er dich und mich für wichtiger erachtet als sich selbst. All das hat er für uns getan, damit wir die Fesseln der Welt und des Fleisches ablegen und auf seine Weise wahre Diener sein können. Seine Rettung ist für die ganze Welt. Damit Menschen hören können, dass sie Buße tun und glauben sollen, und damit sie dadurch neue Menschen vor Gott sein können. Darum geht es im Kampf, im Kampf des Glaubens. Dazu bereitet Gott uns vor, das ist unsere Priorität, das ist unser Streben. Der Heilige Geist legt uns die Aufgaben in unsere Hände, und wir sind sein Werkzeug. Deswegen vergessen wir nicht: Gott kämpft mit uns. Wir dürfen uns an seinem Kampf beteiligen, den er um die Welt kämpft, weil er die Welt liebt. Und in Christus hat den Kampf schon gewonnen. Und so kämpfen wir als die, die nicht verlieren können, weil Gott für uns kämpft und in uns und mit uns und schon gesiegt hat. Ihm dienen wir mit Leib und Seele, zielstrebig, wir wollen für Christus leben und in ihm gewinnen und dadurch Ehre bringen dem König aller Könige und dem Herrn aller Herren, [16]. Amen.

SSOLI OLI DDEO EO GGLORIALORIA
Pastor Dr. Karl Böhmer


10. Sonntag nach Trinitatis (Der Herr und sein Volk)

Wochenspruch
Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!

Psalm 33, 12

Introitus – Nr. 51 (Psalm 33, 12; Psalm 74, 2)

Epistel

Ich will euch dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: „Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.” Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

Römer 11, 25 – 32

Hauptlied
Gott der Vater wohn uns bei 226
Nimm von uns, Herr, du treuer Gott 274

Evangelium

Als Jesus nahe hinzukam, sah er die Stadt Jerusalem und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen. Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen, und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist. Und er ging in den Tempel und fing an, die Händler auszutreiben, und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: „Mein Haus soll ein Bethaus sein”; ihr aber habt es zur Räuberhöhle gemacht. Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Angesehensten des Volkes trachteten danach, dass sie ihn umbrächten, und fanden nicht, wie sie es machen sollten; denn das ganze Volk hing ihm an und hörte ihn.

Lukas 19, 41 – 48