17. Sonntag nach Trinitatis (Freiheit eines Christenmenschen)
Tag des Erzengels, Michael und aller Engel – Kirchdorf
Die Gnade unsres Herrn Jesus Christus, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, sei mit uns allen. Amen.
Text: Matthäus 18, 1 – 6 + 10
Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist der Größte im Himmelreich? 2Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie 3und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. 4Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich. 5Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. 6Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist. 10Seht zu, dass ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.
Lasst und beten: Lieber himmlischer Vater, wir danken dir für dein Wort durch das du jetzt mit uns redest. Gib uns deinen heiligen Geist, dass er uns Ohren und Herzen öffne, damit dieses Wort bei uns eindringt, und Frucht bringen kann zum ewigen Leben. Amen.
Im Namen Jesu, liebe Gemeinde
Jedes Jahr steht der 29. September in den kirchlichen Kalendern und Andachtsbüchern eingetragen als der „Gedenktag des Erzengels Michael und aller Engel.“ Diesen kirchlichen Feiertag gab es sogar schon in der Urkirche, lange vor der Zeit der Reformation! Wir können seine Bedeutung daran erkennen, dass wir auch in unserem Gesangbuch noch ein eigenes Thema, einen eigenen Introitus, eigene Lesungen und sogar eigene Gesänge dafür mit eingebunden haben. Weil dieser Tag aber meistens auf einen der Wochentage fällt, wird er von uns oft weniger beachtet, als z.B. der 24. und der 25. Dezember. Wenn man dieses Thema also nicht so direkt auf einen der naheliegenden Sonntage legt, kann dieser Gedenktag sehr leicht ganz in Vergessenheit geraten!
Liebe Gemeinde, wir feiern heute aber trotzdem kein Engelfest! Und wir treiben deshalb auch keine Engelverehrung! Dieses ist ein Gedenktag, durch den wir daran erinnert werden sollen, dass es die Engel gibt! Gott hat den Engeln sogar bestimmte Dienste aufgetragen, mit denen sie uns Christen dienen sollen! Das sollen wir anerkennen und ihm heute besonders dafür danken!
Liebe Gemeinde, in der Bibel gibt es ja sowohl im Alten, wie auch im Neuen Testament, immer wieder Berichte, wo da von den Engeln, und was sie getan haben, geredet wird. Der bekannteste dieser Berichte ist sicher das Auftreten der Engel nach der Geburt Jesu, bei den Hirten von Bethlehem. Aber auch am Grab Jesu am Ostermorgen und bei seiner Himmelfahrt waren es Engel, die den Menschen das Geschehen erklärt haben! Und es gibt noch mehrere Stellen, wo die Wirkung von einem oder mehrerer Engel deutlich beschrieben ist. Dass es Engel gibt ist deshalb mit Sicherheit festgestellt. Die Frage ist aber: Wer und was sind diese Engel denn wirklich, und wozu sind sie da?
Ihr Lieben, aus der Bibel wissen wir, dass die Engel Teil der „unsichtbaren Schöpfung“ sind! Sie sind von Gott geschaffen, wie wir Menschen auch! Sie haben aber keinen Körper wie wir, und sind deshalb nicht an Raum und Zeit gebunden, wie wir es sind! Sie brauchen also keine offenen Türen um in ein Zimmer hinein und wieder heraus zu kommen! Und sie sind auch nicht von Autos oder Flugzeugen abhängig um von einem Ort zum anderen zu kommen!
Im Brief an die Kolosser, Kapitel 1, 16 lesen wir: „In ihm (Christus) ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare.“ Deshalb bekennen wir im Nizänischen Glaubensbekenntnis auch zusammen mit der ganzen christlichen Kirche: „Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde, all des, das sichtbar und unsichtbar ist. Und an den Einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, durch welchen alles geschaffen ist.“
Und, wir wissen sogar auch, dass es gute und böse Engel gibt! Im Brief an die Hebräer, Kapitel 1, 14 lesen wir: „Sind die Engel nicht allesamt dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen?“ Und Judas, der Halbbruder Jesu, schreibt in seinem sehr kurzen Brief, Vers 6: „Die Engel, die ihren himmlischen Rang nicht bewahrten, sondern ihre Behausung verließen, hat er für das Gericht des großen Tages festgehalten mit ewigen Banden in der Finsternis!“ Und im heutigen Evangelium (Lukas 10, 18) sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.“
Liebe Gemeinde, es steht deshalb für uns fest, dass wir die Engel auf keinen Fall anbeten sollen oder dürfen! Bei Matthäus im 4. Kapitel Vers 10 zum Abschluss seiner Versuchung, hat Jesus zu dem Teufel gesagt: „Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen!“ Und in den Schmalkaldischen Artikeln im zweiten Teil, Artikel 2 ist zu lesen: „Obwohl die Engel im Himmel für uns bitten, wie es Christus selber auch tut, so folgt daraus nicht, dass wir die Engel anrufen, ihnen (zu Ehren) fasten, feiern, Messe halten, und sonst noch in anderer Weise dienen, und sie für Nothelfer halten und ihnen allerlei Hilfeleistungen zuschreiben. Denn das ist Abgötterei, und solche Ehre gehört Gott allein. Denn du kannst als ein Christ auf Erden (ja auch) für mich bitten, nicht nur in einzelnen Nöten, sondern in allen Nöten. Aber deswegen soll ich dich nicht anbeten, anrufen und auf dich meinen Glauben zur Seligkeit setzten.“ Viel deutlicher kann es wohl nicht gesagt werden.
Obwohl die Engel also oft als Boten Gottes zu den Menschen gekommen sind, z.B. zu Maria und auch zu Joseph, sind sie dennoch keine Mittler zwischen uns und Gott! Das ist allein unser Herr und Heiland Jesus Christus! Außer dem Botendienst sind die Engel aber auch noch Streiter die uns in dem Kampf gegen das Böse helfen! Man redet deshalb auch oft und allgemein von den „Schutzengeln“, wahrscheinlich auch wegen dem letzten Vers in unserem Text, nämlich: „10Seht zu, dass ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Das bedeutet aber immer noch nicht, dass wir den Engeln deshalb besondere Ehre und sogar Anbetung schuldig sind!
Liebe Gemeinde, in unserem Text geht es aber heute auch noch um einen ganz anderen Aspekt, als die Position der Engel. Es geht hier nämlich auch noch um das Himmelreich und um unseren Status darin! In typisch menschlichem Denken wollen die Jünger in unsrem Text von Jesus wissen, wer von ihnen denn wohl das Sagen dort haben wird! Diese Haltung und Erwartung findet man heute auch noch immer mal sogar unter denen die zur Kirche gehören! Die Tatsache, dass es einige Menschen gibt, die in allem das Sagen haben wollen, hat schon manche Gemeinde und Kirchengemeinschaft kaputt gemacht! Es gibt nämlich wenig was die Mitglieder so schnell mutlos macht, und zum Austritt aus einer Gemeinde und Kirche bewegt, wie, wenn sie das Gefühl haben, dass sie dort nicht ernst genommen werden, und nichts gelten, nur, weil sie nicht zu der Klicke gehören, die in der Gemeinde das Wort führt!
Zur Ermutigung für solche Leute und gleichzeitig zur Ermahnung für die Wichtigtuer bringt Jesus nun in den Versen 2 und 3 dieses Gleichnis. „2Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie 3und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ Damit sagt Jesus uns ganz deutlich, dass es im Himmelreich um etwas ganz anderes geht als um Ansehen und Status! Man kommt nicht da hinein, wenn man sich etwas auf die eigenen Kräfte und das eigene Vermögen einbildet, sagt er! Wir müssen werden wie die kleinen Kinder die total abhängig von ihren Eltern sind! So will Gott es in seinem Reich haben! Aber wir Großen wollen doch so gerne immer selber etwas zu unserem Heil beitragen! Wir nehmen nicht gerne Dinge, die wir zum Leben brauchen als Geschenke an! Und gerade deshalb haben wir auch unsere Probleme mit dem, was Jesus uns hier über das Himmelreich sagt! Aber er bleibt dabei! Im 4. Vers sagt er sogar noch einmal: „Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich.“
Ihr Lieben, Jesus sagt hiermit nicht, dass wir wieder Kinder werden müssen, die mit Spielzeug spielen und an den Weihnachtsmann glauben! Nein! Er will nur, dass wir, wie die Kinder, frei werden sollen von allen eigenen Leistungen. Denn nur so können wir das Geschenk der Erlösung durch seine Gnade auch wirklich bedingungslos von ihm empfangen!
Dann geht es in diesem Gleichnis aber nicht nur um die kleinen Kinder, die uns ein Vorbild für unsre Abhängigkeit von Gott sein sollen. Nein! Es geht auch noch darum, wie wir als Einzelne und als Gemeinde mit ihnen umgehen! An dieser Stelle wird Jesus nämlich im 6. Vers sehr drastisch und, man könnte sogar sagen, grob! Da kennt er keine Gnade, und wir tun gut, wenn wir uns dieses auch zu Herzen nehmen! Es trifft zuerst uns Eltern, und fragt uns, wie wir mit dem Seelenheil unsrer unmündigen Kinder umgehen oder umgegangen sind! Wir haben sie ja einst zur Taufe gebracht, und haben dort vor dem Altar sogar versprochen, dass wir sie christlich erziehen und unterrichten werden! Aber, halten wir denn in der Regel jeden Tag mit ihnen mindestens eine Andacht? Oder haben die Fernsehprogramme und der Arbeitsdruck bei uns im Haus das Sagen? Lehren wir sie das Beten und beten wir auch regelmäßig mit ihnen und für sie? Sorgen wir denn dafür, dass sie am Sonntag regelmäßig hier in der Kirche sind, um den Segen des Gottesdienstes mit zu bekommen? Und, helfen wir ihnen denn freudig beim Lernen für den Religionsunterricht, oder klagen und stöhnen wir nur immer darüber, dass sie sooo viel sie zu lernen haben?
Liebe Brüder und Schwestern, es ist ein Segen Gottes, wenn Eltern ihren Kindern die Liebe zu ihrem Heiland, zur Kirche, zum Gottesdienst und zur Gemeinde rechtzeitig beibringen! Genau so ist es ein Segen, wenn die ganze Gemeinde sich über die Kinder in ihrer Mitte freut, und sich ihrer im Gebet annimmt! Es ist heutzutage nämlich nicht mehr so leicht, als Kind und Jugendlicher durchs Leben zu kommen, wie früher! Damals konnte man höchstens beim Spielen mal hinfallen und sich Weh tun! Man konnte sich vielleicht sogar den Arm brechen, aber das ist alles wieder geheilt! Heutzutage ist da unendlich viel mehr Druck auf den Kindern, angefangen beim Leistungsdruck in der Schule und beim Sport! Was tragen wir als Eltern vielleicht dazu bei? Dann haben schon junge Kinder es auch oft mehr oder weniger direkt mit dem Teufel zu tun, wenn er sie mit allen möglichen Dingen, denen sie längst noch nicht gewachsen sind, in Versuchungen führen will! Das kann sehr leicht bleibenden Schaden verursachen, wodurch sie zum Abfall kommen können! Deshalb haben die Kinder und ihre Eltern, heutzutage umso mehr das Gebet der ganzen Gemeinde um den Schutz Gottes, sehr nötig!
Ihr Lieben, möge Gott uns immer wieder seine Gnade schenken, damit wir dankbar werden für all das Gute, dass er durch seine Engel auch für uns tut! Möge er es geben, dass wir unsrer Verantwortung in seinem Reich auch in aller Bescheidenheit nachgehen! Und möge er uns helfen, damit wir auch die kleinen Bürger in seinem Reich nicht übersehen oder zur Seite schieben. Amen.
Wir beten: Lieber Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für den Dienst deiner Engel an den du uns heute wieder besonders erinnern lässt. Gib auch, dass wir alle zusammen mit den Engeln dich loben werden in der Ewigkeit. Du willst uns alle mit dabei haben; Klein und Groß, Reich und Arm. Schenk uns den Mut klein zu werden vor dir, damit wir auch in dein ewiges Reich eingehen können! Das bitten wir im Namen Jesu. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.
17. Sonntag nach Trinitatis (Freiheit eines Christenmenschen)
Wochenspruch
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.
1. Johannes 5, 4b
Introitus – Nr. 58 (Psalm 86, 9 u 5)
Epistel
Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet. Denn die Schrift spricht: „Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.” Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. Denn „wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden.” Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht: „Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!” Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht: „Herr, wer glaubt unserm Predigen?” So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.
Römer 10, 9 – 17
Hauptlied
Such, wer da will, ein ander Ziel 285
Evangelium
Jesus ging weg von Genezareth und zog sich zurück in die Gegend von Tyrus und Sidon. Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.
Matthäus 15, 21 – 28