17. Sonntag nach Trinitatis (Freiheit eines Christenmenschen)
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.
Text: Matthäus 15, 21 – 28
21Und Jesus ging weg von dort und zog sich zurück in die Gegend von Tyrus und Sidon. 22Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. 23Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. 24Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. 25Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! 26Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. 27Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. 28Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.
Lasst uns beten: Herr Gott, unser lieber himmlischer Vater, dein Wort kommt uns oft hart und unverständlich vor. Schenk uns jetzt deines Geistes Kraft und Beistand, dass wir hören und verstehen, was du uns sagst! Komm, Herr, und segne unser Reden und unser Hören. Amen.
Im Namen Jesu, liebe Gemeinde
„Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat!“ Das sagt uns der Wochenspruch aus dem 1. Brief des Apostels Johannes, den wir vorhin gehört haben! Das klingt sehr großartig und so einfach! Solch einen Glauben wünscht sich wohl jeder von uns! Aber wir wissen es wahrscheinlich alle schon aus eigener Erfahrung, dass es leider mit diesem Glauben nicht immer so geht wie wir uns das wünschen! Was ist, wenn wir wie diese heidnische Frau mit unseren Gebeten auf Gottes scheinbares Schweigen stoßen? Wenn wir beten und nichts geschieht, so, dass wir wirklich nur noch denken können, dass Gott sich gar nicht mehr um uns und um unsere Nöte kümmert? Wie lange halten wir das aus? Wie lange bleiben wir dann noch im Glauben stehen? Wie schnell entwickeln wir dann nicht doch sogenannte „Issues“ in unseren Herzen?
Ihr Lieben, das sind diese Dinge, die sich dann so leicht wie eine Wand zwischen uns und die Gemeinde, den Gottesdienst und zuletzt zwischen uns und Gott stellen! Dann hört es mit dem Glauben, der die Welt und unsere Probleme besiegen sollte, leider ganz bald auf! Dann gibt es auf einmal so viele Entschuldigungen, weshalb man nun nicht mehr zum Gottesdienst kommt oder zum Abendmahl geht! Da hat der Eine oder Andere in der Gemeinde einen schief angeguckt oder scheinbar etwas Verkehrtes gesagt! Oder man hat über eine Sache gebetet und es ist trotzdem nicht so gekommen wie man es sich gewünscht hatte. Eine liebe Person ist plötzlich nicht mehr da! Ein Kind auf das man neun Monate lang gewartet hat stirbt kurz vor, während oder bald nach der Geburt! Ein scheinbar kerngesundes Kind wird krank, und stirbt trotz der vielen Gebete der Familie und der Gemeinde!
Liebe Gemeinde, das ist die harte Wirklichkeit mit der wir es leider oft zu tun haben! Wenn wir nun diesen bekannten Text, den wir jedes Jahr als Evangelium an diesem Sonntag hören, einmal aufmerksam lesen und analysieren, dann ist das zuerst auch wirklich eine knallharte Geschichte! Es ist sogar so schlimm, dass viele Leute diesen Text einfach übersehen und zur Seite schieben! Dieser Bericht passt nämlich gar nicht mehr in den modernen Rahmen hinein, in den wir heutzutage den „lieben Gott“ in unseren Gedanken, wie ein Bild, gestellt haben!
Eine heidnische Frau kommt zu Jesus. Besser als viele Juden, erkennt und bekennt sie ihn sogar als den Davidssohn, den Messias, und bittet ihn um Hilfe für ihre kranke Tochter. Aber Jesus schlägt ihr trotzdem die Tür, sozusagen, vor der Nase zu! Er beachtet sie zu Anfang scheinbar gar nicht und tut, als wen sie nicht da wäre! Da ist wirklich nicht viel vom Evangelium, von der Guten Nachricht und der Liebe Gottes, wie wir sie uns vorstellen, zu erkennen!
Und dann kommt es auch schon von allen Seiten auf uns zu: Wir haben es euch ja gesagt! Mit eurem Gott der Liebe ist wirklich nicht viel los! Wie kann er so etwas zulassen? So sagen die einen! Und wieder andere sagen: Ihr glaubt nicht genug! Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würden alle eure Gebete von Gott erhört und auch erfüllt werden! Ihr Lieben, solche Fragen und Argumente können sogar treue Christen, die vielleicht gerade durch tiefes Leid betrübt wurden, oder es immer noch in Gedanken haben, sehr leicht in Zweifel bringen! Deshalb ist es gut, dass wir aus diesem Bericht alle etwas über das Beten und den Glauben lernen!
Diese Frau lässt sich nicht durch das scheinbare Schweigen Jesu einfach abschrecken! Sie gibt nicht auf, weil sie weiß, dass er sie gehört hat und, dass er der einzige ist, der ihr helfen kann! Ihr Glaube und ihr Vertrauen stehen darauf, dass sie ihn als den Sohn Davids erkannt hat! Und deshalb wartet sie geduldig darauf, dass er auf ihre Bitte irgendwann antworten wird!
Sie gibt auch nicht auf, als sich die Jünger gegen sie drehen! Diese „Bischöfe“ und „Missionare“ der zukünftigen christlichen Kirche bitten Jesus nicht, ihr zu helfen, sondern sie bitten ihn, sie weg zu jagen! Diese Frau, die so dringend die Hilfe Jesu braucht, soll einfach so, unverrichteter Dinge von ihm nach Hause geschickt werden. Und das nur, weil sie vielleicht die Aufmerksamkeit der Leute im heidnischen Ausland, mit ihrem Geschrei, auf Jesus ziehen könnte! Und der war ja eigentlich nur dort, um sich zu erholen, und sollte deshalb nicht gestört werden!
So etwas gibt es auch heute noch, dass Menschen mit ihren Problemen von den Pastoren, Vorstehern und Gemeindegliedern nicht beachtet, oder verstanden werden. Und dann werden sie einfach so, wieder nach Hause geschickt! Da erkennen wir die Probleme nicht richtig, oder meinen, dass wir gerade keine Zeit dafür haben! Oder wir wollen einfach nur nicht mit solchen Dingen belästigt werden! Und oft genug wissen wir auch gar nicht, wie wir mit den genannten Problemen umgehen sollen. Und schon ist der Schaden getan! So ist wahrscheinlich schon manch einer von uns schuldig geworden!
Aber diese Frau, von der hier in unserem Text berichtet wird, macht weiter! Sie lässt sich nicht durch ihre frustrierenden Erfahrungen mit Jesus und seinem „Bodenpersonal“ vom Beten abbringen! Zuletzt muss sie es sich auch noch gefallen lassen, dass Jesus ihr sagt, dass er, nach alttestamentlicher Sicht, gar nicht für sie als Heidin zuständig ist! „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“, lesen wir im 24. Vers! Aber dann geht es gleich weiter! Sie wirft sich vor ihn auf den Boden mit der dringenden Bitte: „Herr, hilf mir!“ Doch Jesus bleibt hart! „Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde“, setzt er sein Argument gegen sie fort!
Liebe Gemeinde, das, was für die Schafe vom Hause Israels gemeint war, galt noch nicht für die Heiden, die sich nicht zum Judentum bekehrt hatten! Aber, diese Frau bittet gar nicht um volles Kindesrecht, sondern nur um einige Krümel der Gnade Gottes, die von dem Tisch runterfallen! Sie ist sogar bereit um als Haustier zu gelten, wenn sie nur die Hilfe Jesu für ihre Tochter bekommen kann! Und, mit ihrer schlagfertigen Antwort auf das Argument Jesu: „Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen, “ zwingt sie ihn schließlich zur Nachgiebigkeit so, dass er ihr die Bitte erfüllt! „Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde!“
Ihr Lieben, damit soll auch uns wieder Mut gemacht werden, um trotz allem, mit dem Beten durchzuhalten! Seit der Himmelfahrt Jesu, und dem Auftrag „machet zu Jüngern alle Völker“, wissen wir es ja noch viel besser als diese Heidin, dass wir, und alle Gläubigen, ein Anrecht auf Gott und auf seine Hilfe haben! Seit unserer Taufe stehen unsere Namen ja schon im Himmel geschrieben! Seitdem sind wir schon Mitbürger und Gottes Hausgenossen, wie es in dem Brief an die Epheser geschrieben steht! Deshalb dürfen wir von Anfang an wissen, dass Gott unsere Bitten hört! Aber wir sollen auch immer daran denken, dass er unsere Wünsche zu seiner Zeit, und wie es für uns zum Besten ist, erfüllen wird! Und da kommt es auch oft genug vor, dass er manchmal einfach Nein! sagen muss. Um das zu erkennen und zu akzeptieren, ist für uns leider oft ein Problem!
Liebe Gemeinde, wir sollen aus dieser Geschichte lernen, dass wir alle felsenfest auf Gottes Gnade und Güte trauen sollen! Genau so, wie diese Frau nicht aufgegeben hat, weil sie wusste, dass Jesus der eine war, der ihr helfen konnte, sollen auch wir nicht aufhören mit unseren Gebeten. Trotzdem müssen wir aber auch auf Gottes Antwort achten und es akzeptieren, wenn er Nein gesagt hat! Zweitens sollen wir auch darauf achten, dass der große Glaube dieser Frau nicht ihre eigene Leistung war! Dieser Glaube war nur deshalb so groß, weil er sich ganz und gar auf den Sohn Davids verlassen hat, und die Hoffnung auf seine Hilfe nicht aufgegeben hat!
Und genau so sollen wir auch glauben! Gott, der uns in der Taufe als seine Kinder angenommen hat, und der uns versprochen hat, dass er unser Vater sein will, wird sein Ohr nicht vor uns schließen! Gott wird auch nicht auf sein Wort zurückgehen und uns mit unserer Not sitzen lassen! Wir müssen aber auch immer wieder daran denken, dass Gott uns nie versprochen hat, dass in unserem Leben alles immer glatt laufen wird und, dass wir, als Christen von Unfall und Schaden freigestellt sind! Aber er hat uns das Versprechen gegeben, dass alles, was wir in unserem Leben erfahren, zum Schluss doch zu unserem Besten dienen soll! Das gilt besonders für die Dinge, die wir, wenn sie passieren, als unangenehm empfinden! Gott trägt uns nicht darüber hinweg, sondern er trägt uns durch diese Dinge hindurch! Ja! Darauf dürfen wir uns verlassen!
Gott ist auch nicht irgendein rätselhaftes Wesen, irgendwo im Weltall, der mit uns und unseren Gefühlen herumspielt, wie eine Katze mit einer halbtoten Maus! In Christus hat er sich uns zu erkennen gegeben, wie er wirklich ist. Er ist der Gott, der mit uns, und mit unserer Sünde und Not, großes Mitleid hat! Er ist der Gott, der darauf wartet, dass wir beten, und seine Hilfe für uns in Anspruch nehmen sollen! Er hat uns in unserer Taufe als sein Eigentum angenommen! Darum wird Er uns nicht verlassen oder versäumen, sondern uns die ewige Seligkeit schenken, aus seiner Gnade, um Jesu willen. Dafür dürfen wir ihm immer wieder danken, dienen und loben! Amen.
Wir beten: Herr Gott, unser lieber himmlischer Vater, wir danken dir, dass du uns nicht alleine lässt, auch wenn wir oft so denken! Du willst alles für uns zum Besten wenden, so, dass wir nicht von deinem Weg in den Himmel abkommen, und verloren gehen. Stärke du uns den Glauben und das Vertrauen auf dich und dein Wort!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.
17. Sonntag nach Trinitatis (Freiheit eines Christenmenschen)
Wochenspruch
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.
1. Johannes 5, 4b
Introitus – Nr. 58 (Psalm 86, 9 u 5)
Epistel
Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet. Denn die Schrift spricht: „Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.” Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. Denn „wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden.” Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht: „Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!” Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht: „Herr, wer glaubt unserm Predigen?” So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.
Römer 10, 9 – 17
Hauptlied
Such, wer da will, ein ander Ziel 285
Evangelium
Jesus ging weg von Genezareth und zog sich zurück in die Gegend von Tyrus und Sidon. Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.
Matthäus 15, 21 – 28