15. Sonntag nach Trinitatis (Vertrauen und Fürsorge)
Predigt: Luk 17,5-6
- Sonntag n. Trinitatis
1 Kanzelgruß
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
2 Text: Luk 17,5-6
5Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! 6Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer!, und er würde euch gehorsam sein.
3 Predigt
3.1
Wir sind den Jüngern auf ewig zu Dank verpflichtet. Sie konnten, zu unserem Glück, nie den Mund halten und haben einfach gefragt, was ihnen in den Sinn kam. Sie stellten all die dummen Fragen, und entgegen dem Sprichwort, gibt es diese wirklich, so dass uns die Peinlichkeit erspart bleibt, sie selbst stellen zu müssen. In unserem heutigen Predigttext gehen sie auf Jesus zu; kurz nachdem er ihnen gesagt hat, wie sie leben sollen – wir haben heute Morgen in der Beichte ein wenig über die Vergebung schon gesprochen und wie diese mit unseren christlichen Leben verbunden ist. Jesus sagt was sie machen sollen und sie merken, dass sie bei dem, was sie tun sollten, versagen; sie leben nicht so, wie Jesus es von ihnen erwartet. Also gehen sie auf Jesus zu und bitten ihn ihren Glauben zu stärken. Wenn wir uns den griechischen Text genau ansehen, sehen wir, dass diese Stärkung eigentlich als ein „Vermehren“ zu verstehen ist. Sie sehen, dass sie Jesu Maßstäben nicht gerecht werden und folgern daraus, dass sie nicht genug Glauben haben. Sie brauchen mehr Glauben, um das tun zu können, was Jesus von ihnen verlangt. Und -Ehre, wem Ehre gebührt, – die Jünger erkennen zu Recht, dass der Glaube von Jesus kommt.
3.2
Doch wie wir an ihrer Frage sehen können, ist ihr Verständnis davon, was Glaube ist, leider etwas verdunkelt. Sie sehen ihren mangelnden Fortschritt als einen Mangel an Glauben. Sie sehen zu Recht, dass sie nur durch den Glauben gute Werke tun können, und wenn sie bei der Ausführung guter Werke versagen, denken sie, dass sie mehr Glauben brauchen. Mehr Glaube sollte gleichbedeutend mit mehr guten Werken sein. Und da der Glaube eine so großartige Sache ist, ist es doch umso besser, je mehr wir davon haben, oder? Nun, nein. Denn dann hängt der Glaube wieder bis zu einem gewissen Grad von uns selbst ab. Selbst wenn alles von Gott kommt, ist es dann doch wichtig, dass ich genug davon habe. Dann werde ich ein besserer Mensch sein, dann werde ich in der Lage sein, das zu tun, was Jesus von mir will. Dann werde ich gut genug sein. Diese Art des Glaubens konzentriert sich nicht nur auf das Selbst, sondern macht den Glauben zu etwas, das einen Wert an sich hat.
3.3
Aber das ist es nicht, was der Glaube ist. Der Glaube ist nichts an und für sich. Glaube ist immer ein Glaube an etwas, ein Vertrauen in etwas. Ohne dieses Etwas ist der Glaube nutzlos. „Der Glaube rechtfertigt und macht selig nicht deshalb, weil er ein an sich so würdiges Werk wäre, sondern nur, weil er die verheißene Barmherzigkeit annimmt.“[1] Dem Glaube darf kein Wert neben dieser barmherzigen Gnade zugeschrieben werden. Leider machen wir, wie die Jünger damals, oft den Fehler und sehen unseren Glauben als etwas, was mal mehr oder mal weniger sein kann. Aber wenn wir für einen Moment darüber nachdenken, erkennen wir wie unsinnig dies ist. Entweder ich glaube oder ich glaube nicht dem Versprechen, das Gott mir bei meiner Taufe sagte: Du bist mein Kind, dich habe ich errettet.
3.4
Ich würde so weit gehen zu sagen, dass es sogar schon ungesund ist einfach unser eignen Glauben anzuschauen. Schaue nicht auf dich und ob dein Glaube gut genug ist, sonst fangen wir bald an, an unseren Glauben zu glauben. Der Glaube soll nichts anderes sein als Christus zu schauen und ihn zu sehen. Wir brauchen nicht unseren Glauben je selber anzugucken. Sogar wenn ich zweifele, macht dieser Zweifel, nicht irgendwie meinen Glauben geringer. Denn es ist möglich auch im Zweifel zu glauben, denn ob ich gerade wieder zweifele oder nicht, die Tatsache bleibt, dass Gott mich errettet hat. Woran ich glaube ändert sich ja nicht. Die Tatsache bleibt, dass Christus dort am Kreuz gestorben ist für deine Sünden, die Tatsache bleibt, dass der Tod ihn nicht aufhalten konnte. Wir müssen nicht so viel von uns denken, dass wir meinen, dass unsere Zweifel irgendwie diese Realitäten ändern könnten. Wenn wir über unseren Glauben nachdenken, kann unser Sündiges Wesen aber nicht anders als um immer wieder zu zweifeln. Gerade in der Welt wo unsere biblischen Beweise alle hinterfragt werden, kommt da immer wieder Zweifel. Und hier ist die schöne Botschaft: Gerade weil unser Glaube nicht auf unseren Werken, nicht auf uns basiert, ist es möglich, dass wir, auch wenn wir zweifeln, glauben können. Zweifel nimmt nichts von dem Versprechen Gottes weg. Wenn wir glauben, obwohl wir zweifeln werden wir gerettet. Nur wenn wir nicht glauben, wenn wir weg von Gottes Heil schauen, wenn wir Gott einen Lügner nennen und seinen Verheißung nicht glauben, dann riskieren wir die Hölle, den Tod und den Teufel. Da ist entweder Glaube oder Unglaube, kein stufenweises Abgleiten. Man kann nicht halbwegs im Himmel und halbwegs in der Hölle sein. Bei der Frage des Glaubens, geht es um ein definitives entweder-oder.
3.5
Wie sollen wir aber dann Jesu Beispiel hier verstehen: redet er nicht gerade von einem Glauben so klein wie ein Senfkorn, das, wie ihr wisst wirklich klein sind. Meint dass nicht, dass es auch großen Glauben geben kann. Unser Herr sprach diese Antwort wohl wissend, dass sie Teil der Heiligen Schrift sein würde, dass die Worte wahrer Weisheit, die er sprach, nicht nur für seine Jünger bestimmt waren, sondern auch für alle Christen, die nach ihnen gekommen sind. Ich sage das, um klarzustellen, dass die beiden Dinge, die er erwähnte, das Senfkorn und der Maulbeerbaum, nicht zufällig ausgewählt wurden.
3.6
Unser Herr sagt ja gerade, „wie ein Senfkorn“ und nicht „klein wie ein Senfkorn“. Denn ein Senfkorn ist kein statisches, totes Ding. Nein ein Senfkorn ist ein dynamisches Objekt, voller potenziellem Wachstum. Dies will uns Jesus mit unserem Text beibringen. Der Glaube ist schon ganz und gar da – wie ein Senfkorn. So wie eine Saat sich heutzutage in einem Garten nicht selber pflanzt so wird auch unser Glauben in unseren Herzen von dem Heiligen Geist gepflanzt. Und genau wie eine Saat im Boden manchmal erst nach langer Zeit sich zeigen lässt, so ist es auch mit uns Menschen. Der Glaube eines Anderen zeigt sich uns öfter nicht eindeutig.
3.7
Aber wir bestehen darauf, dass der Glaube auch gute Früchte, gute Werke, hervorbringen wird. So wird dieses Senfkorn auch wachsen und man wird etwas sehen können. Ist dieser Senfbaum dann irgendwie mehr lebendig als das Senfkorn? Nein, ob dein Glaube gerade ein Senfkorn oder ein Senfbaum ist, es bleibt: du bist errettet!
3.8
Aber Jesus will uns als Baum haben, er will nicht, dass wir Saat bleiben, ich würde sogar sagen, wir können nicht unseren Glauben als Senfkorn für immer halten, denn genau wie ein Senfkorn nach einiger Zeit sterben wird, wenn es nicht spießt, so kann auch unser Glaube sterben wenn er nicht wächst. Vielleicht ist reift ein besseres Wort. Denn dein Glaube wird nicht mehr, aber er wird anfangen Früchte zu tragen. Unser Glaube ist etwas Aktives und wenn wir diese Aktivität verdrücken wollen, werden wir denn Glauben töten. Christus will uns als Senfbäume haben. Wie ein Senfbaum sterben kann wenn er nicht genügend Wasser bekommt, so kann unser Glaube auch sterben wenn wir ihn nicht bewässern durch dem Blut und dem Worten des Herrn die wir in Wort und Sakrament erhalten. Genau wie ein Senfbaum auch beschnitten werden muss, so müssen wir auch das Schlechte von unseren Leben entfernen. Wie ein Senfbaum, der mit seinen Blättern und zweigen ein Haus dem Vögel bietet, der mit seiner Saat dem Menschen eine Freude und sogar Heilung bereitet. So wie ein Senfbaum will Gott, dass wir mit unseren Glauben anderen dienen. Der Zweck eines Senfbaums ist es ja gerade mehr Senfkörnen zu machen so ist der Zweck unseres Glauben auch diesen Glauben weiter zu teilen.
3.9
Und genau wie solcher Glauben gerade in etwas anderen basiert, so sind auch die guten Werke die aus diesen Glauben fließen nicht unsere Werke sondern Gottes Werke. Desshalb können wir auch mit solchen Glauben, ob nun Saat oder Baum, alles tun, denn wir schauen nicht auf unseren Glauben, sondern glauben heißt gerade auf Christus schauen, auf dem der am Kreuz gestorben ist, der unsere Sünden überwältigt hat und am dritten Tage auferstanden ist. Unser Glaube ist nicht ein großer Glaube, sondern ein Glaube an einen Großen Gott, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist. Einen Gott bei dem das unmögliche möglich ist. Sogar möglich ist einen Sünder wie mich wieder Heilig zu machen. Dank sei Gott dafür.
4 Kanzelsegen:
Der Gott aller Gnade aber, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird uns, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. (1 Pet 5,10)
[1] BSLEK, ApolCA IV, 290.
Wochenspruch Alle eure Sorge werft auf Gott; denn er sorgt für euch. 1. Petrus 5, 7
Introitus – Nr. 56 (1. Petrus 5, 7; Psalm 127, 1)
Epistel
Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.
1. Petrus 5, 5c – 11
Evangelium
Jesus lehrte seine Jünger und sprach: Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.
Matthäus 6, 24 – 34